GMM: Gewalt gegen Aktivisten in Moskau

tribble 05.05.2008 18:26 Themen: Freiräume Repression Weltweit
Ein Spaziergang artet zu derber Polizeigewalt aus. Und das für ein Gespräch mit der Drogenkontrollbehörde?
Worldwide Marijuana March in Moskow: the continuation

Nach der Repression bei dem Moskauer GMM im Jahre 2007 haben wir die Idee, einen Marsch zu organisieren verworfen und haben uns selbst auf einen Cannabis Spaziergang beschränkt, wie es ihn auch 2006 gab. Vor zwei Jahren war unsere Aktion ein grosser Erfolg. Keine Cannabisaktivisten verhaftet, die Polizei war einigermassen freundlich und alle Spaziergänger konnten die ganze Zeit über Sprechen, Singen, Trommelspielen und so weiter. In diesem Jahr hofften wir, etwas ähnliches zu organisieren.

Wir haben ein offizielles Statement auf der Cannabis Legalize League Webseite veröffentlich, so dass sowohl Regierung als auch Aktivisten sehen konnten dass es keine Märsche in Moskau 20008 geben wird. Wir bieteten unseren Unterstützer_innen an, zu der "Freundschaft der Nationen" Fontaine bei dem Alles-über-Russland Ausstellungszentrum. Es sollten keine Banner oder andere Arten von politischer Propaganda mitgebracht werden: nur thematisch passende Kleidung, hervorragende Stimmung und musikalische Instrumente.

Kurz nachdem unser Statement veröffentlich war, sahen wir uns aggressiven Reaktionen aus der Föderalen Drogenkontrollbehörde FSDC ( eine Institution wie der US-Amerikanischen Drug Enforcement Agency (DEA) ) gegenüber. In einem Interview mit einer der meist bekannten russischen Nachrichten Agentur hat der Direktor der FSDC unsere Aktionen wie folgt kommentiert:

"Die Legalisierung von Cannabis als Droge ist steht ausser Frage. Dieses Thema muss überhaupt nicht diskutiert werden. Solche Aktionen sind die größten Brüche des Friedens und Hooliganismus. Das sind schlimme Auswüchse, auf welche die Behörde der inneren Sicherheit und Psychiater reagieren sollten."

Als wir zu dem "Freundschaft der Nationen" Denkmal am 3. Mai um 15 Uhr nachmittags kamen, mussten wir feststellen dass die Fontaine von Truppen der OMON (eine russische Spezialeinheit der Polizei, die z.b. auch im Tschetschenienkrieg eingesetzt wird) und Metallzäunen abgeriegelt war. Mitglieder von OMON und nicht-uniformierte Menschen fischten sich verdächtige aus der Masse herraus und es machte keinen Unterschied ob es ein Rastafari, ein Punk, ein Emo oder nur ein langhaariger Typ war.
In nur wenigen Minuten wurden acht Personen ohne einen Grund festgenommen. Einige von ihnen wusste nichts von unserer Aktion und kamen zum Russland Ausstellungszentrum um nur Spass an ihrem freien Tag zu haben. Alle Journalisten, die es geschaft haben den Verhaftungen zu entgehen, wurden gezwungen ihre Videos und Fotos zu löschen, unter der Androhung von Arrest und der Zerstörung ihrer Kamera.

40 Minuten später sass ich in Gesellschaft von acht oder zehn Personen in 200 meter entfernung zur Fontaine. Wir taten nichts und verbrachten unsere Zeit mit Gesprächen und dem warten auf weitere Aktivisten, so dass wir zu einem ruhigeren Platz gehen konnten.
Kurz bevor wir den Platz verlassen wollten kam eine Gruppe von OMON zu uns uns sagte uns, dass wir auf unseren Plätzen bleiben sollen. Ich kann mich noch gut anden Marsch im letzten Jahr Erinnern und da es möglich war, versuchte ich wegzurennen. Ich hatte Glück und schaffte es bis zum Russland Ausstellungszentrum als ein Fusstritt einer nicht-uniformierten Person mich stoppte. Zwei Sekunden freier Fall - und ich lag auf dem Boden. Ich konnte nicht selbst aufstehen und Truppen von OMON begannen mich zu schlagne. Ich erinnere mich nicht mehr daran wie ich in den Militärbus kam. Meine linke Seite war verletzt, aber die Männer im Bus gaben mir keine medizinische Hilfe. Ich bekam erst auf dem Polizeirevier etwas Hilfe.

Die Behandlung auf dem Polizeirevier war um einiges besser als letzes Jahr. Nur ein Typ von 15 unserer festgenommenen Unterstützer_innen hatte größere Probleme mit der Polizei. Es hat uns zwei Stunden gekostet den Grund für unsere Verhaftung zu erfahren. Er klang total lustig und absolut illegal.
Der Grund war, dass der Förderale Drogenkontrolldienst nur mit uns sprechen wollte über die Risiken von Drogen und unseren Aktivitäten sie zu legalisieren.
Nach drei Stunden im Polizeirevier wurden alle von uns freigelassen ohne Anklage, Geldstrafe oder Aufzeichnungen und konnten den Cannabis Spaziergang fortsetzen.

Als Resultat dieses ambivalenten Gesprächs mit den Repräsentativen der Gesetze habe ich jetzt eine Fraktur eines Schlüsselbeins und einige weniger schmerzhaft aber effizientere Verletzungen - einge gute Illustration ihrer Art ein Gespräch zu führen als auch eine gute Gelegenheit für weiteren juristischen Kampf.

Montag, 5. Mai 2008
Quelle:  http://hvoya.blogspot.com/2008/05/worldwide-marijuana-march-in-moscow.html
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Ergänzungen

Geschwindigkeit

egal 07.05.2008 - 09:59
@ physiker

kleiner Fehler.
die formel für die Geschwindigkeit lautet v=1/2*g*t2
Geschwindigkeit nach 1s : 5 m/s (=18 km/h)
Geschwindigkeit nach 2s : 20 m/s (=72 km/h !!!)

Gezielte Provokationen russischer Polizeigewa

schwarz////rot - anti-orange 07.05.2008 - 10:09
 http://www.radicalparty.org/welcome2.html

Dahinter steckt die Radical Party - alles andere als Leute, welche für die Freiheit der Armen kämpfen! Die Legalisierung von nichtalkoholischen Drogen ist in Russland etwas derart abwegiges, wie wenn man in den USA für Stalin demonstrieren würde. Da würde man von den Bullen wahrscheinlich gleich behandelt.

Fakt ist: Noch kein westeuropäischer Staat hat Hanf legalisiert. Trotzdem tun wir so, wie wenn es längst Tatsache wäre. Aber im Gegensatz zu Westeuropa ist Kiffen in Russland kein Volkssport.

Demonstrieren auch nicht. Demonstrationen werden in Russland vom Staat, aber auch von der Bevölkerung, politisch ernst genommen. Das ist bei uns schon längst nicht mehr der Fall. Staat, Volk und Politik bilden in Russland eine viel stärkere Einheit als bei uns.

Bei Repressionen gegen Demonstranten handelt es sich in Russland immer direkt sowohl um Repression wie auch um einen politischen Kampf gegen ein unerwünschtes politisches Ziel, dafür nicht wie bei uns um Kriminalisierung und Unterwerfung. Russische Bullen sind sehr brutal, dafür hat das dann überhaupt kein juristisches Nachspiel gegen die Demonstrierenden. 7 Jahre Knast für die Teilnahme an einer Demo wie in Florenz nach einer friedlichen Demo mit Polizeigewalt und Verletzten im Jahr 1999 wären in Russland undenkbar.

 http://toscana.indymedia.org/article/2336

1. Solche "orangen" Demonstrationen werden vom Westen organisiert und sind blosse Provokationen russischer Polizeigewalt.

2. Hanf rauchen ist weniger gefährich als für Hanf zu demonstrieren. Trotzdem tut es in Russland fast niemand.

3. Wer von der Polizei Anweisung bekommt, stehen zu bleiben, muss damit rechnen, bei Widerhandlung gewalttätig behandelt zu werden. Dass ist bei uns nicht anders. In Russland ist anders als bei uns, dass dort solche Provokationsdemos privatkapitalistischer Demokraten nur sehr wenige Leute anziehen und darum die Leute gar keine Möglichkeit haben zu fliehen.

4. Das sind sie, die falschen Hanflegalisierer und Lieblinge des Westkapitals!

an schwarz////rot - anti-orange

tribble 07.05.2008 - 17:42
Hallo du,

Gezielte Provokationen russischer Polizeigewa
07.05.2008 - 10:09
 http://www.radicalparty.org/welcome2.html

"Dahinter steckt die Radical Party - alles andere als Leute, welche für die Freiheit der Armen kämpfen! Die Legalisierung von nichtalkoholischen Drogen ist in Russland etwas derart abwegiges, wie wenn man in den USA für Stalin demonstrieren würde. Da würde man von den Bullen wahrscheinlich gleich behandelt."


Warum sollte nicht etwas abwegiges probiert werden? Es ist ja nicht so, als dass überall solche Zustände sein würden. In Berlin zur Hanfparade wurden noch keine Leute geprügelt!



"Fakt ist: Noch kein westeuropäischer Staat hat Hanf legalisiert. Trotzdem tun wir so, wie wenn es längst Tatsache wäre. Aber im Gegensatz zu Westeuropa ist Kiffen in Russland kein Volkssport."


Deine nähere Umgebung tut vielleicht so, als wäre es schon längst Legalisiert. Fakt sind über 175.000 Strafanzeigen wegen Hanf aka Gras, Hasch, Pot im Jahr. Bloss weil es nicht in deinem Vorgarten passiert, bedeutet nicht, dass es nicht doch passiert!


"1. Solche "orangen" Demonstrationen werden vom Westen organisiert und sind blosse Provokationen russischer Polizeigewalt."

Beleg mal was, wer ist da ne orange Revolution, und was hat das mit Hanf zu tun?

"2. Hanf rauchen ist weniger gefährich als für Hanf zu demonstrieren. Trotzdem tut es in Russland fast niemand."

Das heisst ja nicht, dass es das nicht geben kann?


"3. Wer von der Polizei Anweisung bekommt, stehen zu bleiben, muss damit rechnen, bei Widerhandlung gewalttätig behandelt zu werden. Dass ist bei uns nicht anders. In Russland ist anders als bei uns, dass dort solche Provokationsdemos privatkapitalistischer Demokraten nur sehr wenige Leute anziehen und darum die Leute gar keine Möglichkeit haben zu fliehen."

Es gibt auch Leute, die schlechte erfahrungen gemacht haben, und nicht stehenbleiben. Das ist kein Argument für Prügel!


"4. Das sind sie, die falschen Hanflegalisierer und Lieblinge des Westkapitals!
Image"

Wer ist denn das? Klär mich mal auf...

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Zwei Sekunden freier Fall?

Physiker 06.05.2008 - 14:40
Wär der Mensch tatsächlich 2 Sekunden lang den freien Fall ausgesetzt gewesen, wäre er etwa 20Meter tief gefallen. Das wage ich doch stark zu bezweifeln.

Ungefähre Beschleunigung im freien Fall
Anfangsgeschwindigkeit: 0m/sek.
nach einer Sekunde: 10m/sek.
nach zwei Sekunden: 20m/sek.

Easy Life ist nicht die Stärke der Russen

easy worker 07.05.2008 - 04:56
Die Russen können wir brauchen, um die Weltmacht zu spalten. Sie sind gute Soldaten, aber keine Hippies. Was die Russen gegenüber uns Deutschen sympathischer macht, ist ihre entspannte Beziehung zur Arbeit und zur Arbeitszeit. Eins kommt nach dem Andern. Nichts zu hastig, aber auch nichts zu langsam. Stress gibts nicht. Dafür sehr viel Interesse an der Sache, am Job. Leben bei der Arbeit, statt sich wie bei uns kaputt zu molochen. Aber auch arbeiten beim Leben. Inhaltliche Aufmerksamkeit gegenüber Vorgesetzten statt gehetzte Unterwürfigkeit wie bei uns. Man muss nicht ständig der/die Beste sein, um seinen Job behalten zu können. Durchschnitt ist nicht nur genügend, sondern sogar die Norm, das Ideal. Jede Anstrengung, die darüber hinausgeht, ist freiwillig. Sie wird zwar geachtet, aber gleichzeitig misstrauisch angeguckt.

Die einzige Revolution, die in Russland eine Chance hat, ist die Rote. Wenn Russland wieder kommunistisch würde, würde das Leben im Westen wieder viel freier werden. Weil sich der Westen wieder darauf besinnen müsste, die "Freie Welt" zu sein, was ihm in den letzten 18 Jahren völlig verloren gegangen ist.

RAF in den Osten! Anarchos und Blumenkinder in den Westen!