EU: Asylum Airlines - Abschiebung

Schuhputzer 25.03.2008 14:53 Themen: Antirassismus Weltweit
Eine österreichische Firma schlägt der [brit.] Regierung vor, "störende" Asylsuchende mit gescheitertem Antrag in speziell dafür angefertigten Flugzeugen aus der EU zu deportieren. Die Pläne sehen darin eine Kooperation der "Asylum Airlines" mit britischen Sicherheitsfirmen vor, die ihre Flugdienste für EU Staaten anbieten, die nicht auf herkömmliche Airlines zur erzwungenen Ausweisung (=Abschiebung) zurückgreifen wollen.
Österreichische Firma will Abschiebe-Airline mit speziell angepassten Flugzeugen gründen


Eine österreichische Firma schlägt der [brit.] Regierung vor, "störende" Asylsuchende mit gescheitertem Antrag in speziell dafür angefertigten Flugzeugen aus der EU zu deportieren. Die Pläne sehen darin eine Kooperation der "Asylum Airlines" mit britischen Sicherheitsfirmen vor, die ihre Flugdienste für EU Staaten anbieten, die nicht auf herkömmliche Airlines zur erzwungenen Ausweisung (=Abschiebung) zurückgreifen wollen.

Die Flugzeuge sind dabei mit speziellen Vorrichtungen ausgestattet, die es den Guards erlauben, die Asylsuchenden festzuschnallen und und mit Gewalt festzuhalten.Das könnte der Regierung Millionen von Pounds sparen, verglichen mit den Verträgen mit den herkömmlichen Fluglinien und die Zahl der Flüge auf wenige Massenausweisungen reduzieren.

Hunderte von Abschiebungen mussten abgebrochen werden, wegen, so die Regierung, "störendem Verhalten". In den letzten Monaten wurden auch Airlines kritisiert, die Asylsuchende durch private Sicherheitsfirmen (gewalttätig) mißhandelt hatten. XL Airlines hatte bereits ein Ende der Zusammenarbeit angekündigt.

Heinz Berger, der Gründer der "Asylum Airlines", der schon früher mit britischen Sicherheitsfirmen zusammengearbeitet hatte, sieht im UK einen der größten Märkte.

Berger gibt an, UK sei einer von vielen Ländern, mit denen er Geschäfte machen möchte. Laut seinen Angaben, wäre ein "steigendes Interesse in Europa" vorhanden. Es wäre dabei denkbar, die abgelehnten Asylsuchenden in den jeweiligen EU Ländern abzuholen und sie dann nach Afrika, Asien und den mittleren Osten auszufliegen. Die Flugzeuge seien dabei mit gepolsterten Räumen und Matrial zum festschnallen ausgestattet.

Eine Sprecherin des Home Office erklärte, die Regierung sei "offen für neue Ideen".

Übersetzt aus dem englischen:Independent UK
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Ergänzungen

Menschen = Stückzahl

dreckiger Schuh 25.03.2008 - 15:06
URL: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1307371

Asylum Airlines Abschiebung als Geschäftsidee VON MATTHIAS THIEME

Billiger und effizienter abschieben>/strong>

Heinz Berger hat viel darüber nachgedacht, wie man abgelehnte Asylbewerber in großen Gruppen aus Europa heraus bringen kann. Der österreichische Manager hat eine Lösung gefunden und zusammen mit dem österreichischen Rechtsanwalt Hermann Heller und dem "Luftfahrtexperten" Carl Julius Wagner ein Geschäftsmodell daraus gemacht: eine Fluggesellschaft nur für Abschiebungen. "Asylum Airlines".

"Dieses Unternehmen wird mit eigenen Flugzeugen diese Dienstleistung durchführen und Schüblinge in das entsprechende Zielland transportieren", sagt Berger der FR. Mit speziell ausgestatteten Flugzeugen, in denen möglichst viele Flüchtlinge von möglichst wenigen Beamten kontrolliert werden können. "Man kann die Leute nicht in Käfige stecken, verkleben oder fesseln", meint Berger. Bei Asylum Airlines werde es zivilisiert zugehen. Denkbar seien Polsterungen und
"Bügel wie von Sesselliften", die die Flüchtlinge im Sitz fixieren. "Das hemmt nicht die Bewegungsfreiheit, aber das Randalieren stellt man ab."

Derzeit ermittelt Berger die potenziellen "Stückzahlen", wie er sagt. Die Fluggesellschaft sei "in Gründung". Bei Regierungsbehörden verschiedener europäischer Länder versucht er Angaben über die Zahl der Abschiebefälle zu bekommen und bietet seine Airline als Problemlösung an. "Damit könnten die Regierungen sehr viel Geld sparen", sagt Berger. Derzeit müssten immer zwei Bewacher mit einem "Schübling" mitfliegen. "Dieses Verhältnis können wir umdrehen." An seiner Idee gebe es "hohes Interesse aus dem gesamten EU-Raum", so Berger.

Tatsächlich mühen sich die europäischen Länder derzeit aus Kostengründen, grenzübergreifende Sammelabschiebungen zu organisieren. "Deutschland beteiligt sich regelmäßig - je nach Bedarf - an Flügen anderer europäischer Staaten und hat in der Vergangenheit auch schon Flüge selbst organisiert", teilt das Bundesinnenministerium auf FR-Anfrage mit. Die Flüge würden nach dem "leading country"- Prinzip organisiert: Das Land, das den Flug initiiere, übernehme sowohl die inländische Planung als auch die Koordination der ausländischen Partner.

Im Flugzeug bewachen Polizisten der europäischen Länder jeweils die Flüchtlinge ihres Landes. Da für jeden Flüchtling zwei Beamte mitreisen,sind nach FR-Informationen bei manchen Flügen an die 100 Beamte dabei. Auch Ärzte und Einsatzleiter fliegen mit.

Das Verfahren werfe grundlegende Fragen auf, kritisiert Pro Asyl. So sei völlig ungeklärt, auf welcher Rechtsgrundlage die Beamten im Flugzeug ihren Dienst versähen. Auch wie viel Gewalt angewendet werden dürfe, sei in den europäischen Ländern unterschiedlich geregelt. "Das Schlimme ist, dass diese Flüge in aller Heimlichkeit und mit großer Brutalität stattfinden", sagt Conni Gunzer vom Hamburger Flüchtlingsrat. "Um die Flugzeuge vollzukriegen, werden die Menschen willkürlich zusammengekarrt."

Noch gibt es keine rein auf Abschiebung spezialisierte Fluglinie. "In Deutschland wird ein Makler damit beauftragt, das günstigste Fluggerät zu ermitteln", so das Innenministerium. Die Abschiebung werde "vom Initiator vorfinanziert", der die Kosten dann umlege. Auch in Zukunft seien solche Flüge geplant. "Seitens der europäischen Partner kommen mehrmals pro Jahr Angebote zur Teilnahme an Flügen, die auch durch die europäische Grenzschutzagentur Frontex den Mitgliedstaaten bekannt gegeben werden."

Ein zu umständliches Verfahren, meint Berger. Seine Asylum Airlines werde Abzuschiebende "am einen Tag nach Nigeria, am anderen Tag nach Pakistan" bringen. Man werde Flugzeuge mit großer Reichweite kaufen, um die Zahl der Zwischenlandungen gering zu halten. Wie viele Flugzeuge, "hängt von der Stückzahl ab". Der "Stückzahl" der Menschen.

Bei Asylum Airlines geht es sogar "mit Catering" zurück. Ein Essen mit Messer und Gabel kann er den "Schüblingen" aus Sicherheitsgründen aber nicht anbieten. "Dann gibt es halt irgendwelche Brote", meint Berger. "In sechs Stunden verhungert ja niemand."

es ist so abartig

--- 26.03.2008 - 04:13
Danke für den Artikel. Ich war auch schon kurz davor, darüber was zu schreiben. Viel kommentieren muss man ja gar nicht mehr, das spricht ja alles sowas von für sich. Als ich die Sache zum ersten Mal gehört habe, war ich wirklich geschockt wie schon lange nicht mehr. Wie können Menschen nur zu solchen Ideen in der Lage sein? Normalerweise vertrete ich ja immer die Auffassung, gerade im Bereich der Wirtschaft sind es nicht die Köpfe, sondern die "Denkmuster", die es anzugreifen gilt. Aber hier wünsche ich mir wirklich mal, dass diesen Leuten das Leben verdammt schwer gemacht wird...

älterer Artikel "Profit duch Abschiebungen"

noborder 26.03.2008 - 16:23
Ein Artikel zu den Machenschaften von Heinz Berger und Rechtsanwalt Hermann Heller aus dem März 2007:  http://no-racism.net/article/2012/

noch ein Artikel mit weiteren Links!!!

anderslautern-red. 26.03.2008 - 16:38
Asylum Airlines - Abschiebung als Geschäftsidee
Link:  http://neues-auf.anderslautern.de/index.php?n=Politik.AntiRaAmpAntiFa#toc3

Abschiebung als Geschäftsidee

stop abschiebung 27.03.2008 - 02:49
Drei Findige "Geschäfts" Männer und umtriebigen Abschieber aus Österreich wollen eine Fluggesellschaft gründen, eine sogenannte "Asylum Airlines". Doch für sie ist Österreich für den Betrieb eines derartigen Abschiebeflugzeugs zu klein. Daher starteten sie eine "Marktforschung" bei europäischen Regierungen. In Großbritannien, so sagen sie, sei der Markt groß genug. Und deshalb bieten der Gründer der Abschiebelinie und Kenner des dem Geschäfts mit der Sicherheit Heinz Berger, der Wiener Rechtsanwalt Hermann Heller und der "Luftfahrtexperten" Carl Julius Wagner ihr "Geschäfts"modell der brititischen Regierung an.

Mehr dazu unter:  http://no-racism.net/article/2484
(siehe auch die dort verlinkten Artikel)

Eine umfangreichere Auswahl von Artikeln zum Weiterlesen findet sich hier:  http://no-racism.net/article/2185/#6