Nix Neues aus Gel-NS-hausen:von A-Z ungesühnt

Hartmut Barth-Engelbart 30.03.2008 17:00
NS-Aufarbeitung EXEMPLARISCH!Von "A"risierung bis "Z"wangsarbeit - im Streit um das Stern'sche Haus in Gelnhausen hat die Historikerin/Autorin Dr. Christine Wittrock in einem Offenen Brief an den neuen und jungen (SPD) Bürgermeister der Stadt den Enkel eines lokalen NS-Prominenten und Arisierungsbetreibers aufgefordert, das von seinem Großvater den jüdischen Besitzern enteignete Haus und Grundstück
wieder zurückzugeben aus historisch-moralischer Verantwortung: Die Besitzerfamilie Stern war in den 50er Jahren inmitten einer streng antisemitischen Umgebung von einem Amtsgericht eine "Entschädigung" von circa 3.000 DM gewährt worden. Den Überlebenden bot man jüngst einen Zuschuss von rund 5.000 Euro für den Kauf einer Eigentumswohnung in Gelnhausen an. Allein im Vergleich zum Immobilienwert billige
Allmosen, ein Alibiakt. Vor zwei Jahren musste das Ehepaar Stern bei einer Veranstaltung in der Gelnhäuser Synagoge in der ersten Reihe schweigend zwischen den Erben der Täter sitzen und sich die eigene Verfolgung als "Schiksal" anhören. Die Veranstaltung war offizieller Bestandteil der
"Ökumenischen Friedensdekade" des Dekanats Gelnhausen. Die Referentin hatte die Auflage, bei ihrem Vortrag keine Gelnhäuser Täternamen zu nennen, das Thema Zwangsarbeit und "Vernichtung durch Arbeizt" mit keinem Wort zu erwähnen.
Ihre Aufforderung an das Publikum am Schluss ihr noch Fragen zu
stellen (in der Hoffnung, aus dem Publikum würden diese Themen angesprochen
und eventuell konkrete Namen genannt - und nicht nur die allgemein bekannten
und nicht mehr zur Rechenschft zu ziehenden Berliner Führer, dieser Appell
blieb ohne Folgen: kein Mensch machte den Mund auf. Im Publikum saßen auch
führende Persönlichkeiten aus der Gelnhäuser Wirtschaft u.a. Herr Kriechbaum
vom Vorstand der Firmas "VERITAS", Kirchenvorstandsmitglied, Sponsor, ......
(siehe dazu auch "Wegfeiern in Gelnhausen - Wie in der deutschen Provinz das
Gedenken an Faschismus, Judenpogrome und -vergasung, Arisierungsplünderungen
und Zwangsarbeit ... weggefeiert wird. " bei steinberg-recherche
 http://www.steinbergrecherche.com/barth.htm und bei
www.barth-engelbart.de.vu und auch bei indymedia)


Doch, Folgen hatte dieser Appell dann doch noch: einige Tage später erkärte
sich die örtliche Pax Christi-Gruppe bereit , außerhalb der
"Friedens-Dekade" eine Veranstaltung im "Exil" zum Thema "Zwangsarbeit" in
Gelnhausen durchzuführen. Die von der Satdt Gelnhausen dafür zur Verfügung
gestellte "Herrenscheune" war jedoch am Abend der öffentlich angekündigten
Veranstaltung verschlossen. 50 Menschen warteten vergeblich auf einen
Haumeister. Der war auch an seiner Privatadresse nicht aufzufinden.
Gelnhausen liegt nicht im Osten, heißt nicht Halberstadt oder Mügeln. Es
hatte auch damals keinen NPD- oder REP-Bürgermeister. Nur vor der
Veranstaltung kam aus dem Hause VERITAS resp. aus dem Munde eines mit der
Vorstandsetage eng verbundenen Menschen der Vorschlag, zum Thema
Zwangsarbeit keine öffentliche Veranstaltung zu machen, nicht öffentlich auf
längst fälliger Entschädigung von Opfern von Zwangsarbeit und
Zwangsabtreibung und deren Nachkommen zu bestehen, sondern sich stattdessen
privat mit diesen Leuten zu treffen und für sie etwas zu tun. Auch könne man
Mittel für "Stolpersteine" in Gelnhausen beisteuern mit den Namen von
"umgekommenen" ZwangsarbeiterINNEn.

Die Veranstaltung fand dann trotz des verschwiegenen Boykotts der
Stadtverwaltung statt - in einem benachbarten Gasthaus: "Zur Burgschänke"
im völlig überfüllten Nebenraum - etwas Besseres konnte der Veranstaltung
nicht passieren: im Vormärz und den 1848ern war diese Kneipe im ArmeLeute-
und Judenviertel "Burg" der Treffpunkt der Aufständischen. Hier trafen sich
die Wandergesellen und die jüdischen fliegenden Händler, die veramten
Landjuden, die Hausierer. Dioe Kneipe spielt eine zentrale Rolle im Roman
"Die Buxweilers" des staatenlos-jüdischen Schriftstellers deutscher Zunge
Valentin Sänger und sie liegt in nächster Nachbarschaft zum Stern'schen
Haus, das sich die Stadt Gelnhausen in höchst unmoralischer Art und Weise
angeeignet hat.

In einer Stadt, die in den letzten 20 Jahren von einem ehemaligen lokalen
Vorsitzenden der rechtsradikalen Wiking-Jugend regiert wurde, wäre es schon
ein Zeichen von längst überfälligem Umdenken im Umgang mit dem Faschismus in
Gelnhausen, wenn das Stern'sche Haus von der Stadt an die Familie
zurückgegeben würde.

Wenn jetzt die Rückgabe-Aufforderung der Historikerin Dr. Chrsitine Wittrock
von den beiden Lokalhistorikern und Mitgliedern der von der Stadt berufenen "Ethik-Kommission" - Hans Kreutzer und Brigitte Noeske als "in
höchstem Maße verwerflich" und als "vornehmlich Werbung für ihre Bücher"
diffamiert wird, dann ist es höchste Zeit, das Stillschweigen über die
"Arisierungs"-gewinnler, Judenvertreibungs- und -vernichtungsprofiteure und
die tatkräftigen Helfer der Nazis in Gelnhausen zu brechen: Wer hier
schweigt macht sich mitschuldig.

Beim geplanten Neubau einer Kantine für das Gelnhäuser
Grimmelshausen-Gymnasium sollte eine Gedenktafel für den aus Gelnhausen
vertriebenen und im KZ ermordeten KFZ-Werkstattbesitzer Blumenbach
angebracht werden, denn im Gelände des ehemaligen Opel-Hauses Hempel - in
seinem Immobilienwert steckt das über 70 Jahre verzinste durch Hempel
arisierte Vermögen der Familie Blumenbach. Das Geldvermögen hat die
Gelnhäuser Kreissparkasse "arisiert", Blumenbach durfte auch nicht mehr an
sein Guthaben, um die Flucht seiner Familie eventuell zu finanzieren. (weitere Fakten aus den Entnazifizierungsakten der "Barbarossa-Stadt", u.a. zur Beseitigung von Zeugen von "Rassenschande", zu Zwangsabtreibungen bei Zwangsarbeiterinnen gibt es hier: www.barth-engelbart.de.vu )
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