Platzverweis: Staatsmacht und Atomstaat

Eichhoernchen 26.07.2008 23:33 Themen: Atom Repression
Das Wendland-Sommercamp in Gedelitz im Wendland hat angefangen. Die TeilnehmerInnen sind guter Dinge und genießen Sonne, Klettern, Workshops, Vorträge und Aktionen am Atommüll-Zwischenlager Gorleben.
Am Freitag sind die Friedensreiter zum Camp gekommen. Samstag wurde gemeinsam vor dem Zwischenlager demonstriert. Die BI Lüchow-Dannenberg empfing die TeilnehmerInnen mit einem leckeren Frühstück. Auf dem Asphalt wurde eine bunte Anti-Atom-Sonne als Botschaft hinterlassen.

Die Staatsmacht beobachtete das Geschehen. Ihre Aufgabe bestand scheinbar darin, die Sicherheit des Atomstaats zu gewährleisten, denn von einer handvoll gut gelaunten AtomkraftgegnerInnnen geht sicherlich eine erhebliche Gefahr aus. Der uniformierte gewaltbereite schwarze Block der 4. BPH schritt jedenfalls ein, um Turnübungen auf dem Tor vom Zwischenlager zu unterbinden.

Die betroffene AktivistIn wurde gleich mit einem Platzverweis beglückt. Sie verlangte eine schriftliche Ausfertigung um diesen Kunstwerk hier dokumentieren zu können! Bis 18 Uhr dürfe sie sich bei den Atomanlagen nicht Aufhalten. Das sei eine Maßnahme zur Gefahrenabwehr und für den Erhalt der Sicherheit und der Ordnung erforderlich. Auf die Definition von Gefahr konnten sich AktivistInnen und PolizistInnen leider nicht einigen. „Dem Zwischenlager selbst sollte einen Platzverweis erteilt werden, um die Gefahren der Atomindustrie abzuwehren“, so die AktivistInnen.

Die scheinbar sehr jungen, unerfahrenen PolizistInnen gingen bei dem Vorfall extrem ruppig vor. Mit politischem Protest können sie schon gar nicht umgehen. Es fiel ihnen schwer, den Platzverweis auszufüllen und eine Begründung herauszuzaubern. Das können sie aber noch üben, das Sommercamp dauert bis zum 3. August 2008.

Und die Staatsgewalt bewacht das Zwischenlager rund um die Uhr, sollte das Lager davon laufen...
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Ergänzungen

platzverweis

cop-rechercheur 26.07.2008 - 23:55
danke für das bild des platzverweises. bitte mehr von denen posten (mit namen bzw. dienstgrad und abteilung/hndertschaft der jeweiligen beamten // name ist nicht zwingend, aber bitte unbedingt die BPA und die Hundertschaft angeben), danke - hilft beim einordnen und bei der strategie-/aktionsfeld-analyse der cops.

bulle bild

rrrrrrrreeeeeddddd 26.07.2008 - 23:57
ist der polizist auf dem bild der auf dem platzverweis auftretende polizist aus lün eburg?

Zum Platzverweis

Heulsuse 27.07.2008 - 11:04
"Es fiel ihnen schwer, den Platzverweis auszufüllen und eine Begründung herauszuzaubern" - Wenn ich den Artikel lese und dazu den schriftlichen Platzverweis, dann stimmt diese Aussage überhaupt nicht. Wenn mensch auf dem Zaum rumturnt - was natürlich völlig ok ist - dann muss mensch halt mit einem Platzverweis rechnen. Auf Grund der herrschenden Rechtslage - die ich natürlich scheiße finde - ist der beschriebene Platzverweis rechtlich einwandfrei. Also kein Grund hier so komische Geschichten zu erzählen.
Die Anti-Atom-Bewegung ist kein Spielplatz und politisches Engagement oder Aktionen ziehen auch mal unangenehme Folgen nach sich. Alles kein Grund zur Panik oder für schriftliche Übertreibungen.

Ergänzung

ACAB 27.07.2008 - 11:40
Also der Bulle, der den Platzverweis unterschrieben hat und die Maßnahme durchgeführt hat, ist sicher nicht ein "sehr junger, unerfahrener" Bulle. Er ist nämlich schon "Polizeikommisar" (PK). Nix dolles eigentlich, aber schon "gehobener Dienst". Schau Wikipedia:

Nicht schwarz, sondern blau

Farbenfroh 27.07.2008 - 12:09
Der "uniformierte gewaltbereite schwarze Block der 4. BPH" trägt keine schwarzen Uniformen, sondern Blaue. Die T-Shirts und Caps sind schwarz.

II. BPA

cop-rechercheur 27.07.2008 - 14:32
"uniformierte gewaltbereite schwarze Block der 4. BPH"
die Lüneburger agieren auf demos häufig als "(Ein)Greiftrupps" und können mit den BFElern aus Braunschweig als aggressivste niedersächsische einheit gesehen werden.

wo wir grad beim thema sind: die bereitschaftspolizei nds ist chronisch unterbesetzt. 7 hundertschaften, davon natürlich 3 einheiten BFE und ein ganzer zug (aus lünebg) quasi BFE, sind für nds. viel zu wenig - nazikonzerte können dadurch nicht verhindert werden (sofern es denn der staatsschutz überhaupt will), für jede (!) kleine demo müssen Hundertschaften aus NRW, Hessen (hat für die größe sehr viele BePos), Hambg, Schleswg-Hol. (BFEler aus Eutin) und sogar Bremen (!!!), das ja nur 2 Einsatzhundertschaften hat und daher zumeist (nur) mit Reiterstaffeln unterstützt. die Bundesbereitschaftspolizei wurde in Nds. extra aufgestockt, da die normale polizei nicht mehr zurecht kam.

achso: mit 30 Jahren kann mensch/Polizeibeamter sehr wohl PK sein, gar kein problem...

Atomkraft

Beobachter 27.07.2008 - 15:52
So gut und wichtig Demos sind, aber die Vergangenheit hat gezeigt das es nicht viel bringt. Ich selber war in den letzten 10 Jahren 5 mal beim Cator dabei. Es steht imer noch, das Zwischenlager und es wird auch weiterhin stehen. Dieses jahr rollt er erneut. Und in Anbetracht der zurückgehenden fossilien Brennstoffe wird Atomkraft wieder zu einem Thema. Es wird ja jetzt schon als alte, neue Form der Energiegewinnung angesehen und ist wieder auf dem Vormarsch.
Aber irgendetwas muß Energie bringen in der Welt wie wir sie kennen, alles andere ist Rückentwicklung und ein Schritt zurück ins " Mittelalter ".
Hatte jetzt gelesen, das Müll irgendwie statisch behandelt wird und somit zur Energiegewinnung dient. Wenn das sauber ist, wär das doch was.

Aber wie gesagt durch z.T. gewaltbereite Aktionen lässt sich Atomkraft nicht stoppen.
Brokdorf, Ahaus, Gorleben, etc, etc. haben bisher keinen Erfolg gehabt....

BPA

Beobachter 27.07.2008 - 16:20
Rechercheur hat Recht. Er hat gute Infos. BPA bedeutet in dem Fall, wie auf dem gezeigten Bild, tatsächlich Bereitschaftspolizeiabteilung.
BPH gleich Bereitschaftspolizeihundertschaft, BPA ....abteilung.
In NRW gab es den Seiteneinstieg bzw. nur noch den Einstieg n den gehobenen Dienst. Nach Ende der Fachhochschule bzw. Abi kann jeder der den Test schafft dann zur Polizeifachhochschule ( = Uni ), studiert öffentliche Verwaltung, lernt Praxis in den Polizeischulen und in verschiedenen Dienststellen und kann dann mit ca. 23 Jahren bereits PK sein.
So wie früher oder in anderen Bundesländern der Dienstgrad nach Ende der Polizeischule ( 2 1/2 Jahre in NRW ) der Polizeihauptwachtmeister, später Polizeimeister ( PM , zwei Sterne in grün )war.

30 min um eine Platzverweisung

auszufüllen 28.07.2008 - 11:01
Von wegen erfahrene Bullen? Wenn die halt eine halbe Stunde brauchen, um 5 Zeilen zu schreiben....
Na klar, die Chefs, die entscheiden sind wahrscheinlich etwas älter aber der Rest der ganzen Truppe nicht... offensichtlich nicht...
Die CapsteilnehöerInnen nehlmen sich einfach die Freiheit, dort zu demonstrieren wo sie es wollen... und das scheint dem Atomstaat keinen Gefallen zu tun... Das am Zwischenlager jedes Jahr 1 Zaun mehr gebaut wird, weil die Lobby sich vor Protest abschotten will...
Tja vor ein paar Jahren gab´s während des Sommercamps keine Bullen-dauerbawahrung uund es leif sehr schön... Seit 3 Jahren sind die Bullen rund um die Uhr vorm Lager... Kritik und kleine Spassaktion (ist immer nett für die Stimmung, Aktionen ohne Castorstress zu machen) sind unerwünscht...
Ob ein Platzverweis rechtsmässig ist, ist uns vollkommen egal... weil so lächerlich... Aber naja das sichert Arbeitsplätze bei der Polizei...

Gestern wurde erneut ! Platzverweis ausgesprochen... Die Aktivistin wurde zurück zum Dorf Gedelitz gefahren (3Kilometer), obwohl im Platzverweis nur 50m um das Zwischenlager steht... Den Bullen ist die Rechtmässigkeit ihrer Maßnahmen also egal...

Wendlandcamp?

Jupp der Landwirt 29.07.2008 - 12:08
Das Wendlandcamp hat sich von einer politischen Veranstaltung des Anti-Atom-Widerstands, so einem Treffen von Polit-Clows und Eso-Spinnern entwickelt.
Ein Blick auf deren Homepage genügt um das zu erkennen;

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 7 Kommentare an

@egal — cop-rechercheu

Widerstand ja bitte, ... — ward nicht ausgefüllt

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@Titel — Beobachter