Oaxaca: Interview mit VOCAL (Teil 1)
Interview mit einer Sprecherin von VOCAL.
Aufgezeichnet am 15.03.2008 in Oaxaca City, Mexiko.
Teil I: Selbstdarstellung von VOCAL
Aufgezeichnet am 15.03.2008 in Oaxaca City, Mexiko.
Teil I: Selbstdarstellung von VOCAL
LIBERTAD-BLOG:
Kannst du mir als Angehörige dieses Kollektivs sagen, was "VOCAL" bedeutet, was diese Gruppe so macht, seit wann sie existiert, warum sie sich gegründet hat?
VOCAL:
Ja, also wir sind [organisiert in?] ein[em] Raum, einem permanent in Konstruktion befindlichen Raum. Und was die Buchstaben bedeuten ist "Voces Oaxacenas Construyendo Autonomía y Libertad" ("Autonomie und Freiheit konstruierende Stimmen Oaxacas",d.Ü.). Dieser Raum entstand letztes Jahr (2007,d.Ü.), am 8.März veröffentlichten wir unsere erste Erklärung, die uns als Raum und als Personen identifizierte. Das war vor einem Jahr. Klar, Reden gab es schon etwas vorher, aber der 8. März ist der Moment als man öffentlich Notiz nahm.
Von da an...nun, da wir hier viele Genossen vereinen haben wir in einiger Hinsicht ideologische Differenzen, es gibt keine Einheitsmeinung darüber, wie wir den Kampf sehen, wie man dazu am Besten beiträgt und auch in bestimmten Situationen haben wir unterschiedliche Einschätzungen. Wir denken, dass wenn wir einen wirklichen Wechsel, eine bessere Welt wollen, müssen wir über die Gemeinsamkeiten arbeiten und trotz dessen, dass es in manchen Situationen diese Übereinstimmungen nicht gibt. Weil gerade, wie wir festgestellt haben, einige Genossen nur mit Genossen reden oder arbeiten, die die gleiche Meinung haben, und nur über sich selbst, da sie alleine sind.
Wo man anfängt zu glauben, dass nur einer zu sprechen hat, oder nur einer wisse, wie der Weg zu einer besseren Welt sei, da haben wir beobachtet, dass große Fehler begangen werden – Fehler, die als Konsequenz auch viele Formen eines manchmal unversöhnlichen Umgangs nach sich ziehen, die auch die Regierung anwendet.
Wir sind also am 8. März öffentlich vor der Bevölkerung in Erscheinung getreten, in einer Demonstration, wo wir unsere Erklärung veröffentlichten, was uns ausmacht, wer wir sind. Und wer wir sind? Nun, man könnte sagen wir sind eine Gruppe von Jugendlichen – in der Mehrzahl Jugendliche – , Studierende, einige schon mit Familie, einige schon mit Hochschulabschluss. Aber obwohl wir in diesem Rahmen gelebt haben, wo das System uns unsere Erziehungsform vorgegeben hat, dass Einige eine Ausbildung haben und Andere nicht, gehen wir für unsere Organisation nicht davon aus, sondern von unserer eigenen Form des Denkens. Dabei lassen wir beiseite, wie die Schule uns geformt hat, oder uns glauben machen wollte wer wir seien – wir sind von einer anderen Sache ausgegangen, und haben das, was die Schule uns gesagt hat, völlig links liegen lassen.
Wir arbeiten also hauptsächlich an den Gemeinsamkeiten, wobei wir die Arbeit in verschiedene Ausschüsse aufgeteilt haben: Zu Gefangenen , zu Projekten der Selbstverwaltung – Dort geht es hauptsächlich um alternative Technologien, wie wir gegen diese Mega-Projekte kämpfen können, die Einige der Gesellschaft, den Gemeinden und Allen hier auferlegen, die wir aber nicht verstehen können. Es geht dabei um alltägliche Praktiken und darum, das den Leuten nahe zubringen. Auch gibt es Situationen, wo einige selbst verwaltete Projekte durchgeführt werden, davon ausgehend, dass wir unsere eigene Form der Selbstverwaltung benötigen.
Weil momentan fallen wir als Land in eine völlige Abhängigkeit von Außen. Unsere Souveränität, Ökonomie, Ernährung – alles hängt von Außen ab. Es geht also darum, wie wir uns in unserer alltäglichen Praxis selbst organisieren können, und das auch auf Größeres anwenden. Ich beziehe mich hier auf die Gemeinden und das Teilen der Ideen. Das ist also einer der Ausschüsse.
Es gibt auch eine Kommission der Stimme und Kommunikation. Die widmen sich hauptsächlich der Suche nach und der Stärkung von alternativen Medien, die wir erschaffen können. Wir wissen, dass dies eine Waffe ist, die die Regierung immer gegen uns benutzt, und wir haben die Kommunikationsmedien nicht. Es geht also darum, wie wir unsere Eigenen schaffen, und die Projekte die es schon gibt arbeiten auf verschiedene Weise.
Ebenfalls gibt es den Vernetzungs-Ausschuss, der sich darum kümmert die Beziehungen zu den anderen Companeros nicht zu verlieren, da eine Sache die wir festgestellt haben die Zersplitterung und Regionalisierung des Kampfes ist, dass jeder nur noch für sich selbst kämpft, und das ist ein ernsthaftes Problem. Das ist die Stärke dieser Kommission, uns konstant mit Informationen über unsere Companeros zu versorgen, nichts zu verlieren, um uns nicht zu isolieren. Es sind viele Sachen, die wir machen wollen, und wir sind nicht besonders viele Leute, aber wir glauben dass wir damit vorwärts kommen.
Und dann ist da noch der Ausschuss zu den Gefangenen, von dem ich vorher sprach. Dieser arbeitet hauptsächlich direkt mit den inhaftierten Companeros zusammen. Was wir tun können ist an sie heranzutreten, um dann zu sehen, wie wir sie unterstützen können. Sowohl wir sie, als auch sie uns. Wir haben gerade wenigstens die Freiheit eines unsrer Companeros erreicht (David Venegas Reyes, d.Ü.). In diesem Fall bleibt uns Folgendes: Als wir ihn lebendig sahen, als jemanden dem man Nahe steht, als Geliebter der im Knast sitzt, führt uns das trotz Allem vor Augen, dass der Kampf um Freiheit nicht personenbezogen sein kann. Wir müssen das gemeinsam machen, ansonsten wird uns die Regierung immer im Knast halten.
Fortsetzung folgt....
Teil II: Die Beziehung zwischen VOCAL und APPO (Asamblea popular de los pueblos de Oaxaca)
Teil III: Politische Gefangene in Oaxaca
Teil IV: Aktuelle Situation in Oaxaca – Repression und Widerstands
Teil V: Aussicht und Einschätzungen
Bei Interesse am kompletten Audio-Interview im mp3-Format einfach per email schreiben.
Letzte Postings zum Thema:
Oaxaca: Solidarität erbeten:
http://de.indymedia.org/2008/07/221767.shtml
Forum "Politische Gefangene" in Oaxaca City
http://de.indymedia.org/2008/03/210859.shtml
(Das obige Interview wurde im Rahmen dieses Forums aufgezeichnet)
Homepage von VOCAL:
http://vocal.lahaine.org/
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Libertad-Blog: Lateinamerika - Ein Reisetagebuch
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Kannst du mir als Angehörige dieses Kollektivs sagen, was "VOCAL" bedeutet, was diese Gruppe so macht, seit wann sie existiert, warum sie sich gegründet hat?
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Ja, also wir sind [organisiert in?] ein[em] Raum, einem permanent in Konstruktion befindlichen Raum. Und was die Buchstaben bedeuten ist "Voces Oaxacenas Construyendo Autonomía y Libertad" ("Autonomie und Freiheit konstruierende Stimmen Oaxacas",d.Ü.). Dieser Raum entstand letztes Jahr (2007,d.Ü.), am 8.März veröffentlichten wir unsere erste Erklärung, die uns als Raum und als Personen identifizierte. Das war vor einem Jahr. Klar, Reden gab es schon etwas vorher, aber der 8. März ist der Moment als man öffentlich Notiz nahm.
Von da an...nun, da wir hier viele Genossen vereinen haben wir in einiger Hinsicht ideologische Differenzen, es gibt keine Einheitsmeinung darüber, wie wir den Kampf sehen, wie man dazu am Besten beiträgt und auch in bestimmten Situationen haben wir unterschiedliche Einschätzungen. Wir denken, dass wenn wir einen wirklichen Wechsel, eine bessere Welt wollen, müssen wir über die Gemeinsamkeiten arbeiten und trotz dessen, dass es in manchen Situationen diese Übereinstimmungen nicht gibt. Weil gerade, wie wir festgestellt haben, einige Genossen nur mit Genossen reden oder arbeiten, die die gleiche Meinung haben, und nur über sich selbst, da sie alleine sind.
Wo man anfängt zu glauben, dass nur einer zu sprechen hat, oder nur einer wisse, wie der Weg zu einer besseren Welt sei, da haben wir beobachtet, dass große Fehler begangen werden – Fehler, die als Konsequenz auch viele Formen eines manchmal unversöhnlichen Umgangs nach sich ziehen, die auch die Regierung anwendet.
Wir sind also am 8. März öffentlich vor der Bevölkerung in Erscheinung getreten, in einer Demonstration, wo wir unsere Erklärung veröffentlichten, was uns ausmacht, wer wir sind. Und wer wir sind? Nun, man könnte sagen wir sind eine Gruppe von Jugendlichen – in der Mehrzahl Jugendliche – , Studierende, einige schon mit Familie, einige schon mit Hochschulabschluss. Aber obwohl wir in diesem Rahmen gelebt haben, wo das System uns unsere Erziehungsform vorgegeben hat, dass Einige eine Ausbildung haben und Andere nicht, gehen wir für unsere Organisation nicht davon aus, sondern von unserer eigenen Form des Denkens. Dabei lassen wir beiseite, wie die Schule uns geformt hat, oder uns glauben machen wollte wer wir seien – wir sind von einer anderen Sache ausgegangen, und haben das, was die Schule uns gesagt hat, völlig links liegen lassen.
Wir arbeiten also hauptsächlich an den Gemeinsamkeiten, wobei wir die Arbeit in verschiedene Ausschüsse aufgeteilt haben: Zu Gefangenen , zu Projekten der Selbstverwaltung – Dort geht es hauptsächlich um alternative Technologien, wie wir gegen diese Mega-Projekte kämpfen können, die Einige der Gesellschaft, den Gemeinden und Allen hier auferlegen, die wir aber nicht verstehen können. Es geht dabei um alltägliche Praktiken und darum, das den Leuten nahe zubringen. Auch gibt es Situationen, wo einige selbst verwaltete Projekte durchgeführt werden, davon ausgehend, dass wir unsere eigene Form der Selbstverwaltung benötigen.
Weil momentan fallen wir als Land in eine völlige Abhängigkeit von Außen. Unsere Souveränität, Ökonomie, Ernährung – alles hängt von Außen ab. Es geht also darum, wie wir uns in unserer alltäglichen Praxis selbst organisieren können, und das auch auf Größeres anwenden. Ich beziehe mich hier auf die Gemeinden und das Teilen der Ideen. Das ist also einer der Ausschüsse.
Es gibt auch eine Kommission der Stimme und Kommunikation. Die widmen sich hauptsächlich der Suche nach und der Stärkung von alternativen Medien, die wir erschaffen können. Wir wissen, dass dies eine Waffe ist, die die Regierung immer gegen uns benutzt, und wir haben die Kommunikationsmedien nicht. Es geht also darum, wie wir unsere Eigenen schaffen, und die Projekte die es schon gibt arbeiten auf verschiedene Weise.
Ebenfalls gibt es den Vernetzungs-Ausschuss, der sich darum kümmert die Beziehungen zu den anderen Companeros nicht zu verlieren, da eine Sache die wir festgestellt haben die Zersplitterung und Regionalisierung des Kampfes ist, dass jeder nur noch für sich selbst kämpft, und das ist ein ernsthaftes Problem. Das ist die Stärke dieser Kommission, uns konstant mit Informationen über unsere Companeros zu versorgen, nichts zu verlieren, um uns nicht zu isolieren. Es sind viele Sachen, die wir machen wollen, und wir sind nicht besonders viele Leute, aber wir glauben dass wir damit vorwärts kommen.
Und dann ist da noch der Ausschuss zu den Gefangenen, von dem ich vorher sprach. Dieser arbeitet hauptsächlich direkt mit den inhaftierten Companeros zusammen. Was wir tun können ist an sie heranzutreten, um dann zu sehen, wie wir sie unterstützen können. Sowohl wir sie, als auch sie uns. Wir haben gerade wenigstens die Freiheit eines unsrer Companeros erreicht (David Venegas Reyes, d.Ü.). In diesem Fall bleibt uns Folgendes: Als wir ihn lebendig sahen, als jemanden dem man Nahe steht, als Geliebter der im Knast sitzt, führt uns das trotz Allem vor Augen, dass der Kampf um Freiheit nicht personenbezogen sein kann. Wir müssen das gemeinsam machen, ansonsten wird uns die Regierung immer im Knast halten.
Fortsetzung folgt....
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Teil III: Politische Gefangene in Oaxaca
Teil IV: Aktuelle Situation in Oaxaca – Repression und Widerstands
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Oaxaca: Solidarität erbeten:
http://de.indymedia.org/2008/07/221767.shtml Forum "Politische Gefangene" in Oaxaca City
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Ebenfalls Danke
aber keine Zeit finden, sich mal an der Basis jeder Politik: Information, Informationsaustausch zum Zweck der Entwicklung von Aktionen/Aktivitäten und kooperativer Konzeptionierung zu beteiligen. Deshalb sind jene wenigen und immer selben Personen (denen der Kopf biswqeilen ganz schön raucht) zeitweilig überbelastet und einem andauernden Gewissenskonflikt ausgesetzt, denn mit ihnen - ob sie nun "Kapazitäten frei haben oder nicht - steht und fällt der Austausch aktueller Information, "... (Deshalb auch meinerseits DANKE für den Artikel)
Aktuelle Information
VERSUCH DIE NATIONALE UND INTERNATIONALE BEOBACHTUNGS,- UND SOLIDARITÄTSKARWANE MIT DEN ZAPATISTISCHEN GEMEINDEN ZU BOYKOTTIEREN
(Wirtschaftskrieg gegen die Ökonomie der EZLN)
cgtchiapas
Am vergangenen 28. Juli startete von México-DF aus die Nationale und Internationale Karawane zur Beobachtung und in Solidarität mit den Zapatistischen Gemeinden in Richtung verschiedener Orte in Chiapas.
Die Karawane besteht aus ca. 300 Personen diverser europäischer Länder sowie TeilnehmerInnen aus den USA, Kanada, Argentinien und Mexiko selbst. Ihr Zweck ist, ihre Unterstützung für die Zapatistischen Gemeinden zu demonstrieren, die in den letzten Monaten immer mehr zum Ziel verstärkter Einfälle der mexikanischen Armee und der verschiedenen Polizeikräfte werden.
In der Nacht zum 31. Juli wurden zwei Busse, die sich mit Mitgliedern der Karawane auf dem Weg in das Caracol de La Garrucha befanden, massiv von den besagten Kräften daran gehindert, sich mit Treibstoff zu versorgen und sämtliche Tankstellen auf ihrem Weg verweigerten ihnen Benzin zu verkaufen. Schliesslich gelang es bei vier der Tankstellen wenigstens 124 der benötigten 310 l zu bekommen. Auf diese Weise wurde erreicht, dass nicht garantiert war, dass sie ihr Ziel auch erreichten.
Weiter wird berichtet, dass die Teilnehmenden der Karawane die gesamte bisherige Fahrt über und ohne ihr Wissen von Personen, die laut ihren Eindrücken in Verbindung mit Militärkräften stehen könnten, fotographiert worden sind.
Bei alle dem handelt es sich um eine weitere Aktion der mexikanischen Regierung mit dem Ziel, jede Art von Initiative öffentlicher Anklagen der alarmierenden Angriffsituation, welche die Zapatistischen Gemeinden derzeit erleben, zu sabotieren.
Die nationale und internationale Presse ist deshalb dazu aufgerufen, den Verlauf der Karawane, die am 12. August beendet sein wird, aufmerksam zu verfolgen.
Quelle:
freie Übersetzung: tierr@
Siehe auch:
Chiapas: Plan Puebla Panamá, Phase 2
Der Plan México
Deutschsprachige Infoseiten:
www.gruppe-basta.de
www.chiapas.ch
Poonal
Informationsstelle Lateinamerika
www.iz3w.org
www.anred.org
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
danke — hey