Rassistische Pogrome in Italien
Offenbar toben seit Tagen heftige rassistische Ausschreitungen - insbesondere gegen Roma - in Italien. Da hier bislang noch keine Infos gepostet wurden, hier einige Presseartikel.
Es wäre gut, wenn Leute Genaueres berichten oder evtl. Sachen aus Italien übersetzen und posten könnten, insbesondere, was Gegenaktivitäten angeht.
Es wäre gut, wenn Leute Genaueres berichten oder evtl. Sachen aus Italien übersetzen und posten könnten, insbesondere, was Gegenaktivitäten angeht.
Molotow-Cocktails auf Roma-Baracken
(taz, 15.5.08)
In Neapel ist es zu Pogromen in Roma-Siedlungen vor laufender Kamera gekommen. Die Regierung Italiens liefert passende politische Begleitmusik. VON MICHAEL BRAUN
Kampf gegen die Flammen: Feuerwehrmann beim Löschen brennender Baracken
ROM taz In Neapel ist es am Montag und Dienstag zu schweren Ausschreitungen gegen Roma gekommen. Auslöser war die Verhaftung einer 16-jährigen Romni unter der Anschuldigung, es habe ein Baby zu entführen versucht.
Dutzende Bewohner des heruntergekommenen Stadtteils Ponticelli zogen am Montagabend vor die fünf Roma-Barackenlager des Viertels; in der Nacht flogen die ersten Molotow-Cocktails. Zu erneuten Ausschreitungen kam es am Dienstag, als sich mehrere hundert mit Knüppeln, Eisenstangen und Steinen bewaffnete Bürger vor den Camps einfanden. Die Pogrome fanden auch im Fernsehen statt. Ein zur Berichterstattung angerücktes Kamerateam des italienischen Staatssenders RAI war vor ein Lager gezogen, um für die Sendung "Leben live" über den "Unmut der Anwohner" zu berichten - und die nutzten ihrerseits die Gelegenheit, ganz Italien live an ihrem Pogrom teilhaben zu lassen: Erst durften die braven Bürger ihre Hassparolen in die Kameras sprechen und dann ihrem Hass freien Lauf lassen. Am Ende wurden drei Camps und ein leer stehendes, in letzter Zeit von Roma besetztes Gebäude abgefackelt.
Unklar ist, was sich wirklich am letzten Samstag in jener Wohnung zutrug, in der der angebliche Entführungsversuch stattgefunden haben soll. Sicher ist bloß, dass eine 16-jährige rumänische Romni in dem Wohnhaus war. Die zum Zeitpunkt der angeblichen Tat in ihrer Wohnung anwesende Mutter des Babys behauptet, das Mädchen habe versucht, ihr Kind zu rauben. Solche Anschuldigungen gibt es in Italien - und nur dort - alle paar Monate. Nicht ein einziges Mal allerdings hatten sie allerdings bisher Bestand. Das macht aber nichts: Jedes Mal sind sie für die Medien ein gefundenes Fressen. Auch das gibt es wohl nur in Italien: Ganz ernsthaft und ohne die Spur eines Zweifels setzen sich respektable Journalisten mit der "Tatsache" auseinander, dass "Zigeuner Kinder stehlen" - und schaffen so das Klima für Pogrome.
Neben Steinhageln und Brandattacken wurden auch Übergriffe auf einzelne Roma gemeldet; so wurden zwei Roma-Frauen, die bloß einkaufen wollten, rabiat aus einem Supermarkt vertrieben. Die Polizei beschränkte sich darauf, etwa 100 Roma aus ihren Lagern - und aus dem Stadtteil - wegzueskortieren. Verhaftungen von Brandstiftern und Steinewerfern wurden nicht gemeldet. Sie wären im gegenwärtigen politischen Umfeld auch nicht willkommen: Der Mob darf sich über Verständnis von ganz oben freuen. Schließlich ist es die italienische Regierung, die unter Berlusconi den "Notstand" an der Ausländerfront ausgerufen hat und ein hartes Maßnahmenpaket vorbereitet. Schon hat Innenminister Bobo Maroni von der Lega Nord für die Metropolen Mailand und Rom zwei Roma-Sonderkommissare bestellt, die das Problem definitiv lösen sollen. Selbst die "Aussetzung" des Schengen-Abkommens erwog Maroni, musste sich aber von Außenminister Franco Frattini belehren lassen, dass das nicht geht.
Wenig Widerspruch kommt von der Opposition. Die zur linken Demokratischen Partei gehörende Bürgermeisterin Neapels, Rosa Russo Iervolino, jedenfalls bekundete "teilweise Verständnis" für die Roma-Hatz in ihrer Stadt.
(
http://www.taz.de/nc/1/politik/europa/artikel/1/nach-muellbergen-brennen-roma-baracken&src=PR)
Hunderte Roma flüchteten
(Österreichischer Rundfunk/ORF, 16.5.08))
Auch in Rom und Mailand gibt es Spannungen wegen Roma-Siedlungen.
In Italien ist eine regelrechte Hetzjagd auf Roma und Sinti losgegangen. Seit einigen Tagen werden rund um Neapel Roma attackiert.
So griffen wütende Einwohner eines Vorortes von Neapel am Mittwochabend erneut Roma-Siedlungen an. Baracken wurden in Brand gesetzt, Jugendliche auf Mopeds warfen Molotowcocktails gegen die Barackenlager im neapolitanischen Vorort Ponticelli. Hunderte von Roma, die in den Siedlungen wohnten, ergriffen mit ihren Fahrzeugen die Flucht.
16-Jährige soll Baby entführt haben
Seit Dienstag sind gewalttätige Proteste gegen Roma-Siedlungen im Gange. Die Gewalt brach aus, nachdem eine 16-jährige Romni angeblich am Wochenende versucht hatte, ein sechs Monate altes Baby aus einer Wohnung der Gegend zu entführen. Das Mädchen wurde festgenommen.
Anschuldigungen während Wahlkampfs
Die rund 2.000 Roma rumänischer Staatsangehörigkeit, die im Großraum von Neapel leben, werden für zahlreiche Diebstähle in der Gegend verantwortlich gemacht. Besonders während des letzten Wahlkampfes wurden sie wiederholt verschiedener Straftaten beschuldigt.
"Niemand ist mehr sicher. Ich kann meine Kinder nicht mehr allein auf die Straße schicken, aus Angst, dass sie entführt werden könnten", sagte eine aufgebrachte Mutter.
Camorra hetzt Bevölkerung auf
Die Polizei vermutet die Camorra, den neapolitanischen Arm der Mafia, hinter der Gewalt.
"Die Camorra hetzt die Bevölkerung auf, damit sich die Polizei mit den Krawallen auseinandersetzen muss und das organisierte Verbrechen in Ruhe lässt", sagte ein lokaler Journalist.
UNO fühlt sich an Balkan erinnert
Der Stadtrat in Neapel verurteilte die gewalttätige Aktion gegen die Siedlung und sprach von einem "kriminellen Angriff".
Die Sprecherin der UNO-Flüchtlingsorganisation UNHCR, Laura Boldrini, verurteilte die "an den Balkan erinnernden Szenen aus Neapel". Sie rief die Institutionen auf, die Angriffe gegen die Roma zu verurteilen.
Razzia in Rom
Das Problem der Roma-Siedlungen betrifft auch andere Großstädte Italiens. In Rom wurde am Donnerstagvormittag eine Roma-Siedlung durchsucht, in der 630 Menschen leben. 50 Personen ohne Dokumente wurden festgenommen.
Mailand: Proteste gegen Roma-Siedlungen
In den vergangenen Wochen war es auch in Mailand wiederholt zu Protesten gegen Barackensiedlungen von Sinti und Roma gekommen. Innenminister Roberto Maroni verlieh der Mailänder Bürgermeisterin Letizia Moratti Sonderkompetenzen zur Bewältigung der Krise.
In der lombardischen Hauptstadt war es zuletzt zu Spannungen wegen der vom Stadtrat beschlossenen Zwangsräumung des größten Roma-Lagers in Norditalien gekommen.
Erzbischof: "Unmenschliches Verhalten"
Erzbischof Dionigi Tettamanzi warf den Politikern der norditalienischen Metropole "unmenschliches Verhalten" vor. Die Barackensiedlung mit Hunderten Familien an der Peripherie der Industriemetropole, gegen die Mailänder Bürger wiederholt protestiert hatten, war mit Baggern abgerissen worden.
Neues Sicherheitspaket geplant
Seit Aufnahme Rumäniens in die Europäische Union im Jänner 2007 stieg die Zahl der Sinti und Roma in Italien stark. Die meisten von ihnen leben im Großraum von Rom.
Die italienische Regierung will kommende Woche ein Sicherheitspaket zur Bekämpfung der illegalen Immigration und der Kriminalität verabschieden.
Die rumänische Regierung verlangt Garantien, dass das neue Kabinett von Silvio Berlusconi keine Maßnahmen ergreift, die den rumänischen Immigranten in Italien schaden können.
(
http://orf.at/080515-25090/?href=http%3A%2F%2Forf.at%2F080515-25090%2F25092txt_story.html)
(taz, 15.5.08)
In Neapel ist es zu Pogromen in Roma-Siedlungen vor laufender Kamera gekommen. Die Regierung Italiens liefert passende politische Begleitmusik. VON MICHAEL BRAUN
Kampf gegen die Flammen: Feuerwehrmann beim Löschen brennender Baracken
ROM taz In Neapel ist es am Montag und Dienstag zu schweren Ausschreitungen gegen Roma gekommen. Auslöser war die Verhaftung einer 16-jährigen Romni unter der Anschuldigung, es habe ein Baby zu entführen versucht.
Dutzende Bewohner des heruntergekommenen Stadtteils Ponticelli zogen am Montagabend vor die fünf Roma-Barackenlager des Viertels; in der Nacht flogen die ersten Molotow-Cocktails. Zu erneuten Ausschreitungen kam es am Dienstag, als sich mehrere hundert mit Knüppeln, Eisenstangen und Steinen bewaffnete Bürger vor den Camps einfanden. Die Pogrome fanden auch im Fernsehen statt. Ein zur Berichterstattung angerücktes Kamerateam des italienischen Staatssenders RAI war vor ein Lager gezogen, um für die Sendung "Leben live" über den "Unmut der Anwohner" zu berichten - und die nutzten ihrerseits die Gelegenheit, ganz Italien live an ihrem Pogrom teilhaben zu lassen: Erst durften die braven Bürger ihre Hassparolen in die Kameras sprechen und dann ihrem Hass freien Lauf lassen. Am Ende wurden drei Camps und ein leer stehendes, in letzter Zeit von Roma besetztes Gebäude abgefackelt.
Unklar ist, was sich wirklich am letzten Samstag in jener Wohnung zutrug, in der der angebliche Entführungsversuch stattgefunden haben soll. Sicher ist bloß, dass eine 16-jährige rumänische Romni in dem Wohnhaus war. Die zum Zeitpunkt der angeblichen Tat in ihrer Wohnung anwesende Mutter des Babys behauptet, das Mädchen habe versucht, ihr Kind zu rauben. Solche Anschuldigungen gibt es in Italien - und nur dort - alle paar Monate. Nicht ein einziges Mal allerdings hatten sie allerdings bisher Bestand. Das macht aber nichts: Jedes Mal sind sie für die Medien ein gefundenes Fressen. Auch das gibt es wohl nur in Italien: Ganz ernsthaft und ohne die Spur eines Zweifels setzen sich respektable Journalisten mit der "Tatsache" auseinander, dass "Zigeuner Kinder stehlen" - und schaffen so das Klima für Pogrome.
Neben Steinhageln und Brandattacken wurden auch Übergriffe auf einzelne Roma gemeldet; so wurden zwei Roma-Frauen, die bloß einkaufen wollten, rabiat aus einem Supermarkt vertrieben. Die Polizei beschränkte sich darauf, etwa 100 Roma aus ihren Lagern - und aus dem Stadtteil - wegzueskortieren. Verhaftungen von Brandstiftern und Steinewerfern wurden nicht gemeldet. Sie wären im gegenwärtigen politischen Umfeld auch nicht willkommen: Der Mob darf sich über Verständnis von ganz oben freuen. Schließlich ist es die italienische Regierung, die unter Berlusconi den "Notstand" an der Ausländerfront ausgerufen hat und ein hartes Maßnahmenpaket vorbereitet. Schon hat Innenminister Bobo Maroni von der Lega Nord für die Metropolen Mailand und Rom zwei Roma-Sonderkommissare bestellt, die das Problem definitiv lösen sollen. Selbst die "Aussetzung" des Schengen-Abkommens erwog Maroni, musste sich aber von Außenminister Franco Frattini belehren lassen, dass das nicht geht.
Wenig Widerspruch kommt von der Opposition. Die zur linken Demokratischen Partei gehörende Bürgermeisterin Neapels, Rosa Russo Iervolino, jedenfalls bekundete "teilweise Verständnis" für die Roma-Hatz in ihrer Stadt.
(
http://www.taz.de/nc/1/politik/europa/artikel/1/nach-muellbergen-brennen-roma-baracken&src=PR) Hunderte Roma flüchteten
(Österreichischer Rundfunk/ORF, 16.5.08))
Auch in Rom und Mailand gibt es Spannungen wegen Roma-Siedlungen.
In Italien ist eine regelrechte Hetzjagd auf Roma und Sinti losgegangen. Seit einigen Tagen werden rund um Neapel Roma attackiert.
So griffen wütende Einwohner eines Vorortes von Neapel am Mittwochabend erneut Roma-Siedlungen an. Baracken wurden in Brand gesetzt, Jugendliche auf Mopeds warfen Molotowcocktails gegen die Barackenlager im neapolitanischen Vorort Ponticelli. Hunderte von Roma, die in den Siedlungen wohnten, ergriffen mit ihren Fahrzeugen die Flucht.
16-Jährige soll Baby entführt haben
Seit Dienstag sind gewalttätige Proteste gegen Roma-Siedlungen im Gange. Die Gewalt brach aus, nachdem eine 16-jährige Romni angeblich am Wochenende versucht hatte, ein sechs Monate altes Baby aus einer Wohnung der Gegend zu entführen. Das Mädchen wurde festgenommen.
Anschuldigungen während Wahlkampfs
Die rund 2.000 Roma rumänischer Staatsangehörigkeit, die im Großraum von Neapel leben, werden für zahlreiche Diebstähle in der Gegend verantwortlich gemacht. Besonders während des letzten Wahlkampfes wurden sie wiederholt verschiedener Straftaten beschuldigt.
"Niemand ist mehr sicher. Ich kann meine Kinder nicht mehr allein auf die Straße schicken, aus Angst, dass sie entführt werden könnten", sagte eine aufgebrachte Mutter.
Camorra hetzt Bevölkerung auf
Die Polizei vermutet die Camorra, den neapolitanischen Arm der Mafia, hinter der Gewalt.
"Die Camorra hetzt die Bevölkerung auf, damit sich die Polizei mit den Krawallen auseinandersetzen muss und das organisierte Verbrechen in Ruhe lässt", sagte ein lokaler Journalist.
UNO fühlt sich an Balkan erinnert
Der Stadtrat in Neapel verurteilte die gewalttätige Aktion gegen die Siedlung und sprach von einem "kriminellen Angriff".
Die Sprecherin der UNO-Flüchtlingsorganisation UNHCR, Laura Boldrini, verurteilte die "an den Balkan erinnernden Szenen aus Neapel". Sie rief die Institutionen auf, die Angriffe gegen die Roma zu verurteilen.
Razzia in Rom
Das Problem der Roma-Siedlungen betrifft auch andere Großstädte Italiens. In Rom wurde am Donnerstagvormittag eine Roma-Siedlung durchsucht, in der 630 Menschen leben. 50 Personen ohne Dokumente wurden festgenommen.
Mailand: Proteste gegen Roma-Siedlungen
In den vergangenen Wochen war es auch in Mailand wiederholt zu Protesten gegen Barackensiedlungen von Sinti und Roma gekommen. Innenminister Roberto Maroni verlieh der Mailänder Bürgermeisterin Letizia Moratti Sonderkompetenzen zur Bewältigung der Krise.
In der lombardischen Hauptstadt war es zuletzt zu Spannungen wegen der vom Stadtrat beschlossenen Zwangsräumung des größten Roma-Lagers in Norditalien gekommen.
Erzbischof: "Unmenschliches Verhalten"
Erzbischof Dionigi Tettamanzi warf den Politikern der norditalienischen Metropole "unmenschliches Verhalten" vor. Die Barackensiedlung mit Hunderten Familien an der Peripherie der Industriemetropole, gegen die Mailänder Bürger wiederholt protestiert hatten, war mit Baggern abgerissen worden.
Neues Sicherheitspaket geplant
Seit Aufnahme Rumäniens in die Europäische Union im Jänner 2007 stieg die Zahl der Sinti und Roma in Italien stark. Die meisten von ihnen leben im Großraum von Rom.
Die italienische Regierung will kommende Woche ein Sicherheitspaket zur Bekämpfung der illegalen Immigration und der Kriminalität verabschieden.
Die rumänische Regierung verlangt Garantien, dass das neue Kabinett von Silvio Berlusconi keine Maßnahmen ergreift, die den rumänischen Immigranten in Italien schaden können.
(
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Ergänzungen
Hinweise auf weitere Artikel
Es wird keine Garantien geben
Spanien kritisiert Italiens Ausländerpolitik
In landesweiten Razzien gegen Roma-Siedlungen hatte die Polizei hunderte Ausländer festgenommen. Mehr als 50 von ihnen wurden sofort ausgewiesen. Künftig will die Mitte-Rechts-Koalition von Silvio Berlusconi illegale Einwanderung unter Strafe stellen. Und erwägt, die abgeschafften Grenzkontrollen innerhalb der EU wieder einzuführen.
Am jährlichen Grundungsfesttag der Polizei auf dem Piazza del Popolo in Rom versuchte Innenminister Roberto Maroni von der fremdenfeindlichen Lega Nord zu beschwichtigen: Der Ärger dürfe nicht seinen Weg in die Gesellschaft finden, so Maroni. Ungerechtfertigte Gewalt, wie etwa vor wenigen Tagen in Neapel, dürfe sich nicht wiederholen.
"Wir haben keine Angst", riefen mehrere Napolitaner gestern den Roma zu, deren Hütten sie zuvor angezündet hatten, nachdem ein Roma-Mädchen versucht haben soll, ein Baby zu entführen. Unter dem Schutz der Polizei verließen die Bewohner ihr Lager. Die UNO sprach von "Balkan-Verhältnissen".
Mehr als ein Drittel der rund 160.000 Sinti und Roma in Italien stammen aus Rumänien, ihre Zahl stieg seit dem rumänischen EU-Beitritt stetig. Beide Länder vereinbarten gestern, eine gemeinsame Expertengruppe einzusetzen.
Roma-Baracken brennen
In Neapel gehen Barackensiedlungen in Flammen auf, in Mailand werfen Unbekannte einen Brandsatz in ein Haus, in dem zwei Rumänen schlafen. Im ganzen Land führt die Polizei Razzien durch, mit denen vor allem die illegale Einwanderung bekämpft werden soll. Und gleichzeitig berät die neue italienische Regierung strenge Maßnahmen, besonders gegen Ausländerkriminalität und die illegale Einwanderung.
Die Devise: Null Toleranz gegenüber kriminellen Ausländern. Manch einer schießt allerdings weit über das Ziel hinaus. In Neapel etwa, wo in den vergangenen Tagen mehrere Barackensiedlungen in Flammen aufgingen, in denen vor allem aus Rumänien zugewanderte Sinti und Roma leben. In den Ruinen wurden die Reste von Molotow-Cocktails gefunden. Verletzt wurde niemand.
Die Ausschreitungen in Neapel waren ausgelöst worden, nachdem kürzlich eine 17-jährige Roma in einer Privatwohnung festgenommen wurde. Sie hatte dort angeblich versucht, einen Säugling zu entführen. Die Polizei nahm die Frau fest, die aus einem der Lager stammen soll, die abgebrannt sind. Aufgebrachte Bürger sollen die Baracken angesteckt haben. Die Bewohner verließen noch Dienstagnacht fluchtartig ihre Behausungen und wurden von der Polizei in eine Schule am anderen Ende der Stadt eskortiert. Gestern wurden neue Brände gemeldet.
Gestern meldete die Polizei, sie habe in der Nacht zum Donnerstag in neun Regionen Razzien durchgeführt. In Rom kontrollierten Beamte beispielsweise die Papiere von rund 700 Bewohnern eines Lagerplatzes in Rom, wo vorwiegend Rumänen, Serben und Bosnier leben.
Die Festnahmen richteten sich sowohl gegen illegal nach Italien eingewanderte Menschen, als auch gegen kriminelle Einheimische. 268 der Festgenommenen seien Ausländer, teilte die Polizei mit. „Es handelt sich um eine Operation gegen Straftaten, die in Verbindung mit illegaler Einwanderung stehen“, sagte ein Sprecher der Polizei. „Die Aktion ist positiv“, urteilte Reformminister Umberto Bossi. „Das ist, was die Leute wollen.“ Über die Geschehnisse in Neapel sagte der Chef der Lega Nord: „Die Leute machen das, was die politische Klasse nicht fertig gebracht hat.“
Erst im April hatte das Innenministerium über die ansteigende Ausländerkriminalität berichtet. Rumänische Staatsbürger liegen dabei an der Spitze der Statistik. Seit Aufnahme Rumäniens in die EU im Januar 2007 stieg die Zahl der Sinti und Roma in Italien stark an. Nach offiziellen Zahlen leben in Italien 342.000 Mitglieder der Bevölkerungsgruppe, die Caritas schätzt ihre Zahl jedoch auf 556.000
Die Regierung Berlusconi hat angekündigt, hart gegen Kriminalität, vor allem von Ausländern vorzugehen. Bereits am Mittwoch sollen erste Maßnahmen beschlossen werden. Das von Innenminister Roberto Maroni vorgeschlagene Gesetzespaket sieht unter anderem vor, illegal Eingewanderte bis zu 18 Monate in Lagern festzuhalten. Überlegt wird auch, einen Straftatbestand der illegalen Einwanderung einzuführen.
Maroni traf gestern seinen rumänischen Amtskollegen in Rom, um bilaterale Maßnahmen zu beraten. Überlegt wird etwa, wie der Zustrom rumänischer Staatsbürger und Angehöriger der Roma gebremst werden kann. Die italienische Regierung hat sich für strengere Grenzkontrollen, sowie im Fall Rumänien für die Aussetzung des Schengener Abkommens, das die Bewegungsfreiheit aller EU-Bürger garantiert, ausgesprochen.
Mörderischer Rassist!
- Silvio Berlusconi (04.05.2008) -
Wogen zwischen Italien und Spanien geglättet
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Zensur / Willkür ???
@ Antira
zitate bitte mit
Berlusconi, der ewige hitler
Pogrom ist ein Pogrom, ist ein P...
Wenn es darum geht, die hier zu Verschlanken, um Qualitätsoptimierung der veröffentlichten Texte und Kommentare zu betreiben (wobei sich immer noch die Frage nach der Berechtigung der Admins stellt), weshalb werden andere Kommentare mit 0-informationsgehalt stehen gelassen und andere, inhaltlich gefütterte Beiträge, die die Pogrome in einem anderen Kontext erscheinen lassen, gelöscht?
Viele Menschen, die jetzt von Pogromen in Italien hören, regen sich zwar über die "italienischen" Zustände auf, sie scheinen jedoch vergessen zu haben, dass Gleiches von staatlicher Seite gedeckt auch in Deutschland schon geschehen konnte! - Darum war es wichtig, auf Lichtenhagen zu verweisen!
fu it
@ Antira
@ anitfaschisischer Antifa (aka Mod?)
Arm diese willkürliche und autoritäre Moderation jetzt auf die "Keine Diskussion mit Nazis"-Schiene legitimieren zu wollen. Es gab keine Diskussion mit einem Nazi. Jemand verurteilte die Pogrome in Italien, um im gleichen Atemzug zu erklären, in Deutschland hingegen sei die Polizei unabhängiger und die BRD gegen solche Scheiße gefeit -eeine weit verbreitete Wahrnehmung. Darauf gab es mehrere ausführliche Kommentare, die eben Parallelen zwischen den Zuständen aufzeigten. Aber sowas passt den Indymods der Generation TAZ wohl nicht in den Kragen. Stattdessen werden revisionistische Kommentare stehen gelassen und erst entfernt, als allzu offensichtlich wird, dass es hier nicht um die Durchsetzung bestimmter Standards, sondern persönliche Befindlichkeiten einiger Mods geht.
in deutschland
in schland hat der polizei nur noch keiner den befehl gegeben. aber so, wie sie draufhauen können wenn mal wieder ein squat "gesäubert" wird, können sie schließlich auch draufschlagen, wenn das vaterland von "den fremden" gesäubert werden soll.
seht und versteht: ht*p://www.pi-news.net/
Progrom ist Progrom
Ich beziehe mich bei diesem Posting auch noch mal auf Lichtenhagen 1992. Im Rahmen der Meinungs-und Pressefreiheit bitte stehen lassen.
Ich habe mal gehört, daß die POlizei in Deutschland ein Querschnitt der Bevölkerung sei...
Nun nochmal zu Rostock-Lichtenhagen.
Es ist nicht zu beschreiben was damals, wie auch heute in Italien, mit Menschen und Mitbürgern und gerade Menschen, die besonderen Schutz aufgrund ihrer Abstammung brauchen, passiert ist. Ein schreckliches Verbrechen, das nie wieder vorkommen darf.
Wieso es damals schleppend anlief ist die Frage. Ich habe Beziehungen zu den Ordnungsbehörden und kann nur sagen, daß so eine riesige Adhoc-Lage eine immense Logistik und Kräfteanforderung verlangt.
Zuerst muß mal jemand die Polizei verständigen. Die wiederum schickt erstmal 1 oder mehrere Wagen zur Aufklärung oder Einschreiten hin. Nach Feststellung was da los ist, wird erstmal die Leitstelle informiert und weitere Kräfte entsandt. Bei zunehmender Störerlage müßen Hundertschaften angefordert werden, die zum Teil aus anderen Bu-Ländern alarmiert werden.
Bei solch einer Notlage wie Rostock wird das Innenministerium alarmiert, die wierdeum nehmen kontakt mit den anderen Innenministerien und den Bezirksregierungen auf um zu wissen, wo Hundertschaften mobil gemacht werden können. Es gibt EHUs die in Bereitshaft sind, die können schneller am Einsatzort sein. Zwischenzeitlich werden geschlossene Einheiten aus den Wachen der Umgebung herangezogen.
Die Beamten der EHUs, die nicht im Dienst sind müßen erstmal alarmiert werden. Sie haben auch zum Teil lange Anfahrtswege von zu Hause zur Dienststelle.Bis dann eine EHU ausrücken kann ist also einige Zeit vergangen und dann müßen sie auch noch unter Nutzung von Sonder-und Wegerechten zum Ensatzort verlegen, der oft die 100 km überschreitet. Auch wenn Kräfte luftverlastet werden dauert es seine Zeit.
Nun war das Problem, daß die Störerlage recht hoch war und die ersten Maßnahmen direkt angegangen wurden.
Eine Adhoc-Lage ist also viel schwieriger zu deligieren wie ein geplanter Großeinsatz.
Außerdem war es die Zeit relativ kurz nach der Wende
Am Ende waren ca. 2000 Beamte im Einsatz ( lt. Wikipedia ), davon wurden ca. 200 verletzt. Ich selber kenne ein Video, wo ein Beamter von ca. 6 Nazis oder Symphatisanten zusammengetreten wird, vielleicht wäre er ohne Unterstützung totgetreten worden.
Nun stellt an sich mal die Situation vor viele Nazis versuchen das Haus anzugreifen, aber Hunderte Symph. und Anwohner greifen die Polizei an, die zahlenmäßig unterlegen waren bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Was soll die Polizei da tun? Soll sie sich selber opfern, beim Versuch in der Unterzahl vom Mob aufgerieben zu werden? Was nutzt es den Eingeschlossenen und Opfern, wenn die Polizei erst gar nicht richtig durchdringen kann? Chaos, Pflastersteine, Molis, Feuerwehr, RTWs, Polzeieinheiten, kreuz und quer die Störer.
Da ist es schwer Kräfte richtig zu koordinieren, da kann es schon mal bei einer solchen großen, noch nie dargewesenen Lebensgefährlichen Adhoc-Lage schon mal zu Koordinationsschwierigkeiten kommen.
Soviel dazu.
Nun schrieb gestern jemand, das die Antifa was machen wollte, die Polizei sie aber gehindert hat? Was glaubt ihr denn was die Antifa hätte ausrichten können, wenn die Polizei am Anfang, trotz Panzerung, Wasserwerfer, Hundeführer etc, die Lage nicht stoppen konnte.
Ich denke, wenn da Antifa erschienen wäre, dann wäre die regelrecht vom Mob gelyncht worden. Es ist mies,so die Polizei hier zu zerreissen und eine Mitschuld zu geben. Es lief nicht alles rund, das ist klar, aber eine möglichen Werdegang der Verzögerungen und Dauer habe ich oben gegeben.
Es wurde kein Antifablut bei den auseinandersetzungen mit den Nazis sondern das Blut von Polizisten. Es wurden keine Molis auf Linke geworfen sondern auf Polizeibeamte.
Es wurden auch keine Linken mit Springerstiefeln fast zu Tode getreten worden.
Es wurden Polizeibeamte verletzt in ihrer Pflicht den Opfern zu helfen, sie wurden bei Ihrem Einsatz gegen 2000 Störer ( Neonazis und dem aufgebrachten Symphatisanten-Mob ))verletzt.
Was war von linker Seite, ein paar Jugendliche von der Antifa, die, nach Wikipedia, Ordnungskräfte angegriffen haben und festgenommen wurden, nach dem Progrom eine Demo und ( Lichterketten von Menschen ). Das ist echte Zivilcourage und ein mutiger Kampf gegen rechts gewesen.
Ich frage mich, wieso erst jetzt, Tage nach dem das Progrom in Italien wütet, man hier was leist. Wo sind die Antifa-Demos gegen Berlusconis Politik und der jetzigen Situation, wo sind die Licheketten?
Bitte stehen lassen, um nicht zu zeigen, wie beschränkt, voreingenommen und meinungsfeindlich ihr seid, wenn die Meinungen gegen euch gewandt sind.
Auch wenn dieses Posting nicht viel mit dem Skandal in Italien zu tun hat.
Antira/Bepo haben unrecht
@Rostocker
Ich habe nicht behauptet, die Linken hätten irgendetwas böses gemacht. Ich habe nur gesagt, daß Polizsiten von Rechten bei diesem Einsatz verletzt wurden und das vom braunen Pack, welches die Vietnames lynchen wollte. Ich habe bezgl. der Antifa nur wiedergegeben, was bei Wikipedia über die Ausschreitungen steht.
Les doch erstmal die Postings und guck mal bei Wikipedia.
Ich nehme die Behörden auch nicht zu 100% in Schutz. Es kam zu Verzögerungen, Ratlosigkeit, lange Meldewege und Kompetenzgerangel, Überschneidungen, Koordinierungsprobleme, Kräfteprobleme. Aber letztendlich waren fast 2000 Polizisten da und knapp 2000 Störer. Die Antifa begrenzte sich aber lieber am 2 Tag. der Ausschreitungen mit Störaktionen gegen Ordnungsbehörden und als alles vorbei war mit einer Demo wobei die Polizei beschimpft wurde.
Nur das wollte ich mitteilen.