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Trauer um angeblichen Kameraden ?!

Merlin 05.04.2008 22:00
In der Nacht zum Samstag ist kurz vor 23 Uhr ein 19-jähriger aus Eschweiler (Nordreinwestfalen) auf der Birkengangstraße niedergestochen worden. Neonazis organisieren sogenannte "Trauermärsche" für ihn und schüren damit neuen Hass.
Der junge Mann sei noch über den Kreuzungsbereich der Einmündungen von Rhein-Nassau-Weg und „Am großen Rad“ geschwankt, berichtete ein Augenzeuge. Vor der Garagenzufahrt des Hauses Nr. 12 sei er dann zusammengebrochen. Der junge Mann habe Stichverletzungen im Oberkörper gehabt. Nach der Erstversorgung am Tatort wurde der Schwerverletzte ins Bethlehem-Krankenhaus eingeliefert, wo die Ärzte sein Leben aber nicht mehr retten konnten. Vorangegangen seien Streitigkeiten zwischen zwei Gruppierungen junger Leute in der Stärke von fünf bis sechs Personen, erklärte Oberstaatsanwalt Robert Deller. Der Grund der Auseinandersetzung sei bislang noch nicht so weit ermittelt worden, dass er veröffentlicht werden könne. „Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass es sich um einen politischen Hintergrund handelt“, sagte Deller der dpa. Das Tatmotiv liege nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen im persönlichen Umfeld zwischen Täter und Opfer, so die Polizei.

Sicher sei bislang lediglich, dass er „nicht im politischen, rassistischen oder einem ähnlich gelagerten Bereich liegt“, so der Pressesprecher der Aachener Staatsanwaltschaft. Weitere Erkenntnisse erhofft sie sich von der Obduktion, die am Samstagnachmittag in der Rechtsmedizin der Uni Köln erfolgt. Nicht bestätigen wollte die Staatsanwaltschaft Informationen der Aachener-Zeitung, dass am Samstagmittag zwei Tatverdächtige festgenommen wären, die aus dem Libanon stammen und in Eschweiler leben.

Vor der Tat hatte der 19-Jährige die Gaststätte Klimbim auf der Mühle besucht, wo der NPD-Kreisverband seine Jahreshauptversammlung abhielt. Er sei aber kein Mitglied der Partei gewesen, erklärte der Kreisvorsitzende Willibert Kunkel. Allerdings habe den Heranwachsenden ein 17-jähriges NPD-Mitglied auf dem Heimweg begleitet. Die Partei hatte auf Internetseiten behauptet, es handele sich um einen NPD-Sympathisanten, der an einer Parteiveranstaltung teilgenommen habe und auf dem Heimweg gewesen sei. Die Polizei schreibt der Niedergestochene hätte eine Affinität zur rechten Szene gehabt.

Die NPD begann noch am Abend eine Mahnkundgebung zu organisieren, die am Mittag in der Innenstadt erfolgte. Von 14.15 Uhr bis 15.20 Uhr demonstrierte die NPD dann in der Stadt. Die Polizei spricht von einer spontanen demonstrativen Aktion der NPD Stolberg, an der ca. 160 Personen teil nahmen. Als Anlass für die Demonstration benannte der Versammlungsleiter laut Polizei den Vorfall vom gestrigen Abend, bei dem im Rahmen einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppierungen ein Mensch niedergestochen wurde. Die Teilnehmer reisten dazu aus der Region, vor allem aber aus dem Ruhrgebiet und der Rhein-Schiene in Stolberg an.

Die Polizei zog starke Kräfte aus dem ganzen Land in Stolberg zusammen. Fünf Züge und weitere Kräfte von Einsatzhundertschaften aus Köln, Bonn, Bochum, Essen, Gelsenkirchen und Dortmund sowie die Bundespolizei zeigten Präsenz und sorgten für den Ablauf der Veranstaltung. Die Demonstration wurde mit starken polizeilichen Kräften begleitet, um Störungen und Straftaten aus der Demonstration heraus konsequent unterbinden zu können, hieß es von Seiten der Polizei. "Wichtigstes polizeiliches Ziel ist die Gewährleistung der Sicherheit der Stolberger Bürgerinnen und Bürger", so Polizeipräsident Klaus Oelze, der aus diesem Grunde nach eigenen Angaben lediglich einen 500 Meter langen Demonstrationsweg zu ließ. Der Polizeipräsident, der sich persönlich über den Fortgang der Geschehnisse in Stolberg unterrichtete, stand auch in Kontakt mit Bürgermeister Ferdi Gatzweiler.

Zu einem Zwischenfall kam es laut Aachener-Zeitung bei der Anreise rechter Demonstranten auf dem Mühlener Bahnhof, als Polizisten mit Pfefferspray angegriffen wurden. Während eine Person festgenommen wurde, erlitten sieben Beamte leichte Verletzungen - sechs durch Pfefferspray und einer durch den Biss eines Diensthundes. Die rund 100 mit der Bahn angereisten Demonstranten wurden von der Polizei durch die Blau- und Bierweiderstraße eskortiert, wobei die Zugteilnehmer lauthals rechtsextreme Parolen skandierten. Vor der Gaststätte Klimbim formierte sich dann der „Trauerzug“, der schweigend zum Tatort auf der Birkengangstraße von der Polizei begleitet wurde. Dort wurden Kerzen angezündet und Blumen niedergelegt, bevor Kunkel, der Dürener NPD-Kreisvorsitzende Ingo Haller, Sven Skoda aus der Düsseldorfer rechtsextremen Szene sowie ein so genannter „Autonomer Nationalist“ das Wort ergriffen.

Dabei wurde unter anderem die Herausgabe des Festgenommenen gefordert, worauf die Polizei sich aber nicht einließ. Nach einiger Zeit formierte sich der Rückmarsch in Richtung Mühle, bei dem wieder rechte und ausländerfeindliche Parolen lauthals skandiert wurden. Vor der Gaststätte Klimbim wurde die Versammlung aufgelöst. Die Polizei eskortierte die angereisten Teilnehmer zum Mühlener Bahnhof und weiter mit der Euregiobahn zum Hauptbahnhof. Dort übernahm die Bundespolizei die weitere Eskorte im Regionalexpress nach Köln. Die Polizei war bei der Demonstration mit einem Großaufgebot im Einsatz. Polizeipräsident Klaus Oelze machte sich persönlich vor Ort ein Bild des Einsatzes; der Aufmarsch habe für seinen Dienstbereich eine erstmals erlebte Dimension erreicht. Er äußerte sich im Polizeibericht folgendermaßen: „Nach wie vor habe ich die feste Absicht, jedes rechtlich zulässige Mittel zu ergreifen, um zu verhindern, dass unsere Region für Personen dieser Couleur attraktiv wird.“

In rechten Internetforen steht der 19-jährige bereits als Märtyrer fest, der ermordet wurde. Die Rede ist von einem Kameraden, dem in Viererreihen am Tatort mit Blumen und Kränzen gedacht wurde. Er sei von 4 Ausländern überfallen worden, die mit Schlagstöcken und einem Messer bewaffnet gewesen seien sollen. Auch in Sachsen-Anhalt soll angeblich parallel zum „Stolberger Trauermarsch“ eine Spontandemonstration mit rund 70 Teilnehmern stattgefunden haben. In verschiedenen Kommentaren wird Rache gefordert. So lautete einer davon beispielsweise: „Ich hoffe das nach diesem feigen Mord endlich die Hände aus der Hose genommen werden. Gewaltlosigkeit bringt uns nicht weiter!“ Klar sollte allerdings sein, dass es den Neonazis nicht um den Toten und um die Solidarität mit seiner Familie geht, sondern dass das Ziel "seiner Kameraden", von denen die meisten ihn wahrscheinlich nicht mal kannten, darin zu bestehen scheint, zu noch mehr Hass anzustacheln. So wettert Ingo Haller auf einer Internetseite von „Migranten-Besatzern“. Zu weiteren Mahnwachen wurde bereits aufgerufen. Bleibt abzuwarten wie sich die nächsten Tage entwickeln und wie man den rechten Aktionen mit Köpfchen Einhalt gebieten kann.

Auf den Ergänzungen der Aachener Nachrichten wurde heute folgender Kommentar gefunden:

So jetzt reichts uns!!! Von Kevins Freunden, nicht seinen sogenannten KAMERADEN

Wir Kevins engsten Freunde die auch gestern dabei waren, die alles mit gesehen haben sind sehr entäuscht!!! Kevin war nie rechts!!!
Zählt nicht einfach die Würde des Menschen!!!
Dies war keine Politische Auseinandersetztung sondern ein pubertierender Streit der Tödlich ausgegangen ist. In Tiefster Trauer Kevins Engste Freunde/Familie"

Ich hoffe es muss kein weiterer Mensch sterben, egal ob Neonazis oder Andersdenkende!
Stoppt die Gewalt! Töten ist und bleibt falsch!
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Ergänzungen

Hä ?

Frager 05.04.2008 - 22:25
Ist schon komisch irgendwie, vor diesem Artikel wurde bereits einer gepostet, der noch viel weniger eigenen Inhalt halt als dieser hier. Der durfte allerdings auf die Startseite. Manchmal sind die ModeratorInnen echt seltsam....

Aufmarsch in Stolberg

RedStarCologne 07.04.2008 - 14:11
Für Samstag den 12.04.08 ist in Stolberg ein Nazi-Aufmarsch zu ehren des verstorbenen geplant.