Krakau: Marsch der Toleranz, 26.4.
Demonstrieren auf Polnisch. Zum fünften Mal fand an diesem Wochenende in Krakau (Kraków) das schwulesbische/transgender/queere Festival der Toleranz statt und sah sich einer massiven Ablenung gegenüber. Ein Erlebnisbericht aus Polen mit Fotos.
Zum fünften Mal fand an diesem Wochenende in Krakau (Kraków), Polen das schwulesbische/transgender/queer Festiwal Tolerancji (Festival der Toleranz) statt. Neben vielen Vorträgen, Diskussionen, Fotoausstellungen, Filmen und Workshops war der Höhepunkt die Demonstration am Sonnabend (Marsz Tolerancji – Marsch der Toleranz). Zu der nur etwa einstündigen Demo kamen einige Hundert Menschen, allerdings weniger als im Vorjahr. Dass Polen auf diesem Gebiet noch ein echtes Entwicklungsland ist, zeigte sich an der starken Gegenbewegung. Seit Tagen hingen in der Stadt Plakate, die vor den „schwulen Barbaren“ warnten und zur Gegendemo aufriefen. Im letzten Jahr waren so viele Gegendemonstranten auf den Marktplatz gekommen, dass der Marsz Tolerancji nicht weiterkam. Hass auf Schwule und alle anderen alternativen Lebensformen ist noch immer in breiten Teilen der Bevölkerung völlig normal und so wunderte es nicht, dass nicht nur Nazis und Vorstadtprolls angereist kamen, sondern auch ältere Menschen und Durchschnittstypen. Vom bloßen Äußeren konnte man viele Gegendemonstranten nicht von uns unterscheiden.
Bereits eine Stunde vor Beginn des Marsz, tummelten sie sich in der ganzen Innenstadt und gaben unter den Scharen von Touristen ein echt paradoxes Bild ab. Nazis mit „Anti Antifa“-, antisemitischen oder angedeuteten (dreiarmigen) Hakenkreuz-T-Shirts konnten ungestört in den Marktcafés sitzen und sich die Sonne auf den hohlen Kopf scheinen lassen.
Der Marsz Tolerancji selbst startete mit einiger Verspätung. Musik oder Lautsprecher waren nicht gestattet und so waren Trillerpfeifen das Lauteste, was wir zu bieten hatten. Es gab nicht einmal Sprechchöre. Umrahmt wurde die Demo von mehreren Hunderschaften gepanzerter und bewaffneter Bullen, denn in den letzten Jahren kam es immer wieder zu gewalttätigen Angriffen auf solche Demos. Vor 2,3 Jahren in Warschau sogar durch die Bullen selbst! Manch ein Behelmter sah auch diesmal so aus, als ob er wieder Lust drauf gehabt hätte und lieber auf der anderen Seite stehen würde.
Nachdem die Demo unspektakulär in einem Parkstreifen die Innenstadt umgangen hatte (fernab von viel Publikum), endete sie auf dem Marktplatz, wo sie von mehreren Hundert grölenden, hüpfenden und eierwerfenden Nazis erwartet wurde. Da es keine Kundgebung oder Ansagen gab, war man die ganze Zeit sehr uninformiert und so endete die Demo dann plötzlich auch, der Polizeischutz dünnte aus und die Teilnehmer mussten schnell verschwinden oder sich unter die Touristen mischen, um nicht von den immer noch sehr präsenten Nazis angegriffen zu werden.
Alles in allem zeigte die Demo wieder, dass schwulesbische Arbeit in Polen noch totale Basisarbeit und ständig gefährdet ist, während man in Deutschland denkt, mit einem Party-CSD sei bereits alles getan. Schon die Formulierung „Toleranz“ zeigt, dass man hier noch nicht einmal diese von der Mehrheitsgesellschaft erlangt hat, um so das bessere (weil auf gleicher Augenhöhe befindliche) „Respekt“ fordern zu können. Katholizismus und Nationalismus sind beim überwiegenden Teil der Bevölkerung stark verankert und tun das übrige. Selbst gegen die Frauentagsdemo am 8. März gab es eine Gegenkundgebung, obwohl die etwa 10 Hanseln mit ihrem „Feministinnen in die Bergwerke“-Transpi eher lächerlich wirkten. Es gibt also noch viel zu tun und es sei allen Aktiven in Polen gedankt, dass es überhaupt vorwärts geht und so eine tolle Demo möglich ist!
Links:
http://www.tolerancja.org.pl – Veranstalter (auch auf Englisch)
http://pl.wikipedia.org/wiki/Marsz_Tolerancji (polnisch)
http://raumvermessung.wordpress.com/2008/04/26/marsz-tolerancji-toleranzmarsch-2008-eindrucke-und-bilder/
Bereits eine Stunde vor Beginn des Marsz, tummelten sie sich in der ganzen Innenstadt und gaben unter den Scharen von Touristen ein echt paradoxes Bild ab. Nazis mit „Anti Antifa“-, antisemitischen oder angedeuteten (dreiarmigen) Hakenkreuz-T-Shirts konnten ungestört in den Marktcafés sitzen und sich die Sonne auf den hohlen Kopf scheinen lassen.
Der Marsz Tolerancji selbst startete mit einiger Verspätung. Musik oder Lautsprecher waren nicht gestattet und so waren Trillerpfeifen das Lauteste, was wir zu bieten hatten. Es gab nicht einmal Sprechchöre. Umrahmt wurde die Demo von mehreren Hunderschaften gepanzerter und bewaffneter Bullen, denn in den letzten Jahren kam es immer wieder zu gewalttätigen Angriffen auf solche Demos. Vor 2,3 Jahren in Warschau sogar durch die Bullen selbst! Manch ein Behelmter sah auch diesmal so aus, als ob er wieder Lust drauf gehabt hätte und lieber auf der anderen Seite stehen würde.
Nachdem die Demo unspektakulär in einem Parkstreifen die Innenstadt umgangen hatte (fernab von viel Publikum), endete sie auf dem Marktplatz, wo sie von mehreren Hundert grölenden, hüpfenden und eierwerfenden Nazis erwartet wurde. Da es keine Kundgebung oder Ansagen gab, war man die ganze Zeit sehr uninformiert und so endete die Demo dann plötzlich auch, der Polizeischutz dünnte aus und die Teilnehmer mussten schnell verschwinden oder sich unter die Touristen mischen, um nicht von den immer noch sehr präsenten Nazis angegriffen zu werden.
Alles in allem zeigte die Demo wieder, dass schwulesbische Arbeit in Polen noch totale Basisarbeit und ständig gefährdet ist, während man in Deutschland denkt, mit einem Party-CSD sei bereits alles getan. Schon die Formulierung „Toleranz“ zeigt, dass man hier noch nicht einmal diese von der Mehrheitsgesellschaft erlangt hat, um so das bessere (weil auf gleicher Augenhöhe befindliche) „Respekt“ fordern zu können. Katholizismus und Nationalismus sind beim überwiegenden Teil der Bevölkerung stark verankert und tun das übrige. Selbst gegen die Frauentagsdemo am 8. März gab es eine Gegenkundgebung, obwohl die etwa 10 Hanseln mit ihrem „Feministinnen in die Bergwerke“-Transpi eher lächerlich wirkten. Es gibt also noch viel zu tun und es sei allen Aktiven in Polen gedankt, dass es überhaupt vorwärts geht und so eine tolle Demo möglich ist!
Links:
http://www.tolerancja.org.pl – Veranstalter (auch auf Englisch)
http://pl.wikipedia.org/wiki/Marsz_Tolerancji (polnisch)
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Ergänzungen
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
es ist nicht richtig! — pole
Entwicklungsland — lol
beschwichtigung — emma
momment — pole