Dritter Tag Genfeldbesetzung in Gießen
Mit konkreten Forderungen traten heute die AktivistInnen an die Öffentlichkeit, die in der Nacht von Sonntag auf Montag den Acker besetzt hatten, auf dem seit 2006 immer wieder transgene Gerste angepflanzt, aber auch wieder zerstört wurde. Gleichzeitig geht das Leben im kleinen Widerstandsdorf weiter. Von außen werden die BesetzerInnen unterstützt - von Öffentlichtkeitsarbeit bis zur Großpizza aus einer Pizzaria der Umgebung. In de Folgetagen sind Demonstrationen in der Stadt angekündigt.
Eindrücke vom Dienstag, 2. Tag der Besetzung
Dienstag Morgen, der zweite Tag der Besetzung beginnt. Ein paar FrühaufsteherInnen schieben sich über das besetzte Feld der Universität Gießen, ein eher nobles Auto fährt vor. "Frühstück", ruft ein Mann im Anzug, zwei Tüten frische Brötchen schwenkend, winkt mich herbei. Zaungäste - AnwohnerInnen, PassantInnen, StudentInnen - bleiben kurz stehen, das Tripod mit den Transparenten gegen Gentechnik ein unübersehbarer Blickfang, mit manchen entwickeln sich längere Gespräche. Es sind weniger als noch am Morgen zuvor, wo schon nach wenigen Stunden zahlreiche MedienvertreterInnen auf das Feld flanierten, und auch einige BesucherInnen den Schritt über den zerschnittenen Zaun wagten. Aber es ist sonnig, die Laune unter den BesetzerInnen gut. Die Polizei im Hintergrund, unauffällig.
Bei Begegnungen mit MitarbeiterInnen des Instituts, welches die Fläche unterhält, ist Aggression und Überforderung spürbar. Als ich ich mittags das Feld über den offziellen Zugang des Institus verlassen will, freundlich frage, will der Mitarbeiter ein Foto von mir machen. Von mir aus. PolizistInnen, PassantInnen, AktivistInnen, Medienleute ... wahnsinnig, auf wie viele Bilder das Geschehen gebannt wird. Ich willige ein, obwohl ich übermüdet und geschrottet aussehe. Als ich ansezte, das Tor zu öffnen, um das Geldände zu verlassen, sagt er: "Nicht anfassen. Das müssen wir sonst desinfizieren." Ich signalisiere Unverständnis, frage nach. Zunächst keine Antwort. Als ich das Tor passiert habe dann, leise und voller Abscheu: "Drecksau." Eigentlich tut er mir leid - so wie andere MitarbeiterInnen des Instituts wirkt er genervt und unsouverän ... eine lockere Kommunikation fast unmöglich.
FeldbesetzerInnen fordern nachweislichen Abbruch der Genversuche in Gießen
Mit einer klaren Forderung an den Versuchsleiter des Gengerstenversuches in Gießen traten die AktivistInnen heute an die Öffentlichkeit. Damit reagierten sie auf die Ankündigung des Versuchsleiters, Prof. Kogel, dass im laufenden Jahr ohnehin keine neue Aussaat gentechnisch veränderter Gerste vorgenommen werden sollte. „Einer solchen Ankündigung zu trauen, fällt uns schwer, denn beim hier laufenden Genversuch wurde viel mit falschen Informationen gearbeitet“, begründet Patrick Neuhaus, einer der BesetzerInnen.
In monatelangen Recherchen hatten GentechnikgegnerInnen nachweisen können, dass das angegebene Versuchsziel der Biosicherheitsforschung vor allem als Vorwand zur Finanzierung und Akzeptanzbeschaffung diente. Neuhaus formuliert: „Tatsächlich werden hier neue Pflanzen entwickelt. Zudem forschen Kogel und seine Unterstützer seit Jahren an neuen Methoden zur schnelleren und effizienteren Manipulierung von Genen.“ Damit hätte dieser Versuch weltweite Bedeutung bei der Durchsetzung der Agro-Gentechnik.
Keinen Zweifel lassen die BesetzerInnen auf dem Feld an ihrer grundsätzlichen Kritik der Technik. „Selbst wenn es Sicherheitsforschung wäre – was nicht stimmt –, würde sie der Durchsetzung von Gentechnik in der Landwirtschaft dienen“, erklärt Johanna Rehse von der BesetzerInnengruppe, „für eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung oder einen umweltgerechten Anbau ist diese Technik aber überflüssig. Sie wird durch höhere Profite und Machtausübung Elend erzeugen statt beseitigen.“ Da nütze es auch nichts, wenn die einzelne Pflanze stärker auf biologische Sicherheit überprüft worden wäre.
„Wenn die Universität Gießen als formaler Antragsteller des Versuches nachweist, den Versuch zurückgezogen zu haben, werden wir unsere Türme und Betonblöcke freigeben“, sagt Johanna Rehse. Die Universität sei damit allerdings ihre Sorgen nicht los. Am Widerstand gegen die Genmaisfelder von Prof. Friedt und seinem Institut hatten sich mehrere der auch jetzt aktiven GentechnikgegnerInnen beteiligt. Rehse erklärt weiter: „Wir können der Uni nur raten: Schluss mit der menschenverachtenden Technik. Forschung soll einem besseren Leben dienen und nicht Profit, Kontrolle und der Standortkonkurrenz von Universitäten!“
Quelle: Erklärung von heute aus dem Kreis der FeldbesetzerInnen
Die Lage am besetzten Feld
Das in der Nacht von Sonntag auf Montag aufgebaute Widerstandsdorf mit Turm und Betonblock zur Sicherung vor einer Räumung ist inzwischen zum täglichen Treffpunkt von Interessierten und GentechnikgegnerInnen geworden. Privatleute, kleine Geschäfte und Gruppen unterstützen die BesetzerInnen. „Ob Großpizza, Gemüse oder Brot – es ist viel direkte Hilfe auf dem Feld angekommen“, sagt Patrick Neuhaus und bedankt sich für die Unterstützung.
Turm, Banner und Zelte geben vor allem Nachts der bisher für Pflanzenversuche genutzten Fläche ein beeindruckendes Design. Die Universität hat vier Sicherheitsbedienstete am Feld postiert, zudem wird die Fläche laufend mit einer Kamera gefilmt und per Flutlichtanlage rund um die Uhr hell gehalten. Rundherum beobachten zudem Polizeibeamte das Geschehen. Am naheliegenden Polizeipräsidium ist inzwischen auch ein Hubschrauber verfügbar.
Kontakt zu den BesetzerInnen
- Kontakt- und Pressehandy: 0152-29990199
Weitere Informationen und Termine
- Informationsseite zur Gentechnik in Gießen und Protesten: www.gendreck-giessen.de.vu
- Lage des besetzten Feldes: Alter Steinbacher Weg in Gießen am Kreuzungspunkt Rathenaustraße (Versuchsstation des Instituts für Phytopathologie der Uni Gießen)
- Samstag, 5. April, 15 Uhr ab Brandplatz Gießen: Demo gegen Gentechnik. Zug vom Regierungspräsidium (Genehmigungsbehörde von Genversuchen für Hessen) zur Uni (Hauptgebäude) und zum Gengerstenfeld (dem inzwischen besetzten Feld)
- Bericht auf Indymedia direkt nach der Besetzung
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)

Ergänzungen
Zeitungsberichte
Viele Grüße an die Gießener, haltet durch!
das mit den bauern in der krise....
allerdings hat du auch recht, teile der landwirtInnen haben grade probleme, auch durch diese entwiklung, denn viele verbrauchen mehr getreide als sie erzeugen bzw sie verbrauchen nur: sie haben langfristig in tierhaltungsanlagen investiert: das ist abgesehen von der moralischen problematik der geringen nutzung der eingesetzten nahrungsmittel (egal ob fleisch oder anderes) bzw der haltungsweise der tiere auch für die produzentInnen problematisch, da für diese den steigenden einkaufspreisen für fütter und andere betriebsmittel wie zb heizstoffe keine entprechenden preissteigerungen gegenüber stehen.
und zumindest in mitteleuropa müssen wir bedenken, das es sich bei den landwirtInnen abgesehen von ausnahmen um unternehmerInnen handelt, die nach betriebswirtschaftlichen gesichtpunkten handeln, oftmals mehrere mio eur im jahr an umsatz machen (auch viele ökologisch ackernde produzentInnen).
und wenn wir im nachhinein zb die anti-akw-bewegung betrachten, denke ich sollte ein ergebniss daraus sein, unternehmen durch massiven protest und widerstand die wirtschaftliche nutzung von hochrisikotechnologien unmöglich zu machen. genfeldbesetzungen können ein konzept sein, aber das konzept bietet leider den nachteil der möglichen raschen verlagerung. wir sollten uns also als alternative darüber gedanken machen, (landwirschaftliche) geräte zur vernichtung der aussat anzuschaffen. und vorallem unsere einzige möglichkeit demokratischen einflussnahme nutzen: boykott aller genprodukte, eigentlich alle tiere die konventionell gehalten werden (also fast alle) werden mit zumindest teilweise genmaipuliertem futter versorgt!
Weitere Erklärungen der Feldbesetzis
Außerdem ist der Acker in Gießen nicht mehr der einzige Genversuchsstandort, der besetzt wurde. Ganz ähnlich sieht es in Oberboihingen (bei Stuttgart) aus:
Presseinfo der Grünen Jugend zur Besetzung
Die Grüne Jugend Hessen erklärt sich solidarisch mit den FeldbesetzerInnen der Genversuchsfläche an der Giessener Uni. "Wir freuen uns, dass die erfolgreiche, hessische Widerstandstradition fortgesetzt wird" erklärt Elisabeth Amrein, Vorsitzende der Grünen Jugend Hessen. "Unser erklärtes politisches Ziel ist ein Gentechnikfreies Hessen, der Umwelt zuliebe und um dem erklärten Willen der WählerInnen und VerbraucherInnen in Hessen Ausdruck zu verleihen" ergänzt Kim-Julie Cezanne aus dem Landesvorstand der Grünen Jugend Hessen. Die Grüne Jugend Hessen beschloss zuletzt im Juli letzten Jahres die politischen Möglichkeiten für ein gentechnikfreies Hessen auszuloten und politische Initiativen hierzu zu unterstützen.
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
bauern in der krise?
um biologisch und ethisch vernünftige landwirtschaft betreiben zu können, dürfen wir nicht auf supermarkt-preise spekulieren und mal diese verdammte überproduktion durch eine anpassung der lebensmittel regulieren. naja, die ursachen der probleme mit der landwirtschaft sind ganz klar bei der EU und dem kapitalismus zu finden, wie ich meine. wenn es sich endlich für die bauern lohnt, dann werden sie auch besser mit den tieren umgehen. also vor 3 jahren war es so, dass ein bauer 20cent für 2kg hähnchenfleisch bekommen hat. diese hähnchen beispielsweise werden in holland geboren, in deutschland gezüchtet, in holland geschlachtet, in deutschland gegessen. auf diesen fahrten sterben nicht wenige der tiere in den engen kisten.
außerdem sollten bauern in der lage sein, den vor allem polnischen aber auch holländischen erntehelfern, die hier vergleichsweise gut verdienen, vernünftige arbeitsbedingungen zu bieten. von daher wird es richtig sein, verschiedene bauern zusammen zu schließen und so gemeinsame projekte zu finanzieren und zu verwalten, die produktionen zu regulieren und die produktionswege und ketten zu verkürzen.
ÜBERPRODUKTION IN DER LANDWIRTSCHAFT EINAHLT GEBIETEN - QUALITÄT STATT QUANTITÄT, DAMIT SICH SOZIALE UND ETHISCHE LANDWIRTSCHAFT WIEDER LOHNT!!!!
Schön
fröhlich
Die besten Grüße aus dem Süden und Gratulation, sowie Hochachtung für diese Leistung, diesen Risikofaktor aufzuhalten und hoffentlich zu verhindern. Noch haben wir in Deutschland die Chance etwas zu verhindern und zu erreichen, das vielleicht in wenigen Jahren bereits vorbei ist, wie zb. in den Usa; Lasst Euch nicht unterkriegen, unterpflügen und viel Durchhaltevermögen,
Jaruslav Kokl
PS: Das GUTE wird siegen, der Kommerz unterliegen
gendreckweg
die diskussion über agrogentech muss in die öffentlichkeit getragen werden und darf sich nich darauf beschränken, dass gentech evtl. ein risiko darstelle was aber nich sicher is.
es müssen soziale politische und wirtschaftliche folgen aufgezeigt werden!
Anbau von gentechnisch manipuliertem saatgut ist, vor allem in Europa, (bzw der 1.welt) völlig überflüssig.Es werden täglich tonnenweise nahrungsmiteel weggeschmissen. Wieso also Gentech?
damit sich die genmultis durch abhängige Bauern mehr profite erwirtschaften können!
Dabei wird jeder konsument zur testperson (folgen vom verzehr gentechnisch manipulierter nahrung sind noch nicht ausreichend erfolgt)ohne eventuel schadensersatzansprüche stellen zu können.
Dabei entstehen neue super Unkreuter und es muss teilweise nach 2 jahren mehr gedüngt werden als vor dem gentch Anbau , wie z.B. bei einigen bauern in Argentinien.
Weiterhin töten die Insektengifte die die manipulierten Pflanzen produzieren nicht nur "Schädlinge" sondern auch alle anderen insekten die damit in kontakt treten.
Koesistenz (wohl ein geistesgespinst aus der gentech PR) ist schlich und einfach eine Lüge felder die neben gentech felder liegen werden durch pollen oder insekten verseucht. Außerdem sind noch andere berufszweige wie z.B die imkerei betroffen.
saatgutfirmen können dann per patent diese Opfer auch noch auf illegalen Anbau von patentierten Saatgut verklagen... und bekommen Recht!
Auch auf die kleinen Saatgutbetriebe wird gentech längerfristig auswirkungen haben und zu Aufkäufen und Übernahmen durch die Multis und letztendlich zum abbau von Arbeitsplätzen führen.
Das argument man wolle durch die Gentchnik der 3. welt helfen kann nur ein scherz sein.
vor einigen Jahren wollte man der dritten Welt mit Pestziden, Herbiziden und chemischen düngermitteln "helfen" (bzw geld verdienen)
was ha tman getan? die äcker vergiftet, das trinkwasser verseucht, menschen (die teilweise barfuß und ohne atemschutz etc. das gift versprühen müssen )geschädigt und bauern abhängig gemacht.
Und heute kommen sie wieder und wollen der 3, Welt helfen?
Die auswirkungen sind schon heute spürbar: Durch Patente oder so genannte terminator gene ( gen verhindert das keimen von saatgut, das aus pflanzen gewonnen wurde) werden bauern in die direkte Abhängigkeit der Multis gezogen.
Auf den einsatz von Pestiziden kann eben nicht (wie es die Multis versprechen) verzichtet werden weil die resistenzen auf unkräuter übergehen können .
In Indien haben sich sogar schon bäuerinnen umgebracht weil ihr genetisch verändertes saatgut nichteinmal aufgegangen ist.
ein bauer in den usa berichtet sogar davon das Kühe die mit genetisch Manipuliertem futter gefüttert wurden kein Kälber mehr warfen.
Als dieser wieder normales futter verwendete konnten sie wieder kälber gebähren.
Der Mensch muss endlich erkennen das er nich die natur sondern die Natur ihn gemacht hat!!
Für eine antikapitalistische, emanzipatorische Landwirtschaft
soja
lächerlich ist gegen gentechnik zu protestieren und gleichzeitg sich eine pizza kommen zu lassen.
Veranstaltung in Mainz am 8.4.
Eine der ersten öffentlich angekündigten Feldbefreiungen: Pfingsten 2006 stürmten vier AktivistInnen in Gießen das Versuchsfeld mit
transgener Gerste - und lösten damit eine heftige Debatte um Sinn und Unsinn der Gentechnik aus. Seitdem sind trotz aufwendiger
Bewachung dreimal Genversuchsfelder in Gießen zerstört worden. Nun werden die FeldbefreierInnen von 2006 vor Gericht gestellt. Genau da
wollten sie auch hin, um zu beweisen, dass nicht ihre Handlung, sondern das Genversuchsfeld und die gesamte Agro-Gentechnik illegal
ist. Es könnte das erste Mal gelingen, juristisch zu überprüfen, ob das Einbringen gentechnisch veränderter Organismen rechtlich haltbar
ist. Die politische Kritik der Gentechnik, insbesondere aus herrschaftskritischer Sicht, wird ohnehin kommen.
Einer der Angeklagten wird an diesem Abend über die Aktionen, den Prozess sowie die Kritik an der Gentechnik berichten. Je nach Wunsch
kann auch ein Überblick über den Widerstand gegen Gentechnik gegeben weden.
Mit Antifa Infotisch und Solidrinks
Veranstalterin: AntiFa Nierstein
Dienstag :: 8. April :: 20 Uhr
Schwarz - Rote Kneipe :: Haus Mainusch
Sehr geehrter Herr Kogel
aus Ihrem offenen Brief ergeben sich mir die verschiedensten Fragen.
Die mir jedoch dringlichste bezieht sich auf folgendes Zitat:
"... und werde mich weiter dem Grundsatz der Freiheit der Wissenschaft verpflichtet fühlen, die sich für eine Forschung zum Wohle der Menschheit einsetzt."
Sie beziehen sich auf die Freiheit der Wissenschaft. Ein Rätsel bleibt mir dabei nun inwiefern diese vor allem zum Wohle der Menschheit erhalten bleiben sollte, da diverse Freilandversuche (Langzeitfolgen wohlgemerkt unbekannt!) offensichtlich in unverantwortungsvoller Weise durchgeführt werden.
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen zum Einen die Verteilung pflanzlicher Pollen (unter anderem ist auch Sahara-Staub auf Gewächsen im Amazonas nachgewiesen worden!) durch Winde über tausende Kilometer hinweg.
Wie ist angesichts dieser Studien ein Schutz konventioneller und vorallem alter Pflanzensorten möglich?
Zum Anderen gibt es wissenschaftliche Nachweise zu Gentransfers zwischen im bodenlebender Mikroorganismen und GVO.
Wie frei ist eine Naturwissenschaft,die zum Wohle der Menschheit jahrelange Tierversuche zur Qualifizierung der Marktreife von zum Beispiel Pharmazeutika durchführt - natürlich nach institutionellen Vorgaben -, diese Freiheit, die wohl mehr am Geld zu hängen scheint - als doppelt frei zu sein - aber nicht bei GVO anwendet?
Der Antwort einer Kritikerin ist auf dieser Seite entnehmbar, dass Sie anscheinend resigniert haben vollkommen kritisch zu sein, nur weil GVO bereits global zur Anwendung kommen. Das tut mir sehr leid für Sie, sofern Sie nicht Ihre Kräfte für eine Kritische Wissenschaft, die zudem alle Forschungsergebnisse frei zugänglich machen sollte (somit natürlich möglicherweise auch Ihren Arbeitsplatz überflüssig macht, sofern Sie sich jedoch persönlich berufen fühlen, sollte Ihnen der Zugang zu freier internationaler wissenschaftlicher Zusammenarbeit nicht verwehrt bleiben - ich werde Ihr täglich Brot backen und die sonstige Bedürfnisbefriedigung muss auch nur realisiert werden!), aufwenden.
In der Hoffnung auf Beantwortung meiner Fragen an Sie schließe ich
Mit freundlichen Grüßen
Flo
@ das mit den bauern in der krise....
Für Anbau von für BIO-Kraftstoffen geeigneten Pflanzen, gibt's ordentlich Zaster!
Für GVO-Anbau gibt's von der EU alleine 12 MIO.€ !!!
Wem sollte also vornehmlich "ans Bein gepisst" werden und bei wem reicht eine Sensitivierung für's Thema in Form von Vorträgen und Broschüren und Demo's ?
Übrigens ist beim ganzen Thema überhaupt bewusst, dass es klaro auch Bauern in der Krise gibt?
Die sind doch ebenso im scheiß Wettbewerb (und allem was der mit sich bringt) wie Du und ich. Und frag mal einen wie oft er Urlaub macht.
Ganz abgesehen vom Urlaub: Klar nehmen die gerne ganz legale Geldgeschenke! ...
... Doch dann bleiben eben alte Sorten auf der Strecke!
Bei der evolutionären Entstehung neuer Schädlinge ist es jedoch total sinnvoll auf ein besonders breites Sortenspektrum zurückgreifen zu können!
Das Zurückbleiben wird jedoch auch dort verstärkt, wo Staaten oder Institutionen machtvoll festlegen, was auf die Märkte kommt und was nicht:
1. heißt mein Bsp. EU-Sortenregister? :
1.1 wieviele Apfelsorten kannst Du so übers Jahr verteilt im Supermarkt einkaufen?
1.2 wieviele Apfelsorten sind in jahrhunderter langer Arbeit natürlich gezüchtet worden? Waren es nur 800 oder doch mehr als 1000 ?
1.3 kannst du Dir wohl denken ...
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2. Hat im "ewigen Eis" von Norwegen vor einigen Wochen die weltgrößte Samenbank (zur Samen-aufbewahrung von bis zu 14 Mio. Pflanzenarten) geöffnet. Die Einlagerung soll allen Interessierten weitestgehend kostenfrei bleiben.
2.1 Die Anteilseigner und Investoren des Großprojektes sind auch einige Privatleute und Firmen. Genauere Informationen fehlen mir dazu aber, ich habe von Bill Gates und anderen gehört. (Diese rein caritative Investition kann ich den Herren und Damen leider nicht abkaufen, sorry! Wer weiß zudem unter welcher Besatzungsmacht Norwegen in 50 Jahren stehen könnte ?)
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weiter infos :
www.saveourseeds.org ,etc.
Patente Patente Patente und wer hat in diesem Kreislauf irgendwann das sagen über globale Nahrungsmittel-souveränität? Warte mal, Monsanto oder doch das Militär, BayerCS oder doch Aventis, Syngenta und diverse Aktienhalter, vielleicht sogar dein Nachbar, der ohne es zu wissen Aktien-Pakete an solch einer Firma hält? Die Werbung für BIO-Fonds ist online und in großen Zeitungen gerade voll im Trend.
In diesem Sinne ist Kolonialismus kein Thema in Geschichtsbüchern. Im Irak sind durch ein Regierungspapier der alten Übergangsregierung (Nr. 82 oder Nr. 84) die Märkte für GVO geebnet wurden. Nach dem ersten Golfkrieg Anfang der '90-er war die Landwirtschaft schon so runter, dass nicht mehr die gesamte Bevölkerung ernährt werden konnte u. a. fehlte der notwendige Strom für Bewässerungspumpen. Die Lage verbesserte sich nicht erheblich. Später war das Land im UNO "oil-for-food-programm" '95 - '03 abhängig von Lebensmittel-Importen. Die Autonomie der nationalen Landwirtschaft ist gebrochen. Der Irak-Angriffskrieg in diesem Jahrhundert ruinierte die nationale Landwirtschaft zusehends und nun sind die Bauern "verpflichtet" GVO anzubauen (ob die nun preiswerter sind oder sie tatsächlich gesetzlich zum GVO-Anbau verpflichtet sind, weiß ich nicht genauer).
weitere Irak-Infos :
im rororo ist das aktuelle Buch "Bagdad burning" von Riverbend erschienen. Es behandelt die landwirtschaftliche Situation nur am Rande der Nachkriegs-Alltagsbeschreibungen unter Besatzung.
Eure Forderungen mögen mich ebenso wie die Arbeit von Greenpeace anwiedern und übrigens trallala Anarchie!
Vergessen bleibt eine "Verteilungsfrage im globalen Sinne", vergessen bleibt so vieles, zurück bleiben 1000 Schnittstellen für Nationalgesinnte und Deresgleichen und nur 5 Schnittstellen für eure Gleichgesinnten.
Dank Überproduktion und moderner Landwirtschaft, mittels Maschinen, ist uns erst ein radikales Nachdenken über den Protest möglich. Diese Alltäglichkeit lässt uns Hunger auf der Welt und was auch wir dagegen tun könnten vergessen?
Jede neue Technologie bringt wenigstens ein, zwei oder drei grundlegend neue Denkweisen mit sich: Bei der "grünen Revolution" in der Landwirtschaft mit der massigen Einbringung von Pestiziden, Herbiziden, Fungiziden in die Natur handelt es sich vermutlich um die Idee "Gegen jedes unKraut etc. gibt es ein wirksames Mittelchen", "der Mensch kann alles richten" ... (und Trink-/ Grundwasserverseuchung wie auch durch die Hormone in der "Pille", die nicht in Kläranlagen herausgefiltert werden können, wurde in Kauf genommenes Resultat) ...
Bei der "Neuen grünen Revolution" der "grünen Gentechnik" wird wenigstens "der Mensch kann alles richten" aufgegriffen und schön von "Food-design" und anderem Fragwürdigen daher geredet und das von schlauen Wissenschaftlern und klaro Konzernen. Das menschliche Versuchstier und Kontrollverlust wird dabei in Kauf genommen.
In diesem Sinne blickt doch mal ordentlich über den Tellerrand und atmet mal tief die Luft dort drüben!
Ich finde die stinkt gewaltig! Und mit solchen schönen Aktionen, Freunde dreht der Wind sich auch nicht.
Passt auf Euch auf! In 10 Jahren agiert voraussichtlich die Bundeswehr im Bundesinneren.
bauern in der krise? ergänzung