Generalstreik in Griechenland

Ludwig Börne 20.03.2008 10:25 Themen: Weltweit
Über 400.000 Leute nahmen an den gestrigen Demonstrationen und Streiks in vielen griechischen Städten teil. Seit einigen Tagen streiken zahlreiche Teile von verbeamteten Arbeitern und Angestellten gegen den Plan der Regierung zu einer Änderung des Versicherungssystems, viele weitere Berufsrichtungen hatten sich gestern angeschlossen.
An dem Protest gegen eine geplante Rentenreform der konservativen Regierung nahmen Krankenhausärzte, Fluglotsen, Hafenarbeiter, Lehrer, Journalisten, Hotelpersonal und Beschäftigte von Tankstellen teil, Ärzte behandelten Patienten nur in dringenden Fällen. Wegen einer vierstündigen Arbeitsniederlegung der Fluglotsen wurden Dutzende von Inlandsflügen abgesagt. Viele internationale Flüge konnten nur verspätet starten oder landen. Gestrandete Reisende waren aber kaum zu sehen, da die Fluglinien ihre Kunden zuvor informiert hatten, es war bereits der dritte Generalstreik seit Dezember.


Heute Entscheidung im Parlament

Am heutigen Donnerstag will die Regierung über die Reform abstimmen. Bereits am Dienstag waren Eisenbahnbeschäftigte in einen 24-stündigen Streik getreten. Auch Banken waren geschlossen geblieben, die Gerichte sind von einem einwöchigen Streik der Anwälte betroffen. In den Straßen türmte sich am Mittwoch wegen des Streiks der Müllwerker der Abfall, ein Ausstand beim größten Elektrizitätsversorger führt seit zwei Wochen zu ständigen Stromausfällen. Da die Journalisten sich im Ausstand befanden, gab es aus diesem Grund am Mittwochmorgen keine Nachrichten im Radio und Fernsehen, viele griechische Zeitungen titelten mit "Nein". Wegen der Proteste mussten Dutzende Flüge gestrichen werden, Schiffe wurden nicht abgefertigt. Der Streik ging landesweit und dauerte zunächst 24 Stunden.


Direkte Aktionen gegen Banken und Kameras

In der Innenstadt von Athen fand die größte Demonstration statt. Dabei kam es zu Zusammenstößen zwischen Autonomen, welche die Polizei vor dem Parlamentsgebäude attackierten. Die Polizei setzte Tränengas ein, zahlreiche Schaufenster von Banken gingen kaputt, Mülltonnen landeten auf der Straße. Demonstranten bewarfen die Polizei in mit Steinen und Molotowcocktails, die Sicherheitskräfte feuerten Tränengasgeschosse ab. Aktionen gegen Kameras wurden in Heraklion (Kreta) durchgeführt. In Athen kommt es schon seit Monaten immer wieder zu Anschlägen, zuletzt wurden mehrere Haushaltsgasflaschen vor dem Eingang des Büros eines Parlamentsabgeordneten im Zentrum Athens angezündet. Vor einem Monat wurden auch zwei Polizeiwachen und eine Filiale des Arbeitsamtes angegriffen. In Tessaloniki setzten Demonstranten zwei Banken und drei Geldautomaten in Brand. In Athen protestierten insgesamt ca.100.000 Menschen gegen die geplante Rentenreform der Regierung, in Thessaloniki waren es über 8.000.


Kämpfen gegen eine längere Arbeitszeit

Die Demonstranten protestierten gegen ein Rentenreform-Gesetz der konservativen Regierung. Zu den umstrittenen Änderungen zählt die Erhöhung der Rentenbeitragszeit um zwei Jahre. Damit könnten die Griechen erst nach 37 Beitragsjahren und frühestens im Alter von 60 Jahren in Rente gehen. Bisher müssen sie 35 Jahre arbeiten und können schon mit 58 in den Ruhestand gehen. Die Regierung von Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis hatte erklärt, das derzeitige Rentensystem könne ohne Reformen in wenigen Jahren zusammenbrechen. Derzeit gebe es in Griechenland etwa 170 Rentenfonds, denen angeblich ein Defizit von insgesamt 120 Milliarden bis 400 Milliarden Euro drohe. Die Gewerkschaften befürchten niedrigere Alterseinkünfte und ein höheres Renteneintrittsalter. Organisiert werden die Streiks größtenteils von der Gewerkschaftsbund GSEE und der Gewerkschaft der Angestellten des öffentlichen Dienstes ADEDY. Die Regierung dürfe die öffentliche Empörung nicht unterschätzen, sagte deren Vorsitzender. Arbeitsministerin Fani Palli Petralia sagte jedoch, die Regierung halte an den Reformen fest. "Wir können sie nicht verschieben." Die Probleme müssten nun einmal gelöst werden. Das sehen die Demonstranten ähnlich, nur eben auf ihre Art und Weise.
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Ergänzungen

Links zu Indymedia Athen:

Ludwig Börne 20.03.2008 - 10:53
Athen: Protest vor dem Parlament
 http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=843464

Thessaloniki: Angriffe auf Banken
 http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=843289

Patras: HochschulstudentInnen halten Hörsäle besetzt
 http://patras.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=946

Heraklion: Aktionen gegen Überwachungskameras
 http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=843525

Heraklion: Autonome stürmen ein Regierungsgebäude
 http://athens.indymedia.org/front.php3?lang=el&article_id=843569

Mehr Bilder

Yfanet 20.03.2008 - 16:47
Mehr Bilder zu den Aktionen in Thessaloniki

Heute wieder Streis und Demonstrationen

Dimitri 20.03.2008 - 17:59
Zehntausende von Griechen haben am heute erneut gegen die geplante Rentenreform der konservativen Regierung protestiert. Vor der Abstimmung im Parlament über den Gesetzentwurf legten unter anderem Lehrer, U-Bahn-Fahrer, Journalisten und Anwälte die Arbeit nieder. Zahllose Pendler hatten Mühe, zur Arbeit zu kommen. Am Abend ist in der Hauptstadt Athen erneut eine Großdemonstration geplant.

Müllmenschen

Müllfrau 21.03.2008 - 02:12
Wir sind gerade in Heraklion auf Kreta und der Müll türmt sich hier schon seit Wochen ziemlich auf, die Autos fahren teilweise schon über ihn, weil er soweit auf der Straße liegt, außerdem liegt an vielen Stellen auch in der Innenstadt ein Gestank von Müll und Essensresten in der Luft.

Da die Müllarbeiter sich nun wieder entschieden haben zu arbeiten und ich sie auch vor etwa 2 Std gehört habe so wie gestern gesehen, ist das wohl erstmal das Ende hier, wir sind gespannt was weiter passieren wird.

Autonome attackieren Banken in Athen

http://www.baz.ch 23.03.2008 - 23:42
Die Serie von Anschlägen linksgerichteter autonomer Gruppen in Griechenland reisst nicht ab. In der Nacht zum Freitag attackierten Vermummte neun Banken in verschiedenen Stadtteilen Athens. Zudem zerstörten sie Schaufenster von drei Geschäften, wie das Radio berichtete.

Gegenwind für die Deutsche Telekom

http://derstandard.at 24.03.2008 - 10:43
Die griechische Telekom-Gewerkschaft hat wegen des geplanten Einstiegs der Deutschen Telekom bei der Hellenic Telecom (OTE) Streiks begonnen. Am Montagmorgen hängten Gewerkschaftsmitglieder schwarze Bänder und deutsche Fahnen auf dem Hauptgebäude der griechischen Telekom OTE im Athener Vorort Maroussi. Zudem streikten für 24 Stunden alle Techniker der Gesellschaft, wie das Fernsehen berichtete...

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 http://derstandard.at/?url=/?id=3275700

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