Hannover Aktionstag gegen BW + Sommerbiwak

Antimilitarismus in Hannover 23.08.2008 20:30 Themen: Militarismus
Am 22. August fand in Hannover zum 35. Mal das Sommerbiwak der 1.Panzerdivision statt.
Mit einem antimilitaristischen Aktionstag wurde dieser Propagandaveranstaltung der Bundeswehr
Protest und Widerstand entgegengesetzt.
Nachdem wir letzte Nacht nur einen ganz kurzen Überblick über die Demos geliefert haben, wollen wir nun nochmal ein Wenig ausführlicher berichten und eine erste Bewertung wagen.
Im Rahmen des Aktionstages fanden zwei Demonstrationen statt.
In den letzten Jahren wurde zum HCC hin demonstriert und vor Ort war man gezwungen auf den mit Hamburger-Gittern abgesperrten Theodor Heuss Platz zu laufen.
Deshalb startete die erste Kundgebung um 17 Uhr diesmal direkt vor Hannovers Congress Centrum (HCC), in dem die Panzerfreund_innen feierten. Damit sollte Allen, die nicht in diesen Gitterkäfig laufen wollten, die Möglichkeit eröffnet werden auch außerhalb des offiziellen Kundgebungsplatzes aktiv zu werden.
Das Ziel das kleinere Gruppen von Demonstrant_innen auch an den Zufahrtswegen, Parkplätzen und Bahnstationen Biwakgäste beschimpfen und belästigen konnten, wurde erreicht.
Trotz Regen beteiligten sich mit über 400 Leute (laut Bullen 350) ungefähr doppelt so viele Menschen an der ersten Kundgebung und der anschließenden Demonstration als im letzten Jahr.
Sehr erfreulich fanden wir auch, dass sich dieses Jahr sehr viele Einzelpersonen und Gruppen vorher Aktionen überlegt hatten.
So gab es rund um den Kundgebungsplatz z.B. jede Menge Transparente, Lärm, Parolenschnipsel, Schilder und blutverschmierte Körperteilimitate.
Nachdem die Militärs und ihre Gäste unter Pöbeleien, Schnippselregen etc. bei ihrem Sommerbiwak angekommen waren, demonstrieren wir lautstark entlang des Stadtparks.
Erst am Morgen hatte das Oberverwaltungsgericht unsere Demonstrationsroute auf der Clausewitzstr. entlang des Stadtparks bestätigt.
Bemerkenswert waren Nachmittags außerdem einige neue "Sicherheitsvorkehrungen".
So wurde der Hauptanreiseverkehr entgegen der letzten Jahre nicht entlang des Theodor Heuss Platzes abgewickelt, es kamen kaum Gäste per Bahn und der Eingang zum Sommerbiwak war vom Haupteingang des HCC zu einem der Nebeneingänge verlegt worden.
Beim gesamten Biwak sind über 6.000 Gäste anwesend, entgegen der letzten Jahre kamen aber höchstens einige hundert davon entlang unserer Kundgebung.
Auch wenn wir dadurch erstmal weniger die Möglichkeit hatten richtig viele Biwakgäste zu belästigen, ist es schon ein schönes Sinnbild, dass sich die Panzerfreund_innen nur noch heimlich durch den Nebeneingang trauen.
Genau dieses Bild wird sich auch den Biwakbesucher_innen eingeprägt haben, zumal unsere gesamte Demoroute entlang des Stadtparks mit Hamburgergittern abgesperrt war und rund um den Stadtpark hunderte Bullen rumlungerten.
Das das Biwak nur unter massiven Polizeischutz stattfinden kann und die Kriegstreiber_innen
sich nur noch durch den Nebeneingang trauen, konnte eigentlich Niemand übersehen.
Wir können uns auch Nachmittags noch deutlich mehr vorstellen, trotzdem denken wir, dass die erste Kundgebung dieses Jahr wesentlich besser genutzt wurde.
Auch wurde es geschafft die Biwakgäste aus ihrer Selbstverständlickeit, mit der sie die 1. Panzerdivision abfeiern, zu reißen.

Nach einer Unterbrechung zum Kräfte tanken, essen und neue Aktionen planen, demonstrierten ab 22 Uhr erneut ca. 250-300 Menschen zum Stadtpark.
Trotz strömenden Regens gab es eine lautstarke Kundgebung vor dem Congress Centrum.
Wieviele Aktionen neben den Demos/Kundgebungen noch stattfanden, können wir nicht wirklich beurteilen. Zumindest waren überall rund ums HCC zig, sehr laute Sirenen zu hören.
Und einige Abreisende wurden in Bahnen oder an Taxiständen genervt.
Insgesamt muss man aber sagen, dass der Abend sehr viel mehr Potenzial hat.
Die Taktik der Bullen, mit einer riesigen Überzahl und durchgängigen Spalier die Dynamik zu ersticken ist leider relativ gut aufgegangen. Das alle bei der Ankunft am HCC schon klitschnass waren hat sicher auch nicht dazu beigetragen, dass noch allzuviele motiviert waren noch was zu machen.
Soweit wir wissen, wurden am Abend 8 Personen in Gewahrsam genommen und am frühen Morgen entlassen.
Anzeigen gab es ,soviel wir wissen während des gesamten Tages, gar keine.

Auch wenn insgesamt noch wesentlich mehr laufen könnte, war dieser Aktionstag für die antimilitaristische Bewegung in Hannover ein Schritt nach vorne, auf den sich aufbauen lässt.
Der ansteigende Trend der Teilnehmer_innenzahlen der letzten Jahre hat sich fortgesetzt.
Es gab sehr viel mehr Leute die sich selbstständig Aktionen ausgedacht haben.
Die Bullen waren gezwungen massiv Verstärkung aus anderen Städten anzufordern.
Mit der Abenddemo wurde eine neue Erfahrung gemacht und Einschätzungen gewonnen, auf deren Grundlage wir nun Konzepte für das nächste Jahr entwickeln können.
Nicht vergessen werden sollte auch, dass der antimilitaristische Aktionskreis Hannover ein sehr breites Bündnis von autonomen/linksradikalen Gruppen bis hin zu Gruppen der Friedensbewegung, Attac und der Linkspartei ist. Diese Bündnis hat alle Spaltungsbestrebungen die es im Vorhinein gab, entschieden zurückgewiesen.
So wurde es z.B. geschafft aus dem Versuch der Stadt unsere Veranstaltung zu behindern, indem sie uns die gemieteten Räume wieder kündigte, in die Offensive zu kommen. Im Gegensatz zu den letzten Jahren gab es schon ab zwei Wochen vor dem Biwak sehr viel Presse.
(An diese Stelle sei dem Pavillon für die Bereitstellung von Ersatzräumlichkeiten gedankt.)
Die 1. Panzerdivision ist in Hannover mittlerweile soweit geächtet und die Zusammenarbeit mit ihr soweit aus der Normalität gerissen, dass ein öffentlicher Rechtfertigungsdruck aufgebaut werden konnte.
Zum Beispiel sehen wir es auch als einen deutlichen Erfolg, dass die mitregierenden Grünen im Stadtrat dem Koalitionspartner SPD die Verantwortung für die Patenschaft der Stadt Hannover mit der 1. Panzerdivision zuschieben.
Bei der Marktkirche hat dieser Druck dazu geführt, dass das alljährliche Adventskonzert der 1. Panzerdivision zukünftig nicht mehr stattfindet. siehe  http://de.indymedia.org/2008/08/224315.shtml
Um auch das Sommerbiwak zukünftig zu verhindern, wird der Druck wohl noch größer werden müssen. Aber man kann ja auch nicht erwarten das alles, wie im Falle der Marktkirche, so schnell klappt.
Wir haben definitiv einen langen Atem und werden weiterhin überall dort auftauchen, wo die 1. Panzerdivision sich in die Öffentlichkeit traut.
Nächstes Jahr ist wieder Sommerbiwak und wir würden uns sehr freuen - wenn keine Camps gleichzeitig stattfinden - dann auch noch mehr Leute von Außerhalb zu begrüßen.
Wir schicken hiermit aber selbstverständlich auch solidarische Grüße nach Hamburg.

Deutschlands Kriegsfähigkeit sabotieren!
Kein Frieden mit der 1. Panzerdivision!
Bundeswehr in Hannover und überall sonst wegtreten!


Wir haben leider im Moment noch keine eigenen Bilder. Wir ergänzen die später. Jede_r der_die selber (öffenlichkeitstauglich gemachte) Bilder hat ergänze diese doch bitte.

Hannovers antimilitaristische Homepage:
 http://antimilitarismus.blogsport.de

Längerer Hintergrundartikel zur Transformation der Bundeswehr und Widerstadspraxis:
 http://de.indymedia.org/2008/08/223688.shtml

Truppen raus aus Afghanistan! Demo 20. September in Berlin und Stuttgart:
 http://www.afghanistandemo.de/

Nato Gipfel in Staßburg/Kehl verhindern:
 http://natogipfel2009.blogsport.de/
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Ergänzungen

bilder

Aaron 23.08.2008 - 22:47
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Soldaten entdeckt

- 23.08.2008 - 23:21
Der Aaron hat doch glatt ein Bild vergessen. Es zeigt wohl Besucher der Bundeswehr-Veranstaltung an einer Straßenbahn-Haltestelle während die Demonstration vorüberzieht.

fotos direkt

kopierer 24.08.2008 - 14:03
fotos

CopUntersätze gesmasht

BWstinktnachFisch 24.08.2008 - 18:16
Nach der 22Uhr Demo konnten noch einige der fahrbaren Untersätze, mit denen die die Kriegstreiber schützenden Roboter angereist waren, in ihrer Funktionstüchtigkeit erheblich eingeschränkt werden. Sie parkten schlecht bewacht abseits in der Nähe des Stadions.

Wer zündelt...

hahaha 25.08.2008 - 15:25
Wie heute der lokalen Presse zu entnehmen ist, gib es nun doch einige Anzeigen im Zusammenhang mit dem Sommerbiwak. Allerdings aus einer überraschenden Richtung.
Schon die letzten Jahre gab es immer wieder Beschwerden der Anwohner über die Lautstärke des Feuerwerks. Dieses Jahr hat nun einer der Anwohner Lautstärkemessungen durchgeführt und festgestellt, dass eklatant gegen gesetzliche Lärmschutzvorgaben verstoßen wird.
Deshalb will er nun den Pyrotechniker, die Bundeswehr und Kriegsminister Jung, der das Feuerwerk höchstpersönlich zündete, verklagen.

Ein breites Grinsen kann man sich da wohl kaum verkneifen...

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