Eine Woche Genfeldbesetzung in Gießen
Viele Kontakte mit Menschen auf und am Feld
Bis zu 50 Gäste befanden sich vor allem nachmittags und abends auf der Fläche. Nach anfänglichen Versuchen, die BesetzerInnen zu isolieren, ist das besetzte Feld inzwischen frei zugänglich. Neben Turm und Betonblock sind inzwischen etliche Zelte und Pavillons errichtet. LandwirtInnen, Einzelpersonen und Geschäfte spenden Lebensmittel und Heizholz. An der Straße haben Ökolandbau-Studierende aus Witzenhausen, die das Camp für zwei Tage besuchten, zwei Plakate "3x Hupen gegen Gentechnik" errichtet. Seitdem steigt die Zahl der AutofahrerInnen, die auf diese Weise ihre Solidarität bekundeten. Am Sonntagnachmittag war es fast jedes zweite Auto.
Polizeiliche Kontrollen fanden in den letzten Tagen nicht mehr statt. Mit einzelnen Personen der Versuchsstation, Security und Polizei kam es zu inhaltlichen Kontakten. Ein Polizeiwagen betätigte in der Nacht zum Sonntag sogar selbst dreimal seine Hupe.
120 Menschen auf Demo am Samstag
Am Samstag rollten drei Traktoren vom für die Genehmigung der Genversuche zuständigen Regierungspräsidium zum Uni-Hauptgebäude und dann zum Gengerstenfeld. Zusammen mit den landwirtschaftlichen Maschinen gingen 120 Personen den Weg zu den Stationen Gießener Gentechnik. Redebeiträge der Ökoreferentin des AStA-Gießen, aus der Bürgerinitiative gegen den Genversuch in Rauischholzhausen, aus dem Kreis der Feldbesetzer und von einer Gruppe angehender BiolandwirtInnen waren an den einzelnen Stationen zu hören. Mit großen Plakaten warben Landwirte am Traktor oder mit Schilder für eine gentechnikfreie Region in Gießen.
Etwas schwierig gestaltete sich der Auftakt der Demo: In strömendem Regen gelang der Aufbau der Soundanlage nur schleppend. Eine Stunde Verzögerung des Aufbruchs machte den Anwesenden angesichts des Wetters sichtbar keinen Spaß. Danach aber ging es im bunten Umzug und musikalischer Untermalung durch die Stadt. Große Freude bereitete alle Anwesenden die Nachricht, dass wenige Tage nach der Gießener Feldbesetzung auch im baden-württembergischen Oberboihingen ein Versuchsfeld besetzt worden war – mit ganz ähnlicher Blockadetechnik.
Keine klare Aussagen der Uniforscher
Keine Stellungnahme erreichte die FeldbesetzerInnen aus der Uni Gießen. Am Mittwoch hatten die BesetzerInnen die Unileitung aufgefordert, einen Nachweis über die Aufgabe des Versuchs beizubringen. Vorher hatte Versuchsleiter Prof. Kogel behauptet, dass er seinen Versuch in die USA verlegen werden. „Wir hätten den Versuch lieber ganz gestoppt als in die USA verdrängt. Nun hoffen wir, dass auch dort der Widerstand wächst gegen die profitorientierten Manipulationen an Genen“, heißt es dazu aus dem Kreis der FeldbesetzerInnen. Allein der Aussage des Versuchsleiters Kogel vertraut auf dem besetzten Feld niemand. Kogel habe schon zu oft getrickst und gelogen, begründen die AktivistInnen ihr Verbleiben auf dem Acker bis zur eindeutigen Klärung, ob der Versuch stattfinde oder nicht.
Die zwischenzeitlich auf Uni-Rechnern als "extremistisch" gesperrten Seiten mit kritischen Informationen über die Genfelder der Uni Gießen waren am Sonntag wieder erreichbar. Die Hintergründe blieben bislang ungeklärt.
Kontakt und Lage
Die Besetzung zu erreichen ist einfach: Per Telefon 0152-29990199 oder als direkter Besuch. Das Feld liegt in der Stadt Gießen direkt neben der Universitätsbibliothek (Phil I, Otto-Behaghel-Straße). Der Alte Steinbacher Weg und die Rathenaustraße führen direkt am Feld vorbei. Turm und Boden-Lockon sind von dort gut zu sehen (genauere Beschreibung). „Wir sind leicht zu finden und sichtbar. Das ist Ausdruck unseres Protestes - wir wollen nicht zusehen, sondern dieses Zeichen setzen. Wir wünschen uns viele Menschen hier - und wir hoffen, dass viele weitere Aktionen stattfinden dieses Jahr, damit es überall endlich wieder gentechnikfrei wird - so oder so.“
Wetter
Erhebliche Probleme bereitet den Aktivistis das aktuelle Wetter. Am Sonntag mussten Kanäle zur Ableitung des Wassers gegraben werden, um die Fluten abzuleiten. Am Sonntagabend kam es zu massivem Schneefall. Drei Zelte brachen zusammen. Hilfe auf der Fläche ist vonnöten: Weitere stabile Zelte, Heizholz und einfach auch Menschen, die mit anpacken, mal eine Nachtwache übernehmen oder einfach dabei sind! Montag soll es weiter schneien, danach wieder langsam wärmer werden.
Mehr Informationen
- Webseite: www.gendreck-giessen.de.vu
- Infozeitung zu den Gießener Genfeldern
- Überregionale Seite zum Protest gegen Genfelder
- Überregionale Kampagne und Aktionen zu Feldbefreiung
- Indymediatexte direkt nach der Besetzung, nach drei Tagen und zur Besetzung in Oberboihingen
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen
Aus Gießener Anzeiger
Stadtverordneter Tjark Sauer kritisiert Versuchsleiter Kogel
GIESSEN (V). "Ich begrüße die Besetzung des universitären Gen-Gersten Versuchsfeldes durch Gentechnik-Gegnern am vergangenen Montag ausdrücklich," erklärt der Linke Stadtverordnete Tjark Sauer in einer Pressemitteilung. "Die Besetzung ist ein Signal an den Verantwortlichen des Versuchs, Prof. Kogel, dass Bürgerinnen und Bürger in Gießen mit der Aussaat gentechnisch veränderter Pflanzen nicht einverstanden sind." Gleichzeitig übt der Stadtverordnete der Linken Kritik am Versuchsleiter. Wenn Kogel jetzt in der Öffentlichkeit behaupte, dass die Gentechnik sich längst durchgesetzt habe, gehe er über die Bedenken der Stadtverordnetenversammlung vom November 2006 hinweg. Die Stadtverordneten hatten sich damals einstimmig gegen "gegen Freilandversuche außerhalb der Sicherheitsforschung mit gentechnisch veränderten nichtselbstbestäubenden Pflanzen auf dem Gebiet der Universitätsstadt Gießen" ausgesprochen. "Wenn Herr Professor Kogel behauptet, dass sich die Gentechnik durchgesetzt habe, mag das seinem Wunsch und der Position von Gentechnik-Lobbyisten entsprechen, den gesellschaftspolitischen Mehrheiten und dem Willen der von den verschiedenen Gentechnik-Anbau-Versuchen direkt betroffenen Bürgerinnen und Bürger entspricht das noch lange nicht", so Sauer. Die viel zitierte Wissenschafts- und Forschungsfreiheit lege auch eine kritische Reflexion der gesellschaftspolitischen Auswirkung von Gentechnik und der Rolle von Saatgutkonzernen, wie Monsanto, voraus. Deren Saatgut werde von der Uni Gießen im Rahmen der Sortenprüfung von gentechnisch verändertem Mais angebaut.
Bericht zur Demo in der Oberhessischen Presse
Schnee auf besetztem Feld
Mehr Schneebilder
Bienenstöcker vernichtet - Artikel
Gießen (si). Auf dem Versuchsgut der Justus-Liebig-Universität im Alten Steinbacher Weg sind am Sonntagnachmittag mehrere Bienenstöcke zerstört worden. Dringend tatverdächtig ist einer der Gentechnikgegner, die seit einer Woche den Acker besetzt halten.
Der Täter ließ die zertrümmerten Bienenkästen vor der Universitätsbibliothek liegen, dort schmiss er auch Mülltonnen um.
Ein Zeuge beobachteten den Vandalen, der dann auch noch mehrere Mülltonnen auf dem angrenzenden Gelände der Universitätsbibliothek umschmiss. Die Polizei stellte die Personalien des Mannes fest. Wie es gestern hieß, handelt es sich um einen 37-Jährigen aus Gießen.
Die Bienenvölker haben mit Gentechnik rein gar nichts zu tun. Sie gehören einem Privatdozenten des Instituts für Tierhaltung, der Studierenden auf dem Versuchsgut schon seit Jahren im Sommersemester praxisnah zeigt, wie Bienen gehalten und gezüchtet werden. Das wird nun nicht mehr möglich sein, weil die kälteempfindlichen Tiere den Angriff nicht überlebt haben.
Einen Teil der Bienenstöcke zertrümmerte der Täter an der Hauswand der Uni-Bibliothek, außerdem zerkratzte er dort mehrere Scheiben. Ob auch noch andere Personen beteiligt waren, ist derzeit unklar.
Der Zaun am Versuchsgelände ist inzwischen auf einer Länge von über 20 Metern zerstört. Insgesamt dürfte sich der Sachschaden auf mehrere tausend Euro belaufen. Die Personalien der Besetzer sind der Polizei bekannt.
Quelle:
Internetreche über Kogel und BASF
Live-Telefoninterview Teil 3
Journalism at its best...
Aufruf im taz-block
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Danke für den offenen Umgang mit Nachrichten
Rezept fürs Camp
angesichts der unsinnigen Kritik über angeblichen Antiamerikanismus, hier ein Rezept direkt aus dem Camp - mit einfachen Mitteln (funktioniert auch mit einem kleinen Kerosinbrenner) zu organisieren und lecker zu mampfen - nach israelischem Vorbild:
Schakschouka
(Zutaten für 2 Personen): 2 grüne Paprika, 4 kleine Tomaten, 2 grüne Zwiebeln, 2 Knoblauchzehen, Öl, Salz, Pfeffer, Tomatenketchup, 4 Eier.
Zubereitung:
Paprika entkernen und in Steifen schneiden. Tomaten würfeln, Zwiebeln und Knoblauch hacken. Das Gemüse dann in heißem Öl kräftig anbraten und würzen. Auf kleiner Hitze schmoren lassen bis die Paprika weich sind. Damm Ketchup unterühren. Die Eier verschlagen und mit 1-2 Esslöffel Wasser zum Gemüse geben. 5 Minuten rühren. Schakschouka kann dann warm oder später auch kalt gegessen werden.
Vorsicht: Eier eignen sich nicht gut aus Containern...
weitere einfache Rezepttipps für Soliküchen:
Durchhalten
BienenKiller
Wie stellt sich das Camp zu der Aktion?
hmm lecker
erstmal ein dickes lob an euch!
super aktion - mir ist das um ehrlich zu sagen zu kalt, jaja ich werde nicht jünger und meine athritischen knochen freuen sich über jeden sonnenschein, auf dieser trotz allem schönen welt! das rezept haben wir (leicbr />
viel glück euch da unten in giessen und viel glück und unterstützung bei den (doch wahrscheinlichen) folgekosten.
containert evtl. noch ein wenig tee - der hält gut warm!
viel erfolg und sonnenschein
der faule typ
Bienenmord
Bienen sind das natürliche Befruchtungselement in unserer Natur. Daneben sorgen sie für leckeren Honig, der als nahrhafter vegetarischer Brotaufstrich und auch als gesunder Ersatz für Industriezucker verwandt werden kann. Bienen sind also Insekten, die dem Menschen kulturell verbunden sind und Teil einer sanften Nutzung von Natur sein können. Warum ein sinnloser Zerstörungsakt den Tod für hunderte Bienen zur Folge haben musste, wird hier weder erklärt, noch kann er erklärt werden, entlarvt er doch das gewaltförmige Verhalten von Teilen der Gruppe gegen Insekten und Tiere. Daher fordere ich erneut eine Distanzierung und Erklärung der Gruppe zum Bienenmord von Gießen.
Das ich jemals erleben würde, dass ausgerechnet selbsternannte Ökos Bienen töten, habe ich nicht gedacht.
Bienenfreund
oh Mann
@Bienenfreund
Die Bienen leben
Der widerliche Journalist Sippel soll von uns eine Abmahnung mit Unterlassungserklärung bekommen, außerdem wollen hier Leute den Presserat anrufen.
Etliche von uns sind aber auch schockiert, dass dieser Scheiß von vielen Menschen geglaubt wurde. Erstens sollte bekannt sein, welche Rolle Medien oft spielen. Zweitens ist es derart absurd, dass gerade die Genfeldbesetzis Bienenkästen angreifen würden, dass hätte klar sein müssen, dass an der Story irgendwas nicht stimmt.
Sowohl Polizei als auch Security und Unileitung haben wir informiert, dass wir uns um die Bienen schon kümmern und eine Imkerin kommen würde. Die haben das zur Kenntnis genommen, ansonsten gingen ihnen (anders als uns) aber die Bienen sichtbar am Arsch vorbei. Es ist zur Zeit unklar, ob der Allgemeine-Treter Sippel und/oder die Unileitung den Vorgang nun auf diese Weise ausgeschlachtet hat. Das zu klären, wäre sinnvoll.
Beruhigter Bienenfreund
offenkundig hat Euch dann da wohl jemand eine Lampe gebaut. Ich hoffe, dass Ihr eine Gegendarstellung erwirkt. Auf mich hatte der Artikel glaubwürdig geklungen und das ein Artikel so vollkommen erlogen ist, ist ja auch nicht gerade die Regel. Sei´s drum, ich bin wirklich beruhigt und freue mich über Eure Reaktion...auch natürlich für die Bienen, die hoffentlich bald ausfliegen können. Ich hatte gedacht, dass man wenigstens den Provinzblättern glauben könnte. Aber im Spiegel steht ihr übrigens als ASTA, der ihr ja wohl auch nicht seit. Was ist denn da los in Gießen?
Verwundert über die Zustände in Gießen,
Bienenfreund
Ernst Rabenschwarz rauszensiert?
Ich habe mal eine Frage zu einem Beitrag von Ernst Rabenschwarz (Beitrag zur Gentechnik-Demo am 5.4. in Gießen zum besetzten Gerstenfeld der Uni):
Ich kann die Beiträge von Ernst Rabenschwarz & sein Diskurs mit Anderen zu seinem Gentechnik-kritischen Flugblatt nicht mehr finden. Warum wurde das herausgenommen? Ob es nun einigen Gentechnik-KritikerInnen passt oder nicht, ich denke VOR ALLEM auf Indymedia sollte das Recht auf freie Meinungsäusserung gewahrt bleiben!
Über eine Erklärung wäre ich euch dankbar!
Hannes
Gießen is Beschießen
Zensur?
an Ernst Rabenschwarz
Komm mal auf den Acker! Lass uns mal einen Workshop zu rechter Ökologie machen! Praktische Politik gegen antiemanzipatorische Strömungen in der Ökologiebewegung finde ich wichtig und würde mich freuen, Dich da mal bei zu sehen! Gern auch gemeinsam! Der Link führt auf die Internetseite mit Kritik an rechter Ökologie, u.a. in der Gentechnikbewegung. Die wird hier aus der Projektwerkstatt gestaltet (was Du auch weißt).
Termin am und im Acker von Gießen
* 15 Uhr: BürgerInnen-Spaziergang am Feld (eingeladen von Unterstützern, siehe hier)
* 16 Uhr: Kurzvortrag (30 min plus Fragen/Diskussion) "Genversuchsfelder der Uni Gießen: Wer? Was? Wo? Warum?", Treffpunkt am Parkplatz vor dem Feld (Rathenaustraße)
* 17 Uhr: Kletterworkshop für AnfängerInnen (auf dem Feld am BesetzerInnenturm!)
Montag, 14. April am oder auf dem Feld
18 Uhr: Workshop zu "Emanzipatorischer Gentechnikkritik und rechter Ökologie" (u.a. Auseinandersetzung mit problematischen Positionen in Teilen der gentechnikkritischen Bewegung). Treffpunkt am Parkplatz vor dem Feld (Rathenaustraße)
Rund um die Uhr: Besetzung!!!!