Ungehorsamer Friedensspaziergang – Naziaufmar

Antifaschistisches Aktionsbündnis Nürnberg 27.07.2008 21:42 Themen: Antifa
Ungehorsamer Friedensspaziergang – Naziaufmarsch durch Gräfenberg blockiert!

Jeden Monat wieder latschen die Braunen durch Gräfenberg... Jeden nein nicht jeden! Für die meisten völlig überraschend gab es am 26. Juli ein komplett anderes Szenario:

Das mittelfränkische Gräfenberg im Norden von Nürnberg machte in dem letzten 2 Jahren öfters von sich reden. Einmal dadurch, dass monatlich (!) die regionale Naziszene um Mathias Fischer, Sebastian Schmaus & Co das Dorf mit Aufmärschen terrorisiert. Vor allem aber dadurch, dass die Gräfenberger Bevölkerung mit ihrem Bürgerforum kontinuierlich kreativen Protest und Widerstand dagegen setzt. So denkt man bei dem Wort Gräfenberg nicht an ein braunes Nest, sondern immer an ein Dorf, wo es noch eine Zivilgesellschaft gibt, die weder ignoriert noch akzeptiert, dass Nazis ein nicht zuletzt gesellschaftliches Problem darstellen.
Ungehorsamer Friedensspaziergang – Naziaufmarsch durch Gräfenberg blockiert!

Jeden Monat wieder latschen die Braunen durch Gräfenberg... Jeden nein nicht jeden! Für die meisten völlig überraschend gab es am 26. Juli ein komplett anderes Szenario:

Das mittelfränkische Gräfenberg im Norden von Nürnberg machte in dem letzten 2 Jahren öfters von sich reden. Einmal dadurch, dass monatlich (!) die regionale Naziszene um Mathias Fischer, Sebastian Schmaus & Co das Dorf mit Aufmärschen terrorisiert. Vor allem aber dadurch, dass die Gräfenberger Bevölkerung mit ihrem Bürgerforum kontinuierlich kreativen Protest und Widerstand dagegen setzt. So denkt man bei dem Wort Gräfenberg nicht an ein braunes Nest, sondern immer an ein Dorf, wo es noch eine Zivilgesellschaft gibt, die weder ignoriert noch akzeptiert, dass Nazis ein nicht zuletzt gesellschaftliches Problem darstellen.

Nun zum Freitag den 26. Juli.:
Diesmal zuerst angemeldet hatte das Bürgerforum Gräfenberg. Und zwar einen Friedensspaziergang vom Bahnhof zum Marktplatz, wo ein Fest anlässlich der Verleihung vom „Würzburger Friedenspreis“ an das Bürgerforum stattfinden sollte. Am Montag erst meldete die NPD ihren allmonatlichen Schwachsinn an. Die übliche Route vom Bahnhof rauf am Markplatz vorbei und vor das – wie immer von der Stadt an privat vermietete und daher unzugängliche – Kriegerdenkmal.

Um 19.15 fanden sich das Bürgerforum, GräfenbergerInnen, VVN (Nürnberg, Bamberg, ???), Jugendliche aus der Region, einzelne Nürnberger Linke verschiedenster Ecken (Friedensforum bis DKP) und ein Häuflein Antifas aus Nürnberg und Erlangen ein. Insgesamt ca. 150 Leute. Dort gab es eine Megafon-Kundgebung mit Reden und Gedichten (Brecht, Kästner, etc.) Mit einer räumlicher und polizeilicher Abtrennung hielt sich eine kleine Gruppe Nazis direkt vor dem Bahnhof auf. Ich weiß aktuell nicht, ob deren Zahl später noch anwuchs, da warens vielleicht 30-40.

Der Friedensspaziergang nahm seinen Anfang, überwand die ersten 1 ½ Kurven und kam dann ins Stocken. Grund: Einige riefen Halt! und Stehenbleiben! Zunächst zögerlich und unentschlossen, dann aber - als allen klar war worum es nun gehen sollte – mit einem herzlichen „Wir bleibn do“ ließen sich Antifas wie BürgerInnen nieder.
Der Anmelder kam – vielleicht ein bisschen zu engagiert - seiner Pflicht nach und forderte mehrfach die Leute auf weiterzugehen. Zuletzt über eine von der Polizei herangekarrte Lautsprecheranlage. Zwecklos. Was zunächst nach einem kleinen starrköpfigem Haufen aussah, entwickelte sich schnell zu einer Blockade, die den inzwischen aufgezogenen Bullenreihen den Schweiß auf die Stirn trieb: Jugendliche Antifas saßen neben Gräfenberger BürgerInnen, VVNler unterhielten sich mit Rockern von der Kuhlen Wampe und das 6-jährige Kind fragte „Mama wie lange bleiben wir hier?“

Da versuchte der Einsatzleiter noch einmal sein Glück: „Dies ist die 2. Aufforderung; wenn Sie nicht freiwillig gehen, räumen wir die Straße!“ –Pfiffe, Buh-Rufe und trotzige Blicke als Antwort. Auch das Aufstellen von USK-Schlägern konnte die Leute nicht zum Gehen bewegen... im Gegenteil inzwischen war die Blockade auf ca. 300 Menschen angewachsen; Dann wurde es richtig nett: Getränke wurden vom Friedensfest mit Sackkarren zur Blockade gebracht; Jede Menge „Zwaa Braune im Weggla“ , die Gräfenberger DemonstrantInnen schon bekannt sind, wurden verteilt und für die Kinder gab es Eis.

Irgendwann war dann klar: NO PASARAN! – Sie kommen nicht durch. Die Neo-Nazis von NPD/JN werden heute nicht ihre Route laufen, sondern müssen über eine Treppe im Gänsemarsch zu ihrer Kundgebung geführt werden...Da war der SS-Basti (alias Sebastian Schmaus) aber bedröppelt ;-O

Für Ärger musste natürlich noch einmal die Polizei sorgen, die in Gräfenberg scheinbar alles dafür tut, ihr Freund und Helfer Image zu verspielen. Als eigentlich alles schon vorbei war und die BlockiererInnen nun zum wohlverdienten Friedensfest gehen wollten; umstellten die Bullen die Blockade und meinten alle müssten warten bis die Nazis weg sind.

Ich, als jmd. der häufig mit Bulleneinsätzen konfrontiert ist, dachte mir na ja die übliche Schikane halt...Nicht so die GräfenbergerInnen. Sauer wurden sie; die Polizei beschimpften sie und fragten was die Provokation solle; wäre denn die Polizei nun auf Krawall aus, nachdem alles so schön friedlich verlaufen wäre? Ich traute meinen Augen & Ohren nicht als plötzlich eine bunte BürgerInnenmenge vor der Bullenkette anfing: 10–9–8-7-6... Kurzes Geschubse gabs dann; es wurde verhandelt und keine 3 Minuten später löste sich die Bullenkette. Dann konnte das Friedensfest beginnen.

Das schöne an der Blockade war nicht nur, dass endlich einer der monatlich stattfindenden Nazikasperaufmärsche gestoppt wurde; sondern auch zu sehen, wie eine Dorfbevölkerung, statt vor dem Faschoproblem zu kuschen und ihre Forderung nach Zugang zum Denkmal zu erfüllen, im Gegenteil konsequent Protest & Widerstand leistet.
Und dies auch mal gegen den Willen von Staat und seinen Bütteln. Gegen die direkte Anweisung, die Nazis passieren zu lassen, leisteten alle zivilen Ungehorsam. Und drittens ist es auch immer wieder gut in Gräfenberg zu sehen, dass es in einer Situation wie dieser am besten gemeinsam geht. Die Antifa ist akzeptierter Teil in Gräfenberg. Dieser Fakt geht einigen CSU-lern zwar gegen den Strich, dagegen wirksam unternehmen können sie jedoch nichts. Einer hats mal in der Vergangenheit probiert und „Antifas haut ab!“ gefordert. Kassiert hat er dafür, ausgebuht zu werden und dass ein Dutzend CSUler ihm und der Partei den Rücken kehrte... Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren in Gräfenberg klappt einfach relativ gut und Absprachen werden eingehalten.

Nicht zuletzt war die Blockade auch deswegen so cool, weil es einfach mal ein Erfolgserlebnis war: Für alle GräfenbergerInnen, die die Schnauze voll davon haben einmal monatlich von der Nazibrut tyrannisiert zu werden; für alle Antifas, die trotz hoher Ansprüche auch nicht mehr gerade jede Aktion als Erfolg verbuchen können und für alle anderen, die seit 2 Jahren dem menschenverachtenden Pack das „Kein Fussbreit!“ entgegenschleudern.

Auf in den Herbst und danke an alle die dabei waren.

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Ergänzungen

kurze Ergänzung

Loki 29.07.2008 - 00:11
Nur um sachlich korrekt zu bleiben:

Die kleine Stadt - ja, Gräfenberg hat Stadtrecht - liegt in Oberfranken. Nur damit sich in Zukunft niemand verfährt, der mal das Städtchen besuchen will oder die Demos unterstützen möchte.

Dass bei der CSU einige (naja, viele) Leute dabei sind, die immer noch große Berührungsängst mit antifaschistischen Gruppen haben und ganz im Sinne FJ Strauß proklamieren "der Feind steht links", sollte aber nicht drüber hinwegtäuschen, dass auch hier einige Kommunalpolitiker sich wirklich zusammen reißen und nicht in stereotype Feindbilder verfallen.


Dem Bürgerforum Gräfenberg wurde heute in München ein Preis vom Bündnis für Demokratie und Toleranz verliehen. Auch hier muss deutlich gemacht werden, dass hierbei die Unterstützung durch die verschiedensten Gruppen essentiell ist.

Wie der Artikel sehr schön herausstellt: In Gräfenberg klappt die Kooperation in weiten Teilen. Beim kürzlich durchgeführten Open-Mind-Festival konnte die Antifa einen Stand aufstellen. Auch bei den Demos findet schon lange ein mittlerweile reger Austausch statt und da sieht man dann schon mal den oberfränkischen Rentner, wie er schwarzgekleidete Jugendliche begrüßt. Natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein, aber allen liegt was an der Zusammenarbeit und so funktioniert es einfach.

ergänzung

unrelevant 29.07.2008 - 17:06
Das Konzert war in Geschwand wurde durch die Polizei jedoch verhindert!
Details weiß ich leider net.

Sehr sehr gute vorallem friedliche Aktion in Gräfenberg darauf lässt sich aufbauen es sollte dort auch in Zukunft versucht werden den Aufmarsch zu blockieren.

Antifaschistischer Gruß

SO NICHT!

Israel 29.07.2008 - 20:37

Bei der Sitzblockade kam es zu kleineren aber heftigen Auseinandersetzungen mit NAZIanwohnern. Sogar mit Eiern wurde Antifaschisten beworfen. "Assis" und "Verpisst Euch" waren da noch nette Aussagen. Wir müssen etwas tun!

nazi konzert in geschwand bei gräfenberg

egal 29.07.2008 - 23:47
was uns bekannt wurde wurde das nazikonzert von den hammerskins organisiert worden mit hilfe von freien kräften und leuten der npd/jn. das die das in der nähe von gräfenberg machen ist doch eine klare provoktion gegen die stadt gräfenberg, das bürgerforum und der antifa!

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 7 Kommentare

sehr

schön 27.07.2008 - 22:11
gratulation zu dieser aktion. freut mich zu hören das antifas und bürgerinnen einfach mal zusamm arbeitn.

Richtig so!!!

blub blub 28.07.2008 - 11:50
Schade das so etwas nicht öfter vorkommt! Es gilt jetzt auch beim nächsten mal wieder da zu sein!

MaG aus Berlin

Das gibt...

SchallundRauch 28.07.2008 - 13:21
einem ja fast schon ein bisschen den Glauben an die Menschheit zurück ;-)

Ne, sehr schön dass es in Gräfenberg so gut klappt, vielleicht lässt sich ja auch in anderen Orten die Kluft zwischen "Szene-Sumpf" und Öffentlichkeit überbrücken. Da müssten allerdings "wir" wohl mal den ersten Schritt machen.

provokation

tut nichts zur sache 28.07.2008 - 14:17
An geblich sol am samstag 26.07.08 ei großes neonazi konzert in der nähe von gräfenberg von der plizei verhindert worden sei . weiß jemand was darüber?

Das macht

MUT 28.07.2008 - 14:33
Großartig!!

nürnberger Nachrichten

asdf 28.07.2008 - 14:47
das schreibt die lokalpresse

Sitzblockade brachte die Polizei in Nöte
Gräfenbergs Bürger ließen sich spontan auf der Straße nieder - Friedensfest blieb aber friedlich


GRÄFENBERG - Am vergangenen Freitag in Gräfenberg zeigte sich: Das Landratsamt Forchheim irrt, wenn es glaubt, dass es in der kleinen Stadt möglich ist, zwei Veranstaltungen, wie sie gegensätzlicher nicht sein könnten, zeitgleich stattfinden zu lassen. Wie berichtet hatte das Bürgerforum Gräfenberg sein Friedensfest gerade angemeldet, als die Neonazis zu einer ihrer monatlichen Kundgebung nahezu zur gleichen Uhrzeit aufriefen. Das Landratsamt genehmigte auch die Nazidemo, Konflikte waren damit vorprogrammiert.

Von 19.15 Uhr bis 19.30 Uhr durfte das Bürgerforum Gräfenberg den Tiszaföldvar-Platz am Bahnhof in Beschlag nehmen, danach stand der Platz, der nach der ungarischen Partnerstadt Gräfenbergs benannt ist, den Neonazis und ihren fremdenfeindlichen Parolen zur Verfügung. So lautete die Anweisung aus dem Landratsamt Forchheim. Währenddessen sollten das Bürgerforum und ihre Anhänger bereits auf ihrem Friedensspaziergang über die Bahnhofstraße und zum Marktplatz sein. Danach wollten die Nazis ebenfalls über die Bahnhofstraße zu ihrem Kundgebungsgelände am Fuß des Michelberges marschieren. Mit dieser kleinen zeitlichen Verzögerung ließe sich die Konfrontation vermeiden, glaubten die Entscheidungsträger im Landratsamt. Doch die Gräfenberger Bürger machten den Nazis einen Strich durch die Rechnung.

Nicht provozieren lassen

Anlass für das Friedensfest war die Verleihung des Würzburger Friedenspreises an das Bürgerforum Gräfenberg vor knapp zwei Wochen. «Der Preis gehört all jenen, die uns im Kampf um Demokratie und gegen die fremdenfeindliche Haltung der Neonazis seit Jahren unterstützen«, so Michael Helmbrecht vom Bürgerforum. Und er rief auf, «dass auch dieses Fest friedlich verlaufen und man sich nicht durch die Entscheidung des Landratsamtes provozieren lassen soll«.

Zwar verließen die rund 150 Bürger den Platz am Bahnhof pünktlich auf die Minute, nachdem zuvor Silvia Hofmann, Dritte Bürgermeisterin von Gräfenberg, die Friedensspaziergänger begrüßt und Schauspieler Werner Müller mit Gedichten von Berthold Brecht und Erich Kästner auf das Fest eingestimmt hatte, doch auf der Bahnhofstraße kam der Zug ins Stocken und schließlich zum Stillstand.

Zuerst die Mitglieder der Antifa, dann aber auch immer mehr Gräfenberger Bürger ließen sich auf der Straße nieder und waren nicht bereit, sie für den Aufmarsch der Neonazis zu räumen. Rasch schwoll der Demonstrationszug vom Marktplatz her an und rund 300 Bürger leisteten Widerstand gegen die Entscheidung des Landratsamtes.

Auch der dreimaligen Aufforderung der Polizei, die Sitzblockade aufzuheben und zum Marktplatz weiter zu gehen, kamen die Friedensspaziergänger nicht nach.

Kurze Tumulte

Zu kurzen Tumulten kam es lediglich, als die Polizei das Megaphon eines Bürgers konfiszierte. Ansonsten harrten die Bürger friedlich eineinhalb Stunden aus, lasen Comics, vertrieben sich die Zeit mit Jojospielen oder bliesen Seifenblasen in die Luft. Sogar die Versorgung vom Marktplatz mit Steakbrötchen und Getränken klappte nach einer Weile.

Christine Stahl, Landtagsabgeordnete der Grünen, und Dekanin Christine Schürmann setzten sich bei der Polizei dafür ein, dass diese ihre Drohung, die Straße notfalls mit Gewalt zu räumen nicht wahr machten und stattdessen die Nazis über den Friedhofsweg umleiteten.

Bürger eingekesselt

Zwischenzeitlich hatte die Polizei den Bürgern den Weg nach oben auf den Marktplatz mit zwei Polizeifahrzeugen blockiert, so dass diese kurzfristig eingekesselt waren. Erst nach erneuter Intervention durch Bürgerforum und Dekanin wurde wenigstens den Kindern der Weg zum Marktplatz und den Toiletten frei gegeben.

Erst als die Nazis ihre Kundgebung fast beendet hatten, durften auch die Anhänger des Bürgerforums auf ihren Marktplatz und das Friedensfest weiter feiern.

«Die hatten das heute eindeutig nicht im Griff«, so der Kommentar von Dekanin Schürmann zum Einsatz der Beamten, die sich darüber ärgerte, dass die Polizei die Nazis über den Kirchplatz lotste, ohne sie als Hausherrin zu fragen. Zumal im evangelischen Gemeindehaus gegenüber der Kirche an diesem Abend eine Kinderübernachtung stattfand.

Manuela Meyer

@Israel

Loki 30.07.2008 - 08:17
Wenn sowas passiert wende dich bitte am besten direkt bei der Veranstaltung an Mitglieder des Bürgerforums. Mir ist dieser Sachverhalt im übrigen absolut neu und so geht es wahrscheinlich auch den Leuten im Bürgerforum. Wäre daher vielleicht ganz hilfreich, wenn du deine Erlebnisse denen in einer mail schicken würdest.