Nazis werden Brüder: „Freies Netz“ und NPD

J M Semmel 29.05.2008 16:27 Themen: Antifa
Am 08. Juni werden in Sachsen die Wahlen der Kreistage und Landräte für die neu zu bildenden Landkreise stattfinden. Nachdem die „Freies Netz“-Nazis aus Nordsachsen (Delitzsch-Torgau-Oschatz) bereits im April ihre Kandidaten auf der NPD-Liste bekanntgaben, ziehen nun auch andere s.g. „Freie Kräfte“ aus Sachsen nach. Der bekannte Autonomen-Führer Thomas Gerlach hat in Zwickau den Anführer der „Autonomen Nationalisten Zwickau“ für die anstehenden Kreistagswahlen (Zwickauer Land) ins Rennen geschickt: Daniel Peschek.
Rudimente eines künftigen Wahlprogramms

„Daniel P.“ ist in Zwickau jedoch längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Bereits am 11. Januar 2008 widmete ihm die Lokalausgabe der „Freie Presse“ einen ganzen Artikel. Dieser behandelte das Verfahren gegen ihn am Amtsgericht Zwickau, in dem ihm versuchte gefährliche Körperverletzung nachgewiesen wurde. Am 01. Mai 2007 hatten er und sein 24-jähriger Mitbewohner, der Gitarist der NSHC-Band „Eternal Bleeding“, Sören Leibnitz (siehe Bild) eine unangemeldete Nazi-Demo in Zeitz besucht. Der wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung bereits verwarnte Peschek, hatte dort nachweislich versucht einen Polizisten zu treten.

Im Zuge von Ermittlungen gegen den NPD-Landtagsabgeordneten Peter Klose wurde auch Pescheks „Nazi-WG“ in der Bahnhofstraße 5 in Zwickau im Auftrag der Staatsanwaltschaft Zwickau von der Polizei durchsucht und sein PC beschlagnahmt. Als sie von einer Kranzniederlegung (Inschrift „Freie Kräfte Zwickau“) für die Wehrmachtsoldaten zu berichten wussten, rutschte eine Losung der Waffen-SS dazwischen. Es ist davon auszugehen, dass Peschek Autor dieses Artikels ist.

In der lokalen Partycommunity „zwigge.de“ ließ Peschek auch schon wiederholt die Hosen runter (siehe Bild). Im November 2007 kommentierte er dortige Bilder antifaschistischer Demonstranten folgendermaßen: ”einfach rein ins räumfahrzeug bis ultimo beschleunigen und mitten rein in den zeckenmob..nehmen sich doch eh nichts..ekelhaftes faschistenpack…”.

Konzeptloser Zick-Zack-Kurs ...?

Noch im Januar 2008 hieß es von Kamerad „Daniel“ auf der Zwickauer „Freies Netz“-Page: „...um ehrlich zu sein ist es uns völlig egal was für parolen die npd skandiert, da wir den weg der volksgemeinschaft gehen und nicht den einer partei“. Sechs Monate später will er für die NPD in den Kreistag des Zwickauer Landes einziehen.

Und bis heute lassen die „Autonomen“ keine Möglichkeit ungenutzt sich von der NPD zu distanzieren, während jedoch öffentlich stets gemeinsame Sache gemacht wird (indymedia: „Zwickau: Mit den Clowns kamen die Tränen“). Die seit dem 10. März wöchentlichen Kundgebungen des antisemitischen Verschwörungstheoretikers Christian Bärthel (NPD) in der Zwickauer Innenstadt gaben letztmalig Anlass dazu. Als Bärthel auf einem Flugblatt am 05. Mai unverblümt Klartext schrieb und die menschenverachtende Ideologie hinter dieser Veranstaltung offenbarte (indymedia: „Zwickau: Freies Netz zeigt wahres Gesicht“), setzten bei den „AN“ die bekannten, stets gleichen Reflexe ein. Bärthels einzige Zuhörerschaft, die „Autonomen Nationalisten“ (AN), distanzierten sich mal wieder.

Nationaler (Wahl-)Kampf

Da aber Prügeleien mit Polizisten, Hasstiraden gegen Andersdenkende und offensichtliche Unfähigkeit selbst für den Wahlkampf eines Nazis ungeeignet erscheinen, war nun doch etwas Erfindungsreichtum im Sinne der „nationalen Sache“ gefragt. So war sich selbst der 23-jährige schicke Lifestyle-Nazi Gunnar Finder (siehe Bild) nicht zu Schade Partei für die NPD zu ergreifen. Nur scheinbar hat er die Begriffe „Partei“ und „Party“ etwas durcheinander gebracht, denn nichts schien ihm dafür besser geeignet als die virtuelle Partycommunity „zwigge.de“ (Selbstbeschreibung: „Disco, Party & Fotos“). Nachdem die „AN“ ihre Aktivitäten auf dieser Plattform wegen schlichtem Desinteresse der User bereits zurücknehmen mussten, war auch dieser letzte Vorstoß ein Schuss in den Offen. Statt für seinen NPD-Kandidaten Peschek zu werben, offenbarte der erkorene Wortführer Finder vielmehr die mangelnde Intelligenz im Lager der „Autonomen“.

Aber auch dort wo sonst üblicherweise nur 22 Männer um einen Ball kämpfen, gingen die Nationalen für Peschek in den Kampf. So waren beim vergangenen Heimspiel des FSV Zwickau gegen Sachsen Leipzig am 21. Mai auch die üblichen Besucher der wöchentlichen Nazidemo anwesend, um gegen die „linken“ Ultragruppierungen beider Vereine zu wettern. Wie schon in der Vergangenheit wurden auch wieder mutmaßlich linke Stadionbesucher von den nationalen Aktivisten bedroht. Kein Zufall, denn einzelne Mitglieder des Fanclub „Combat Zwickau“ sind auch bei den „AN“ aktiv. Die Stadt und der Verein genehmigten gar die Vorfahrt des NPD-Wahlkampfmobils auf das Stadiongelände.

Und nicht nur im Fussballstadion läuft mensch Gefahr vom Wahlkampfteam der NPD Zwickau umworben zu werden. Wer sich jedoch nicht überzeugen lässt, muss Angst haben kurzerhand verprügelt zu werden. So kam es in Zwickau allein im Mai diesen Jahres viermal zu rechten Übergriffen auf „undeutsch“ aussehende oder andersdenkende Menschen, wie sich in den Chroniken von „Blick nach Rechts >>> Zwickau“ zeigt. Auch der 21-jährige Gitarist einer Naziband Alexander Schliwka (siehe Bild) kämpfte auf diese Art für die Wahl seines Führers Daniel Peschek.

...oder Strategie der Führer?

Angesichts dieser augenscheinlichen Konzeptionslosigkeit zwischen vehementer Abgrenzung zur NPD und Kandidatur für die Partei, bleibt die Frage offen, ob dieses Vorgehen vielleicht doch das Kalkül der „Freies Netz“-Strategen Maik Scheffler und Thomas 'ACE' Gerlach ist. Jugendliche sollen offensichtlich für die „nationale Sache“ begeistert werden, um später in der Partei zu landen. Und die wirbt mensch mutmaßlich eher mit dem „Freies Netz“-Slogan „unabhängig – frei – revolutionär“ als mit dem üblichen NDP-Parteigeplärre von wegen „Wir bleiben hier! Wir packen an!“. Außerdem wird im Aussehen und Auftreten kräftig von den modebewussten und kreativen „Linken“ kopiert und Action gegen die Langeweile in der Provinz wird den angehenden Parteikadern beim Aufkleber kleben und in der Innenstadt rumstehen („Demo“) auch geboten.

Doch so „unabhängig“ wie das „Freie Netz“ (FN) zu erscheinen versucht, ist es nicht. Vielmehr machen die Doppelmitgliedschaften von NPD´lern und FN´lern deutlich, dass auch das „FN“ nur einen weiteren militanten Arm der NPD, ähnlich „Sturm 34“, darstellt. Wer sich im „Freien Netz“ als starke Führerpersönlichkeit erweist, schlägt letztlich, wie Daniel Peschek in Zwickau, den Weg der NPD-„Parteibonzen“-Karriere ein. Da ist offensichtlich schnell vergessen, dass die nationalen „Kräfte“ sich stets als „frei“ titulieren. So werden in der Logik der Nazis die größten Feinde des „linksfaschistischen BRD-Systems“ selbst zur „kapitalistischen Machtstütze“. Und umso lächerlicher erscheint die in Mode gekommene Maskerade der „Autonomen Nationalisten“ in Gänze.
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Ergänzungen

alle NPD-Kandidaten für die Kreistagswahl

Zeitungsleser 29.05.2008 - 19:47
Die Clique um Gitta Schüßler:
- Schüßler, Gitta, MdL., 1961, Untere Hauptstr. 52, 09243 Niederfrohna
- Schüßler, Thomas, Monteur, 1962, Untere Hauptstr. 52, 09243 Niederfrohna
- Schüßler, Anne, Landwirtin, 1982, Untere Hauptstr. 20, 09243 Niederfrohna
- Münnich, Gerald, Fließenleger, 1963, Untere Hauptstr. 80a, 09243 Niederfrohna

Der bekannte Bodybuilder aus Meerane:
- Gentsch, Patrick, Referent, 1976, Crotenlaider Str. 44f, 08398 Meerane

Zwickauer Altnazis:
- Klose, Peter, Mitglied des Landtages, 1953, Talstr. 27, 08066 Zwickau
- Scharf, Fritz, Vorruhestand, 1951, Friedrich-Staude-Str. 67, 08060 Zwickau

Autonomenführer & Co:
- Peschek, Daniel, Auszubildender, 1986, Bahnhofstr. 5., 08056 Zwickau
- Krüger, Ronny, Auszubildender, 1984, Südstr. 11, 08066 Zwickau
- Gernegroß, Christian, arbeitssuchend, 1986, Bachstr. 11, 08056 Zwickau

wäre ja mal interessant zu wissen wer denn die anderen beiden sind?!


...und der Rest:
- Vogel, Hendrik, selbstständig, 1962, Johannisplatz 4, 09212 Limbach-O.
- Schneider, Thorsten, Speditionskaufmann, 1967, Waldenburger Str. 73, 09212 Limbach-O.
- Baumann, André, Instandhaltungsmechaniker, 1964, Herrenberg 4, 09350 Lichtenstein
- Penker, Guntram, Kfz-Handwerker, 1949, Mittelmühlstr. 31a, 08451 Crimmitschau
- Tremel, Heidi, arbeitssuchend, 1984, Erlbacher Str. 3, 09353 Oberlungwitz
- Beck, Stephan, Müllwerker, 1968, Erlbacher Str. 5, 09353 Oberlungwitz
- Kegel, Steffen, Fleischer, 1962, R.-Koch-Str. 32A, 09353 Oberlungwitz
- Geihe, Frank, Zimmerer, 1958, Lichtensteiner Str. 14A, 09337 Callenberg

Infos dazu

Hut 30.05.2008 - 08:40
von Leipziger Antifas:
 http://gamma.antifa.net/

Der Geist der Revolution...

X 30.05.2008 - 09:49
Haben die Nazis damals eigentlich auch Wörterbücher verbrannt? Oder gibt es in den Kommunen viel zu lachen, wenn Sie ihre Anträge schriftlich stellen?

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 11 Kommentare

Nazis sind trottel

1312 29.05.2008 - 16:44
... da tragen sie sogar schon Pullis der kommunistischen Hardcore Band "Boysetsfire" :-D

HAHAHA!

Commie 29.05.2008 - 17:01
BOY SETS FIRE sind bekennende US-KOMMUNISTEN!

Lacht die AN´s aus, wo ihr sie trefft!

Dolmetscher 29.05.2008 - 18:37
da hat ja jeder zweite von denen einen slawischen Namen.

schlecht!

fully flared! 29.05.2008 - 20:55
wayne interessierts? ist ohnehin schlechter als schlecht recherchiert!
teilweise einfach nur peinlich. aber das foto von peschek ist geil! haha. da kann die kreistagswahl ja kommen

Das wird immer peinlicher!!!

xantifax 29.05.2008 - 21:35
Selbsternannte Autonome Nationalisten, ganz dicke mit der Partei, laufen in Shirts von US-Kommunisten rum, wollen aussehen und rüberkommen wie Antifas und zeigen damit warscheinlich nichtmal bewusst nur ihre Bewunderung für einen Lifestyle der alles ist aber bestimmt nicht national! Die sind so dumm die merken noch nichtmal wie weit ihr Leben und ihre Lifestyle von dem abweicht, für was sie vorgeben zu kämpfen! AUSLACHEN, aber richtig!

Aber eigentlich ja auch ne gute Sache, denn so dekonstruieren sich die Nazis selbst und werden zu den, wie sie sie selbst nennen, "umerzogenen Multikulti's". Lachhaft, lächerlicher, "autonome" Nazis!!!

fotos?

nachdenker 30.05.2008 - 11:32
warum fehlen die fotos?

@ fully flared!

Zeitungsleser 30.05.2008 - 11:55
...denke schon, dass die Infos für einige Leute interessant sind. Allein schon die Reaktion beim FN zeigt doch, dass hier teilweise ins Schwarze getroffen wurde.
Wenn du meinst, dass der Artikel schlecht recherchiert ist, dann benenne doch bitte was genau und wie es in Zwickau denn in Wirklichkeit aussieht. Denke, die der/die autorIn und die indymedia-leser werden dir dankbar sein. Kritisieren ist einfach, mach es doch besser! Dafür gibt es schließlich die "Ergänzung"-Funktion.

zum inhalt

fully flared 31.05.2008 - 17:55
nunja, wenn man sich mal die neusten fotos auf dieser community anschaut, sieht man, dass die sich wohl nen dreck um den artikel scheren, egal ob im freien netz stellung bezogen wurde oder auch nicht! leider muss ich sagen, das der ihnhalt im text vom freien netz wahrheitsgemäßer ist, als das was hier verbreitet wird. nicht falsch verstehen, ich lehne mich nicht auf die seite der nazis, aber was hier verfasst wird sind aus der luft gegriffene theorien. wer die montagsdemos verfolgt hat, musste feststellen, das ein herr gerlach nur vereinzelt (eher ganz selten) anwesend war auch scheffler hat sich nur ein einziges mal blicken lassen. gerlach ist auch kein autonomer. das dürfte auch den meisten auf indy bekannt sein. trotzdem kommt es zu solchen falschaussagen. schon einmal darüber nachgedacht das der genannte typ nach schliwka nun schon der 3. gitarrist bei eternal bleeding sein muss? was machen die denn für irre musik! wer schliwka und den anderen schon mal gesehen hat und sich youtube videos der band angeschaut hat, müsste eigentlich feststellen, dass keiner der beiden in dieser band spielt. auf zwigge.de muss ich sagen, trifft es der netzartikel auch. zwar gibt es unter den nazis eine menge blindgänger, auf seiten von links gibt es in zwickau noch nicht mal einen lichtblick! vom fussballszenario habe ich mir persönlich ein bild machen können, als der spruchbanner im a-block eröffnet wurde, rannten die ultras von redkaos in richtung des a-blocks! vor dem spiel trafen sich die nazis auf einem parkplatz und gingen geschlossen mit ca 20 - 25 personen direkt ins stadion! im kampf gegen den braunen abschaum, sollte man schon bei der wahrheit bleiben, schließlich sammeln auch genügend zivilisten tagtäglich eindrücke von den geschehnnissen vor ort. ich weiß nicht ob es positiv für eine sich im aufbau befindliche antifagruppe ist, wenn man von beginn an mit falschen tatsachen zu werke geht.

dies nur meine meinung

alerta!

@ "fully flared"

Zeitungsleser 02.06.2008 - 11:37
...ihr seid soo witzig! auslachen ist tatsächlich das einzigste was mensch euch kann!
nur weil du dir hier den namen eines "linken" zwigge.de-users geklaut hast, nimmt dir noch lange keiner dieses gesabbel ab. absolut dilletantisch wie du als nazi hier versuchst die deutungshoheit über den obigen artikel an dich zu reißen. das zeigt, dass die darin getroffenen aussagen doch eher der wahrheit entsprechen. auch deine aktion hier als vermeintlich linker ist für mich ein weiterer beweis für die relevanz des artikels.

Fotos, bitte!!

Knut 02.06.2008 - 16:39
wo sind denn nun die Bilder??

Wer zieht die Fäden wirklich?

Dicke Polizist 02.06.2008 - 23:34
Also ich kann mir nicht vorstellen das einer der gennanten Personen eine gefahr darstellen.
Auch bezweifel ich das einer der gennanten Personen etwas führen.
ich denke die Fäden zieht jemand anderes, ....
wenn man den Müll liest den die untereinander verbreiten, sieht das so aus als will man vom wahren Hintergrund ablenken.
Das FN hatt ja auch nur Regional Aktionsradius, da finde ich die Reichsleute schlimmer......

ich weis auch nicht,...
Denke ich alein so?