HH: Schwarzgrün "schafft" Studiengebühren ab

Boycottie 06.04.2008 16:20 Themen: Bildung
In und aus Hamburg macht seit Freitag (4.4.) eine Nachricht die Runde, wonach GAL und CDU in ihren Koalitionsverhandlungen die Studiengebühren, wie es sie bis jetzt gab, wieder abgeschafft hätten. Der ausgehandelte Kompromiss sind nun nachgelagerte Studiengebühren. Viele Fragen sind noch offen.
Die GAL (Hamburger Grüne) hatte vergangenen Mittwoch in der ersten Sitzung der neuen Bürgerschaft trotz nomineller ("linker") Mehrheit für die Abschaffung der Studiengebühren, die diesbezüglichen Anträge von SPD und Linkspartei mithilfe der CDU in den Haushaltsausschuss gedrückt. Da sie sich nicht einmal dazu veranlasst sah, weitere Exmatrikulationen wegen Nichtzahlung auszusetzen, schien im Hochschulbereich von den vollmundigen Versprechen des Hamburger Wahlkampfs so gar nichts übrig geblieben zu sein. In der Rede vor der Bürgerschaft war denn auch nicht mehr von "Abschaffung der Studiengebühren" die Rede, sondern von diversen Kritikpunkten an den Studienbedingungen, die angegangen werden müssten.

Ein sich abzeichnender Kompromiss, schon Tage vor dem Verhandlungstag letzten Freitag vom Springer-Blatt "Welt" verbreitet, war die Veränderung des Zahlungsmodus der Studiengebühren. Konkret: Statt im jeweiligen Semester, diese nach abgeschlossenem Studium als "nachgelagerte" Studiengebühren abzuzahlen.

Diese Spekulationen sind nun Realität geworden, die Neuregelung soll im kommenden Wintersemester 08/09 in Kraft treten. Ab einem Jahreseinkommen von 30.000 € (brutto) müssen die Gebühren im Berufsleben abbezahlt werden. Zudem werden sie von 500 € pro Semester auf 375 € reduziert. Im finanziellen Loch der kommenden Jahre wird die Stadt in die Bresche springen, bis die neuen Einnahmen der AbsolventInnen einkassiert werden. Es bleiben jedoch viele Fragen offen: Wird der Betrag verzinst zurückzuzahlen sein (wie bei herkömmlichen Darlehen)? In welchem Zeitraum sollen die Gebühren beglichen werden? Was passiert mit den bereits bezahlten 1000 €, werden sie angerechnet?

Erste beunruhigende Andeutungen machte Bürgermeister von Beust der tagessschau, als er klarstellte: "Bisher geltende Gründe für die Befreiung von Studiengebühren fallen durch das neue Modell weg." ( http://www.tagesschau.de/inland/studiengebuehren14.html).

Der konservative Asta der Uni Hamburg nimmt das Vorhaben positiv auf; "aus Sicht des AStA ist dieser Kompromiss durchaus akzeptabel" ( http://www.asta-uhh.de/47.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=257&tx_ttnews[backPid]=10&cHash=6c3c9562f9), erhofft sich jedoch auch Milde im Umgang mit Exmatrikulationen.
Wesentlich kritischer sieht es das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS): „Insbesondere diejenigen Details, die eine Aussage über die sozialen Auswirkungen zuließen, sind noch völlig unklar. Eine positive Beurteilung ist deshalb verfrüht. Schlussendlich bleibt es aber bei einer Hochschulfinanzierung über individuelle Gebühren. Diese jedoch widersprechen unserer Auffassung einer gerechten Finanzierung des Bildungssystems und einer solidarischen Gesellschaft“ ( http://www.abs-bund.de/presse/3226.html).

Obwohl es zweifellos eine Verbesserung der Lage darstellt, die sicherlich in erheblichem Maße auf die Hartnäckigkeit der Studierendenproteste der letzten Jahre zurückzuführen ist, bleiben sie also, die Studiengebühren. Sie vollends abschaffen zu können, erscheint angesichts der neuen Lage schwieriger als zuvor. Ein erneuter Boykott ist erstmal unmöglich geworden.

Wie studentische Initiativen an den Hamburger Hochschulen ihre künftige politische Arbeit bezüglich Studiengebühren ausrichten können, muss jetzt neu ausgelotet werden. Vielleicht schafft diese Entschärfung der zuletzt unhaltbaren Situation an Uni und HfBK aber auch neue Handlungsspielräume, sich in letzter Zeit vernachlässigter Breiche wie beispielsweise Bachelor/Master und studentischen Freiräumen/Selbstverwaltung anzunehmen.

Wie auch immer, der Kampf für emanzipatorische Bildung und ein ganz anderes Ganzes geht weiter, und das nicht nur in Hamburg.
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Ergänzungen

Wgfall der Sozialregelungen

Kiela 06.04.2008 - 18:44
Zitat:
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Erste beunruhigende Andeutungen machte Bürgermeister von Beust der tagessschau, als er klarstellte: "Bisher geltende Gründe für die Befreiung von Studiengebühren fallen durch das neue Modell weg." (  http://www.tagesschau.de/inland/studiengebuehren14.html).
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Natürlich fallen die bisher geltenden Regelungen durch nachgelagerte Studiengebühren weg, da diese ja auf geringes EInkommen basierten. Wenn man nach dem Studium >30.000 Euro verdient ist es egal, wie wenig man vor dem Studium hatte. Da sehe ich also keine so schlimmen Nachteile. Man könnte darüber streiten, ob 30.000 eine faire Grenze ist, aber wenn ich mir anschaue, was ich für meine angestrebten Jobs bekäme, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ich mehr als 30.000 Euro verdienen werde (selbst bei Vollzeit).

Aber ich gebe dem Autoren recht, dass es noch viele offene Fragen zu geben scheint (wie viel muss monatlich zurückgezahlt werden, wann und wie, ...)
Eine Verzinsung des Betrages halte ich für unwahrscheinlich (ist ja kein Kredit, sondern Gebühren, die anfallen, sobald (!) man mehr als 30.000 im Jahr verdient. Aber schwierig könnte die Verwaltung trotzdem werden (was ist, wenn ich umziehe, vllt. sogar im Ausland arbeite).

Mal schauen, was das so wird. Prinzipiell finde ich eine solche Regelung allerdings für vertretbar. Wenn ich später mal viel verdiene, beteilige ich mich gerne an den Kosten der Ausbildung für die neue Studierenden. Hoffe nur, dass die richtig gut verdienenden sich da nicht rausschummeln können (wie bei den Steuern, denn daran wird sich die Rückzahlung ja vermutlich orientieren).

ergänzung1

deinName 06.04.2008 - 18:59
"Konkret: Statt im jeweiligen Semester, diese nach abgeschlossenem Studium als "nachgelagerte" Studiengebühren abzuzahlen."
< das IST keine abschaffung von studiengebühren, hier wäre es wichtig, den sich am landesweiten hang zum euphemismus beteiligten medien das wörtchen abzugewähnen. und: das IST nicht die abschaffung, um die es bei den koalitions fragen ging, weshalb... naja eine lange egschichte. ich möchte den admin xxx mit zugang zu indy/bildung bitten, den heute hochgeladenen beitrag aber heute noch, wenn man bitten darf, dahin zuladen, wohin sie gehört.
link:  http://lists.spline.inf.fu-berlin.de/mailman/listinfo/gebt_dem_dieter_nen_neuen_job_ey

studiengebühren - australisches model

schon länger dabei 06.04.2008 - 22:55
das nun in aussicht gestellte modell ist auch in australien bereits probiert worden und hat dort versagt, da es eher zu einer zunahme von schwarzarbeit führt (um die schulden nicht zurückzahlen zu müssen).
bevor allerdings eine genauere analyse der schwarz-grünen pläne folgt müssten diese offen dargelegt werden bzw. feststehen.

positiv ist, dass es schwarz-grün scheinbar nicht gelungen ist an der spitzenreiterposition zu bleiben und an der maximalforderung von direkt zu zahlenden studiengebühren festzuhalten. dies ist wohl auch aufgrund der vielseitigen und hartnäckigen aktionen seitens der studierendenschaft geschehen und gibt hoffnung, dass damit dem bundesweiten trend studiengebühren einzuführen erstmal begegnet werden konnte.
trotzdem bleibt der bittere beigeschmack von studiengebühren und das nun nicht mehr über steuern bildung finanziert werden soll, sondern nun die taxifahrende geisteswissenschaftlerin genausoviel zahlen muss wie ein bwl-studierter manager mit millionengehalt. familienpolitisch bleibts natürlich ebenso eine katastrophe, wenn junge eltern mit schulden ins berufsleben einsteigen müssen.

noch steht nichts endgültig fest und geplant ist, dass erst im wintersemester umgestellt wird, das heißt für das jetzige sommersemester müssten noch 500 euro gezahlt werden - die ermahnung dazu ging von der uni auch direkt mit den semesterunterlagen raus.

für den boykott bedeutet dies, dass er auf lange sicht gesehen nur noch wild geschehen kann, australien zeigt aber, dass dies eh automatisch passiert. für kurze sicht gesehn kann dies jedoch bedeuten, dass er im folgenden semester sehr gut klappen könnte, da die 500 euro ja zu den anderen schulden dazugerechnet werden könnten - somit also eine exmatrikulation kaum mehr rechtfertigbar erscheint.

das nun "auf pump" studiert wird könnte aber dennoch auch einen weiteren positiven effekt haben, der manchen leuten vielleicht etwas luft verschafft. und vielleicht motiviert es ja doch wieder ein paar leute, sich aufgrund dieses teilerfolges doch noch mal ans eingemachte zu wagen und auch andere themen anzugehen, die in letzter zeit ein wenig zu kurz kamen.

raketenmoni auf den mars,
für eine demokratische universität

SO NUS ABER GENUNG der link zum vollbeitrag

MeinName2,5 07.04.2008 - 16:50
so, nus aba jenug. der link zum beitrag, wie er gesendet wurde, lautet:
 http://wiki.bildung-schadet-nicht.de/index.php/Bild:VauvauSOMSEM2008-1.doc
vor dem klick würde ich mir als leser und link-klicker aber in erinnerung rufen, daß die hier vermerkte seite nicht nur über gleich mehrere safetybelts verfügt, weshalb sie von gleich mehreren argusäugigen - beobachtern der seite jederzeit restauriert wird, falls... - sondern, daß diese seite über ein aus d r ück li ches löschverbot verfügt, welches für je des kleine fitzelwörtchen und jedes minizeilchen und je den einzigen buchstaben geschweige denn jedes wort oder jeden satz gilt. aber wie gesagt: lesen ist erlaubt, daher hier der link zum eigentlich gesendeten zweiten beitrag (der von gestern nacht ist noch verschollen, aber den finden wir auch wieder.) hier isser nochmal:
 http://wiki.bildung-schadet-nicht.de/index.php/Bild:VauvauSOMSEM2008-1.doc

Deutschlandfunk

Medienkompetenz 07.04.2008 - 20:18
Abschaffung Studiengebühren
Sendezeit: 07.04.2008 14:46
Autor: Petermann, Anke
Programm: Deutschlandfunk
Sendung: Campus & Karriere
Länge: 04:23 Minuten
 http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/04/07/dlf_20080407_1446_6984daf6.mp3
Text zum Beitrag: Rolle rückwärts
 http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/765697/

Einigung Studiengebühren
Sendezeit: 07.04.2008 14:38
Autor: Knigge, Almuth
Programm: Deutschlandfunk
Sendung: Campus & Karriere
Länge: 04:23 Minuten
 http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/04/07/dlf_20080407_1438_b9639b7c.mp3
Text zum Beitrag: Studiengebühren beinahe abgeschafft
 http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/765670/

Studiengebühren in Hamburg

Radio Corax 08.04.2008 - 19:26
Die GAL (Hamburger Grüne) hatte vergangenen Mittwoch in der ersten Sitzung der neuen Bürgerschaft trotz nomineller ("linker") Mehrheit für die Abschaffung der Studiengebühren, die diesbezüglichen Anträge von SPD und Linkspartei mithilfe der CDU in den Haushaltsausschuss gedrückt. Da sie sich nicht einmal dazu veranlasst sah, weitere Exmatrikulationen wegen Nichtzahlung auszusetzen, schien im Hochschulbereich von den vollmundigen Versprechen des Hamburger Wahlkampfs so gar nichts übrig geblieben zu sein. In der Rede vor der Bürgerschaft war denn auch nicht mehr von "Abschaffung der Studiengebühren" die Rede, sondern von diversen Kritikpunkten an den Studienbedingungen, die angegangen werden müssten.

Radiobeitrag:
 http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=21885


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