Berlin: Räumung des besetzten Gartens

Berliner 17.06.2008 19:50 Themen: Freiräume Repression Ökologie
Heute wurde in Berlin-Kreuzberg um etwa halb sieben Uhr abends der besetzte Platz vorerst(!) "freiwillig" geräumt...
Nachdem der grüne Ort mehrere Tage offen war und für vielfältige kulturelle, soziale und politische Veranstaltungen (Kino, leckere Volksküche, Basteln, Bauen, Pflanzen sähen, Clownshow für Kinder, Lagerfeuerromantik, Workshops etc.) genutzt wurde, wurde diesem neuen Nachbarschafts-Treff heute vorübergehend der Gar aus gemacht.
Grund war die Entscheidung der Kreuzberger Bezirks-Regierung, die hauptsächlich aus Mitgliedern der (Pseudo-)Grünen besteht. Diese Entscheidung wurde den Besetzer_innen offiziell durch Herrn Klees (Landschaftsamt o.ä.) um 17:15 Uhr mitgeteilt. Die Besetzer_innen hatten bis 18:00 Uhr Zeit, den Platz zu verlassen, ansonsten wäre mit brutaler Polizeigewalt geräumt worden (obwohl die rechtliche Situation umstritten ist, wie uns unser Anwalt mitteilte).
Die Besetzer_innen beschlossen daraufhin, das Gelände lieber kollektiv zu verlassen und sich vor dem Eingang zu positionieren. Herr Klees bestand dennoch darauf, das eingezäunte Grundstück wieder mit (s)einem lächerlichen Fahrradschloss (mehr symbolisch als nützlich) zu verschließen. Im Gegenzug dazu wurde ausgehandelt, dass das Gelände inkl. Transpis und Hütte im Status Quo verbleibt, bis die Verhandlungen über die Zukunft des Gartens abgeschlossen sind.
Als er schließlich mit seinem Schlösschen ankam, musste er gebückt durch einen künstlich von Menschen und deren Händen geschaffenen schmalen Gang gehen, wobei ihn lautes Protest-Gelächter begleitete. Humor ist, wenn man trotzdem lacht...
Im anschließenden Spontan-Plenum, kritisch von PMS-Zivi-Bullen beäugt, wurde dann eine Spontan-Demo für heute Abend und eine weitere für Sonntag beschlossen (Achtet auf Ankündigungen).
Das letzte Wort in Bezug auf diesen Platz ist definitiv noch nicht gesprochen...


Hintergründe zur Besetzung:
 http://de.indymedia.org/2008/06/220081.shtml
 http://de.indymedia.org/2008/06/220070.shtml
 http://de.indymedia.org/2008/06/219923.shtml
 http://www.tagesspiegel.de/berlin/;art270,2552546
 http://www.taz.de/regional/berlin/aktuell/artikel/1/der-gekaperte-garten/


PS.: Unsolidarische & faschistische Kommentare haben bitte zu unterbleiben.
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Ergänzungen

HEUTE: Anti -Räumungsdemo: 21h Mariannenplatz

Schulzenfranz 17.06.2008 - 20:07
Treffpunkt für Antiräumungsdemo ist 21 Uhr auf dem Mariannenplatz, 10997 Berlin, U-Bhf. Kottbusser Tor/Görlitzer Bahnhof/Ostbahnhof.

Aufpassen: Aktuell sind mind. 3 Hundertschaften in SO36 unterwegs.


Kommt alle und bringt eure FreundInnen mit!!!

Stellungnahme der Gruppe Bethaniengarten

b-garten-sympathisantin 17.06.2008 - 23:28
Erwiderung der Initiativgruppe Bethaniengarten zur Presseerklärung des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg anläßlich der Räumung auf der Freifläche Bethanien

Als eine Gruppe von AnwohnerInnen haben wir von Anfang an an der ausgerufenen Bürgerbeteiligung teilgenommen. Schnell wurde klar, daß, wie eine Vertreterin des Bezirksamtes erklärte, "es keine Gärten geben wird". Trotz wiederholt abgegebener Aussagen unsererseits wurden wir jetzt auch in der Presseerklärung des Bezirksamtes von heute Nachmittag falsch dargestellt:

1."exklusive, abgezäunte Nutzung", was wir wollen, ist ein Schutz des Gartengeländes vor Hunden, ansonsten soll das Gelände jederzeit und für Jedermann zugänglich sein. Eventuell zu befürchtenden Vandalismus oder Diebstahl nehmen wir in Kauf.

2. "geschlossene Gruppe": Wir sind keine geschlossene Gruppe, sondern werben im Gegenteil, daß immer mehr Menschen sich daran beteiligen. Falls irgendwann die Kapazität des Geländes erschöpft sein sollte, werden wir nicht sagen "das Boot ist voll", sondern eher für eine dem Bedarf entsprechende Lösung kämpfen.

3. "Gefahrenabwendung": als wir nachfragten, wo denn die Gasleitungen verlaufen, wurde die Antwort verweigert. Als wir von einem städtischen Arbeiter Näheres erfuhren, umgrenzten die BesetzerInnen die mögliche Gefahrenquelle, sodaß keinerlei Gefahr für irgendjemand bestand. Offenbar war dem Bezirksamt aber mehr daran gelegen, einen Räumungsgrund vorschieben zu können als irgendeine reale Gefahr.

4. "Der Bezirk hatte ... schon im Rahmen des Beteiligungsverfahrens entsprechende Flächen angeboten." Das vom Bezirk vorgeschlagene Stück entpuppte sich als von BüergerInnen zu pflegendes Parkgelände, das keinerlei Gemüse enthalten sollte. Irgendeine Form von kollektiver Selbstbestimmung wäre ausgeschlossen. BürgerInnen als kostenlose ParkpflegerInnen! Als uns schließlich eine Häuserlücke in der Waldemarstr. 32 genannt wurde, stellte sich heraus, daß hier AnwohnerInnen seit Jahren sich betätigen, abgesehen davon, daß das Gelände zu dunkel war. Auf die von uns selbst vorgeschlagene Alternative am Bethaniendamm hinter dem Kinderbauernhof, erhielten wir bis heute keine Reaktion.

Fazit:
Der Bezirk ist - entgegen der beteuerten Äußerungen - nicht an einem solchen Garten um das Bethanien herum interessiert. Warum wohl?
Wir vermuten, daß der Bezirk glaubt, sich möglichst "städtisch"-vornehm darstellen zu müssen, und dazu paßt die "Banalität" eines Gemüsegartens nicht.
Nun war aber das Gelände des Bethanien, wie auf alten Karten ersichtlich, hauptsächlich Nutzgelände mit Obst- und Gemüsegarten, sogar einem Kuhstall, allem, was ein armes Krankenhaus in einer armen Arbeitergegend benötigte.
Daran anzuknüpfen widerspricht offenbar dem Repräsentationsbedürfnis der Stadt. Wir fragen, was denn hier Denkmalschutz, von dem schließlich die vorgesehenen Gelder kommen, bedeuten soll?! Es kann doch nicht sein, daß hier Maßnahmen getroffen werden, nicht weil sie Sinn machen, sondern weil das vorgesehene Geld fristgerecht ausgegeben werden muß.
Wir dagegen meinen: lieber in Würde arm als vertrieben.
Der von den Planern angedachte "Hain" würde das Unterholz und damit viele Vögel entfernen und den Straßenlärm verstärkt auf das Gelände ziehen. Außerdem ist schwer verständlich, wieso an der einen Stelle die vorhandene Wiese dem sogenannten "Familiengarten" weichen soll, während die neu zu errichtende Liegewiese den Garten verhindert.
Das Bürgerbeteiligungsverfahren entpuppt sich uns als einziger Bluff!

Die Presseerklärung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg ist hier zu finden:
 http://www.berlin.de/ba-friedrichshain-kreuzberg/aktuelles/pressemitteilungen/archiv/20080617.1720.102924.html

Mehr zur Gartengruppe ist zu finden unter  http://gaerten-am-mariannenplatz.blogspot.com

Pressemitteilung von "Wir bleiben Alle!"

name 18.06.2008 - 01:14

« Besetzter Garten am Bethanien geräumt!
+++ Pressemitteilung zur angedrohten Räumung +++
17. Juni 2008
in Allgemein

Wir bleiben Alle!
Kampagne für Erhalt, Ausbau und das Erkämpfen autonomer Freiräume
wba.blogsport.de
0178 699 01 04
 wba-oeffentlichkeit@riseup.net

+++ Pressemitteilung vom 17.06.2008, 19:15 Uhr +++

Besetzte Fläche in Kreuzberg: Angedrohte Räumung und Demonstration

- Besetzte Fläche in Kreuzberg nach angedrohter Räumung vorrübergehend
verlassen
- Bezirk nimmt gewaltsamen Polizeieinsatz in Kauf und zeigt sich kaum
gesprächsbereit
- Demonstration um 21:00 Uhr am Mariannenplatz


Die seit Samstag besetzte Grünfläche am Mariannenplatz wurde soeben von
den Besetzenden vorrübergehend verlassen. Dies geschah, nachdem der vor
Ort anwesende Vertreter des Bezirks erklärte, die Fläche werde andernfalls
gewaltsam durch die Polizei geräumt. Diese Entscheidung hatte das
Bezirksamt anscheinend am Nachmittag getroffen. Angesichts eines massiven
Polizeiaufgebotes entschieden die Besetzenden, das Gelände vorerst
freiwillig zu verlassen. Der Eingang zum Platz wurde anschließend vom
Vertreter des Bezirks mit einem Fahrradschloss versperrt.

Die Anwesenden Menschen kritisierten das Verhalten von Seiten des Bezirks.
Zwar wurde immer wieder eine Gesprächsbereitschaft verkündet, andererseits
aber eine gewaltsame Räumung der Fläche ohne weiteres in Kauf genommen.

In den letzten Tagen wurde das Gelände von vielen Menschen bewohnt und
genutzt. So wurden erste Gartenprojekte angelegt, Veranstaltungen für
Kinder organisiert, Filme gezeigt und Konzerte gegeben. Dies alles geschah
unter großer Anteilnahme der anwohnenden Menschen.

Das eine solche Belebung einer ungenutzten Fläche von einem grünen
Bezirksbürgermeister unter Androhung von Gewalt zerstört wird, ist nicht
nachvollziehbar. Ein solcher Vorgang ist zudem leider kein Einzelfall in
Berlin. Erinnert sei z.B. an die Räumung des Geminschaftsgartens “Rosa
Rose” in Friedrichshain.

Für Projekte, die der Idee von Selbstorganisation folgen und ein
nicht-kommerzielles Selbstverständnis haben, scheint in der Stadt kaum
noch Platz zu sein. Die Wir Bleiben Alle! - Kampagne erklärt sich aufgrund
des Selbstverständnisses der Kampagne mit den Besetzenden und ihren Zielen
solidarisch.

Um gegen die angedrohte Räumung und den Beschluss des Bezirks zu
protestieren, findet heute Abend um 21:00 eine Demonstration am
Mariannenplatz statt.

Kontakt: 0178 / 699 01 04
 wba-oeffentlichkeit@riseup.net

Weitere Informationen zur Kampagne: www.wba.blogsport.de

Umstände der Räumung, massives Bullenaufgebot

Name 18.06.2008 - 01:23
Um ca. 16.40 Uhr kam besagter Herr Klees (oder so ähnlich) vom Grünflächenamt und teilte mit, dass der Platz um 18 Uhr polizeilich geräumt wird, wenn bis dahin die Beseter_innen nicht freiwillig den Platz verlassen haben sollten. Zum gleichen Zeitpunkt machte sich ein massives Bullenaufgebot in Kreuzberg 36 breit, bestehend aus ca. 300 - 400 Bullen (je etwa hundert am Mariannenplatz, am Moritzplatz und am Oranienplatz, und weitere im Kiez unterwegs), unterstützt durch schweres Räumgerät (Köpenicker Strasse) und mindestens einen Räumpanzer (Oranienstrasse). Später kam noch ein Polizeihubschrauber hinzu, der über dem besetzten Gelände kreiste.

Gegen 17 Uhr fand ein Telefonat mit Bürgermeister Schulz statt. Als einer der direkt Verantwortlichen für die Räumung weigerte er sich, zum Ort des Geschehens zu kommen.

Angesichts des massiven, völlig unangemessenen Polizeiaufgebotes verliessen die Besetzer_innen gegen 18 Uhr vorläufig die besetzte Fläche.

Jede Räumung hat ihren Preis? Zumindest der Bulleneinsatz dürfte nicht billig gewesen sein - und der politische Preis, den etwa die Grünen als eine der derzeit noch stärksten Parteien im Bezirk bezahlen werden, dürfte erst in den kommenden Wochen und Monaten feststehen - hoffen wir, dass er nicht zu niedrig ausfällt!

Heute Pressekonferenz 11.30

Name 18.06.2008 - 10:07
Einladung zur Pressekonferenz

Die Androhung massiver Gewalt führte gestern Abend zu einem vorläufigem Ende der Grünflächen-Besetzung in Berlin-Kreuzberg. An einer anschließenden Spontan-Demonstration gegen die Vertreibung beteiligten sich circa 250 Menschen.

Wir laden für heute (18. Juni) um 11:30 Uhr zu einer Pressekonferenz vor der zur Zeit unbesetzten Grünfläche ein.

Schwerpunkte der Pressekonferenz:

* Schilderungen zum Ablauf der Vertreibung

* Perspektiven der Grünfläche

* Demonstration ("Träume brauchen Freiräume", Auftakt: Sonntag 16 Uhr Mariannenplatz).

Sie finden die Grünfläche direkt neben dem Bethanien und dem Rauch-Haus (ehemaliges Bauschuttlager des Bezirks).

Presse

von heute 18.06.2008 - 10:19
taz

Besetzung
Grüne Gartenträume zerplatzt

Drei Tage lang war das Grundstück hinter dem Bethanien besetzt. Gestern drohte das Bezirksamt mit der Räumung. Die Besetzer verlassen den Garten daraufhin freiweilig. Streit über weitere Nutzung VON PLUTONIA PLARRE

Schutthaufen sind da. Und Sandberge. Zwischen den Betonquadern blühen Scharfgarbe, blauer Natternkopf und - überraschenderweise Erdbeeren. Das Beet ist mal von Arbeitern des Gartenbauamtes angelegt worden. Am Samstag hat eine Gruppe von Frauen und Männern den eingezäunten Garten hinter dem Nordflügel des Bethanien besetzt. Am Eingang flattert ein großes gelbes Transparent mit der Aufschrift "Mediaspree versenken". Nachdem in den ersten Tagen keine Polizei auftauchte, wurden immer mehr Zelte auf dem Platz aufgebaut. Mit einer Räumung rechnete hier so schnell niemand. "Es scheint alles ganz relaxed zu sein", sagte ein junger Mann, der sich als Clown namens Peter ausgab.

Das war Dienstagmittag. Wenige Stunden später zeigte sich, wie sehr der friedliche Eindruck getrogen hatte. Um 17.30 Uhr erreichte die Besetzer die Aufforderung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg, den Platz bis 18 Uhr zu räumen. "Die 24. Einsatzhundertschaft ist schon ausgerückt", rief ein Mann aufgeregt bei der taz an. Wenig später begaben sich 30 bis 50 Besetzer freiwillig vor das Gartentor, vorher hatten sie ihre Sachen in Sicherheit gebracht. Ob es noch zu einem Polizeieinsatz kam, war bis Redaktionsschluss offen. Für den Abend war eine Demo durch Kreuzberg geplant.

Auf Nachfrage bestätigte Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) am Abend nur so viel: Das Bezirksamt sei bei der Sitzung am gestrigen Dienstagmittag zu dem Schluss gekommen, dass die Besetzung des Grundstücks "nicht hinnehmbar" sei. "Das heißt, dass wir den Zustand dort aktuell beenden werden." Daran ließ Schulz keinen Zweifel: Eine neue Wagenburg oder ein Freiraum für Anhänger der linksautonomen Szene werde auf dem Gelände nicht geduldet.


berliner kurier/ ddp

Besetzte Grünanlage in Kreuzberg friedlich geräumt
17.06., 19:52 Uhr

Die Besetzung einer Grünanlage in Kreuzberg ist am Dienstagabend friedlich beendet worden. Zuvor hatte das Bezirksamt damit gedroht, die Fläche notfalls polizeilich räumen zu lassen. Wegen des massiven Polizeiaufgebots sei entschieden worden, den Bereich «vorübergehend» zu verlassen, teilten die Besetzer mit. Die Polizei bestätigte ein Ende der Park-Besetzung.

Die Grünfläche am Bethaniendamm, die dem Bezirk gehört, war am Sonntag von rund 50 Besetzern in Beschlag genommen worden. Das Bezirksamt hatte am Dienstag Gespräche mit den Besetzern führen wollen. Ein Sprecher wies daraufhin, dass das Bezirksamt Vorstellungen von «bewohnergetragenen Gärten» unterstütze. Allerdings werde es keine exklusive, abgezäunte Nutzungen durch «geschlossene Gruppen» geben.

Zugleich hatte das Bezirksamt unterstrichen, dass es die Nutzung durch die Besetzer aus Gründen der Verkehrssicherung unverzüglich beenden werde. Zur Begründung wurde unter anderem angegeben, dass unter der Fläche eine Gasdruckleitung verlaufe, die sich stellenweise nur 20 Zentimeter unter der Oberfläche befinde.


neues deutschland

Selbstorganisation statt Sichtachse
Gelände am Bethaniendamm für einen »Interkulturellen Garten« besetzt
Von Kerstin Ewald

Seit Samstagnachmittag belagert eine Gruppe aus verschiedenen selbstorganisierten Zusammenhängen das ehemalige Bauschuttlager des Bezirks Kreuzberg am Bethaniendamm. Einen »Interkulturellen Garten« wünscht sich die Gruppe. Er soll offen sein für alle Interessierten, jedoch fernab amtlicher Maßregelung frei gestaltet werden können. Mit der Besetzung greift die Gartengruppe in den seit Sommer letzten Jahres vom Bezirk angestrengten Dialogprozess um die Neugestaltung des Mariannenplatzes und Bethaniengeländes ein.

Schier unzugänglich wirkt das besetzte Gelände vom Bethaniendamm aus – hinter einem zwei Meter hohen Metallzaun, umgeben von Bäumen und Büschen. Doch dort zwischen Rauchhaus, Freiluftkino und Jugendamt sitzen einige fröhliche Gestalten, blinzeln mit verschmitzten Gesichtern in die Sonne und bemühen sich, trotz augenscheinlicher Entspannung eine kämpferische Ausstrahlung beizubehalten. »Wir gehen, wohin wir wollen«, hat jemand auf eine Holzplatte am Eingang des ehemaligen Bauschuttlagers gepinselt. Ein junger Mann bearbeitet einen Metallbottich mit der Flex – die Feuertonne, um die BesetzerInnen und Gäste gemütlich sitzen können, wenn es später dunkel wird und kühl.

Einzelne Mitglieder aus einer Gartengruppe hatten die Planungsworkshops des Bezirks zuvor besucht und waren unzufrieden mit dem Dialogprozess um die Neugestaltung des Areals. Zu stark vorstrukturiert sei das Verfahren, die befragten BürgerInnen hätten zwischen vier Architektenentwürfen entscheiden können, die jedoch allesamt eine strenge gestalterische Ordnung des Geländes vorsähen, einschließlich Abholzung der niedrigen Hölzer sowie der Einrichtung von »Sichtachsen« quer durch die Anlage.

Die Gartengruppe befürchtet, dass die geplante Übersichtlichkeit eher Anonymität und Unbehaglichkeit schafft und – ist das teure, repräsentative Projekt erst einmal verwirklicht – für Nischen, selbstorganisierte Freiräume und kleingärtnerische Ambitionen kaum Platz lässt. Das vom Bezirk geförderte Konzept der Familiengärten auf der jetzigen Liegewiese auf der Südseite des Bethanien sei keine Alternative für einen »Interkulturellen Garten«, da die Fläche sehr hügelig sei und bereits intensiv genutzt werde. Aus diesen Gründen stellen die Mitglieder der Gartengruppe nun ihr eigenes Konzept vor.

Interkulturelle Gärten haben zum Ziel, die Beteiligten aus verschiedenen Kulturen mit Kräutern und Gemüse zu versorgen. Gleichzeitig sollen sich Menschen mit verschiedenem kulturellen Hintergrund über die gemeinsame Gartenarbeit näherkommen. Im geplanten Garten am Bethaniendamm sollen dann kulturelle Aktivitäten von Open Air Kino bis hin zu politischen Workshops angeboten werden. Bereits in den letzten Tagen wurde einiges auf die Beine gestellt. So kamen die Kinder aus dem angrenzenden Waldekiez vorbei, um zusammen mit Clown Peter den neuen Garten begutachten. Einzelne Nachbarn, die die Initiative begrüßten, ließen sich auf dem Gelände blicken. Eine Frau äußerte allerdings leichte Befürchtungen es könnte nachts zu laut werden.

Während die Garteninitiative den Dialog mit Bezirkspolitikern sucht, bleibt die Kritik an der irregulären Landnahme nicht aus. »Die Grünen sind absolut für die Einrichtung interkultureller Gärten», meint Antje Kapek von der BVV Kreuzberg und für die Grünen im Stadtplanungsausschuss. Aber die Besetzung zum jetzigen Zeitpunkt sei unglücklich. Schließlich sei der vom Bezirk geführte Dialog in vollem Gange, es müsste ein Ausgleich mit den Interessen der anderen Anlieger gefunden werden, die sich eventuell von dieser Besetzergruppe ausgeschlossen fühlten.

Die Gartengruppe ist da anderer Meinung. Beispiele wie das des Nachbarschaftsgartens »Rosa Rose« in Friedrichshain hätten gezeigt, dass sich durchaus viele Leute aus der Nachbarschaft an solchen Garteninitiativen beteiligten.

Gestern Abend (nach Redaktionsschluss dieser Seite) räumten die Besetzer freiwillig das Gelände.


Berliner Zeitung

Überrumpelte Revolutionäre
Vor vier Tagen besetzten junge Leute eine Fläche am Bethanien - gestern Abend räumten sie selbst
Karin Schmidl

Das Ende war ziemlich banal. Gestern gegen 17.30 Uhr bat der Chef des Grünflächenamtes von Friedrichshain-Kreuzberg Adalbert Maria Klees darum, das bezirkseigene Gelände doch bitte (!) zu verlassen. Etwa 50 junge Leute, die die Freifläche am Künstlerhaus Bethanien seit dem Wochenende besetzt hielten, packten Schlafsäcke, Zelte und Essensreste zusammen und gingen. Murrend, aber kampflos räumten sie den Platz. Die zahlreich erschienenen Polizisten mit und ohne Uniform blieben Zuschauer. Die Besetzer, die das rund 2 500 Quadratmeter große Areal am Wochenende gekapert hatten, wurden ganz offensichtlich überrumpelt.

Noch kurz vorher hatten sie große Pläne geschmiedet, was auf dem eingezäunten Gelände so alles möglich ist. Die Ideen reichten vom Gemeinschaftsgarten über einen Ort mit Bauwagen zum Wohnen bis zum Platz für Zirkus und politische Debatten. Eines wollen alle nicht - das, was der Bezirk dort vorhat. "Geplant ist hier eine Liegewiese mit Baumreihen und beleuchteten Bänken, dazu bestimmt, Leute fürs tägliche Weiterschuften regenerieren zu lassen", sagte ein junger Mann, der sich Anton nennt. Er sprach über Verdrängung durch Globalisierung. Und davon, dass man Freiräume schaffen müsse. Wieso ein öffentlicher Park mit großer Liegewiese nicht genügend Freiraum bietet? "Wir wollen uns nicht vorschreiben lassen, was wir hier machen sollen." Am Abend stand Anton mit den anderen frustriert vor dem Tor.

Auch Hans Heim war gekommen. Er unterscheidet sich von den Besetzern schon dadurch, dass er seinen Namen nennt. Und dass er 69 Jahre alt ist. Heim hat zwei Jahre beim Projekt "Rosa Rose" in Friedrichshain mitgemacht; einer Baubrache, die von Anwohnern zum Garten gestaltet und schließlich vom Eigentümer geräumt wurde. Er wollte am Bethanien einen neuen Gemeinschaftsgarten anlegen. Einen interkulturellen Garten, in dem Anwohner aus verschiedenen Kulturen gemeinsam anbauen und ernten. Solche Gärten gibt es bereits, unter anderem in Neukölln, Treptow-Köpenick, Zehlendorf und Spandau. "Hier wäre der ideale Platz dafür", sagt Heim. Die verwilderte Freifläche wurde bis vor Kurzem vom Bezirk als Bauschuttlager genutzt. Nur 20 Zentimeter tief verläuft dort eine Gasleitung. Auch deshalb will der Bezirk nicht, dass dort gegärtnert wird. Den Gartenfreunden werde man eine andere Fläche anbieten, hieß es. Exklusive, abgezäunte Nutzungen durch geschlossene Gruppen würden jedoch nicht geduldet.

Der grüne Bürgermeister Franz Schulz, sonst Besetzern eher wohlgesonnen, war diesmal sauer. "Wir sind mit Anwohnern gerade in einer Diskussion darüber, was für eine Grünfläche dort entstehen soll. Es ist destruktiv, diesen Prozess per Faustrecht abzubrechen." Auch die Grünen und die Linken im Bezirk sind gegen die Besetzung - anders als vor drei Jahren, als die illegale Okkupation des Bethanien-Südflügels noch geduldet wurde.

Eigentlich waren die Besetzer sogar auf eine Räumung vorbereitet. Für diesen "Tag X" war für 18 Uhr eine Demo auf dem Mariannenplatz geplant. Doch weil dann alles so schnell ging, wurde die Demo auf 21.30 Uhr verschoben. Etwa 40 Unterstützer kamen. Die Polizei wartete mit 150 Beamten.

...sind halt auch nur Menschen?

Noch ein Angepöbelter 18.06.2008 - 17:49
Es ist banal, trotzdem möchte ich es loswerden:

als ich das gestern, Dienstag, den Platz besuchen wollte fand ich anstatt meiner Freundinnen und Freunde nur Bullen vor. Diese lungerten vor dem Eingangstor herum. Als ich auf sie zukam, rief mir einer entgegen:

"Solltest weniger Tabletten nehmen, Junge!"

ein anderer: "man is der fertig, voll am Ende"

Toll, ich kam von der Arbeit, inklusive der Pendelei davon halt recht geschlaucht. Klar, dass ich nicht dynamischen, zielstrebigen Schrittes unterwegs war: Im Gegensatz zu denen hab ich an dem Tag mehr gemacht,als in einer Grünanlage rumzustehn, Cigaretten zu rauchen und mit einem scheiß Schlagstock in der Gegen runzufuchteln...


Fazit: Wer A sagt, muss auch CAB sagen!


Für mehr gemütliche und nette Runden am Lagerfeuer!

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