1. Mai Rhein Neckar (Interview)

Delta Press 26.04.2008 18:52 Themen: Antifa
Am und um den 1. Mai 2008 wird es in der Rhein-Neckar-Region zu zahlreichen antifaschistischen und revolutionären Aktivitäten kommen. Neben dem alljährlichen antifaschistischen Straßenfest in der Heidelberger Altstadt, mobilisiert die radikale Linke auch gegen zwei Naziaufmärsche, eine so genannte „Doppeldemo“ in Neustadt an der Weinstraße und Kaiserslautern. Darüber hinaus sollen eigene Akzente gesetzt werden um „die grundsätzliche Ablehnung der kapitalistischen Zustände und der bürgerlichen Herrschaft praktisch werden zu lassen“. Um einen Überblick und eine Einschätzung zu den vielfältigen Aktivitäten zu geben, interviewte Delta Press (DP) zwei AntifaschistInnen aus der Rhein-Neckar-Region.
DP: Hallo Manuel, hallo Julia.

DP: Was erwartet uns in diesem Jahr am 1. Mai?

Julia: Bekanntlich beginnen die Aktionen zum 1. Mai hier in der Ecke schon am 30. April mit dem antifaschistischen Straßenfest in Heidelberg. Dort werden Bands spielen, es wird Infostände geben und natürlich noch mal die Möglichkeit, letzte Infos zum 1. Mai zu bekommen und abzugleichen. Am nächsten Tag gilt es, früh aufzustehen und den Nazis und den Bullen die Tour zu vermasseln. Danach wird es in der Mannheimer Innenstadt eine antikapitalistische Kundgebung geben, um klar zu machen, dass es uns als Linksradikalen nicht nur darum geht den Nazis, die die bürgerlichen Ideologien wie Rassismus, Verwertungslogik und Nationalismus auf die Spitze treiben, eine herbe Niederlage zu bescheren. Es geht uns vor allem auch darum, den Kapitalismus und seinen Staat auf den Müllhaufen der Geschichten zu werfen!

Manuel: Am Abend wird es noch ein größeres Konzert im JUZ Mannheim geben. Außerdem findet in der Unikneipe Fatal in Landau die Aftershowparty zu den Anti-Nazi-Protesten statt. Feiern gehört für uns auf jeden Fall auch zu einem gelungenen 1. Mai dazu!

DP: Wer organisiert die Naziaufmärsche und wer steht hinter dem Label „Aktionsbüro Rhein-Neckar“? Und wer verbirgt sich hinter der ominösen „Bürgerinitiative für soziale Gerechtigkeit?

Manuel: Das „Aktionsbüro Rhein-Neckar“ ist die zentrale Nazistruktur in der Region. Grob lässt sich das Aktionsbüro beschreiben als Zusammenschluss von verschiedenen Kameradschaften und NPD-AktivistInnen, wobei viele der Führungskader Doppelmitgliedschaften aufweisen. Die Aktivitäten und Verstrebungen sind vielfältig. Das geht von Kandidaturen der Kameradschafts-Nazis auf Listen der NPD über das Veranstalten von Konzerten bis hin zur Nutzung gemeinsamer Räumlichkeiten, wie dem Nazi-Zentrum in Kirchheim bei Grünstadt. Das Aktionsbüro hat außerdem gute Kontakte ins gesamte Bundesgebiet. Auf allen bundesweit relevanten Nazi-Veranstaltungen lassen sich Kader aus der Führungsriege, wie der Hooligan Christian Hehl, der Multifunktionär Rene Rodriguez-Teufer oder der Ludwigshafener Kameradschaftsführer Matthias Herrmann blicken.


DP: Könnt ihr uns noch einen Überblick geben was hier in den letzten Jahren so los war?

Manuel: Naziaufmärsche am 1. Mai finden in der Rhein-Neckar-Region seit 2005 regelmäßig statt. Die Nazis melden sogenannte Doppeldemos an, um im Falle einer antifaschistischen Blockade in der einen Stadt doch noch in der anderen aufmarschieren zu können. Damit wollen sie die GegendemonstrantInnen spalten und erhoffen einen geringeren Widerstand. Dieses Kalkül ist in den letzten Jahren nur bedingt aufgegangen. Stets gingen weit über Tausend Menschen auf die Straße und setzten den Nazis heftigen Widerstand auf unterschiedlichsten Ebenen entgegen.

Julia: Leicht hatten es die Nazis hier noch nie, obwohl Bullen, Ordnungsämter und die Deutsche Bahn weder Kosten noch Mühen gescheut haben den Nazis ihre Aufmärsche so angenehm wie möglich zu gestalten. Das reichte von Genehmigungen, ohne auch nur den Versuch zu unternehmen, die Verbreitung der rassistischen und antisemitischen Hetze zu verbieten, über das Bereitstellen von Sonderzügen bis zum konsequenten Durchprügeln der Aufmärsche ohne Rücksicht auf Verletzte. Trotz dieser massiven Unterstützung für die Nazis gelang es fast immer die Aufmärsche durch Blockaden zu verkürzen, zu stoppen und zu behindern oder auch direkt anzugreifen. An diesen Erfolgen wollen wir auch in diesem Jahr anknüpfen.

DP: Wo sind die Treffpunkte für anreisende Antifas und wo kann mensch sich auf dem Laufenden halten?

Manuel: Die Treffpunkte der Nazis sind jeweils am Hauptbahnhof. In Kaiserslautern um 11 Uhr und in Neustadt um 15 Uhr. In Kaiserslautern gibt es ab 10 Uhr eine antifaschistische Kundgebung vor dem Bahnhof. Informationen hierzu gibt es unter klgegennazis.blogsport.de Für Neustadt ist zu empfehlen sich frühzeitig auf den Weg zu machen. Auch hier wird es eine antifaschistische Kundgebung als Anlaufpunkt geben. Informationen hierzu finden sich unter 1mai08.blogsport.de
In Mannheim wird sich ab 19 Uhr am Paradeplatz getroffen. Hierzu gibt es weiteres unter akantifa-mannheim.de

DP: Danke für das Gespräch.

Hier noch einige Impressionen aus der Mobilisierung zum 1. Mai.
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