"Tage der offenen Tür" im Philocaphe Uni HH

Steffie Streik 07.05.2008 20:35 Themen: Bildung Freiräume
Das Philocaphe, selbstverwaltetes Cafe und Treffpunkt vieler Studierender im Philturm auf dem Unicampus seit mehr als 20 Jahren, wurde Anfang des Semesters von der sich dafür zuständig fühlenden Sprecherin des Seminars, Frau Dr. Birgit Recki, und dem schon lange auf den Raum schielenden Wissenschaftlichen Koordinators Dr. Michael Cordoba geschlossen. Nun, vier Wochen und viele fruchtlose Diskussionen später, beschlossen Studierende gestern, sich diesen Raum wieder anzueignen und öffneten die Tür.
Gemütlich schauts aus - seit 22 Jahren nun gibt es im 10. Stock das Philocaphe. Ein gemütlicher Ort, direkt neben dem Fachschaftsraum gelegen, ein gemeinsamer Vorraum, Sofas stehen herum, es wird Kaffee ausgeschenkt - zur Feier des Tages auch gratis.
Zu feiern gibt es zwar eigentlich, dass der Raum wieder offen ist, jedoch zeigen sich die anwesenden Studierenden nicht sonderlich in Feierlaune. "Wir wollen einfach ganz normal weiter machen wie immer" meint Stefan Streik, "wir wollen kein großes Aufheben und eigentlich auch keinen Streit mit unserem Seminar. 22 gute Jahre liegen hinter uns, in denen es nie solche Probleme gab. Aber auf einmal wollen uns zwei Leute aus dem 'Head of Department' den Raum streitig machen."
Denn am Anfang des Semesters beschloss die Doppelleitung gemeinsam, dass der Raum abgeschlossen werden müsste, weil es Beschwerden gab, dass das seit erstem Januar eingeführte Rauchverbot nicht eingehalten wurde.
Die verblüfften Studierenden gehorchten sogar, schlossen den Raum ab, wollten keinen Streit, suchten den Dialog. Doch den gab es bislang nie. Statt an einem runden Tisch zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen verschärfte das Paar Recki/Cordoba die Situation, in dem sie nicht nur die Schlüssel "zurück" verlangte, nein, weil ihnen die Schlüsselrückgabe nicht schnell genug ging tauschten sie kurzerhand das Schloss aus.

Das Misstrauen der Studierenden wuchs, doch wollten sie auch weiterhin eine "Kuschellösung" erreichen, weil es im philosophischen Seminar doch bislang immer ohne großartige Streits gelaufen war und auch das Philocaphe sich einer großen Beliebtheit nicht nur bei den Studierenden erfreute.
Leider wurden sie enttäuscht - hingehalten von Verhandlung zu Verhandlung, die diesen Namen eigentlich nicht verdienen:
"Die diktieren uns immer neue Forderungen, eine schlimmer als die andere. Verhandlungen gibts nicht, wenn wir die Forderung nicht annehmen gibt es kein Philocaphe - das ist die Ansage."
Stefan ist ziemlich frustriert, immer wieder hat er sich auf dem Plenum für Verhandlungen und eine Deeskalation eingesetzt. "Aber die drehen die ganze Zeit immer weiter die Eskalationsschraube. Die suchen die Eskalation!" Dabei bleibt das Cafe die ganze Zeit geschlossen.


Diesen Zustand wollten die Studierenden nicht länger hinnehmen. Nachdem auch in der letzten "Head of Department"-Sitzung klar wurde, dass hier keine Verhandlungen stattfinden sollten, sondern die Bedingungen für "das neue Cafe" einseitig von der Obrigkeit diktiert und von der Studierendenschaft zu akzeptieren seien, platzte ihnen endgültig der Kragen. Am Montag kam das Plenum zum Schluss, dass es endgültig Zeit wäre, das Caphe wieder zu öffnen. Denn die Bedingungen sind so einschneidend, dass die Verwendung des Wortes Freiraum ein Hohn ist. Studierende sollten das Hausrecht der Universität im Caphe durchsetzen, Regelverstöße und die "Täter" der Seminarleitung melden, keine eigenen Schlüssel mehr haben, keine Gestaltungshoheit für die Räumlichkeiten mehr besitzen, der Vorraum geräumt werden...
"Die wollen eine Cordo-Bar, in der das einzige Mitspracherecht der Studierenden ist, dass sie dort Kaffee trinken und ehrenamtlich ausschenken dürfen. Von Freiraum ist dann nichts mehr zu spüren. Ein Oberstufenraum mit Denunziationsverpflichtung ist für uns allerdings inakzeptabel." Daher wurden nun "mechanische Widerstände aus dem Weg geräumt" und das Caphe wieder eröffnet.

Die Reaktion der Obrigkeit ließ nicht lange auf sich warten:
Ziemlich verdutzt und scheinbar fassungslos über den nun an den Tag gelegten Aktionismus der Studierenden tauchten noch am selben Tag zwei mal das Paar Cordoba/Recki auf. Zunächst versuchten sie die Situation zu lösen, in dem sie ihre Autorität in die Wagschaale warfen und alle Anwesenden des Raumes verwiesen - als dem nicht Folge geleistet wurde kam Frau Recki zunächst auf die Idee, die Tür einfach von außen wieder zu verschließen, bei genauerer Betrachtung des Türschlosses fiel ihr jedoch auf, dass dies wohl nicht so einfach möglich sein würde. Die Anwesenden applaudierten zu diesem Vorschlag und kündigten bereits eine Schadensersatzklage wegen Freiheitsberaubung an, wolle sie das dennoch durchziehen. Auch die Äußerung des Herrn Cordoba, dass die Tür ja auch zugemauert werden könne sorgte für sichtliche Erheiterung der Anwesenden.
Nachdem ihr autoritärer Auftritt daneben ging klingelten in der Verwaltung die Telefone. Recki wollte sich absichern, holte sich schonmal vorsorglich das Okay für einen Polizeieinsatz bei der Präsidentin ab, welche es angeblich auch bereitwillig gab.
Weiterer Besuch von einem Vizepräsidenten und vielen Lehrenden brachte jedoch auch viel Solidarität und Durchhaltewünsche für die Aktiven. So geschlossen, wie Frau Recki es gerne hätte scheint es doch nicht gegen das Caphe zu gehen. Auch ein kurzer erneuter Auftritt von ihr mit der Ankündigung von "Konsequenzen" verhallte wirkungslos.

Immer mehr Studierende auch von anderen Fachbereichen sammelten sich, VertreterInnen der einzelnen studentischen Freiräume kamen vorbei um ihre aktive Solidarität zu bekunden und auch die Bereitschaft, das Caphe gemeinsam zu verteidigen.
"Greifen sie einen von uns an, bekommen sie es mit uns allen zu tun!" meint Rudi Rabikal.

Diese Unterstützung war mehr als willkommen. Auch das Indykino solidarisierte sich und wollte einen Film zeigen, jedoch wurde die Veranstaltung unterbrochen von einer weiteren Delegation der Obrigkeit:
Frau Recki kam mit dem Dekan der Fakultät, dem Vizepräsidenten der Universität und noch einer weiteren Person vorbei, um nun so erneut Druck auszuüben. Sie seien extra aus dem Biergarten herbei gekommen, um nun dieses Problem zu lösen, als zeitlichen Diskussionsrahmen, weil mensch ja wieder nach Hause wolle, wurde eine Viertelstunde vorgeschlagen, was Erheiterung bei den Anwesenden auslöste.
Anfänglich sprachen sie noch von einem Missverständniss, das den studentischen VertreterInnen anzulasten sei, welche die Inhalte der Verhandlungen nicht Wahrheitsgemäß weitergegeben haben sollten. Gerade Frau Recki versuchte sich, als Opfer darzustellen. Doch kritische und pointierte Nachfragen brachten zu Tage, dass die Forderungen sehr wohl richtig verstanden worden waren und auch, dass dort bis heute keine Kompromissbereitschaft erkennbar ist.

Jedoch war die Viererdelegation wohl nicht richtig vorbereitet und wiedersprach sich in vielen Punkten -
hieß es von Frau Reckis Seite noch, dass das Schlüsselproblem ein rein rechtliches sei, an dem nicht gedreht werden könnte, (weil Studierende generell keine Schlüssel bekämen) brachte der Dekan auf, dass dies sehr wohl möglich sei. Frau Recki lehnte jedoch trotzdem weiterhin eine Schlüsselherausgabe unbegründet ab.

Die Haltung von Frau Recki gegenüber den Studierenden war insgesammt zu vergleichen mit einer strengen Lehrerin gegenüber GrundschülerInnen - auf den Hinweis, dass das Plenum aus erwachsenen Menschen besteht und diesen Respekt auch einfordert erwiederte sie nur lapidar, dass ihr das nicht so vorkomme.
Dies führte die Diskussion endgültig ad absurdum und Stimmen wurden laut, die eine verschriftlichen Forderungskatalog des Departments haben wollten, damit dieser dann im Plenum diskuttiert werden könne und nicht auf mündliche Aussagen von Cordoba oder Recki zurückgegriffen werden muss, welche sich je nach Situation scheinbar ändern würden. Auf einem weiteren Treffen könne dann weiter gesehn werden, wie es
nun weiter gehe und wie wieder zu einem Normalzustand zurückgekehrt werden könne. Hier machte Frau Recki deutlich, dass sie nur bereit ist, mit dem Fachschaftsrat zu "verhandeln", da sie das Plenum nicht als Verhandlungspartner ansieht. Ebenso machte sie auf ihren vollen Terminkalender aufmerksam, der erst nach den Pfingstferien wieder Lücken habe.

Festgehalten wurde, dass die Delegation die Schließung des Caphes als nächsten "Lösungsschritt" ansieht, vorher könne gar nicht verhandelt werden und schließlich wollte sie noch, dass nun alle gemeinsam das Gebäude verlassen. Als das Plenum dies verweigerte bestand der Dekan darauf, dass Alle das Gebäude bis spätestens 22 Uhr zu verlassen haben, ansonsten drohen Konsequenzen und jegliche Verhandlungen würden eingestellt.

Nachdem die Delegation den Raum verlassen hatte plenierte das Plenum weiter und fasste den Entschluss aus Deeskalationsgründen vorerst nicht im Raum zu übernachten. Der Caphebetrieb sollte jedoch weiterhin aufrecht erhalten bleiben, auf einer Vollversammlung am Donnerstag sollten dann die nächsten Schritte geplant werden.

Am nächsten Tag wurde pünktlich der Caphe-Betrieb wieder aufgenommen und ein oder mehrere "Tage der offenen Tür" ausgerufen.
Im laufe des Tages wechselte sich das Publikum ab, aus vielen anderen Fachbereichen kamen Studierende um auch ihre Solidarität mit dem Caphe auszudrücken. Die heitere, gelöste Stimmung wurde nur öfters getrübt, wenn Frau Recki oder Herr Cordoba ins Caphe schauten, um die Anwesenden vergeblich hinaus zu bitten und auf ein angebliches Hausrecht zu pochen, das sie gerne inne hätten.
Am Nachmittag dann kam die frohe Kunde, dass nun sich anscheinend doch ein Termin im so vollen Kalender von Frau Recki gefunden hat und morgen, Donnerstag, um 14 Uhr eine Diskussion zwischen dem Dekan, Frau Recki und FachschaftsvertreterInnen stattfinden soll. Entspannung machte sich breit, da dies wohl auch bedeutete, dass eine Räumung am selben Tag nicht mehr vorgenommen wird.

Morgen um 18 Uhr findet nun die lang angekündigte Vollversammlung des philosophischen Seminars und aller Gäste, Freunde und NutzerInnen des Philocaphes statt. Dort soll dann über einen hoffentlich neuen Lösungsvorschlag der Leitung diskuttiert und nächste Schritte beschlossen werden. "Alles was wir wollen ist wieder den Zustand wie er auch die letzten 20 Jahre möglich war" meint Stefan "Wir sind diskussionsbereit, aber auch handlungsfähig. Uns ist an einer friedlichen Lösung gelegen und morgen werden wir sehen, ob dies auch auf Frau Recki zutrifft. Eskaliert sie weiterhin die Situation sind wir aber auch bereit, andere, vielleicht auch überraschende Schritte zu tun."
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Ergänzungen

Die Eklatanz liegt im Aphorismus

riotqueer 08.05.2008 - 07:05
Wenn Ich daran denke, dass ein Dr. Benjamin Schnieder für seine Stelle im Philosophischen Seminar pro Monat 20000,- Tacken bekommt, ist die Ignoranz der Frau Reicki nur ein Aphorismus der Güte um Qualität und Kommerz des Philosophischen Seminars zu Interdisziplinarität. Das Aussterben um Volxcafés auf dem Uni-Gelände hat den Umstand der zunehmenden Kulturhegemonie der konservativen Nomenklatura als Anschein obsolet gewordener Militanz der Diskurse.

Meine Zeit war noch schön Gender/Queer 1/4..........

Forderung

007 08.05.2008 - 16:09
Mein Vorschlag für eine "Verhandlungsbasis":

(1) An der Aussenmauer des Caphés wird eine 30qm Sonnenterrasse angebaut. Dies löst auch alle Rauch-Probleme. Wenn möglich mit Wasserrutsche zum neuen Pool auf dem Campus, hier sind wir aber zu Zugeständnissen bereit.

(2) Jeden Donnerstag zwei Kisten Astra auf Instituts-Kosten. Pro Caphé-Besucher, versteht sich.

(3) Schlüssel-Ausgabe für Cordobas Büro nur in Zeiten, in denen ein hauptamtliches Caphé-Mitglied zugegen ist.

(4) Die Lehrplangestaltung wird ab sofort vom Caphe-Plenum übernommen. Wir müssen uns den Kram schließlich später auch angucken.

(5) Kaffee heißt ab jetzt "Kaphphé".

Aphorismen , Eklatanzen

und vor allem 10.05.2008 - 00:57
vollkommene Fehlinformationen über den Verdienst eines Mitarbeiters der philosophischen Fakultät. Es sei denn, eine Tacke entspricht in etwa 10 cent...

hofmann...

delysid 10.05.2008 - 09:51
war irgendwie lustig, bin zufällig da gewesen weil ich hofmann gedenken wollte und mir im indykino die lsd doku mit ihm ansehen wollte...
stattdessen kam ich in eine diskussion mit vielen autoritären oberhäuptern die ich zuvor nie gesehen hatte
u.a. frau recki die mir ziemlich verklemmt vorkam und der es vollstänig an ner professionelle gelassenheit fehlte. sie sprach von studenten die sich wie kinder aufführen, sei fehlinterpretiert/falsch wiedergegeben worden oder sonst irgenwas im raum passierte was nicht in ihrem sinne war....

über die pfingstferien

werden 11.05.2008 - 14:59
keine Schichten gemacht. Es gibt jedoch die Aufforderung an Frau Recki, einen Verhandlungstermin in einem von den Studierenden bestimmten Zeitraum anzugeben. Nach Pfingsten gehts dann weiter...

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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man seid ihr revolutionär — auch rabikal

oh mensch — Dein Name