Duisburg: Keine Ehrung für Nazis

duisburger 21.05.2008 13:48 Themen: Antifa
Bezirksvorsteher Heinz Plückelmann (SPD) will am Donnerstag vor dem Bergwerk Walsum einen Kranz anlässlich des 50. Todestags für das SA Mitglied und „Wehrwirtschaftsführer“ Dr. Wilhelm Roelen niederlegen.

Dr. Roelen war unter den Nazis Direktor der Schachtanlage Walsum (die damals zu Thyssen gehörte) und organisierte rücksichtslos den Einsatz von vielen Tausend Zwangsarbeitern. Seine verbrecherische Rolle ist aktenkundig. Warum ausgerechnet ihm in den fünfziger Jahren eine Strasse gewidmet wurde, ist unfassbar.

Seit Jahren fordern deshalb Antifaschisten und DIE LINKE. die Umbenennung der Strasse. Die Walsumer Initiative Erinnern gegen Rechts, appellierte bereits mehrfach an die Walsumer Sozialdemokraten, sich für die offizielle Umbenennung dieser Strasse einzusetzen.
Hinterbliebene und (Geistes-)Verwandte des Leiters von Schacht Walsum während der Nazizeit, Dr. Wilhelm Roelen, wollen am kommenden Donnerstag um 11.00 Uhr vor Schacht Walsum dessen 50. Todestag gedenken. Bezirksvorsteher Plückelmann (SPD) hat seine Teilnahme zugesagt.

Dazu Hermann Dierkes, Vorsitzender der Ratsfraktion der LINKEN:

„Wir halten die Aktion für eine unverfrorene Provokation der demokratischen Öffentlichkeit. Ich kann Herrn Plückelmann nur dringend raten, der Feier fernzubleiben. Es ist eine Verhöhnung der Zwangsarbeiter und Verschleppten, die unter Roelens Verantwortung im Interesse der Naziwirtschaft, ihrer Angriffskriege und des August-Thyssen-Konzerns als damaligem Eigner der Zeche ausgebeutet und gequält worden sind. Unter Roelens direkter Verantwortung sind nachweislich 121 junge Zwangsarbeiter umgekommen. Wenn für irgendjemanden Kränze niedergelegt werden, dann für die 121 in Schacht Walsum verheizten jungen Menschen.

Ist Roelen der Schindler von Walsum?

Interessierte Kreise verbreiten das Märchen, Roelen sei ein heimlicher Gegner von Nazis und Krieg gewesen. Gewissermassen eine Art kleiner Schindler aus Walsum, der nur zum Schein mit den Nazis kollaborierte, aber in Wahrheit alles Tat, um Menschen vor Verfolgung und Leid zu retten. U.a. sei er nie Mitglied von Naziorganisationen gewesen, habe sich für Verfolgte und die Belegschaft eingesetzt. Es ist richtig, dass Roelen vor 1933 Mitglied der katholischen Zentrumspartei war. Er war aber auch schon 1932 im rechtslastigen „Stahlhelm“ organisiert, der 1933 mit der SA fusionierte. Roelen war ausserdem Mitglied der Nazi“gewerkschaft“ DAF, im NS-Bund Deutsche Technik und im NSV. Aus seiner späteren Sicht alles Zwangsmitgliedschaften. Fakt ist auch, dass Generaldirektor Roelen – trotz vorhandener Differenzen mit örtlichen Nazivertretern – 1943 zum „Wehrwirtschaftsführer“ ernannt wurde. Für die Beurteilung seiner Rolle sind Fakten entscheidend und nicht Selbsteinschätzungen oder Aussagen von befreundeten (und selbst belasteten) Wirtschaftsgrößen seiner Zeit, die Roelen bei der „Entnazifizierung“ geholfen haben. Zeugen aus den Reihen seiner überlebenden Opfer hat Roelen nie angeführt. Aus Dokumenten geht klar hervor, wie sich Roelen für die Wirtschafts- und Kriegsziele der Nazis einsetzte. Er funktionierte in ihrem Sinne. Hier nur wenige Kostproben:

Roelen am 19.6.1941 vor der Reichvereinigung Kohle: „Es gibt keine andere deutsche Steinkohlengrube, die mit einem solchen Völkergemisch arbeitet wie Walsum“



Roelen am 9.7.1943 in einem Schreiben an die Reichsvereinigung Kohle: „Melde als Beweis der Leistungsreserve des Verbundbergwerks Walsum bisherige Spitzenförderung mit einer Fördermaschine von 5.555 Tonnen am 8. Juli, entsprechend 93 Prozent mehr gegenüber letztem Monatsdurchschnitt. Einsatz von zwei Dritteln Fremdarbeitern (…).

Roelen am 13.3.1943: „Die Thyssenschen Unternehmen waren und bleiben kriegswichtig, kriegsentscheidend, siegentscheidend“.

Nach der Naziherrschaft haben Gewerkschaft und Belegschaftsvertreter sich nachdrücklich dagegen gewandt, dass Roelen wieder als Leiter der Schachtanlage eingesetzt wurde. Vergeblich, wie in vielen anderen Fällen auch. „Schwamm drüber“ hiess die Parole in den Zeiten des „Wiederaufbaus“ und des Kalten Kriegs. Für seine Verdienste wurde in den fünfziger Jahren eine große Strasse in Walsum nach ihm benannt. Seit Jahren fordern viele Menschen Bezirk Walsum und Stadt Duisburg auf, den Skandal zu beenden und die Strasse endlich nach jemandem umzubenennen, der es verdient hat und der/die Vorbild für die Jugend sein kann. Das wurde bisher abgelehnt. Wie lange noch?“
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Ergänzungen

Gegenmobilisierung

xXx 21.05.2008 - 15:40
Treffpunkt: 22.5. um 10 Uhr vor dem Schacht in Walsum
Wegbeschreibung mit dem Auto:
A59 (aus RI Duisburg) Abfahrt Walsum, links abbiegen und immer geradeaus
über besagte Straße bis vor den Schacht Eingang auf der rechten Seite
nach dem Getränkemarkt

Wegbeschreibung ÖPNV:
903 bis Walsum Rathaus, Bus 919 bis zur Haltestelle Schacht Walsum

Keine Ehrung für Nazis und Kollaborateure!!

Lasst sie uns treffen, wen wir sie treffen!!!!

Wie bei Altermedia

SKRH17 22.05.2008 - 11:54
Der Geschichtsrevisionismus, den interessierte Kreise hier betreiben, unterscheidet sich in keinster Art und Weise von dem Revisionismus, der auf der extremen Rechten betrieben wird. In der DAF (und vergleichbare Organisationen) war die Mitgliedschaft im Dritten Reich Pflicht (ebenso wie ab 1939 für alle 14 bis 18-jährigen die Mitgliedschaft in HJ, BDM, u.d.). Daß der "Stahlhelm" eine extrem rechte Organisation war steht außer Zweifel, die Zwangsverschmelzung desselben mit der SA allerdings so darzustellen, wie dies hier geschieht (quasi als ob diese von den Mitgliedern der Organisation [ein paar hundert Nazisympathisanten und Opportunisten, nach dem Januar 1933, ausgeschlossen] freiwillig betrieben wurde) ist nun weder besonders objektiv, noch überhaupt irgendwie glaubwürdig. Und wer sich hier wieder als wackerer Widerstandskämpfer gebärdet (was die Pflicht-Mitgliedschaften in DAF, HJ, usw. betrifft), soll erst selber in die Situatíon kommen - und nicht bloß an seinem Schreibtisch (vor seinem PC) hierüber phantasieren.

Die gleichen Leute, die hier auf diese Art und Weise Geschichtsumschreibung betreiben, könnten genau so auf der extremen Rechten die "Protokolle der Weisen von Zion" zu "authentischen" Dokumenten umschreiben...

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nebenbei — antifascist