Bln:300 bei Newroz-Demo

Caps Lock 20.03.2008 20:28 Themen: Kultur Repression
Heute sollte in Berlin eine Demonstration anlässlich der Newroz-Feierlichkeiten stattfinden, an der sich rund 300 Personen aus dem kurdischen, sowie linken Spektrum beteiligen wollten.
Morgen ist Newroz, das kurdische Neujahrsfest.  http://de.wikipedia.org/wiki/Newroz
Aus diesem Anlass gibt es in Europa und den Staaten, in denen das kurdische Siedlungsgebiet liegt Aktionen, Demonstrationen und Feste. Insbesondere in der Türkei und ihren Metropolen kommen es in Bezirken, in denen viele Kurd_Innen leben zu Ausschreitungen, bei denen es regelmäßig auch Tote gibt.

In Berlin riefen aus diesem Grund das Kurdistan Solidaritätskomitee und der Kurdische Verein Berlins zu einer Demonstration einen Tag vor dem Fest, am 20.3.2008, auf. Zu dieser kamen rund 300 Personen, von denen rund 10% dem linken Spektrum zuzuordnen waren. Die Demonstration, beginnend am Hermannplatz, sollte zum Kottbusser Tor durch den Kottbusser Damm laufen, wurde allerdings gleich zu Beginn wiedereinmal mit einem lächerlichen Verbot hinsichtlich der Öcalan-Fahnen belegt. Dieses wurde den Veranstaltern erst 5 Minuten nach Anfang der Demo mitgeteilt, sodass diese sich nun gezwungen sahen die Demo am Anfangsort abzubrechen. Zunächst kam es nun zu einer Sitzblockade, die mit Gesang und Tanz nach rund 5 Minuten beendet wurde.

Nach etwa weiteren 20 Minuten zog die Personengruppe nun, allen voran die Jugendlichen, durch den eigentlich durch Cops abgesperrten Kottbusser Damm. Da die Polizei dies sich nun nicht gefallen lassen wollte, agierten nun, weshalb es zu Rennereien kam ehe es den Cops gelang eine Art Keil zwischen die Gruppe zu ziehen. Ein Teil der Gruppe konnte nun weiterziehen, während die anderen zurück zum Hermannplatz laufen sollten. Letztendlich sammelten sich rund 150 Personen am Görlitzer Bahnhof und tanzen dort noch und zelebrierten das Newroz-Fest. Während dessen wurden in der nahegelegenen Oranienstraße rund 20 kurdische Jugendliche von den Bereitschaftspolizisten der 14.Einsatzhundertschaft an die Wand gestellt und es wurde eine etwa 1-stündige Personalienkontrolle durchgeführt, die erst durch 2 herbeigeeilte Rechtsanwälte verkürzt werden konnte und schließlich gegen 18.30 Uhr abgebrochen wurde. Währenddessen sammelten sich phasenweise rund 50 Sympathisant_Innen, weshalb die Polizisten zur Verstärkung nun BFZ-Cops hinzu ziehen mussten.

Gegen das Öcalan-Fahnen-Verbot wurde nun erstmals Klage eingereicht. Insgesamt ein sehr kämpferischer Abend im Zeichen des Newroz-Festes. Es ist weiter zu hoffen, dass die Beteiligung von Linken auf den Demonstrationen für Frieden und Freiheit in Kurdistan zunimmt.

HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT!
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Ergänzungen

10 zu 90?

Internationalista 20.03.2008 - 21:29
"Zu dieser kamen rund 300 Personen, von denen rund 10% dem linken Spektrum zuzuordnen waren"
Und welchem Spektrum waren dann bitte die übrigen 90% zuzuordnen?
Warscheinlich meintest du 10% deutsche Linke, oder?

BIJI APO!
Zusammen kämpfen gegen Krieg und Faschismus!
Für einen krachenden 1. Mai!

Ergänzung

Canroz Dersimij 21.03.2008 - 09:04
Die Personenkontrolle wurde nicht einfach so abgebrochen. Drei Personen wurden nicht freigelassen, sondern mitgenommen.

Newroz woanders

Verlinker 21.03.2008 - 16:15
Newroz in Dyarbarkir (Türkei):
 http://www.youtube.com/watch?v=8aFCT9E5AUE

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Newroz in Syrien: Polizei erschiesst 3 Jugendliche:

Polizei tötet drei Kurden

Laut Menschenrechtsorganisation - Zehn Zivilisten bei Zwischenfall zum kurdischen Neujahrsfest verletzt
Damaskus - Polizisten haben in der syrischen Stadt Qamishli drei junge Kurden erschossen. Das berichtete eine syrische Menschenrechtsorganisation am Freitag unter Berufung auf Augenzeugen. Zehn weitere Zivilisten sollen bei dem Zwischenfall am Donnerstagabend verletzt worden sein. Den Angaben zufolge war es zum Streit zwischen den Polizisten und den jungen Männern gekommen, weil diese auf der Straße Kerzen angezündet hatten, um das Neujahrsfest "Newroz" zu feiern.

Qamishli liegt nahe der Grenze zur Türkei. Im Jahr 2004 war es in der Stadt nach einem Fußballspiel zu Unruhen gekommen. Die Polizei hatte damals 30 Kurden erschossen. Viele Angehörige der kurdischen Minderheit in Syrien sind offiziell staatenlos. (APA/dpa)

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Die Welt berichtet totalen Unsinn aus Berlin:

Demonstration für Freilassung von Abdullah Öcalan

Berlin (dpa/bb) - Gut 250 Menschen haben heute in Berlin- Neukölln für die Freilassung von Abdullah Öcalan aus türkischer Haft demonstriert. Die Teilnehmer hielten sich nach Angaben eines Polizeisprechers an die Auflagen, keine Bilder und Fotos des früheren Vorsitzenden der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zu zeigen. Die Veranstaltung am Hermannplatz sei ohne Zwischenfälle verlaufen. Sie fand anlässlich des kurdischen Newroz-Festes statt. Der Europarat hat unlängst das Ende der Isolationshaft für Ex-PKK-Chef Öcalan gefordert. Öcalan müssten nach neunjähriger Haft schleunigst menschliche Kontakte erlaubt werden.

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Repression im Vorfeld:

Repression vor Newroz
Türkei: Schikanen gegen Vorbereitungen auf das kurdische Neujahrsfest in türkischen Städten
Von Nick Brauns
Wenige Tage vor dem kurdischen Neujahrsfest Newroz laufen in zahlreichen Städten der Türkei die Vorbereitungen für die Feiern am 21. März. Veranstalter der Feiern, zu denen landesweit Millionen Teilnehmer erwartet werden, ist die im Parlament vertretene kurdische »Partei für eine Demokratische Gesellschaft« DTP zusammen mit Gewerkschaften, Frauenorganisationen und Gewerkschaften sowie einzelnen türkischen sozialistischen Gruppierungen.

Das Newroz-Fest in der Metropole Diyarbakir wird unter dem spanischsprachigen zapatistischen Motto »Ya Basta!« – »Es reicht!« stehen. Die auf zahlreichen Antikriegskundgebungen der letzten Monate verwendete gleiche Parole in kurdischer Sprache »Êdî bes e« war zuvor von einem Gericht in der Stadt Van als angeblicher Aufruf der Arbeiterpartei Kurdistans PKK zu einer zivilen Revolte verboten worden. Daraufhin ließ die von der DTP gestellte Stadtverwaltung von Diyarbakir Plakate mit dem spanischsprachigen »Ya Basta« kleben.

Verboten ist in mehreren Städten auch der Gebrauch des kurdischen Wortes »Newroz«, da hier der im türkischen Alphabet nicht vorhandene Buchstabe W vorkommt. In der Stadt Osmaniye forderte ein übereifriger Gouverneur das örtliche Newroz-Vorbereitungskomitee dazu auf, neben dem »W« auch das »O« zu entfernen und nur das türkifizierte Wort »Nevruz« zu verwenden. In den letzten Jahren waren Newroz-Feierlichkeiten in Osmaniye, Tunceli oder Istanbul bereits mit der Begründung verboten worden, daß das türkische Parteiengesetz im politischen Zusammenhang den Gebrauch anderer Sprachen als Türkisch verbietet.

Überschattet werden die Newroz-Vorbereitungen auch von einem Anfang der Woche vor dem Obersten Gericht gestellten Verbotsantrag der türkischen Generalstaatsanwaltschaft gegen die DTP. Die DTP sei der verlängerte Arm der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK, so der Generalstaatsanwalt. Sie unterstützte den bewaffneten Kampf und folge den Weisungen des auf der Gefängnisinsel Imrali inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan. Die Generalstaatsanwaltschaft hat zudem ein fünfjähriges politisches Betätigungsverbot gegen acht Parlamentsabgeordnete der DTP und zahlreiche Lokalpolitiker der Partei gefordert. In der vergangenen Woche hatte Staatspräsident Abdullah Gül eine Delegation von DTP-Politikern empfangen und ihnen angeboten, die DTP solle »Teil der Lösung und nicht Teil des Problems« sein. Wie dies zu verstehen ist, hatte Ministerpräsident Tayyip Erdogan am gleichen Tag vor Journalisten deutlich gemacht. »Ich kann nicht mit DTP-Politikern sprechen, bevor sie die verbotene PKK als terroristische Organisation anerkennen«, wies Erdogan den Wunsch von DTP-Fraktionschef Ahmet Türk nach politischen Gesprächen zurück.

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unsinn

berliner 20.03.2008 - 21:31
echt traurig, sich als "linker" für irgendwelche eso-neujahrsfeste zu begeistern. bleibt zu hoffen, dass im nächsten jahr wieder weniger da hingehen.

@ berliner

kalle liebknecht 20.03.2008 - 22:51
unsinn ist das, was in der deutschen und berliner linken-szene keinen sinn macht.

und das ist in der heutigen konsumorientierten und "wir verhalten uns wie unsere eltern - kriegen es aber nicht mit" zeit sehr sehr viel unsinn!

Eso-Neujahrsfeste?

Tut Nix 20.03.2008 - 22:56
Ja genau, nur unser westliches, und daher richtiges Neujahrsfest gehört gefeiert! Hoch lebe Jesus, dessen Geburtstag nur deshalb mittlerweile ne Woche vorher gefeiert wird, weil das ach so hochstehende westliche Abendland so lange nicht in der Lage war, die Länge eines Jahres genau auszurechnen. (Das hatten z.B. die Mayas ein paar Jahre früher raus)
Aber die Kulturen, die (symphathischerweise) den Frühlingsanfang zum Neujahr erklärt haben, wie etwa die Kurden oder auch die Iraner, Perser (nein, das ist nicht dasselbe) und Konsorten sind tumbe Eso-Lümmel und gehören aufgeklärt, zivilisiert oder wohl am besten christianisiert, oder was hat der Eso-Spruch sonst zu sagen?
Abgesehen davon hatte die Demo doch wohl nebem dem ANLASS Neujahr auch ein paar Aussagen, Forderungen usw.
Die kann man ja gerne diskutieren, aber so...?

Öcalan und die PKK!

Freier Kommunist 20.03.2008 - 23:42
Ich werde hier zwar wieder auf Proteste etc treffen aber egal.
Öcalan und die PKK sind Terroristen und Faschisten, die Antifa soll und muss sich gegen diese Stellen!
Die PKK will einen Nationalen Sozialismus nach vorbild STALINS und hr toleriert das!
Die NPD will auch einen Nationalen Sozialismus, aber das Toleriert ihr nicht????
Wenn schon denn schon!
Die Einen NS untersützt ihr und gebt ihnen eure solidarität und die andere hasst ihr und schlagt euc mit denen???
Sorry aber dafür habe ich kein vertändnis!
Desweiteren ist jegliche stalinistiche Partei zu verurteilen!

Kommunistische und Solidarische grüße

scheiß

aktion 21.03.2008 - 00:04
NO BORDERS _ NO NATIONS _ NO GOUVERNMENT

@freier kommunist

icke 21.03.2008 - 00:12
bevor du hier solchen schwachfug verbreitest, informier dich doch bitte erstmal über die inhalte, die die pkk vertritt.

 http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeiterpartei_Kurdistans
"Der demokratische Konföderalismus
Am 20. März 2005 wurde der Demokratische Konföderalismus als politisches Konzept proklamiert. Wenig später wurde die Gründungserklärung der Koma Komalên Kurdistan in der Özgür Politika veröffentlicht. Dieses nichtstaatliche, jedoch staatsübergreifende Gebilde soll das Konzept des sogenannten "Konföderalismus" umsetzen. Der Konföderalismus ist eine von Öcalan propagiertes und von Murray Bookchin inspiriertes Denkmodell einer Gesellschaft. Wichtiges Schlagwörter hierbei ist die "demokratisch-ökologische und auf Geschlechterbefreiung ausgerichtete Gesellschaft". Das System zielt ferner auf die Überwindung staatsfixierter und nationalstaatlicher Strukturen. Die Deklaration - wie sie vom 6.- 9. Juni 2005 in der Ögzür Politika veröffentlicht und Oktober 2007 modifiziert wurde - sieht jedoch die Bildung von staatstypischen Strukturen vor: Eine eigene Staatsbürgerschaft, eine eigene Armee, eine eigene Gerichtsbarkeit, ein eigenes Parlament, eigene Wirtschafts- und Finanzstrukturen und eine eigene Fahne."

eine positionierung zum konflikt um kurdistan und wieso man als linke_r trotz der kritik solidarisch sein sollte, hat die arab verfasst.
 http://arab.antifa.de/index.php/content/view/133/1/


Terrorie

Roland Ionas Bialke 21.03.2008 - 00:19
@ Freier Kommunist

Ein temporärer, also zeitlich begrenzter, Seperatismus hat nicht unbedingt etwas mit Nationalismus, also ethnischer Abgrenzung, zu tun. Durch den türkischen Staat werden sehr viele Menschen unterdrückt, gefoltet und eingesperrt. Dagegen zu kampfen ist durchaus legitim. Aber was, wenn der Kampf gegen das repressive und mörderische System gewonnen ist? Kannst Du neben dem Menschen leben, der Deinen Bruder und Deine Schwester gefoltert und ermordet hat? Da müssen Wunden heilen und das braucht Zeit! Daher ist ein temporärer Separatismus auf sozialistischer Grundlage ein Mittel um Wunden nicht wieder aufreissen zu lasen. Das ist ein sekundäres und mittelfristiges Ziel. Das als tertiäres, oder je nach Ansicht primaäres, und langristiges Ziel eine Welt ohne Grenzen erreicht werden soll ist keine Frage. Stellt sich dann irgendwer dagegen, dann müssten emanzipatorische Kräfte intervenieren.

Tribalismus und Nationalismus in Ordnung?

cromwell 21.03.2008 - 22:09
Es ist erstaunlich: Wenn irgendwelche Bergvölker im Taurus-Gebirge eine Unabhängigkeit beschwören, die sie nie hatten, und das in alten Stammesritualen manifestieren, unter einer Führung einer mindestens menschenverachtenden und extrem nationalistischen Partei, dann sehen das manche hier als linkes Projekt.

Wenn im kantabrischen Gebirge eine Bewegung auf offener Strasse Leute erschießt, und durch Bombensprengungen Ermordete als Kollateralschäden bewertet, um in einem kleinen Kanton einen Nationalstaat (den es ebenfalls nie gegeben hat) zu errichten, in dem nur noch die nationale Kultur gilt, dann bewerten das einige hier als emanzipatorisches Projekt.

Aber der Aufstand, eher eine Revolte, in Tibet, der von Polizei und Militär eines durch und durch korrupten und repressiven Regimes mit augenscheinlicher Brutalität niedergeschlagen wird, bei der explizit _keine_ Unabhängigkeit gefordert wird, wo die vermeintliche Leitung die Gewaltlosigkeit fordert, das erscheint dann den gleichen Leuten plötzlich "konterrevolutionärer Versuch der Rückkehr zum Feudalstaat".

Das kann ja wohl keine auch nur ansatzweise fortschrittliche politische Haltung sein!

Die Mörderbanden von PKK und ETA liegen ja zivilisatorisch meilenweit hinter der tibetanischen Exilregierung und dem Dalai Lama.

Wobei ich persönlich immer noch der Ansicht bin: Der tribalistische Ansatz irgendwelcher Bergvölker nach "Nationalstaaten" in hren drei oder mehr Tälern, die sich von je her dem Fortschritt verschließen, sei es in Kantabrien, im Taurus, im Hindukusch oder auch eben auf der tibetanischen Hochebene verdient nirgendwo die Unterstützung von emanzipatorisch denkenden Menschen