Stoppt die Bundeswehrrekrutierungsarbeit

AntimilitaristIn 22.07.2008 17:26
Am Samstag, im Anschluss an die Anti-NPD-Demo in Sindelfingen, versuchten ein paar Leute die Bundeswehr bei ihrer Rekrutierungspropagandatour zu stören. Diese war mit ihrem neuesten Rekrutierungspropagandainstrument dem Bundeswehr-Karrieretruck in Stuttgart-Hedelfingen auf einem Hafenfest präsent und wollte den Dienst mit der Waffe interessant, sozial und abenteuerlich erscheinen lassen.
Dem Militär sollte ein menschliches Antlitz gegeben werden und eine "Karriere" bei der Bundeswehr als echte und vor allem sichere Alternative zum normalen Arbeitsmarkt dargestellt werden. Ein paar KriegsgegnerInnen und AntimilitaristInnen verteilten aus diesem Grund das Flugblatt, das hier unten angehängt ist und hielten eine Rede.
Stoppt die Rekrutierungsversuche der Bundeswehr


Seit der Wiederbewaffnung Deutschlands war die Bundeswehr an 6 Auslandseinsätzen und an Kampfeinsätzen im Kosovo, Afrika und Afghanistan beteiligt.
Aktuell ist die Bundeswehr weltweit in 11 Ländern stationiert und eine Ausweitung der Einsätze ist abzusehen. Nur ein Beispiel für diese Entwicklung ist die Ausweitung des Einsatzes in Afghanistan in Form der stetigen Aufstockung der Streitkräfte. Sei es durch die der Truppen (von 3500 auf 4500 Soldaten), die Ausweitung der Aufgabenfelder durch die Entsendung von Aufklärungstornados oder aktuell der AWACS Flugzeuge, oder der voraussichtlichen Verlängerung des Mandats um weitere 14 Monate.
Aus einer "Verteidigungsarmee" ist eine "Angriffsarmee" geworden und folglich legt die Bundeswehr als militärisches Organ der imperialistischen Interessenvertretung Deutschlands, deren Aufgaben die Erschließung neuer Märkte, die Sicherung von Rohstoffen und Handelswegen ist, besonderen Wert auf die Nachwuchsgewinnung.
Das neue Konzept der Rekrutierung fließt in nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche mit ein.
Dem Militär soll ein menschliches Antlitz gegeben werden und eine "Karriere" bei der Bundeswehr soll als echte und vor allem sichere Alternative zum normalen Arbeitsmarkt dargestellt werden.
Dafür ist ihnen jedes Mittel Recht.

Herabsenkung der Einstellungskriterien
Eines davon ist die skandalöse Herabsenkung der Einstellungskriterien für Wehrpflichtige, die sich über die Zeit des Grundwehrdienstes hinaus verpflichten und an Auslandseinsätzen teilnehmen. Diese müssen sich einem zusätzlichen Test im Hinblick auf "soziale Kompetenz" und "psychische Belastbarkeit" unterziehen. Die Herabsenkung der Mindestvorrausetzungen für diesen ist ein deutliches Zeichen dafür, wie groß die Not der Bundeswehr ist, ausreichend junge Leute für Auslandseinsätze gewinnen zu können und hat weitreichende Folgen für diejenigen die jetzt in den Krieg geschickt werden können.

Medien und Internetpräsenz
Auch in den Medien wird verstärkt Propaganda zugunsten der Bundeswehr gestreut. Die Fernsehsendung "Die Rettungsflieger" ist nur ein Beispiel dafür. Diese Sendung ist eine Co-Produktion des ZDF mit der Bundeswehr, in der der Einsatz von Militärflugzeugen als abenteuerlich, ja heldenhaft dargestellt wird – was niemand verwundern dürfte der weiß, dass die Bundeswehr direkt am Drehbuch mitschreibt.
Eine neue Plattform der direkten Ansprache bietet auch das Internet. Dort tritt die Bundeswehr auf verschiedenen Seiten, die in erster Linie der Anwerbung von Jugendlichen dienen, als Kontakt- und Chatportal auf, bei dem man nach Angabe des Namens, der Adresse, der Nationalität und des (angestrebten) Schulabschlusses auch Bildschirmschoner und Handyklingeltöne herunterladen kann.
Dies hat zweierlei Effekt, zum einem wird die Bundeswehr und ihr blutiges Geschäft durch diese Art Kommerzialisierung für die Jugend ansprechender gemacht und zweitens wird sich dadurch die Möglichkeit erschlichen, Jugendliche direkt nach Auswertung ihres Profils, konkret auf ihre speziellen Interessen und berufliche Vorstellungen anzusprechen und anzuschreiben.

Veranstaltungen und Musikevents
Allgemein kann festgehalten werden, dass die Bundeswehr ihre neuerliche Rekrutierungsstrategie kategorisch auf die Anlockung von Jugendlichen ausgerichtet hat. Dies sieht man allein wenn man die verschiedenen durch die Bundeswehr veranstalteten "Events" betrachtet. Da gibt es zum Beispiel die BW-Olympix (der Hauptpreis der letzten Oliympix war die Teilnahme an einer Übung für Piloten der Luftwaffe"), das BW-Beachen, den "Open ship" der Marine, den BW-Girlsday, die BW-Big Band, den BW-Community Club oder die BW Adventure Games bei denen Jugendliche bei simulierten Marine Übungen das Überleben auf See trainieren können. Zusätzlich dazu veranstaltet die Bundeswehr jährlich noch weitere Sport- und Musikevents. Neu dazu kam jetzt der Bundeswehr Karrieretruck mit Kletterwand und Kino, der seit 2007 in der Bundesrepublik auf großer Rekrutierungstournee ist. Finanziert wird das ganze durch die Bundesregierung, der die zukünftige Sicherung der Militärischen Nachwuchsgewinnung ganz besonders am Herz zu liegen scheint, gibt sie dafür doch mehrere Millionen jährlich aus.

Schule, Universitäten
Auch an den Schulen ist die Bundeswehr massiv präsent. Zum Beispiel durch die durch das Verteidigunsministerium gemeinsam mit der "Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung" entwickelten Unterichtsmaterialien, die kostenlos verteilt werden und den Schülern die Position des Bundesverteidigungsministeriums und der Bundeswehr in Fragen der Auslandseinsätze und der Einsätze der Bundeswehr im Innern vermitteln sollen. Allein für das Schuljahr 2008/2009 wurden so für dieses Propagandamaterial der Bundeswehr insgesamt 330.000€ ausgegeben. Die Lehrer werden angehalten ihren Unterricht in den vorgeschlagenen Fächern Politik, Sozialkunde, Geografie, Ethik, Religion und Geschichte vollständig an diesem Material auszurichten, sowie Schulausflüge in Bundeswehreinrichtungen zu unternehmen und gemeinsame Veranstaltungen von Schulen und Bundeswehr zu machen. Inzwischen ist es sogar möglich, dass die Bundeswehr Lehrerfortbildungen anbietet die von den jeweiligen Kultusministerien sogar als fachliche Fortbildungen anerkannt werden. Auch an den Universitäten werden bereits Kurse für Lehramtsstudenten von der Bundeswehr angeboten, die teilweise auch mit "Scheinen", also als offizieller Teil des Studiums anerkannt werden. In Potsdam gibt es seit dem Wintersemester 2006/2007 sogar den Studiengang "Military Studies" der gemeinsam vom Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr und dem Institut der Soziologie und Militärgeschichte der Uni Potsdam veranstaltet wird.

Berufsschule, ARGEn , Hartz 4
Doch vor allem profitiert die Bundeswehr von der schlechten wirtschaftlichen Lage und der damit einhergehenden zunehmenden Perspektivlosigkeit von Auszubildenden.
In Berufsschulen gehört es schon zum Programm, dass Jungoffiziere den Arbeitgeber Bundeswehr vorstellen. Zudem verfügt die Bundeswehr auch über die notwendigen finanziellen Mittel, um den Jugendlichen gut bezahlte Angebote zu machen, die kaum jemand abschlagen kann, besonders wenn sich keine bessere Möglichkeit in greifbarer Nähe befindet.
So bezahlt die Bundeswehr Ausbildung (z.B. KFZ-Lehre für 1200 Brutto) und Studium und finanziert nebenher noch die Wohnung. Auch in Jobcentern und Arbeitsagenturen ist die Bundeswehr präsent. Teilweise fungieren diese sogar als Rekrutierungshelfer. So gibt es zum Beispiel vertragliche Abkommen zwischen dem Zentrum für Nachwuchsgewinnung Ost der Bundeswehr und der ARGE Leipzig, die arbeitslose Jugendliche direkt an die Bundeswehr weiterleitet und den Dienst an der Waffe somit zur normalen Wiedereingliederungshilfe macht. Besonders profitiert die Bundeswehr von der Hartz 4 Gesetzgebung (aufgrund des dadrurch bestehenden Arbeitszwangs, muss jede/R Arbeitslose jeden Job annehmen der sich bietet, da ansonsten Kürzungen des Geldes vorgesehen sind) und der Verschärfung der Auflagen für jugendliche Arbeitslose unter 25 Jahren. Diese bekommen generell einen geringeren Regelsatz (276 statt 345 €) und erhalten zudem keinen Mietzuschuss. Zusätzlich kann ihr Regelsatz bei einmaligen Verstoss gegen die Auflagen der Arbeitsagenturen zu 100 % gekürzt werden. Damit werden vor allem Jugendliche einem enormen Druck ausgesetzt, möglichst schnell eine Ausbildungs- und Arbeitsstelle zu finden- und sei es bei der Bundeswehr.

Was verschwiegen wird ....

Die Einsätze der Bundeswehr dienen nicht dem Schutz der Bevölkerung (90 % der Opfer eines Krieges ist heutzutage die Zivilbevölkerung) und sind auch nicht wie dargestellt humanitäre Hilfseinsätze zum Schutz von Menschenrechten. Die Einsätze der Bundeswehr verfolgen Macht- und wirtschaftliche Interessen zur Aufrechterhaltung des kapitalistischen Systems von dem nur ein kleiner Teil der Weltbevölkerung profitiert.
Allein für den Kriegseinsatz in Afghanistan wurden mittlerweile insgesamt 82 Milliarden ausgegeben. 82 Milliarden größtenteils finanziert aus Steuergeldern einer Bevölkerung die, wie es eine Umfrage aus dem Jahr 2007 ergab, zu 86 % für einen Rückzug der Truppen aus Afghanistan ist. Trotzdem werden Jahr für Jahr aber Millionen in Rüstung und Auslandseinsätze gesteckt (allein dieses Jahr schon über 600 Millionen), anstatt das Geld für bessere Bildung und der Schaffung sinnvoller ziviler Arbeitsplätze zu nutzen.



Verschwiegen wird, dass arbeitslose Jugendliche mit der Kürzung ihrer Leistungen rechnen müssen, sollten sie den Dienst beim Bund verweigern !
Verschwiegen wird, dass bei den Auslandseinsätzen allein in den letzten Jahren 1700 Frauen und Männer mit schweren und meist lebenslangen Psychosen zurückgekommen sind !
Verschwiegen wird, dass in der Bundeswehr Schikanen seitens der Ausbilder, gewalttätige Übergriffe, sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen, rassistische Beleidigungen und Diskriminierungen und nationalistische Hetze wie das Hissen der Reichsflagge und das Verteilen von Nazipropaganda nicht selten sind !
Verschwiegen wird, dass die meisten Jugendlichen nicht zur Bundeswehr gehen würden, wenn sie eine bessere Möglichkeit hätten !
Verschwiegen wird, dass Soldat kein normaler Beruf und die Bundeswehr kein normaler Arbeitgeber ist !

Die Bundeswehr ist das militärische Organ der BRD und ihre Aufgabe ist nicht die Sicherung und Herstellung von Frieden, sondern die Erschließung neuer Märkte, die Sicherung von Handelswegen und die Sicherung von Rohstoffen !

Deshalb fordern wir :

die Beendigung der Rekrutierungspropaganda der Bundeswehr !
die sofortige Beendigung aller imperialistischer Kriege !
die sofortige Beendigung der Kolonialisierung Afghanistans, Iraks und Kosovos

Krieg dem Imperialistischen Krieg !!!
Für die Soziale Revolution !!!

Kommt alle zur Demonstration am 20. September in Stuttgart und Berlin gegen die Verlängerung des Afghanistaneinsatzes !

Kontakt : Arbeitskreis Internationalismus  ak-i@gmx.de
weiter Infos zum Thema : Informationsstelle für Militarisierung www.imi-online.de
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Ergänzungen

KDV

elfboi 25.07.2008 - 21:39
Wer den Dienst mit der Waffe verweigert hat und anerkannter KDV ist, kann doch auch von der ARGE nicht dazu gezwungen werden, zum Bund zu gehen... da müßte es doch eigentlich schon Urteile geben. Falls nicht, sollte da endlich mal jemand klagen, damit ein Präzedenzfall geschaffen wird.