[Trento/S.Tirol] Proteste gegen BTT bau
[Trento/Suedtirol] Proteste gegen den Beginn der Bauarbeiten am Brenner-Basis-Tunnel für den Hochgeschwindigkeitszug (TAV)
Am Montag, dem 28.4.08, kam der italienische Präsident nach Südtirol, um die Bauarbeiten am Brenner-Basis-Tunnels (BBT) zu eröffnen. Schon am Tag zuvor fand in Bozen/Bolzano eine Veranstaltung gegen den Bau des BBT statt, am Montag gab es Protestaktionen vor Ort in Aicha/Aica, in Trento und in Mailand - wobei die Meinungs- und Redefreiheit der Tunnel-GegnerInnen stark eingeschränkt wurden.Sonntag, 27. April: Zensur auf der Freizeitmesse Bozen/Bolzano.
Zwischen dem 24. und 27. April fand in Bozen eine Freizeitmesse statt. Ein Mitglied des Kommittees NoTAV/Kein BBT Bozen wurde eingeladen, dort am Sonntag einen Stand zu haben.
Am Sonntagvormittag wurde das Video "Ohne wenn und aber" vor einem relativ breiten Publikum gezeigt. Danach fand eine kleine Diskussionsrunde statt, wo auch technische Fragen über die Auswirkungen des Projekts diskutiert wurden.
Am Nachmittag sollte die italienische Version des Films gezeigt werden und auch eine Diskussion mit dem italienischsprechenden Publikum gemacht werden. Aber während der Vorführung kam der technische Leiter der Messe und sagte, dass die Aktivität nicht stattfinden koenne. Grund war, das es nicht erlaubt worden war und dass die Messe kein Platz fuer politische Veranstaltungen sei.
Um mögliche Missverständnisse zu vermeiden, wurde die Einladung gezeigt mit der Bemerkung, dass die Aktivitaet noch dazu im Programm angekündigt war. Der Leiter hatte sich bei der Polizei gemeldet und mit Anklage angedroht.
Als die Bullen kamen, sollte das Mitglied des Anti-TAV-Zusammenhanges die Personalien herausgeben und die Veranstaltung beendet werden.
Montag, 28.April: Italienischer Präsident in Aicha/Aica.
Am Montag, dem 28. April, besuchte der italienische Präsident Giorgio Napolitano das suedtiroler Dorf Aicha/Aica, um die ersten Versuchstunnel (Exploratory Tunnel) für den Aufbau des Basis-Brenner-Tunnels (BBT) einzuweihen. Ebenso teilgenommen hat ein Vertreter der katholischen Kirche, der den Bau segnete.All das verursachte Protestaktionen (und Protestversuche) in Aicha und Trento/Trient, und ausserhalb des betroffenen Gebiets in Mailand.
AICHA (Suedtirol)
AktivistInnen aus verschiedenen Orten von Trentino and Suedtirol gingen nach Aicha, um eine Kundgebung gegenüber des Steinbruches von Aicha zu veranstalten. Die Kundgebung wurde mehrere Tage frueher angemeldet. Die Behoerden hatten den Antrag nicht abgesagt.
Deswegen wurde geglaubt, dass die Kundgebung stattfinden koennte. Aber am Tag der Kundgebung bekam der Anmelder polizeilichen Besuch, bei dem die Bullen der Kundgebung eine Absage erteilten.
Trotzdem versuchten Gruppen von Leuten, zu dem Steinbruch zu gelangen. Das war jedoch unmoeglich, weil die ganze Umgebung stark bewacht war von Zivis, Carabinieri und starkbewaffneten 250 Anti-Riots.
Bus "entfuehrt"
Der Zusammenhang "Open Space - No-TAV - Keine Muellbrennanlage" aus Trento/Rovereo hatte einen Bus organisiert, mit dem etwa 40 Leute nach Aicha fuhren. Der Bus wurde von Carabinieri blockiert und in einen isolierten Ort gefahren.
Dort wurde er von etwa 50 bewaffneten Anti-Riots der Carabinieri und mehreren Zivis umringt. Diese sagten, dass die Präsenz des Buses eine grosse Provokation wäre, und deswegen wurden keine Parolen oder irgendwelche politischen Symbole toleriert.
Die Haltung der Carabinieri und der Zivis war extrem aggressiv, aber die reisenden AktivistInnen konnten die Ruhe bewahren und eine Eskalation vermeiden.Ein paar Stunden spaeter koennte der Bus sich vom Ort bewegen. Es wurde aber nicht erlaubt, den Bus anzuhalten und andere Leute zu treffen, oder in andere Staedte auf dem Weg zu kommen. Der Bus wurde bis an die Grenze mit Trentino eskortiert.
Lokale Zusamenhaenge:
Mehrere Menschen aus lokalen anti-BBT, anti-TAV- und anderen Zusammenhaengen gingen zum Ort und versuchten, den Steinbruch durch Feld- und Waldwege zu erreichen. Auch Menschen aus Trento/Trient, die mit dem Auto gefahren waren, hatten mit den lokalen Gruppen mitgemacht. Hier war die Toleranz groesser als mit den Leuten im Bus. Es wurde erlaubt, Transpis etwa 300 Meter von Steinbruch auszurollen und etwas zu schreien. Es gab auch Kuhglocken, mit denen der Schall der Proteste auch den Platz der Bauarbeiten erreichen konnte.
TRENTO / TRIENT:
Leute aus Trento/Trient, die nicht zum Protest gehen konnten, hatten am Nachmittag spontaneInfo-Kundgebungen in der Stadt veranstaltet. Dort protestierten sie gegen den Anfang der Bauarbeiten in Aicha und gegen den Praesidentenbesuch. Es wurde auch ueber den Protestversuch und Repression in Aicha informiert.
Als der blockierte Bus zur Stadt kam, die Reisenden hatten mit den Kundgebung mitgemacht. Dann wurde eine Spontandemo unter den Motto "Der Kampf gegen den TAV - kann nicht entfuehrt werden" durch Trento gemacht und in Protest wurde der Verkehr auf einer der wichtigsten Strassen blockiert, um gegen die Ereignisse zu Protestieren.
Überraschendweise hatten waerend der Blockade die AutofahrerInnen Verstaendnis gezeigt, und mehrere auch offen den Protest mit lauten "No TAV"-Parolen unterstuetzt.
Nach der Blockade ist die Demo weiter gegangen zu einem Auditorium, wo eine Filmauffuehrung im Ramen des "Filmfestival Trento", ein Festival ueber Bergfilme,stattfinden sollte. Dort wollten die TeilnehmerInnen der Demonstration einen Widerspruch zeigen: dass die gleichen Leute, die das Festival ueber Filme ueber Berge finanziert haben (Trentinos Regierung), mitverantworlich sind für die Zerstoerung der Alpen.
Der Direktor des Festivals schlug vor, dass eine der TeilnehmerInnen die Information an den Publikum (etwas 300 Leute) gibt. Da wurde ueber die Folge der TAV geredet, auch ueber die Beschränkung der Rede- und Meinungsfreiheit, wie am Sonntag in Bozen und Montag in Aicha zu sehen war.Die Intervention wuerde von dem Publikum (wegen dem Charakter des Festivals Leute, die interessiert an den Bergen sind) unterstuetzt, aber von dem Medien verschwiegen.
MAILAND
Am Nachmittag hat eine Gruppe von AktivistInnen aus Mailand die Firma "Collini Costruzioni Spa" besucht. Collini ist eine der Firmen, die am Bau der BBT beteiligt ist. Waehrend der Ereignisse fand ein Treffen der Leitung der Firma statt.
Das Treffen wurde unterbrochen und den Teilnehmenden wurde mitgeteilt, dass noch Zeit ist, den Vertrag fuer die Bauarbeiten zu kuendigen and so zukuenftige Problemen zu vermeiden. Gleichzeitig wurde ein Dokument angeboten, welches sie zu den Medien und Institutionen schicken konnten. Das Dokument besagte, dass Collini von dem Bau des BBTs zuruecktreten wuerde. Wie erwartet, lehnten die Direktoren den Vorschlag ab und das Aggressivitätsniveau der Technokraten stieg schnell.Gleichzeitig hatte eine andere Gruppe eine Transparent aufgehängt mit dem Schriftzug: "Collini zerstoert die Alpen".
Die Aktion war sehr schnell, aber leider wurde eine der TeilnehmerInnen festgenommen - danach jedoch wieder freigelassen.
Mehr Infos ueber den BBT und TAV:
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen
BBT-videos