Tschernobyl-Kundgebung am THTR Hamm

SOFA Münster 26.04.2008 17:52 Themen: Atom Ökologie
Rund 120 Leute demonstrierten heute zum 22. Tschernobyl-Jahrestag vor dem stillgelegten Atomreaktor in Hamm für den sofortigen Atomausstieg. Besonders brisant: Der Pannenreaktor wurde bewusst aus der Kinderkrebs-Studie zu Leukämiefällen rund um die AKW-Standorte rausgelassen. Am Rande der Kundgebung berichtete ein ehemaliger THTR-Mitarbeiter, dass inzwischen die meisten seiner Schicht-Kollegen an Krebs gestorben seien.
Kaum einer der Anwesenden hätte sich träumen lassen, dass auch 20 Jahre nach der Stilllegung des THTRs noch eine Demo dort nötig wäre. Umso erstaunlicher die gute Beteiligung (inkl. Trekker) und das große Medieninteresse. Die Stilllegung bedeutet eben nicht das Ende aller atomaren Probleme an so einem Standort.

In Hamm zeigt sich genau wie an anderen Alt-AKWs, dass die Atomindustrie keine Ahnung hat, was mit dem strahlenden Atomerbe passieren soll. In Hamm z. B. ist bis 2027 der "Stilllegungsbetrieb" geplant, erst danach soll der Abriss beginnen. Bis dahin kostet die Stilllegung jedes Jahr 5,6 Mio. Euro - davon zahlt Betreiber RWE schlappe 160 000 Euro, den Rest zahlt das Land NRW!

D. h. RWE ist es im Prinzip völlig egal, was in Hamm passiert oder nicht, solange sie nicht zahlen müssen oder der Reaktor negative Schlagzeilen produziert. Genau das bewirkte aber die Kinderkrebsstudie. In den Voruntersuchungen war Hamm noch Teil der Studie, dann jedoch rausgekippt worden. Dabei gab es in den 1980er Jahren schwere Störfälle, bei denen auch die Kleinstkügelchen freigesetzt wurden, die in der Elbmarsch für die vielen Leukämiefälle (mit)verantwortlich gemacht wurden (www.reaktorpleite.de).

Und was will man von Bundes- und Landesregierung anders erwarten: Wer ständig neue AKWs fordert oder die alten bis an die Grenze des Wahnsinns weiterlaufen lassen will, möchte natürlich jede negative Schlagzeile über unverdaute Altlasten, Krebsrisiken oder Atommüllberge gerne unter den Teppich kehren.

Und da passt natürlich auch nicht, dass rund um Tschernobyl noch immer große Regionen hoch verstrahlt und unbewohnt sind. Millionen von Menschen sind weiter von den Folgen massiv betroffen - da wirkt das Gerede um die angebliche "Renaissance der Atomkraft" wie reiner Hohn.

Am Ende der Kundgebung gab es eine Live-Schaltung nach Hamburg zur Bike-Classics gegen Vattenfall und Co. Dabei wurden solidarische Grüße ausgetauscht.

Die heutige Kundgebung in Hamm war Auftakt einer größeren Aktionswoche:
Am 30. April findet in Essen die EON-Jahreshauptversammlung statt. Schon beim letzten Mal ging es dort sehr international zu, weil AtomkraftgegnerInnen aus verschiedenen Ländern die EON-Atompolitik massiv kritisierten.

Vom 1.-4. Mai findet in Ahaus die bundesweite Frühjahrskonferenz der Anti-Atom-Bewegung statt (www.bi-ahaus.de) mit Aktionscamp und Open-Air-Konzert (www.sofa-ms.de).
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Ergänzungen