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Tibet, Hungerrevolten und der globale Wahnsin

Danyal Mordechai 15.04.2008 18:11 Themen: Soziale Kämpfe
Wie kapitalistische Verwertungswahn im völkisch-religiösen Wahn seinen kongenialen Partner findet.
In Ägypten, Mexiko, Haiti, Philippinen, Marokko, Burkina Faso, Indonesien, Elfenbeinküste, Mauretanien, Mosambik, Senegal, Kamerun, Guinea und Guinea-Bissau kam es in den vergangenen Monaten immer wieder zu Hungerrevolten und schweren Zusammenstößen mit der Staatsgewalt. Am 6. April setzte die militarisierte Polizei im ägyptischen Mahalla gegen streikende Arbeiter Gasgranaten und scharfe Munition ein. 4 Menschen wurden getötet, darunter zwei Kinder. Auch auf Haiti kam es in den Apriltagen zu mehreren Todesopfern. Ob in Kairo oder Port-au-Prince, die Menschen erheben sich über drei Kontinente erstreckt gegen die explodierenden Preise für Mais, Reis und Milch. Gemeinhin wird behauptet, dass Naturkatastrophen und die wachsenden Mittelklassen in Indien und China und der damit einhergehende steigende Konsum für die Preisexplosionen verantwortlich seien. Nun ist es bereits merkwürdig genug, dass die Apologeten des Kapitalismus in der angeblichen Entwicklung Chinas und Indiens zu einer „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“, die doch ansonsten als kapitalistisches Reich der Zufriedenheit beschwört wird, eine Bedrohung ausmachen. Doch schlägt man einmal die Wirtschaftseiten der „FAZ“, der „Welt“ oder der „Financial Times“ auf, erfährt man sowieso ganz anderes: Investoren aus den Kapitalmetropolen New York, London, Frankfurt am Main, Dubai oder New Delhi haben Agrarrohstoffe als profitables Anlageziel in Beschlag genommen. "Spekulanten haben diesen Sektor entdeckt", sagt einer, der es wissen muss - der Experte für Agrarrohstoffe bei „ERA Resources“, einem Aktienfondsanbieter, der sich mit seinen Fonds völlig auf Rohstoffe spezialisiert hat („Welt-Online“, 6. April 2008). Es begann Anfang des Jahres 2006, als sich der Preis für Zucker schlagartig verdoppelte, bereits nach wenigen Monaten jedoch platzte wieder die Spekulationsblase. Plötzlich stieg der Preis für Orangensaftkonzentrat rapide an. Im Frühjahr 2007 fiel dann auch dieser wieder. Es folgten Kakao und Weizen. Nun explodieren die Preise für Mais und Reis. Reis stillt den Hunger fast der Hälfe der Menschheit, doch nicht mehr der menschliche Hunger bestimmt dessen Preis, sondern die Spekulationswütigen und Vermögenden, die mit Milliarden auf Rohstoffshopping gehen und rechtzeitig vor Platzen der Blase zum nächsten Rohstoff weiterziehen. „Focus Money“ schwärmt vom reich werden mit Rohstoff-Fonds („in 3 Jahren 150% Gewinn“) und das Zentralorgan des deutschen Großkapitals, die „Welt“ lässt den „Rohstoffexperten von Merrill Lynch“ dazu raten, „nicht in die landwirtschaftlichen Unternehmen, sondern direkt in die Rohstoffe zu investieren. Inzwischen können Anleger über Zertifikate vom Kaffee, über Zucker bis hin zur Milch ihr Geld anlegen“ („Welt-Online“, 7. März 2008). Die Preise für Weizen und Soja haben sich zwischen Frühjahr 2007 und Februar 2008 verdoppelt. Mais ist seit Herbst 2007 um 66 Prozent, Reis in den vergangenen zehn Monaten um etwa 75 Prozent teuer geworden. Der von der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) berechnete Food-Price-Index ist von März 2007 bis März 2008 um 57 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hält die FAO fest, dass die Preisexplosionen nicht auf ein angeblich abnehmendes Angebot zurückzuführen seien, denn 2007 ist die weltweite Getreideproduktion um fast fünf Prozent gestiegen. In diesem Jahr erwartet die FAO eine Rekordernte von 2,16 Milliarden Tonnen. Trotzdem verhungern Tag für Tag 100.000 Menschen oder sterben an Krankheiten, die unmittelbare Folge von Hunger sind. Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. 856 Millionen Menschen sind unablässig schwer unterernährt (so der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler). Und die globalen Kapitalien – von der „Deutschen Bank“ bis zu den indischen Großhändlern, die mit Blick auf weitere Preissteigerungen Reisvorräte horten - verdienen freudig am elendigen Hungertod. Die „invisible hand“ des Kapitalismus wird zur Todeskralle für Millionen Menschen.

Der Mönchmob und seine deutschen Freunde

Doch in jenen Tagen scheinen die deutschen Meinungsfabriken das Primat der Menschenrechte vor dem Profitmachen entdeckt zu haben. Doch weder der permanente Hungergenozid noch der neuerliche Widerstand der Armen veranlassen das meinungsdiktierende Kartell sich bewusst zu machen, dass mit dieser Weltordnung etwas nicht stimmen kann. Selbst die Geschehnisse in Ägypten – immerhin ein Mittelmeeranrainer – finden kaum Notiz in den Nachrichtenblocks. Die Begeisterung gilt dem tibetischen Mob und dem hartnäckigen Bemühen das olympische Feuer zu erlöschen. Es begann am 11. März als Mönche und ihre geistigen Apologeten marodierend durch die Straßen von Lhasa zogen, sie verwüsteten Unterkünfte und Geschäfte, jagten und verprügelten Menschen der nichttibetischen Bevölkerungsteile. Es kam zu erwartenden Zusammenstößen mit der gewohnt nicht zimperlichen Polizei Chinas, die Gewalt sprang auf weitere Klöster über. Die deutschen Kommentare hatten wieder Rebellen ganz nach ihrem Geschmack: religiös abgerichtet, zu tief antikommunistisch und nach EU-europäischer und US-amerikanischer Patronage lechzend wie in den früher 1980`ern als das State Department, die deutsche Einheitsfront aus CDU/CSU, SPD, FDP, NPD und Tarnfarben-Grünen und jeder, der bei Springer oder Bertelsmann seine Finger wund schrieb, den islamischen Gotteskriegern in Afghanistan zu jubelten (und mit Barem überschütteten). Islamistische Warlords wurden damals unter anderem von Franz-Josef Strauß, Alfred Dregger, Ernst Albrecht und Helmut Kohl gebührlich empfangen. Als November 1981 der sowjetische Staatschef Breschnew nach Bonn gereist kam, organisierten die FDP mit der CDU/CSU eine Solidaritätsdemonstration für den islamistischen Halsabschneiderjihad, an der Demonstrationsspitze liefen Heiner Geisler, Norbert Blüm und Waffenschieber Jürgen Möllemann. Der CDU`ler und heutige Burda-Manager Jürgen Todenhöfer besuchte nach eigenen Aussagen dreimal den Schlächter Hekmatyar, dessen Milizen ungenügend verschleierten Frauen Säure ins Gesicht spritzten und die Wohnviertel und Basare Kabuls blind unter Feuerbeschuss nahmen.

Chinas Regierung ist zwar genauso wenig kommunistisch wie der Papst und zweifellos ist das staatskapitalistische Modernisierungsprojekt Chinas brutal und gnadenlos. (Wie anders soll sich auch Kapitalismus entfalten können als durch rücksichtslose Gewalt? Deutschland hat schließlich zwei Vernichtungskriege gebraucht, um das kapitalistische Herrschaftssystem fest zu verankern.) Doch was man den Menschen in Tibet noch weniger zu muten möchte, ist die Wiedereinsetzung der religiösen Gelbmützenherrschaft des Dalai Lamas. Während der Buddhismus bei depressiven Hollywoodmillionären und auch in Deutschland zum Lieblingswahn avanciert und das prächinesische Tibet der Dalai Lamas als annähernd paradiesisch verklärt wird, herrschte in Wirklichkeit in Tibet bis zur maoistischen Landnahme 1950 ein klerikaler Feudalismus, der für weit über 95 Prozent der Bevölkerung die Hölle auf Erde bedeutete. Die Feudalherren, die mit der religiösen Elite nahezu identisch waren, machten lediglich ein bis eineinhalb Prozent aus und hielten sich die Majorität der Bevölkerung als Fronknechte. Die Ausbeutung wurde gerechtfertigt durch die buddhistische Karmaideologie, der zufolge das gegenwärtige Leid Ausdruck von Verfehlungen und Sündereien in den vorherigen Leben ist. Bis tief in das 20. Jahrhundert hinein waren das Herausschneiden von Zungen, das Abziehen der Haut und ähnliches beliebte Bestrafungsrituale der herrschenden Klasse. Bis heute hat sich der Dalai Lama niemals von dieser Barbarei distanziert, sein Public Relations-Apparat strickt fleißig weiterhin an der Legende des paradiesischen Tibets vor 1950. Auch der wirre Glaubenskatalog des Gelbmützenbuddhismus wurde niemals erneuert. Wie jede andere größere Religion baut sich der Lama-Buddhismus im Wesentlichen auf die geschürte Angst vor dem Jenseits auf. Wer die Anweisungen des Dalai Lamas nicht brav befolgt, findet sich unweigerlich in einer der sechzehn Höllen wieder. Eine davon bestehe aus einem „stinkenden Sumpf von Exkrementen“, in dem man bis zum Hals versinke. Zugleich werde man „von scharfen Schnäbeln dort lebenden Rieseninsekten bis auf das Mark zerfressen und zerpickt“. In anderen Höllen wird man verbrannt, zerschlagen, zerquetscht, von Felsbrocken zermalmt oder mit riesigen Rasierklingen in tausende Stücke zerschnitten – und dann schließlich als Fronknecht wiedergeboren (Vgl. Colin Goldner, „Fall eines Gottkönigs“). Dass sich ein größerer Teil der Bevölkerung mit diesem Irrsinn identifiziert, ist kein Pro-Argument dafür, dem scheinbaren Bedürfnis nach einer Wiedereinsetzung der Gelbmützenherrschaft nachzukommen. Denn es ist eben das Wesen religiöser Ideologien, die vermeintliche Sehnsucht nach Unterwerfung und Selbstgeißelung durch permanente Indoktrination zu erzeugen. Faschistischer Geist besteht doch darin, dass der Mensch geradezu danach giert, seine Menschlichkeit im Stahlbad der Ideologie zu ertränken und sein geistiges Elend als Illumination und seine Unterwerfung als göttliche Ursprünglichkeit deutet.


Bereits das deutsche Nazipack begeisterte sich für jenen religiösen Wahnsinn des Gelbmützenbuddhismus. Der Reichsführer-SS Heinrich Himmler war vernarrt von der Idee, dass in Tibet die Wiege der „Ur-Arier“ und in den dortigen Klöstern das Wissen der arischen Ur-Religion verborgen sein könnte. Der SS-Oberscharführer Heinrich Harrer war einer von denjenigen, die diesem Wahnwitz nachgehen sollten. Sein später verfasster Schundroman „Sieben Jahre in Tibet“ wurde ein Bestseller, in der gleichnamigen Hollywood-Adaption wurde Harrer von Brad Pritt verkörpert. Bis in die 1990’ern traf sich der Dalai Lama immer wieder mit Überlebenden einer SS-Expedition, die sich 1938/39 in Lhasa befand. Etwa mit dem 1998 verstorbenen Bruno Beger, verurteilter „Rassenspezialist von Auschwitz“. Nach den Tibet-Expeditionen begann sich Heinrich Himmler für ein anderes religiöses Wahnsystem zu begeistern. Am 14. Mai 1943 gab Himmler dem Reichssicherheitshauptamtes die Anweisung, den Koran systematisch nach Stellen zu durchsuchen, die als Belege dienen könnten, dass Hitler „bereits vorausgesagt und beauftragt sei, das Werk des Propheten zu vollenden“. Der SS- und Polizeiführer, Ernst Kaltenbrunner dozierte im September desselben Jahres von Koranstellen, die von der „Wiederkehr des Lichtes des Propheten“ sprechen, „die eine Beziehung auf den Führer zulassen“. Am 6. Dezember stellte der Chef des Reichssicherheitsamtes fest, dass „der Führer weder als Prophet noch als Mahdi ausgegeben werden“ könne. Jedoch eigne sich Hitler „als der im Koran vorhergesagte wiedergekehrte Isa, der nach Art des Ritters Georg den am Ende der Welt erscheinenden Riesen und Judenkönig Dadjdjal besiegt“ (Vgl. Martin Cüppers & Klaus-Martin Mallmann, „Halbmond und Hakenkreuz“). In beiden Fällen waren die Identifizierungen nicht nur Ausdruck des faschistischen Wahnsinns, sondern auch die ideologische Ummantelung weltlicher Interessen – die Mobilisierung völkischer und religiöser Schlagkraft gegen das britische Empire.

Heute will man China spüren lassen, dass zwar ihr Markt und Verwertungspotenzial geschätzt wird, man aber auf allzu unangenehme Konkurrenz nicht sehr freudig reagiert (bereits jetzt stechen chinesische Konzerne die EU-europäische und US-amerikanische Konkurrenz in größeren Teilen Afrikas aus, verfügt China über die zweitgrößte Armee und mit gehörigen Abstand über die größten Devisenvorräte). Zwar wird durchaus die Forcierung der Kapitalisierungspolitik des Staates gewürdigt, doch falls die politische Elite Chinas nicht nur bereitwillig ein Investorenparadies zur Verfügung stellt, sondern selbst imperiales Interesse durchzusetzen versucht und sich der völligen Deregulierung entgegenstellt, um weiterhin über politische Handlungsmöglichkeiten zu verfügen, ist es für die Geostrategen aus Washington D.C., Berlin, Paris und London beruhigend zu wissen, über eine völkisch-religiöse Bande zu verfügen, die sich nur allzu gern für ein Mini-Kalifat oder einer Sonderwirtschaftszone anbietet, um die Zentralregierung zu schwächen wie es im Kosovo erfolgreich mit der der UÇK-Mafia umgesetzt wurde. (Kaum jemand aus deutschen Redaktionsräumen ist stutzig geworden, dass ausgerechnet Afghanistan zu den ersten Staaten gehörte, die die „Republik Kosovo“ ihre Anerkennung aussprachen. Schließlich gelangt täglich eine halbe Tonne Heroin aus Afghanistan ins Kosovo. Bereits die NATO-Bomben auf Chinas Botschaft in Belgrad im Mai 1999, waren eine unmissverständliche Drohung, die Protektion völkisch-religiöser Hirngespinste auch in China anzuwenden.) Empörte sich 2007 noch ein Teil des deutschen Großkapitals über den Flirt Angela Merkels mit dem Dalai Lama, die Hofierung des Lamas als Staatsgast würde das Profitinteresse von BASF, Siemens und Konsorten schädigen, haben anscheinend nun auch die deutschen Vorstände erkannt, dass blinde Akkumulationswut nicht immer angebracht ist und dass vorübergehende Profitausfälle zu verkraften sind, wenn sich eine Waffe schmieden lässt mit dem man die Konkurrenz zähmen kann. Das EU-Parlament fordert nun China auf mit dem Dalai Lama den Dialog aufzunehmen – sonst werde man sich für einen Olympia-Boykott aussprechen. Der britische Premier Gordan Brown, Polens Donald Tusk und Horst Köhler outen sich plötzlich als Sportmuffel. Hillary Clinton, die sich bereits für die bosnischen Mujahedin begeistern konnte, fordert Bush auf, beim Beginn der Olympiade auf seiner Ranch zu bleiben. Und deutsche Meinungsfabriken tun das, was sie am besten können: ungeniert Fälschen und Lügen. „Die Zeit“ retouchiert steinewerfende Tibeter und die fliegenden Steine aus einem Photo, so dass nur zwei Fahrzeuge der chinesischen Armee zu sehen sind, um der Überschrift „Kriegsrecht in Lhasa“ Ausdruck zu verleihen („Die Zeit-Online“, 17. März). In den Clips von „n-tv“ und RTL werden aus prügelnden nepalesischen Polizisten chinesische Soldaten. Die „Berliner Morgenpost“ zeigt ein Photo, auf dem die Rettung eines halb gelynchten Chinesen durch uniformierte Sanitäter zu sehen ist, macht aber in der Photo-Beschriftung aus dem Pogromopfer einen tibetischen „Aufständischen, der während der Revolte (…) abgeführt wird“ („Berliner Morgenpost“, 16. März). Der kanadische Journalist Doug Sanders recherchierte schließlich, dass einige der Fackelstürmer in Athen, Paris und London Mitglieder eines Tibet-Komitees seien, das sich im Mai 2007 auf einer Brüsseler Konferenz der „Friedrich-Naumann-Stiftung“, die gemeinhin als FDP nah gilt und auf das Auswärtige Amt einwirkt, konstituiert hat. Auf jener Konferenz nahmen neben exiltibetischen Politikern auch Beamte des State Department teil (siehe D. Sanders in „Globe and Mail“, 29. März).

Wie bereits in den 1990’ern die faschistischen Ustaša-Apologeten Kroatiens, die islamistischen Izetbegović-Banden Bosniens und die kosovarische UÇK-Mafia von der deutschen Politik gepäppelt worden sind, hält man sich nun die Gelbmützenclique. Der Dalai Lama hat im September 2007– bei allem Talent sich zu verstellen – ungeniert erklärt, was er mit der chinesischen Bevölkerung Tibets vorhat: „Alle Chinesen, die tibetisch sprechen und die tibetische Kultur respektieren, können bleiben, sofern es nicht zu viele sind.“ Tibet den Tibetern! Der kapitalistische Wahn, der sich darin zeigt, dass das Brot der Armen zum Spekulationsobjekt verkommt, findet sein Äquivalent im religiös-völkischen Wahn, der die Unterwerfung, die den Armutsmassen aufgezwungen wird, zum göttlichen Prinzip erhebt und somit das globale Elend zu verewigen droht. (Das Unterwerfungsritual ist das zentrale Ritual aller größeren religiösen Ideologien wie auch in den nationalistischen Ideologien siehe das Führerprinzip im Nationalsozialismus) Als die Hamburgerin Bürgerschaftsabgeordnete der Linkspartei, Christiane Schneider, anmerkte, dass „die tibetischen Religionsführer, das tibetische Mönchstum, das die Oppositionsbewegung offensichtlich anführt, sich der Frage stellen muss, welchen Kurs sie bei der Modernisierung, der Beseitigung der Armut und nicht zuletzt der Verwirklichung der Menschenrechte", befürchteten nicht nur der Verfassungsschutz und das „Abendblatt“ „linksextremistische Bestrebungen“ in der Bürgerschaft, sondern sie wurde auch von ihren eigenen Genossen gerügt. Aber was soll man auch von einer Partei erwarten, deren Chef, Oskar aus der demagogische Mülltonne, deutsche Familienväter durch „Fremdarbeiter“ bedroht sieht, der sich in der „Bild“ über afrikanische Elendsflüchtige auslässt und von „Schnittmengen der Linken mit dem Islam“ phantasiert.
Opfer dieser gewollten Wahrnehmungsstörung ist im Übrigen nicht das chinesische Regime – ihm ist lediglich das Auftrotzen als zu fürchtender Global Player bei der Olympiade versaut wurden. Zu den Opfern zählt dagegen zweifellos die Bevölkerung Tibets, die sich der Illusion hingibt durch Jagd auf „die Anderen“ ihr soziales Elend zu kaschieren (Zu der Behauptung eines angeblichen „kulturellen Völkermords“: Tatsache ist, dass 2002 Tibetisch als Pflichtsprache in den Schulen eingeführt wurde, in Gerichten und Behörden wird tibetisch und chinesisch gesprochen, über 90 Prozent der Richter der „Autonomen Region Tibet“ sind Tibeter, ebenfalls ein Großteil der Polizisten, über 1700 Klöster sind in Tibet zu finden, die vom Staat gefördert werden. Das worunter die Tibeter wie die ganze Bevölkerung Chinas leiden, sind die brutale Kapitalisierung Chinas und der gewaltige Disziplinierungsapparat der herrschenden Partei, der keine kritische Regung duldet.) Bleibt zu hoffen, dass die Hungrigen in Haiti und Ägypten nicht wieder auf die Knie gehen, sondern ihre Wut in revolutionären Elan verwandeln.
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Ergänzungen

KAMPF UMS BROT

antifa.sozialbetrug 16.04.2008 - 12:23
Haiti wehrt sich gegen zu hohe Lebensmittelpreise

Seit Tagen wird im Karibik- Staat Haiti gegen die zu hohen Lebensmittelpreise protestiert. Die Lage spitzt sich immer mehr zu, denn die Proteste sind in regelrechte Unruhen ausgeartet. Supermärkte wurden geplündert, Strassenbarrikaden errichtet und Autos angezündet. In Haiti müssen 80 Prozent der Bevölkerung mit weniger als 2 Dollar im Tag auskommen. Und die Preise für Reis, Bohnen, Früchte und Kondensmilch sind seit dem vergangenen Jahr um 50 Prozent gestiegen. Nudeln kosten sogar doppelt so viel. Ich sprach dazu mit der Ethologin Romana Büchel. Sie ist Verantwortliche für das Länderpgroramm Haiti beim Hilfswerk Fastenopfer und soeben aus Haiti zurückgekehrt:
 http://www.freie-radios.net/mp3/20080410...wehrt-21925.mp3

Ärzte ohne Grenzen zählt 170 Verletzte bei Hungerrevolte auf Haiti

 http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=32011

Haitis Regierung stürzt über hohe Lebensmittelpreise
Der venezolanische Präsident Hugo Chávez kündigte unterdessen an, er werde 364 Tonnen Lebensmittel in den Karibikstaat schicken.

 http://www.hna.de/brennpunktenews/00_200...bensmittel.html

 http://antifasozialbetrug.siteboard.de/antifasozialbetrug-about339.html

ARBEITSKÄMPFE INTERNATIONAL
 http://antifasozialbetrug.siteboard.de/antifasozialbetrug-forum-15.html

MENSCHENRECHTE
 http://antifasozialbetrug.siteboard.de/antifasozialbetrug-forum-14.html

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Verstecke die folgenden 2 Kommentare

ich hätts nicht besser ausgedrückt

anarchist 15.04.2008 - 19:50
ist ein sehr informativer bericht

Ich bin keine Gruppe!

Danyal Mordechai 16.04.2008 - 15:14
Ich weiß nicht, warum Ihr, Indymedia-Moderatoren, mich immer für eine Gruppe haltet? Ich bin ein Individuum und der Beitrag ist kein Fluggi, sondern spiegelt allein das wieder, was ich recherchiert habe und denke.

Liebe Grüße!