Antifacamp Weimar/Buchenwald

Pressegruppe Antifacamp 30.07.2008 02:34 Themen: Antifa
Am Sonnabend dem 26.07.08 begann das 20te Antifacamp Weimar Buchenwald.
Was geht?

Wir sind inzwischen ca. 150 Antifaschisten aus dem gesamten Bundesgebiet und einigen aus dem europäischem Ausland.
Neben unserem Wirken gegen den „Abbau des Gedenkens“ und die Verfälschung der Geschichte seitens der Gedenkstätte steht die in den letzten Jahren wieder erstarkende Weimarer Neonazi-Szene sowie die revisionistisch Ignorante Bevölkerungsschicht der so genannten „Dichter und Denker“-Stadt natürlich auch im Mittelpunkt unserer Aktivitäten.
Neben den täglichen praktischen Arbeitsprojekten auf der Gedenkstätte und öffentlichen Lesungen antifaschistischer Texte wird es auch dieses Jahr wieder interessante Veranstaltungen wie Konzerte oder Lesungen und Diskussions- und Zeitzeugenveranstaltungen geben. Für den Rest der Zeit bietet die Stadt Weimar ausreichend Aktionspotential für FreundInnen des praktischen Antifaschismus.

Die vergangenen Tage waren geprägt guten Veranstaltungen, Konzerten, antifaschistischen Aktivitäten, Projektarbeit und trotz dem entspanntem Campleben bei optimalem Wetter.

Gestern fand im nächtlichen Weimar eine erfolgreiche Spontandemo mit ca. 80 Teilnehmern des Antifacamps, gegen die Naziübergriffe der letzen Tage in Marl, Dessau und auf dem Solid-Camp, statt.

Bis zum 02.08.08 ist die Anreise zum Antifacamp möglich.
Zelte und die entsprechenden Campingutensilien bitte nicht vergessen.

Nie wieder Faschismus!
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Ergänzungen

Geschichtsfälschung

Antifa Vreden 30.07.2008 - 10:05
Von seiten der Gedenkstätte wird seit jeher die Selbstbefreiung Buchenwaldes geleugnet. Zum Ende des Krieges schafften es die Insassen des KZ´s die Wächter zu überwältigen und haben sie später den US-Truppen übergeben. So steht es auch in den Berichten von GI´s aus der Zeit. In Frankreich wirds auch so in der Schule gelehrt. In den Zeitungen der Region Buchenwald von 46/47 stehts auch so. Aber für die Gedenkstätte ist es kommunistische Propaganda..........

geschichtsfälschung

$$$ 30.07.2008 - 12:23

liebe antifa verden,
solltet ihr schon auf dem camp sein, so nutzt doch die chance und besucht die gedenkstätte buchenwald und macht euch mal ein eigenes bild und glaubt nicht gleich alles, was euch die camp leitung seit jeher probiert einzbläuen. die ausstellung anzuschauen, dauert ein wenig und lohnt sich.

geneigte besucherinnen der ausstellung, können sehr wohl über den kommunistischen widerstand des lagers buchenwald lernen und erfahren, geleugnet wird hier nichts, nur wird es nicht, wie in der der ddr in jeden 2. nebensatz erwähnt und als selbstbefreiung benannt.
bitte beachtet, dass es nicht nur kommunitische häftlinge im lager gab, die eben nicht so einen funky wiederstand organisiert haben, wie ihr ihn krampfhaft sucht, auch sie müssen erwähnt werden, weswegen es in der ausstellung eben nicht ausschliesslich um den widerstand geht. wenn sich hierfür keine zeit genommen,findet mensch zur strafe auch nichts über den widerstand.

sicherlich, das wort selbstbefreiung könnte öfter auftauchen.

was ihr hier aber anstellt enzieht sich jeglicher ernstzunehmender kritik.
die gedenkstätte und ihre mitarbeiter sind kein homogener zusammenschluss von geschichtsfälschern, der vorhat die selbstbefreiung zu leugnen, es sind historiker und pädagogen, die durchaus diskussionsbereit sind. diskussion findet aber nicht statt, wenn ihr solchen unfundierten müll von euch gebt.
das camp verpasst durch solche langweiligen scholastischen fragen jahr um jahr die chance sich tatsächlich an einer ernsthaften diskussion zu beteiligen und das ist schade, denn linksradikale kritik wird im buchenwaldumfeld immer weniger, aber daran ist das diktatorisch geführte camp selber schuld.


Wer war in Buchenwald ?

Zappa 30.07.2008 - 16:17
Ich war sowohl bei der "Demo" in Weimar, als auch am Tag darauf in Weimar.

Zuerst zur Demo: 80 Teilnehmer halte ich für leicht übertrieben, ich würde eher von 50-60 ausgehen. Die Polizei war nur am Rande vertreten, die Demo konnte sich meiner Ansicht nach frei bewegen.

Zu Buchenwald: In der Ausstellung wird sehr wohl erwähnt, dass es eine Selbstbefreiung gab. Es wird sogar sehr detailiert beschrieben, mit welcher Taktik die Wachtürme besetzt wurden. Wer die Zeit hat, sollte sich auch die Ausstellung zum "Speziallager 2" ansehen, die sich mit der Geschichte des Lagers nach 1945 beschäftigt.

@geschichtsfälschung

war schon mal da... 30.07.2008 - 19:39
Es ist problematisch mit Menschen zu diskutieren, die entweder schlecht vorbereitet oder wissentlich auf der Basis von Unwahrheiten kritisieren.

1. Das Antifacamp ist ein „offenes Antifacamp“. Das heißt, es wird jedes Jahr von einem offenen Vorbereitungskreis vorbereitet. Zusätzlich ist das Antifacamp so strukturiert, dass das oberste Entscheidungsgremium das tägliche „Campplenum“ ist, in dem von allen TeilnehmerInnen alle Entscheidungen diskutiert und beschlossen werden.
Das ist nicht nur jahrelange Praxis, sondern auch deutlich auf der Internetseite des Antifacamps nachzulesen.
Insofern ist der Vorwurf des „diktatorisch geführten Camps“, und der implizierten „immer wieder gleichen Campleitung“ nicht nur hinfällig, sondern kann als diffamierende Behauptung gewertet werden.

2. Auch wird hier behauptet, dass im Kontext auf die Selbstbefreiung der Häftlinge das Antifacamp eine Position vertritt, die der Darstellung der ehem. DDR entspricht.
Die Positionen der letzten Jahre des Antifacamps kann mensch auch recherchieren. Dort wird in keinem einzigen Fall von „ausschließlichem kommunistischem Widerstand“ der Häftlinge gesprochen. Vielmehr ist dort die fundiert hinterlegte Formulierung zu finden, die vom „illegalen internationalen Lagerkomitee“ spricht! Nicht „deutscher Kommunistischer Lagerwiderstand“!
Das „illegale internationale Lagerkomitee“ ist eine Formulierung, die von den heute noch lebenden Beteiligten geprägt wurde.

Es ist unumstößlicher Fakt, der in vielen Archiven und wissenschaftlichen Aufarbeitungen des Themas belegt ist, dass sich diese „illegale Gruppierung“, die nicht nur die Selbstbefreiung organisierte und durchzog, sondern auch viele Jahre, selbst unter diesen Bedingungen, Hilfsaktionen organisierte, Leben rettete, selbst dort noch Kriegsproduktion sabotierte, überwiegend aus speziellen „Häftlingsgruppen“ zusammensetzte. Dies waren nun mal überwiegend Kommunisten, Sozialdemokraten und ehemalige Militärangehörige in internationaler Zusammenstellung, die sich aufgrund ihrer Erfahrungen in der politischen illegalen Arbeit und der dazugehörigen Klandestinität aus der Zeit vor ihrer Verhaftung zusammenfanden. Wenn also über das „internationale illegale Lagerkomitee“ gesprochen wird, dann zwar vornehmlich über Kommunisten, aber eben nicht nur!
Die diffamierende Bemerkung „… dass es nicht nur kommunistische häftlinge im lager gab, die eben nicht so einen funky wiederstand organisiert haben, wie ihr ihn krampfhaft sucht…“ fällt also ebenfalls ins Leere und kann auch als „schlecht recherchiert oder gar böswillig unterstellt“ gewertet werden.

Eines muss noch deutlich gesagt werden: Dieser Widerstand war politisch, lebensgefährlich und selbstlos! Und auf keinen Fall - FUNKY - !

Nach jahrelangem Überlebenskampf und in Anbetracht der nahenden alliierten Truppen sein Leben „in letzter Minute“ für alle Häftlinge zu riskieren und in wenigen Gruppen von schlecht bewaffneten und körperlich schlecht konstituierten Kämpfern die SS-Wachmannschaft anzugreifen, um eine mögliche Evakuierung oder gar Massenvernichtungsaktionen zu verhindern, ist eine selbstlose antifaschistische Leistung, die nun einmal den Angehörigen dieser Struktur („internationales illegales Lagerkomitee“) zuzuschreiben ist.

Auch scheint der Autor von „geschichtsfälschung“ nahe legen zu wollen, dass die Aktiven des Antifacamps der letzten 19 Jahre andere Häftlingsgruppen und anderen Widerstand im „KZ Buchenwald“ verschweigen oder negieren würden.

Auch dafür fand ich keinerlei Hinweise. Nicht in den Dokumentationen des Camps, die zugänglich sind, und auch nicht als mehrmaliger ehemaliger Teilnehmer des Antifacamps.

Ganz im Gegenteil! Ich kann bestätigen, und auch dies lässt sich recherchieren, dass Veranstaltungen und auch Projektarbeit des Antifacamps beispielsweise Häftlingsgruppen wie Anarchisten, Homosexuelle, Sinti und Roma, Kinder und Frauen behandelten.
Zumal viele Arbeitsprojekte des Antifacamps gar nicht in das Schema, das der Autor von „geschichtsfälschung“ zeichnen will, einzuordnen sind.
Wenn mensch die Projektarbeit an Stellen wie dem Bahndamm, dem Pferdestall oder dem Steinbruch betrachtet, kann und wird dies dort nur in den „allgemeinen Kontext“ Konzentrationslager = Vernichtung durch Arbeit, Massenexekutionen und die Beteiligung der deutschen Zivilbevölkerung eingeordnet.

Was die Politik der „Gedenkstätte“ angeht, ist sie logischerweise nur im Zusammenhang mit der neu installierten Ausstellung zu bewerten.
Das Antifacamp kritisiert in Texten auf ihrer Internetseite nicht vordergründig den tatsächlichen Informationsgehalt der Ausstellung, sondern eher deren Struktur, die, wie sie meinen, keine „darstellende Linie“ hat. Eine Unzahl von eher beliebig angeordneten Einzelschicksalen erschwert das Erkennen der Struktur der Wertungslogik des KZ-Systems und erschwert den Zugang zu diesem Thema enorm. Die Darstellung dieser Ausstellung fällt auf die Darstellung des Faschismus als „Phänomen“ zurück.
Wenn dann noch zusätzlich in der gleichen Ausstellung „faschistisches Konzentrationslager“ und „alliiertes Kriegsgefangenenlager“ in solch subjektivistischer Weise nebeneinander gestellt werden, dann ist dies mehr als nur kritikwürdig, sondern lässt politisches Kalkül erkennen.

Kurz gesagt: Wenn politischer, solidarischer und am Ende auch durch die Selbstbefreiung der Häftlinge manifestierter Widerstand, der maßgeblich auch von Kommunisten getragen wurde, deutlich und seiner Bedeutung entsprechend dargestellt werden würde, würde er mit dem Darstellungskonzept der Gedenkstätte kollidieren.
Sarkastisch: „Wenn die „Kommunisten“ am Ende gut waren, dann können wir nicht in der Ausstellung zum Speziallager Nr.2 behaupten, dass sie „genauso waren wie die Nazis vorher“. Das ist der zweite wesentliche Kritikpunkt, der vom Antifacamp ausgeht.

Indem die Themen „faschistisches Konzentrationslager“ und „alliiertes Kriegsgefangenenlager“ in benannter Weise gezeigt werden, wird eine Gleichsetzung auf der Ebene der Wahrnehmung erzeugt.
Dabei werden der Kontext und die Kausalität des Speziallagers eben nicht deutlich.
Nach eigenen Forschungen der Gedenkstätte waren 80% der Inhaftierten des Speziallagers nach den Regularien der alliierten Mächte zu Recht dort. Nazis, SS- und Wehrmachtsangehörige und zivile Funktionsträger des NS-Systems wurden dort inhaftiert, um ihre individuelle Schuld festzustellen. In den aufgewühlten Zeiten direkt nach dem Abbruch der Kampfhandlungen gerieten auch einige durch die den Deutschen anerzogenen Denunziationsgeist in dieses Lager. Auch diese Menschen waren in der Überzahl Nazis, aber eben nicht schuldig im Sinne der alliierten Regeln.

Die Kategorie, die ich jetzt skizziere, ist holzschnittartig, aber trifft das Wesentliche:

Das „faschistische Konzentrationslager“ diente der Unterdrückung politischer Kritiker und des politischen Widerstandes. Zudem war es wesentlicher Bestandteil des rassischen und antisemitischen eliminatorischen NS-Systems gegenüber Jüdinnen und Juden, und jedem „lebensunwerten Leben“!

Das alliierte Kriegsgefangenenlager war ein Konstrukt, das in allen alliierten Zonen ausschließlich installiert wurde, um die individuelle Schuld der Verdächtigen festzustellen und anschließend entsprechend zu ahnden.
Es gab weder Folter, Mord, Vernichtung durch Arbeit, noch psychische Erniedrigung oder strukturellen Hunger.

Das sind wesentliche Charakterisierungen, die sich eklatant unterscheiden und einen Vergleich und eine „Nebeneinanderstellung“, so wie sie in der Gedenkstätte wahrnehmbar ist, verbietet!

Was am Ende übrig bleibt, ist ein Paradebeispiel des tendenziellen Missbrauchs von Geschichte für die Darstellung des eigenen politischen Ansatzes der Gegenwart! Totalitarismusdoktrin!
Schaut her: Eine Stunde Nazis = böse (KZ), nächste Stunde Sowjets(Kommunisten) = böse!
Eine Darstellung „guter Kommunisten“ im „internationalen illegalen Lagerkomitee“ und deren anerkennenswürdigen Leistungen wären da „sehr störend“!

Wenn mensch den Trampelpfad des Totalitarismus, der zielstrebig durch die Ausstellung führt und nach der Ausstellung über das Speziallager endet, hinter sich hat, kommt mensch, wenn er Glück hat und es sind Wahlkampfzeiten, auf dem Parkplatz vor der Gedenkstätte schon in Berührung mit der Fortsetzung dieses Konzeptes! Da hängen dann Schilder von ihnen an den Laternen.
CDUSPDFDP…hastenichgesehen. Die sagen auch immer das gleiche.
Schaut auf die rechts und sagt pfui, schaut dann nach links und sagt pfui!
Und jetzt schaut zu uns! Wir sind die goldene Mitte! Bei uns kann solch Schlimmes nicht mehr geschehen. Bei uns seid ihr sicher!

Dieses „Gedenkkonzept“ ist nichts anderes als „gehobener Populismus“!

Antifacamp Buchenwald

radio corax 01.08.2008 - 09:06
„Sommer, Sonne, Sonnenschein, aber kein Geld zum Verreisen? Den ganzen Sommer in der gleichen stinkigen Stadt, im gleichen miefigen Dorf? Das muss nicht sein! Unternehmen Sie mit Bus und Bahn Städtereisen oder Kurztrips an Orte, die auf der Landkarte nur schwer zu finden sind; ergreifen Sie die Möglichkeit, mit vielen Gleichgesinnten und für einen guten Zweck die gewohnte Umgebung zu verlassen und mal etwas ganz anderes kennen zu lernen! Tickets sind in gut sortierten linken Kulturzentren erhältlich. An Ort und Stelle angelangt, kann die interessierte Antifaschistin an interessanten, von Ortskundigen organisierten Stadtrundgängen teilnehmen.“ Das ist sind Worte, die nicht meinen Gedanken entsprungen sind, sondern in einem einschlägig bekannten Linksradikalen Magazin zu lesen waren.

Ein mögliches Ziel einer solchen Reise liegt in Thüringen. Dort beginnt am Samstag das Antifa-Camp in Weimar. Genauer in Buchenwald. Inwieweit das mehr ist, als eine Urlaubsreise - für sich irgendwie links fühlende Jugendliche – darum soll es hier nun in den nächsten Minuten gehen.

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