Diverse Soliaktionen für TR-Gefangene(Öster.)

hjdfhadkghpt 11.08.2008 17:43 Themen: Repression Weltweit
Seit dem 21. Mai sitzen in Österreich 10 TierbefreierInnen und TierschützerInnen in Untersuchungshaft, da ihnen die Bildung einer Kriminellen Organisation nach § 278a des öster. stgb vorgeworfen wird - sie sollen diverse direkte Aktionen gegen Tierausbeutungs-Institutionen durchgeführt haben. Bisher fehlt jede konkrete Beschuldigung und die Betroffenen schmorren seit dem in der Haft, während "draußen" ständige und engagierte Untersützungsarbeit geleistet wird.
Im Zuge der Soliaktionen und im Hinblick auf die am 11.9.2008 stattfindenden Verhandlungen über eine eventuelle Haftverlängerung wurde eine (deutschsprachige) Unterschriftenaktion für die Freilassung der Betroffenen gestartet. Informationen finden sich u.a. auf:
 http://vegan.de/foren/read.php?90,415161,415161#msg-415161

(jaja, das forum ist scheisse, ich weiß... ;) )


Desweiteren fand neben den regelmäßig stattfindenden Solidemos eine Demonstration der Eltern der Betroffenen statt, welche die Freilassung ihrer Kinder forderten.

Auch aus dem militanten Flügel der Tierbefreiungsbewegung gab es Unterstützungsaktionen, so befreiten bspw. Australische AktivistInnen befreiten 13 Hühner während einer "offenen Befreiung"
 http://directaction.info/news_jun23_08.htm

Auf einer Pelzfarm bei Kiel wurden 2000 Nerze freigelassen:
 http://directaction.info/news_july23_08.htm

5 Hennen wurden in Tschechien im Rahmen einer offenen Befreiung befreit:
 http://directaction.info/news_july31b_08.htm

Einer der Gefangenen hat überdies einen sehr bewegenden Brief aus dem Knast geschrieben, der hier in voller Länge zum Abschluss zitiert wird:

Die Nacht in der Zelle

Zum Schlafengehen nehmen viele Gefangene Schlafmittel. Um 22 Uhr öffnet sich die Klappe an der Stahltür und die Wachen reichen die Tabletten herein. Man muss sie vor ihren Augen schlucken, sodass man sie nicht aufsparen kann und dann in der Menge benutzen kann, um für immer zu entschlafen. Der Selbstmord ist hier stets gegenwärtig.

Ich nehme keine Tabletten. Um 22 Uhr werde ich müde und schlafe rasch ein. Nicht ohne Angst, weil ich weiß was jetzt passieren wird. Unweigerlich nutzt mein Geist die ersten paar Stunden Schlaf, um sich aus der Zelle zu entfernen. Ich bin frei, und die Gefangenschaft, das vergitterte Fenster, die ewig gleiche Wand neben meinem Bett – alles nur ein Traum. Doch es gibt ein böses Erwachen. Jede Nacht. Unweigerlich.

Um ca. 3 Uhr wache ich auf, jedesmal mit der Erleichterung, dass die ewige Gefangenschaft, das monatelange an-die-Wand-starren, nur ein Traum war. Doch es ist umgekehrt. Jedesmal, wenn ich um 3 Uhr früh die Augen öffne, und sie sich langsam ein Bild machen, realisiere ich, Schritt für Schritt, dass ich immer noch da bin, wirklich da bin. Das schiere Entsetzen befällt mich dann, und füllt mich aus. Der Mund wird trocken und mein Herz zerfällt. Jetzt ist an Schlaf nicht mehr zu denken. Ich stehe auf, lege mein Gesicht an das engmaschige Gitter und starre hinaus in diesen unwirklichen Hof. Die Wände sind auf jeder Seite mit 7 Scheinwerfern beleuchtet, die alles in grell- weißes Licht tauchen, das bis in die Zelle reicht. Dazwischen überall Kameras und Wachtürme. Einfach grauenhaft und unmenschlich. Langsam und leicht rinnen mir die Tränen über die Wangen, wie Sommernieselregen, den ich schon seit Monaten nicht mehr spüren durfte. Wenigstens ist mir die Stille und Einsamkeit gegönnt, mitten in einer Zelle voller Häftlinge, für mich allein leise zu weinen.

Wieder ist der Abgrund so deutlich zu spüren, der Tod so nah. Und kein Lebenswillen. In diesen schrecklichen Mauern gibt’s kein Leben.

Ich gehe leise in der Zelle auf und ab, 3 Schritte bis zur Wand und wieder zurück. Ich versuche alle Gedanken abzuschütteln, möchte in der monotonen Bewegung Sicherheit finden, wie jedes verzweifelte Tier im Käfig. Ich leg mich wieder ins Bett und starre an die Decke über mir, wie schon seit Monaten. Die Flutlichter im Hof werfen die ewig gleichen Schatten der Fenstergitter an die Wand. Die ewiggleiche, lebensfeindliche Unbeweglichkeit. Werde ich hier jemals rauskommen? Wieder ein Gedanke, den ich nicht zulassen darf.

Die Stunden verrinnen. Es gibt keinen Horizont für mich anzuschauen, nur Mauern. Aber langsam verändert sich der Himmel. Um 5:30 Uhr erscheint die Sonne hinter meinem Fenstergitter direkt durch die Stacheldrahtverhaue auf den Mauern hindurch. Mir graut vor dem Morgen. Mir graut vor einem weiteren Tag an diesem anus mundi, am Ende der Welt.

Freiheit

Durch mein vergittertes Fenster kann ich in den Hof hinunterschauen. Das Gitter ist aber kein normales Fenstergitter, es ist so dicht und kleinmaschig, dass gerade noch ein Orangenkern durchpasst. Dadurch ist es nicht nur immer ziemlich dunkel und düster in meiner Zelle, ich bin auch vom Leben draußen getrennt. Und da sprech ich noch gar nicht von Freiheit, die sich irgendwo hinter diesem hohen Stacheldraht bewährten Mauern befindet. Nichts von der Freiheit kann ich sehen. Keinen freien Menschen, keine Autos, keine Häuser, nur die immergleichen Steinwände. Sie sind seit Monaten meine Welt. Nicht nur. Ich muss an Rosa Luxenburg und ihren Bericht aus der Gefängniszelle denken. Tauben. Die einzigen freien Wesen, zu denen ich laufend Kontakt habe. Gerade sitzen sie wieder oben auf meinem Fenstergitter und gurren. Mein Gitter sei deswegen so engmaschig, weil die Insassen hier alle mit den Tauben Freundschaft schließen und sie füttern. Durch das engmaschige Gitter geht das nicht mehr. Der letzte direkte Kontakt zu freien Wesen ist dadurch gekappt.
Die Sonne geht auf, streicht über den Himmel, geht unter. Wie spät ist es? Egal. Es scheint mich nichts mehr anzugehen. Ich starre an die gleichen, strukturlosen Wände. Monatelang.

Die totale Verzweiflung über das Getrenntsein von den geliebten Menschen

Ich wollte mich nicht mehr umsehen, als mich die Beamten zum Auto brachten. Aber ich hörte ein Klopfen aus dem Schlafzimmerfenster und drehte mich doch noch einmal um. Ich sah Noah aus dem Fenster schauen und mir winken. Ich winkte traurig zurück, versuchte die Tränen zu unterdrücken…. Auch einer der Polizisten winkte Noah, ich kann nicht ausdrücken, wie sehr mich diese Heuchelei wütend machte und verletzte.

Das war der letzte Tag an dem ich meine Familie, die ich so liebe, festhalten und küssen konnte. Seit 2 Monaten sehen wir uns nur noch alle 2 Wochen. Getrennt durch eine Glasscheibe. Ohne Berührungen, ohne Küsse… es macht mich wahnsinnig, daran zu denken. Vor noch 2 Monaten, dachte wohl noch niemand, dass meine Gefangenschaft so lange dauernd könnte… Wie lange werde ich noch von meiner Familie getrennt sein müssen? Wie lange wird meinen Kindern noch der Vater, meiner Frau der Ehemann weggesperrt? Woher weiß ich, dass dieselben unbegründeten Beschuldigungen und Vermutungen welche jetzt schon seit 2 Monaten eine Untersuchungshaft rechtfertigen, nicht auch eine Verurteilung rechtfertigen?

Die Angst, meine Familie zu verlieren macht mich krank!

Ist dem Staatsanwalt und den RichterInnen die dramatische Tragweite seines Handelns bewusst? Wissen die, was sie vielleicht gerade zerstören? Meine Kinder brauchen ihren Vater. Meine Ehefrau braucht ihren Lebenspartner. Ich brauche meine Familie! Ich habe Angst.

Bitte vergesst mich nicht. Heute, anlässlich meiner 2 monatigen Gefangenschaft, schaute ich mir alle Fotos von Karin und den Kindern an, die ich geschickt bekam. Fotos von den Kindern und bei mir zu Hause, als unser Leben noch ein Leben war. Fotos von meiner wunderschönen Ehefrau, die ich so unsagbar liebe. Fotos von meiner Frau und unseren Kindern auf Solidaritätskundgebungen zu meiner Freilassung. Sie tragen T-Shirts mit der Aufschrift „free chris“. Die Betrachtung der Fotos meiner Lieben endet in einem Tränenbad.

Ich kann nicht mehr, Verzweiflung und Angst fressen mich auf… Die Fotos meiner Familie auf den Solidaritätskundgebungen bestätigen mich: Meine Frau ist eine extrem starke Person. Allein mit 3 Kindern in dieser Situation. Auch meine Kinder sind stark. Wie lange hält die Stärke der versuchten Zerstörung stand? Unsere Familie, unser Leben soll zerstört werden, wie lange halten wir das durch? Niemand konnte meine Familie vor der Willkür des Staates schützen. Niemand weiß, wie lange ich noch gefangen gehalten werde. Ich habe Angst, meine Familie und mein Leben zu verlieren. Noah, Samuel, Talia und Karin, ich liebe euch so sehr! Ich vermisse euch so sehr! Denkt an mich! Vergesst mich nicht! Bleibt stark und haltet durch!

… Den Sommer haben Sie uns bereits fast vollständig gestohlen. Wann werden wir uns wieder sehen können? Ohne Trennscheibe zwischen uns? Ohne Schreibtischtäter der/die unsere Gespräche mitlauscht? Wann kann ich euch wieder in die Arme schließen? Euch küssen? Bei euch sein? Immer!!! Zuhause. In unserem Leben.

Wie geht es den Personen, die so etwas zu verantworten haben dabei? Eine Familie zerrissen! Traumatisiert! 3 kleine Kinder, eine glückliche Beziehung! … das läuft Gefahr, zerstört zu werden! Wie lange noch? Wie lange noch werden täglich tausende Tränen auf die Fotos von meiner Frau und meinen Kindern fallen? Ich liebe euch so sehr! Bitte haltet durch! Ich bemühe mich auch! Ich vermisse euch! ….. 2 Monate ohne Berührung und Küsse.

Bitte vergesst mich nicht. Ich denke an euch. Ich träume von euch! - jeden Tag. Ich liebe Euch! … ich hoffe auf die Vernunft der Verantwortlichen …. Hoffen, glauben tu’ ich nicht mehr daran! Haltet durch, helft zusammen, ich liebe Euch!
Creative Commons-Lizenzvertrag Dieser Inhalt ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 5 Kommentare

...befreiung jetzt!

sven 11.08.2008 - 23:08
ich finde es gut wie viel solidarität hier auf indy
zu finden ist. aber! ist euch nicht auf gefallen,
dass es gar keine soliaktionen von nichtmenschlichen
tieren gibt. nicht das ich sagen würde, dass die um
die es geht sich besonders hervortun müssen aber
ein bisschen mehr aktivität wäre schon zu erwarten.
deswegen hier der aufruf an alle nichtmenschlichen
tiere. rafft euch auf, mach bunte spassige aktionen
(gleiches gilt natürlich auch für die menschlichen
tiere hihi)

viel paua in den knast!!

ich habe

selten... 12.08.2008 - 21:27
solch einen bewegenden und mitreißen, gleichzeitig so einen emotionalen brief gelesen. ich hoffe ihr versteht den ernst der lage, die kraft des repressionsaparrates. wehrt euch und seid solidarisch mit denen, die für eine bessere welt kämpfen!

@sven und alle

... 13.08.2008 - 11:00
Der Aufruf zu Solidarität ist gut und wichtig.

Aber ich finde es bedenklich, wenn die Erwartungshaltung besteht, dass diejenigen, für deren Nicht-Ausbeutung mensch sich einsetzt, sich doch "revanchieren" sollten. Solidarität und Einsatz für aandere sollten nicht aus der Erwägung einer Gegenleistung heraus stattfinden, dann sind sie nichts als Heuchelei...

Sollte das Ganze nicht ernst gemeint gewesen sein, verstehe ich es nur als Diffamierung des Tierbefreiungsgedankens, der dann wohl nicht verstanden worden ist...

???

mali 13.08.2008 - 17:19
bin erst durch die repression auf die tierrechtsaktion gestossen.aber was meint ihr mit aktionen der "nichtmenschlichen tiere´". soll jetzt hund, hahn , katze und esel aus solidarität ne kundgebung machen, oder laut bellend oder miauend vor den knast ziehen.oder brauchen die doch einen leitwolf?
Hört sich blöd an, aber nichts anders kann ich aus manchen kommentaren herauslesen. Schade daß eine unterstützendswerte Aktion solche UnterstützerInnen(?) hat.

Solidarität!

Ww 13.08.2008 - 21:28
der Brief ist wirklich sehr bewegend und es wird Zeit, dass die Leute endlich wieder rauskommen. Das System ist verbrecherisch; nicht der Kampf dagegen, in dem Sinne Solidarität an die inhaftierten AktivistInnen; kleine Helden, die wir viel, viel mehr bräuchten. Lasst euch nicht unterkriegen und bewahrt eure Liebe; sie ist das wichtigste und schönste, was wir haben und was wir als radikale Linke haben sollten.