Madrid: Proteste gegen Bologna
Nach den großen Protesten in Barcelona, organisieren Studierende in Madrid Aktionen, wie z.B. Besetzungen und Diskussionen, gegen den Bologna-Prozess. Die Proteste laufen auf eine Demonstration 8. Mai hinaus.
Im März. Die Studierenden in Barcelona und Sevilla rebellierten gegen den Bologna-Prozess, besetzten Gebäude und mobilisierten tausende Menschen: am 6. März gaben zusammen 13.000 Demonstranten auf den Straßen den aktuellen Reformen ihr „Nein“. Die Freude, mit der diese Bewegungen in Madrid wahrgenommen wurde, ging mit einem etwas hoffnungslosen Blick auf die eigene Studierendenschaft einher.
Im April. Zur Überraschung war die Beteiligung bei einer studentischen Veranstaltung an der UCM (Universidad Complutense de Madrid) zum Thema der Reformen ungewöhnlich hoch. Es folgten Vorbereitungen dafür, auch in Madrid Öffentlichkeit herzustellen. In diesen Tagen haben die Studierenden etwas begonnen, was vor kurzem nicht für möglich gehalten wurde: eingeschlossen in Fakultäten arbeiten sie seit drei Wochen Tag und Nacht daran, Verbindungen zu anderen Universitäten und Organisationen aufzubauen, kritische Diskussionen mit den Rektoren Madrids durchzuführen, die Medien auf die Geschehnisse aufmerksam zu machen und an der Organisation einer Demonstration gegen den Bolognaprozess am 8. Mai. Auch Madrid bewegt sich.
Den spanischen Hochschulen drohen im Zuge der Bologna-Richtlinien erst die Reformen, welche in Deutschland schon längst im Gang sind. Da der Bologna-Prozess europaweit ist, erinnern viele der anstehenden Veränderungen an Deutschland: das Studium soll in Bachelor (bzw. dem spanischen Äquivalent: „Grado“) und Master aufgeteilt werden, der Bachelor soll als „berufsqualifizierend“ gelten, es soll das ECTS-System (European Credit Transfer System) eingeführt werden, die Universität soll sich der Wirtschaft öffnen, Studiengebühren sollen steigen und statt Stipendien etablieren sich Kredite. Diese und weitere Punkte stehen in der zentralen Kritik, dass sie eine Anpassung der Universität an martwirtschaftliche Kategorien und Interessen darstellen, und dass mit ihnen eine radikale Kürzung des gelehrten Fachwissens in den angekündigten Studiengängen einhergeht.
Im Kampf dagegen haben sich vor nun drei Wochen über 200 Studierende aus verschiedenen Fachbereichen in der philosophischen Fakultät eingeschlossen „bis der Master wieder abgeschafft wird“. Und seit mehr als zwei Wochen versammeln sich die Studierenden jeden Abend, um den aktuellen Stand und die weiteren Schritte des Protestes zu diskutieren. Diese „asambleas“ (Versammlungen) lösen sich oft erst um zwei Uhr morgens auf, um dann aber nicht schlafen zu gehen, sondern sich in verschiedene Arbeitsgruppen aufzuteilen, damit der Protest wirksam organisiert werden kann. Die Gruppen arbeiten dann bis ins Morgengrauen u.a. an inhaltlicher Aufarbeitung von Hochschulgesetzen und politischen Argumentationen, an Verbindungen zu Medien und Gestaltung der Websites, Plakate und Flyer. Der wenige Schlaf ist den AktivistInnen anzusehen, der damit einhergeht, dass sie „24 Stunden am Tag“ präsent sein wollen und sind.
Die Höhepunkte der Arbeit an der UCM waren bisher drei öffentliche Diskussionen: eine mit Professoren und dem Rekorat der Universität, bei der eine starke Medienpräsenz und über tausend Zuschauer erreicht wurden; eine mit dem Präsident der Versammlung der Hochschulrektoren; und in der vergangen Woche wurde auch mit einem Vertreter der in Kraft tretenden Gesetze öffetnlich diskutiert. In allen diesen Debatten überzeugten die Argumente der Studierenden und die Gesprächspartner versicherten, die Forderungen der Studierenden weiterzutragen und zu vertreten. Wie dies genau aussehen wird steht noch infrage. Allerdings wurde bereits erreicht, dass das Rektorat finanzielle Unterstützung für ein Zelt zur Verfügung stellt, welches die Asamblea der Studierenden am zentralen Platz des Campus aufgebaut hat und in dem informative Aktionen und Veranstaltungen sowie Konzerte geplant sind. Die Anstrengungen laufen diese Woche auf einen Höhepunkt hinaus: die Mobilisierung für die Demonstration am 8. Mai beginnt.
Die Studierenden sind zwar eingeschlossen, aber nicht allein. In der Zwischenzeit haben die Studierenden in anderen Städten auch angefangen Proteste zu organisieren. So ist von Besetzungen und Demonstrationen in Cadiz, Sevilla und Granada zu hören.Es ist zu hoffen, dass, jetzt wo in Deutschland wieder Kritik an den Hochschulreformen aufkommt, auch hier etwas von der Kraft der spanischen Proteste in geweckt wird und sich zu einer größeren Bewegung entwickelt.
Spanische Seiten mit Texten, Fotos, Videos:
• Die Internetseite der Studierenden, die sich in die Fakultät eingeschlossen haben; akutelle Infos, Links zu Kritik und den kritisierten Gesetzen auf nationaler und europäischer Ebene (spanisch): Bastión del Conocimiento
• Echo in den Medien. Als Beispiel der Artikel in El País:El País
• Artikel über die Debatte mit dem Rektor der Complutense:Espacio Alternativo
• Video der Debatte mit dem Rektor:Video
• Besetzung in Granada:Indymedia ES
Deutsche Seiten:
• Zu den Protesten in Barcelona: Proteste in Barcelona
• Über die Konferenz europäischer Uni-PräsidentInnen in Barcelona:Von Bologna nach Barcelona - Hochschulrektorenkonferenz
• Über die (selbst in sonst unkritischen Medien) zunehmende Kritik an den Hochschulreformen: And The Flames Went Higher
• Das geplante Protestsemester in Berlin:Protestsemester 2008
Im April. Zur Überraschung war die Beteiligung bei einer studentischen Veranstaltung an der UCM (Universidad Complutense de Madrid) zum Thema der Reformen ungewöhnlich hoch. Es folgten Vorbereitungen dafür, auch in Madrid Öffentlichkeit herzustellen. In diesen Tagen haben die Studierenden etwas begonnen, was vor kurzem nicht für möglich gehalten wurde: eingeschlossen in Fakultäten arbeiten sie seit drei Wochen Tag und Nacht daran, Verbindungen zu anderen Universitäten und Organisationen aufzubauen, kritische Diskussionen mit den Rektoren Madrids durchzuführen, die Medien auf die Geschehnisse aufmerksam zu machen und an der Organisation einer Demonstration gegen den Bolognaprozess am 8. Mai. Auch Madrid bewegt sich.
Den spanischen Hochschulen drohen im Zuge der Bologna-Richtlinien erst die Reformen, welche in Deutschland schon längst im Gang sind. Da der Bologna-Prozess europaweit ist, erinnern viele der anstehenden Veränderungen an Deutschland: das Studium soll in Bachelor (bzw. dem spanischen Äquivalent: „Grado“) und Master aufgeteilt werden, der Bachelor soll als „berufsqualifizierend“ gelten, es soll das ECTS-System (European Credit Transfer System) eingeführt werden, die Universität soll sich der Wirtschaft öffnen, Studiengebühren sollen steigen und statt Stipendien etablieren sich Kredite. Diese und weitere Punkte stehen in der zentralen Kritik, dass sie eine Anpassung der Universität an martwirtschaftliche Kategorien und Interessen darstellen, und dass mit ihnen eine radikale Kürzung des gelehrten Fachwissens in den angekündigten Studiengängen einhergeht.
Im Kampf dagegen haben sich vor nun drei Wochen über 200 Studierende aus verschiedenen Fachbereichen in der philosophischen Fakultät eingeschlossen „bis der Master wieder abgeschafft wird“. Und seit mehr als zwei Wochen versammeln sich die Studierenden jeden Abend, um den aktuellen Stand und die weiteren Schritte des Protestes zu diskutieren. Diese „asambleas“ (Versammlungen) lösen sich oft erst um zwei Uhr morgens auf, um dann aber nicht schlafen zu gehen, sondern sich in verschiedene Arbeitsgruppen aufzuteilen, damit der Protest wirksam organisiert werden kann. Die Gruppen arbeiten dann bis ins Morgengrauen u.a. an inhaltlicher Aufarbeitung von Hochschulgesetzen und politischen Argumentationen, an Verbindungen zu Medien und Gestaltung der Websites, Plakate und Flyer. Der wenige Schlaf ist den AktivistInnen anzusehen, der damit einhergeht, dass sie „24 Stunden am Tag“ präsent sein wollen und sind.
Die Höhepunkte der Arbeit an der UCM waren bisher drei öffentliche Diskussionen: eine mit Professoren und dem Rekorat der Universität, bei der eine starke Medienpräsenz und über tausend Zuschauer erreicht wurden; eine mit dem Präsident der Versammlung der Hochschulrektoren; und in der vergangen Woche wurde auch mit einem Vertreter der in Kraft tretenden Gesetze öffetnlich diskutiert. In allen diesen Debatten überzeugten die Argumente der Studierenden und die Gesprächspartner versicherten, die Forderungen der Studierenden weiterzutragen und zu vertreten. Wie dies genau aussehen wird steht noch infrage. Allerdings wurde bereits erreicht, dass das Rektorat finanzielle Unterstützung für ein Zelt zur Verfügung stellt, welches die Asamblea der Studierenden am zentralen Platz des Campus aufgebaut hat und in dem informative Aktionen und Veranstaltungen sowie Konzerte geplant sind. Die Anstrengungen laufen diese Woche auf einen Höhepunkt hinaus: die Mobilisierung für die Demonstration am 8. Mai beginnt.
Die Studierenden sind zwar eingeschlossen, aber nicht allein. In der Zwischenzeit haben die Studierenden in anderen Städten auch angefangen Proteste zu organisieren. So ist von Besetzungen und Demonstrationen in Cadiz, Sevilla und Granada zu hören.Es ist zu hoffen, dass, jetzt wo in Deutschland wieder Kritik an den Hochschulreformen aufkommt, auch hier etwas von der Kraft der spanischen Proteste in geweckt wird und sich zu einer größeren Bewegung entwickelt.
Spanische Seiten mit Texten, Fotos, Videos:
• Die Internetseite der Studierenden, die sich in die Fakultät eingeschlossen haben; akutelle Infos, Links zu Kritik und den kritisierten Gesetzen auf nationaler und europäischer Ebene (spanisch): Bastión del Conocimiento
• Echo in den Medien. Als Beispiel der Artikel in El País:El País
• Artikel über die Debatte mit dem Rektor der Complutense:Espacio Alternativo
• Video der Debatte mit dem Rektor:Video
• Besetzung in Granada:Indymedia ES
Deutsche Seiten:
• Zu den Protesten in Barcelona: Proteste in Barcelona
• Über die Konferenz europäischer Uni-PräsidentInnen in Barcelona:Von Bologna nach Barcelona - Hochschulrektorenkonferenz
• Über die (selbst in sonst unkritischen Medien) zunehmende Kritik an den Hochschulreformen: And The Flames Went Higher
• Das geplante Protestsemester in Berlin:Protestsemester 2008
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(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
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Ergänzungen
Wir brauchen internationale Vernetzung!!
UK Indymedia:
Fast jede Woche demonstrieren irgendwo auf der Welt Studenten gegen die Kommerzialisierung von Bildung!
Allein im Jahre 2007 protestierten Studis teils massiv in mehr als 30 Ländern weltweit:
Nur zusammen können wir uns gegen die Entwicklung wehren:
European Students Forum:
Wiki zur Organisierung eines europaweiten Streiks: