Bis zu 20 000 junge Menschen leben auf d.Str.

Jean Patsolini 11.03.2008 18:52 Themen: Globalisierung Repression Soziale Kämpfe
In Deutschland leben nach Schätzungen des Kinderhilfswerks terre des hommes bis zu 20 000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zumindest zeitweise auf der Straße. Warm eingepackt kampieren zwei Jugendliche in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs.
Frankfurt/Main - Viele seien krank und ohne Perspektive, etwa jeder zweite werde von örtlichen Hilfsprojekten erreicht, sagte Uwe Britten am Dienstag in Frankfurt/Main. Rund die Hälfte der in Projekten betreuten Menschen sei unter 18 Jahre, drei Prozent unter 14 Jahre alt. 35 Prozent der Betroffenen seien Mädchen.
In einem «Bündnis für Straßenkinder» will sich terre des hommes mit 25 anderen Organisationen und Initiativen künftig intensiv um diese Menschen kümmern. Die Experten befürchten, dass obdachlose Kinder und Jugendliche von der übrigen Gesellschaft völlig abgekoppelt werden, als Erwachsene durch alle Raster fallen und ihre eigenen Kinder wieder in die selbe Lage geraten. In dem neuen Bündnis wollen die Organisationen mehr Mittel zur Betreuung einfordern und die Erfahrung und Kompetenz der Gruppen nutzen, die seit vielen Jahren mit betroffenen Jugendlichen arbeiten.
Obdachlosigkeit sei nur ein oberflächliches Problem, sagte Britten. Dahinter verbergen sich nach seiner Erfahrung viel gravierendere Schwierigkeiten. Die Gründe, von zu Hause wegzulaufen, reichten von Vernachlässigung über Gewalt in der Familie, Trennung, Alkoholismus oder Drogensucht der Eltern. «Es gibt keinen typischen Fall», sagte der Experte. Emotionale Vernachlässigung gebe es auch in ganz bürgerlicher Umgebung. Britten berichtete von einer Gymnasiastin, deren Vater Bürgermeister und deren Mutter Geschäftsfrau war. Das Mädchen hielt es dennoch nicht zu Hause aus.
Bessere Hilfen seien dringend nötig, forderte Jörg Richert vom Berliner Hilfsverein Karuna. «Es geht mitunter ums Überleben.» Der Gesundheitszustand obdachloser Jugendlicher sei desolat - viele litten unter Hepatitis oder Depressionen, seien Alkoholiker oder drogensüchtig. Wenn sie erwachsen würden, seien sie häufig psychisch krank.
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