Ernährungskrise in Costa Rica und Panama

Fabzgy 30.05.2008 15:48 Themen: Globalisierung Weltweit
Die Ernährungskrise in Panama und Costa Rica. Beobachtungen eines Fremden mit offenen Augen und Ohren.
Panama und Costa Rica haben viele Gemeinsamkeiten. Beide gehören geografisch zu Zentralamerika. Beide haben das Freihandelsabkommen mit den USA (CAFTA) unterzeichnet. Beide gelten als politisch Stabil und eher als Schwellenländer den dritte Welt, auf dem Sprung in die "Elite". Beide Länder haben, den "Empfehlungen" der Weltbank folgend, ihre Souveränitat in der Nahrungsmittelproduktion aufgegeben und billigere Nahrungsmittel vom Weltmarkt importiert.

Im April 2006 bezeichnete der damalige Agrarminister Costa Ricas, Alfredo Volio, das Konzept der eigenständige Nahrungsmittelproduktion seines Landes als überholt. Es sei weitaus effektiver und günstiger die Nahrungsmittel zu importieren.
Heute kostet ein Sack Reis (73.6 Kg) 23.958 Colones (~46 US$) auf dem Weltmarkt und damit 9.131 Colones (~18 US$) mehr als Reis der in Costa Rica produziert wird. Komischerweise kann Costa Rica aber nur 48 % des nationalen Reisbedarfs aus heimischer Produktion decken. Bei weißem Mais und schwarzen Bohnen sind es sogar nur 25 %.
Angesichts dieser Tatsachen rudert der heute Agrarminister zurück und verspricht das in spätestens zwei Jahren wieder 80 % des Reisbedarf im Lande produziert wird und 70 % des Bedarfs and weißem Mais und Bohnen.

Das Problem dabei ist aber das es in Costa Rica nicht genügend Saatgut gibt um Bohnen und Mais anzupflanzen. Der Saatgutmarkt wird weitestgehend von transnationalen Konzernen wie Monsanto beherrscht die beliebig an der Preisschraube drehen. Ähnlich stellt sich die Situation bei den Herrstellern von Pestiziden und Düngemitteln dar. Die Preise für einen Sack Dünger haben sich in Panama seit einem Jahr mehr als verdoppelt. Die genialen Mechanismen des Marktes, die die Presie niedrig halten sollten, versagen in diesem Fall mal wieder.

Diese Tatsache wiederlegt die Behauptung das die hohen Lebensmittelpreise eine Chance für Kleinbauern darstellen. Diese Kleinbauern können es sich nicht leisten ihr Land über Jahre unbewirtschaftet zu lassen und auf höhere Preise auf dem Weltmakrt zu warten. Die meisten verkaufen ihr Land und ihre landwirtschaftlichen Geräte und ziehen in die Stadt um dort als Tagelöhner ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Selbst die die ihr Land oder zumindest ein Teil davon behalten haben provitieren kaum von den hohen Weltmarktpreisen da zwischen den Weltmarktpreisen und den Preisen den die Zwischenhändler bezahlen ein großer Unterschied besteht. Außerdem steigen die Produktionskosten aufgrund der Preisexplosionen bei Dünger, Saatgut und Pestiziden schneller als die Preise für das Endprodukt.

Panama und Costa Rica sind zu reich als das hier mit ernsthaften Hungerrevolten zu rechnen ist. Man muss schon etwas genauer hinschauen um die Auswirkungen zu wahrzunehmen. Kleinbauern die nebenher mit dem Verkauf von Eiern hinzuverdient haben müssen diesen Nebenerweb aufgeben da es unmöglich ist Mais oder Getreide an die Hühner zu verfüttern. Schlecht ernäherte Hühner sterben nicht sofort - sie hören zuerst auf Eier zu legen. Eier gibt es trotzdem zu kaufen. Im Supermarkt, etwas teurer und aus industrieller Produktion.
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Ergänzungen

Mehr Informationen zur Ernährungskrise

Webspecht 30.05.2008 - 16:15
Mehr Informationen zur weltweiten Ernährungskrise gibt es im neuen Antiberliner, dessen Schwerpunkt sich dieses Mal um genau dieses Thema dreht.

kunstdünger

tagmata 30.05.2008 - 22:23
wird aus Erdöl hergestellt.

Cuba und Nicaragua müßten die Länder der Wahl sein, in denen sich Companer@s Expertise holen können, wie man mit den aktuellen Problemen umgeht. Denn diese mußten gerade in der Ära Reagan unter Bedingungen landwirtschaften, die den aktuellen nicht unähnlich sind. Vielleicht eher Nicaragua als Cuba - zum einen war Fidel niemals eine Bauernseele, und zum anderen war Cuba nie blockiert wie Nicaragua während der Hafenverminung 1984.

Zudem wird wichtig sein - immens und überlebenswichtig - daß die Saatgutproduktion auf lokale Basis zurückgeführt wird. Da ist es nötig, daß vor Ort geforscht wird, Lagertechniken entwickelt, gute Landsorten ausfindig gemacht (denn die Sorten die ein Indio auf sinem kleinen Acker anbaut, waren nie dazu gezüchtet eine Großstadt zu ernähren. Einige können es bestimmt, aber welche, da ist noch viel Forschungsbedarf) und vermehrt. Und generell ist es unglaublich wichtig, die gewonnenen Informationen zusammenzutragen und verfügbar zu machen - Datenbanken, Handbücher, Leute die übers Land reisen und den Campesinos kurz und bündig erzählen was Sache ist. Bei der Informationsverbreitung ist unbedingt drauf zu achten, eine virale Lizensierung zu verwenden, also z.B. CC-SA (Share Alike), um eine Rekommerzialisierung durch Saatgutmultis zu verhindern. Gerade Costa sollte das intellektuelle Potential haben, um die Kurve zu kriegen.

Es ist natürlich auch legal - Südafrika etc haben das bei HIVstatika vorgemacht - zur Abwendung einer existenziellen Krise Monsatons Patente einfach zu kassieren. Hungersnot bricht Patentrecht.

Wenn irgendwer Connex nach dort hat... vielleicht können die mit den Infos was anfangen. Aber akut kann man da kaum was machen; man wird aber sehr wohl verhindern können daß in 10 Jahren dort Zustände herrschen wie in Äthiopien; die aktuelle Krise ist here to stay. Sie wird mindestens 2 der nächsten 3 Jahre das Geschehen bestimmen, und nur für die die sich jetzt beginnen aus den ausbeuterischen und gerade kollabierenden Netzwerken herauszulösen besteht eine realistische Chance, daß danach zumindest das Gröbste vorbei ist.

Dazu muß aber ein Loslösungsprozeß in Gang kommen der am besten von unten nach oben geht. Also zunächst mal Kleinbauern hilft, um eine Massenflucht in urbane Slums abzuwenden. Dann Kollektive u.ä., um die Ernährung der urbanen Bevökerung auf ein nachhaltiges Fundament zu stellen. Letztendlich werden kommerzielle Großproduzenten sich anschließen müssen, weil ihnen ansonsten die Profite wegschwimmen.

Und wenn schon wer um seine Existenz gebracht wird, dann besser der Betreiber einer Großfarm als 1000 Kleinbauern. Es stimmt zuversichtlich, daß linke Ansätze in der Region historisch gesehen gute Chancen haben, solche Krisen zu meistern, rechte aber so gut wie immer dran scheiterten oder in Bürgerkrieg abrutschten.


Was ist mit den Zapatistas? Ich denke mal, sie wissen bescheid. Ich weiß nicht, wie sehr sie in der Lage sind, Leute abzustellen die die lacandonischen Erfahrungen gen Süden tragen, in Länder wo sie bislang eher weniger beachtet wurden. Aber eine historische Chance besteht ohne Frage. Es wäre schade, würde diese Chance vertan. Schade für die Menschen dort, schade für die Ideale.

Schön für uns andererseits, denn es ist wenn man es andersrum dreht, unser Sprit den sie da grad verfressen; die CDU/CSU sehen das zum Beispiel so, und sie fordern ja auch ganz offen den Krieg gegen Staaten denen die Verhinderung einer Hungersnot wichtiger ist als uns billigen Sprit zu verschaffen.

Darüber müssen wir uns im Klaren sein und da darf man sich als Linke auch gar keine Illusionen machen, denn die Reaktionäre werden uns in nicht allzuferner Zukunft vorhalten, unser "Gutmenschentum" setze "den Aufschwung" aufs Spiel. Und dann ist ans UNS, was für die Companer@s zu tun: nämlich die Reaktionären in die Jauchegrube der Geschichte zu entsorgen.

@ tagmata

Name 31.05.2008 - 17:18
"kunstdünger ... wird aus Erdöl hergestellt."

Hoppla. Genau wie Milch und Ostereier, ist doch klar.

 http://de.wikipedia.org/wiki/Kunstdünger

@ name/@ tagmata

besserwisser 31.05.2008 - 18:14
ein wichtiger grundstoff von kunstdünger ist ammoniak. dieser wird in einer synthese aus stickstoff und wasserstoff ( N2 + 3H2 = 2NH3 )hergestellt. der stickstoff wird aus der luft gewonnen und der wasserstoff aus ERDGAS (CH4)!!! also doch einem fossilem brennstoff...
und da der preis von erdgas an den von öl gebunden ist steigt auch dieser und schon ham die konzerne ein argument für steigende düngerpreise...
sry für den kommentar! musste einfach sein ;)

hat auf indy natürlich nix zu suchen...

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