[thür] Langewiesen: Was tun, wenn's brennt!
Am Samstag, den 21. Juni 2008 fand in Langewiesen, einer Kleinstadt nahe Ilmenau im Thüringer Wald, eine Demonstration statt.
Unter dem Motto "WAS TUN, WENN'S BRENNT! Für Zivilcourage. Gegen die Nazifizierung der Provinz" waren 250 Menschen dem Aufruf der AGST und dem Langewiesener Bündnis gegen Rechtsextremismus gefolgt.
Besonderes Augenmerk wurde auf vergangene Anschläge gelegt, die die Jugendlichen um den Treffpunkt zu erleiden hatten und den Anlass für den Aufruf zu der Demonstration bildeten.
Die nahezu unerträglich bedrückende Situation die sich neben der ständigen Auseinandersetzung mit der Gewalt von Neonazis auch aus dem Leugnen des Naziproblems seitens VertreterInnen der Lokalpolitik ergibt schien für einen Tag lang durchbrochen.
So gab sich die Stadtverwaltung mit einem "Bürgerfest der Demokratie" und logistischer Unterstützung kooperationsbereit, nachdem (die in Langewiesen angeblich nicht existenten) Neonazis eine Gegendemo ankündigten.
Diese führten sie auf ähnlich langer Route zu fünfzigst während der Mittagsstunden ohne von Protest behelligt zu werden bei strömenden Regen durch, während die Antifa-Demo am frühen Nachmittag bei strahlender Sonne laufen konnte.
Nach einem Besuch der Garage führte die Demo mit einer spontanen Extrarunde um einen Kreisverkehr in verschiedene Wohngebiete, wo sie insgesamt mäßige, aber insgesamt positive, Reaktionen hervorrief.
Das obligatorische Polizeiaufgebot blieb, zumindest oberflächlich betrachtet gering und ersparte den Beteiligten weitestgehend unangenehme Zwischenfälle. So bleib es beim verbalen Versuch die unbegründeten Auflagen, die bestimmte Sprechchöre verboten, durchzusetzen. Ein herber Beigeschmack bleibt trotzdem, wenn die Post oder Stadtverwaltung zu Mitteln der Angst greifen und zum Beispiel die Auslieferung von Post am Samstag im Lichte der Gefahrenprognose unterbunden hat.
Bleibt zu hoffen, dass der Samstag der Beginn eines Umdenkens war und sich die Lokalpolitik eines besseren hat belehren lassen.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen
Hintergründe
UnterstützerInnen:
Alkoholverbot
manchmal lohnt demonstrieren doch ;)
presse
Mit Street-Soccer, Info-Ständen und Kuchen gegen Rechts
„Bunt statt Braun“ ging es am Samstag trotz Demo der rechten Szene in der Heinse-Stadt zu
Langewiesen – Als die Ordnungskräfte der Polizei am späten Samstagnachmittag abrückten, wurde auf dem Marktplatz vor dem
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Street-Soccer – auch Straßenfußball genannt – war ein großer Anziehungspunkt des Bürgerfestes.
Bild: G. Dolge
altehrwürdigen Rathaus noch gefeiert. Daniela Horn von der Polizeidirektion Gotha konstatierte, alle drei „Versammlungslagen des linken und rechten Spektrum“ seien ohne Störungen verlaufen. Gemeint waren der „Aufzug mit Kundgebungen “ rechter Kräfte mit rund 100 Teilnehmern am Vormittag durch die Stadt, der „Aufzug mit Zwischenkundgebungen“ linker und alternativer Kräfte mit 200 Teilnehmern auf einer ähnlichen Route am Nachmittag und ein „Bürgerfest auf dem Rathausplatz“.
Dass es „an diesem Tag zu Beeinträchtigen in Folge von Straßensperrungen und Verkehrsumleitungen kommen“ kann, dafür bat die Polizei schon Tage zuvor um Verständnis der Mitbürger. „Ganz zufrieden“ über friedlichen Verlauf des Tages zeigte sich am Nachmittag auch Rainer Zobel, stellvertretender Landrat, der als Vertreter der Ordnungsbehörde, den ganzen Tag präsent „zufrieden mit der Organisation“ war.
Lange vor Bürgerfest und Demonstrationen wurden in der Liebfrauenkirche Zeichen gesetzt. Die evangelische Kirchgemeinde und Pfarrer Veiko Mynttinen hatten für zehn Uhr zum Friedensgebet geladen. Auch Teilnehmer des Bürgerfestes nahmen diese Einladung an, sangen gemeinsam das Lied „Gib Frieden, Herr, gib Frieden“ und stimmten dem „Täglichen Gebet“ von Mahatma Gandhi zu, das mit den Worten schließt: „Ich will guten Willens sein gegen jedermann“. Pfarrer Mynttinen sagte es offen: „Langwiesen ist verunsichert“. Gegen die Demonstration des rechten Spektrums in Langewiesen forderte er die Bürgerinnen und Bürger auf, „Gesicht zu zeigen“, „genau hinzusehen“.Das konnte man auf dem Rathausplatz ausgiebig. Buden. Stände, Angebote in Hülle und Fülle. Immer dicht umlagert die „Kaffee-Bude“ von Annette Siefert, deren 14 verschiedene Kuchen, gebacken von den „Garagen“-Muttis, auf große Resonanz stießen. In der Verkaufsbude daneben konnte gleichberechtigt zwischen Thüringer Bratwürsten und veganen Burgern, also extrem fleischlosem Imbiss, gewählt werden.
Noch breiter war das Angebot an Informationen. Anja Blaschke von der Koordinierungsstelle „Vielfalt tut gut“ stand da neben der FAU, der Freien Arbeiter- und Arbeiterinnen-Union, einer Projektwerkstatt junger Anarchosyndikalisten aus Jena, und der bekannten VVN-Aktivistin Elke Pudszuhn. Die jungen Leute von „solid“ waren ebenso vertreten wie „mobit“, die mobile Beratung in Thüringen gegen Rechtsextremismus, die einen Tag nach Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes in Thüringen vom neuen Innenminister Manfred Scherer auf den versprochenen verstärkten Kampf gegen Rechtsextremismus wartet.
Mittendrin zwischen allen Buden und Ständen gab es Fußball, so genannten Street-Soccer. Das Fan-Projekt aus Jena machte auf Bitten der Veranstalter in Langwiesen Station. Auf einer 12 mal 8 Meter großen Anlage mit übermannshohen Netzen wurde den ganzen Tag über Fußball gespielt. „Wir spielen Drei gegen Drei ohne Torwart und ohne Schiedsrichter. Bei Fouls oder Unstimmigkeiten müssen sich die Spieler untereinander einig werden“, erklärte Andre Lorbeer, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Projektes, das Prinzip. „Und das klappt. Außerdem wirk so ein Soccer-Turnier ungemein deeskalierend“.
Ein friedliches Bürgerfest, dem es zuweilen an Besuchern aus dem Ort mangelte. Einen Hinweis dazu gab Stefan Bieber, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Orstvereins Ilmenau: „Ich begrüße, dass dieses Bürgerfest hier stattfindet und ich finde es gleichzeitig schlimm, dass man den Veranstaltern im Vorfeld derartige Probleme bereitet hat. Gott sei dank kam es nicht zu Störungen“, freute sich der Rechtsanwalt. „Die Veranstaltung ist ja nun wirklich nicht besonders konfliktträchtig, bis auf die Konflikte, gegen die sie gerichtet ist.“
Sichtlich zufrieden mit dem friedlichen Verlauf „dieser ersten politischen Veranstaltung außer den 1. Mai-Kundgebungen in Langewiesen“ waren auch die Veranstalter rund um die Langewiesener Stadträtin Anke Hofmann (Die Linke). „Ausgangspunkt für dieses Bürgerfest war für uns die Aufforderung von Ministerpräsident Althaus im März dieses Jahres, im Kampf gegen Rechts nicht nachzulassen.“ Dazu kamen Angriffe auf die „Garage“, den Alternativen Treffpunkt in der Stadt für „junge Leute zwischen 17 und 37“. Dem von außen oftmals vorgetragen Gewalt-Vorwurf gegenüber den jungen Leuten aus der alternativen Szene entgegnete sie: „Die Jungs wollen sich auch nach dem Fest weiter hier in der „Garage“ treffen können, wollen weiter durch die Stadt laufen, wollen hier weiter friedlich leben.“ Gleichzeitig konstatiert sie in Langewiesen wie im Ilmkreis eine starke Ignoranz gegenüber dem wachsenden Rechtsextremismus. „Ich gebe gern einen Kasten Sekt aus, wenn ich verlieren sollte, aber wir werden bei den Wahlen zu einhundert Prozent rechte Kandidaturen im Ilm-Kreis haben. Aber die Gemeinderäte und Bürgermeister sind doch überhaupt nicht darauf vorbereitet“, warnte die Stadträtin und Kreistagsabgeordnete. Das Bürgerfest war in diesem Sinne auch eine gute Gelegenheit, Zeichen zu setzen, Gesicht zu zeigen und sich zu informieren. dol
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