700 Personen auf Demo gegen Fur & Fashion

Veganarchist 10.03.2008 02:04 Themen: Biopolitik Soziale Kämpfe Ökologie
Frankfurt/Main, 08. März 2008: Aus dem gesamten Bundesgebiet reisten TierrechtlerInnen in die Main-Metropole, um die Propaganda der zum 60. Mal auf dem hiesigen Messegelände stattfindenden Pelzmesse zu entlarven. „Tiere haben Rechte, Pelz ist Mord“ war eine von vielen Parolen, die während der lautstarken Demo durch die Innenstadt skandiert wurden.
DER Brockhausbrunnen auf der Zeil war bald von antispeziesistischen AktivistInnen sowie anderen PelzgegnerInnen umringt. Infostände verschiedener Tierrechtsgruppen halfen, die Wartezeit (der Demobeginn verzögerte sich wegen technischer Probleme) zu überbrücken. Vegane Snacks ergänzten die von der Tierrechtsinitiative Rhein-Main angemeldete Aktion kulinarisch und konnten auch PassantInnen davon überzeugen, dass z.B. vegane Nougatringe nicht nur auf tierische und menschliche Ausbeutung verzichten, sondern auch einfach leckerer sind als das, was man auf der Frankfurter Konsummeile normalerweise findet.

Besonders die Rede eines Genossen, der zusammen mit der Fahrradkarawane den weiten Weg aus Salzburg (!) angetreten war, stellte dann einen motivierenden Startschuss für die Demo dar. Unermüdlich wurden Flugblätter verteilt und an verschiedenen Stellen wurden Kundgebungen abgehalten, um die PassantInnen über die Forderungen der Demo aufzuklären:
„Der Pelzhandel gehört abgeschafft!“

Am Pelzladen Türpitz im Liebfrauenberg 26 zeigten blutrote Farbbeutel dann zumindest ansatzweise, dass viele DemonstrantInnen sich mit solchen Forderungen, die einen Handlungsauftrag an den Gesetzgeber darstellen, nicht zufrieden geben, sondern selber aktiv auf diese Abschaffung hinarbeiten wollen.
Die Polizei jedenfalls schien spätestens seit diesem Punkt der Demo sehr besorgt um die Fassaden der Pelzläden an der Route und startete den Versuch eines Wanderkessels bzw. verfolgte besonders in Nähe der ESCADA- und der BiBA-Filiale die Taktik massiver Präsenz und ruppigen Vorgehens. Vor allem der etwa 100 Personen starke Schwarze Block autonomer Antispes schützte mit Seitentranspis den Demozug vor Übergriffen der Polizei und den omnipräsenten Kameras.

Dennoch kam es während und nach der Demo zu einigen Zugriffen der PolizistInnen. So wurde beispielsweise kurz nach Rückkehr des Demozuges zum Brockhausbrunnen, als sich der Demozug bereits zerstreut hatte, ein Genosse von sechs BFElern gezielt rausgegriffen und gewaltsam in eine gegenüber den Infoständen gelegenene Bäckerei gezerrt. Um die aufgeheizte Stimmung zu beschwichtigen, behauptete die Polizei, sie wolle nur die Personalien des Genossen aufnehmen und ihn dann wieder freilassen. Sich mit dieser Erklärung zufriedengebend löste die Demoleitung die Veranstaltung auf; nach kurzer Zeit waren die meisten DemonstrantInnen bereits nach Hause oder zur Justice Beatz-Party in die Leipziger Straße unterwegs, selbst die Infostände waren nun bereits abgebaut worden. Als sich die Vorahnung bestätigte, dass die Polizei wieder einmal gelogen hatte, anstatt ihn freizulassen den Genossen also abführte und ins Präsidium transportierte, war praktisch niemand mehr vor der Bäckerei, der dagegen protestieren konnte

Abgesehen von diesem Wermutstropfen ist die Demo aber als Erfolg zu werten:
die Tendenz der steigenden Demo-TeilnehmerInnenzahl hat sich fortgesetzt (nachdem im Jahre 2005 nur etwa 150 Personen gegen die Fur & Fashion demonstriert hatten, waren es 2006 bereits doppelt so viele; in diesem Jahr nun konnte die Zahl von 650 TeilnehmerInnen von 2007 sogar noch übertroffen werden). Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass die AktivistInnen sich auch fernab großer Demos so entschlossen präsentieren. ESCADA und CO. sind viel verletzlicher, wenn nicht gerade eine Hundertschaft der Polizei den Laden beschützt. Pelzläden gibt’s in jeder Stadt - bildet Banden, macht sie platt!
FEUER UND FLAMME DER PELZINDUSTRIE
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Ergänzungen

Ergänzung 1

widerstand 10.03.2008 - 11:36
Zählungen der Demo-Orga ergaben 800-850 TeilnehmerInnen; wie schon oben im Text und auch auf der Demo erwähnt wurde, steigt die TeilnehmerInnenzahl der Demo jedes Jahr an, während die Zahl der Messe-BesucherInnen Zurückgeht.
Inhaltlich hätte die Demo besser sein können, es gab kaum richtige Redebeiträge, was wohl z.T. auch der starken Verspätung der Demo geschuldet ist. Auch an den Parolen lässt sich noch arbeiten. Mal überspitzt formuliert: Es wurden die zum überwiegenden Teil Fleisch konsumierenden BürgerInnen am Straßenrand, ganz gleich, was sie vom Pelzhandel halten (zugegeben: "nur 20% der BRD-BürgerInnen sind Pelzen gegenüber nicht abgeneigt" (Zitat Demo-Orga), aber das sind eben nicht alle!) eingeladen, sich doch in die Demo einzureihen ("Bürger lasst das Glotzen sein..."), um danach zu rufen dass Fleisch gleich Mord ist und ihnen dann zu versichern, dass wir sie alle kriegen würden ("Wir kriegen euch alle!"). Was letzterer Spruch auf der Demo verloren hatte, weiß ich nicht, auch nicht, was "McBurger - McDreck - McDonalds muss weg!" mit sinnvoller Kritik von (Fleisch-)Konsum zu tun hat.
Bullen waren wieder dolle am filmen, gab öfters die Forderung der Polizei, dass die DemonstrantInnen ihre Maskierung ablegen sollten. Sind dann auch im vorderen Teil der Demo Spalier gelaufen und haben genau darauf geachtet, ob wer vermummt ist, wer genau hingehört hat, hat vielleicht das eine oder andere Wort dazu aufgeschnappt, was die BFE-Leute in ihre Funkgeräte gesprochen haben, in diesem Zusammenhang ist sicher auch die Festnahme am Ende der Demo zu sehen. Übrigens ist dabei noch ein Streit entstanden, zwischen Leuten, die sich solidarisch gezeigt haben und hinterhergerannt sind und versucht haben, die Festnahme zu verhindern und Leuten (oder 1 Person), die das - meiner Meinung nach völlig unverständlich - nicht richtig fanden.

Dank geht an die entschlossen ersten Reihen sowie Seitenreihen für die Aufmerksamkeit und Offensivität bei den Pelzläden - auch wenn die letzte Entschlossenheit teilweise noch gefehlt hat, aber was erreicht wurde, ist angesichts des anwesenden breiten Spektrums an Leuten schonmal einiges wert - sowie an die Leute mit den Farbbeuteln, die sich nicht vom Gesülze mancher Mitdemonstrierenden haben abbringen lassen.
Außerdem Dank an die anwesenden Leute mit den schwarz-grünen Fahnen, ich liebe diese Farb-Kombi ;)


Infos zur Demo:
 http://www.fuf.tirm.de

Mehr als 700...

anticapitalista 10.03.2008 - 12:51
Ich würde sagen, dass sich durchaus mehr als 700 Leute auf der Demo befunden haben, vorallem in der Mitte. Etwa 900-1000 würde wohl hinkommen.

Bis zum nächsten Jahr.

Artikel der Frankfurter Rundschau

xy ungelöst 10.03.2008 - 13:49
Hier noch ein Link zu einem Bericht der Frankfurter Rundschau über die Demo & Messe

 http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/frankfurt/?em_cnt=1301068

weiter so...

Antispe 10.03.2008 - 14:07
Eine gute Demo, wo das Interesse von so manchem Bürger gefunden wurde. Kurz nach Berginn der Demoroute flogen schon die ersten Farbbomben auf einen Pelzladen, welche teilweise mit Schweineblut gefüllt waren. Energisch gings dann weiter, die Bullen setzten stärkere und aggressivere Präsens ein, provozierten und rangten öfters um die Transpies. Vor einem Pelzgeschäft baute sich eine sehr angespannte und nervöse Bullenreie auf. Teils, wurde Knüppel, fiese Tritte und Schläge eingesetzt, den Demonstranten wurde versucht durch gezielte Handgriffe Knochen zu brechen. Zum Glück resultierten nur leichte Verletzungen und es ging weiter. Die Bullen zogen noch 2 Leute raus, wo leider zu wenig unsererseits entgegen gesetzt wurde. Die Aufteilung von Blocks der Demoteilnehmer hätte besser sein können, genau wie gewisses Taktieren und diverse Schutzmaßnahmen vor Übergriffen. Erfreulich trotz fehlender Demostruktur, die Anzahl verschiedenster Gruppierungen. Nur zusammen kann man was bewegen.
Wir brauchen weiter starke ernergiegeladene Proteste, macht die Pelzläden platt!!!!

FEUER UND FLAMME DER PELZINDUSTRY

Ergänzung zur Festnahme

Marcel 10.03.2008 - 14:09
Bezüglich der Festnahme, die nach dem Ende der Demoroute (also wieder am Carl-Theodor-Reiffenstein-Platz) stattfand, möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass sowohl einige der Mitglieder der Tierrechtsinitiative Rhein-Main als auch einige wenige andere AktivistInnen vor der Bäckerei warteten. Die Demoleitung gab sich also keineswegs mit den Aussagen der Polizei zufrieden =)

Zudem sei erwähnt, dass die von der TIRM gestellte Polizeikontaktperson die gesamte Zeit bei dem Beschuldigten blieb. Selbiger wurde nach seiner Erkennunsgdienstlichen Behandlung auf dem Revier auch von der TIRM abgeholt und zum Exzess gebracht.

Für die Befreiung von Mensch und Tier!
Marcel


Bilder und Videos

- 10.03.2008 - 14:59
Bilder und Videos von der Demo:

 http://de.youtube.com/watch?v=goQdgH2V9HY

picture's

----- 10.03.2008 - 18:41
some picture's of the demo

some more here;
 http://www.flickr.com/photos/15530704@N04/2324763644/in/set-72157603771393025/

i do have more picture's... if you're interested.. just leave a message and i post more =)

niemand wird zurück gelassen

Gary 10.03.2008 - 18:51
Die Person, die verhinderte, dass noch mehr Menschen sich von der Demo abtrennen und zu der einen festgehaltenen Person zurück laufen , die kurzzeitig festgehalten wurde, war ich.

Es ging darum, dass 3 Ordner und der Versammlungsleiter schon zugegen waren und mit der Polizei sprachen, damit die festgehaltene Person weiter an der Demo teilnehmen kann.

Den Personen die zurück liefen und denen ich es erklärte, schlossen sich meist meiner Argumentation an und kehrten zum Demozug zurück. Manchmal gibt es eben noch andere Möglichkeiten als Personen aus der Verhaftung raus zu ziehen. Es wurde niemand zurück gelassen.

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Spontandemo

Dein Name 10.03.2008 - 11:16
Die Busse von der Fur & Fashion wurden noch bei der Abfahrt blockiert, anscheinend über eine S.tunde lang.
Anschliessend gab es eine Spontandemo vom Messegelände zum ExZess...

Ergänzung 2

widerstand 10.03.2008 - 12:04
Ach ja und positiv anzumerken bleibt noch, dass fast bis zum Schluss am Rand der Demo Flyer verteilt wurden, die viele PassantInnen aufgeschlossen entgegen nahmen.
Nervig war jedoch die teilweise straffe Durchorganisierung und Lauti-Durchsagen, auch die fehlende Entschlossenheit, mal die Bullen zu kritisieren, fand ich negativ, aber trotzdem großes Danke an die Leute, die die Demo organisiert haben.

Noch was..

Verbesserer 10.03.2008 - 14:52
Es heißt Wehmut, nicht Wermut... den kann man im Absinth saufen, aber da sterben ja ein paar Bakterien bei, ist also garnicht toll antispezizistisch... lol.

gut und schön

JolliJumper 10.03.2008 - 18:29
Ums vorweg zu sagen:
Ich finde es spitze wie ihr euch gegen die scheiss Tierquäler der Pelzindustrie. Schade das man von guten Aktionen immer erst später erfährt. Pelze sind nun das überflüssigste tierische "Produkt" was ich mir vorstellen kann. Mal abgesehen von einigen Schicki-Micki-"Delikatessen" für die ganze Tierarten fast schon ausgerottet werden.

Aber wenn ich mir so die Kommentare von den antispeziisten so durchlese, haben wir echt nix wichtigeres zu tun? und mal im Ernst: WO zieht ihr die Grenzen? Wollt ihr jetzt jedem nicht veganer einen auf die Fresse hauen? Das kanns doch wohl auch nicht sein. (OK der Absatz bezieht sich nicht unbedingt auf den artikel sondern eher allgemein gemeint)

Frage...

Old School AFA 10.03.2008 - 20:29
Anscheinend schöne und kraftvolle Demonstration - das sieht mensch gerne!
Auch das es etwas "radikaler" zuging als meistens auf solchen Veranstaltungen scheint ein positives Zeichen zu sein.

Meine eigentliche Frage ist aber, ob Nazis in der Demo gesichtet wurden? In einigen Foren der (sich selbst so bezeichnenden) "Autonomen" Nationalisten wurde davon gesprochen, das mensch auf der Demo anwesend sein würde um sich damit solidarisch zu erklären (siehe solche Kram wie die Naziseite tierrecht etc., welche auch zu veganen Festivals hin mobilisieren..). Klar ist es schwer, das mensch Nazis direkt erkennt, aber falls welche vor Ort sein sollten, müssen diese natürlich konsequent der Demo verwiesen werden.

Auf das es nächstes Mal zu Direct Actions gegen die Messe an sich kommen wird - in FFM geht doch meistens was ;-)

gute demo.

erich mühsam 10.03.2008 - 21:36
(offen erkennbare) nazis waren nicht anwesend.
eventuell vereinzelt welche mitgelaufen, was sogar garnicht so schlecht wäre:
dann hätten sie nämlich gesehen, wie links das thema besetzt ist und das antispezizistische politik, die sich gegen herrschaft richtet, unvereinbar mit fascho-gedankengut ist.

alerta antifascista
smash pelzindustrie

Wien

AAS 11.03.2008 - 15:23
in wien gibt es am jeden samstag einen infostand vor dem geschäft "kleider bauer", welches auf pelzstücke verkauft

es werden auf einem fernseher filme gezeigt, wie das leben der tiere aussieht
und einen sprcuh gibt es auch: im frühling geboren, im sommer gemästet, im herbst geschoren, und im winter bei kleider bauer

find den ganz gut

WEITER SO

AAS

och - der antifaschist

mein Name 11.03.2008 - 22:20
cool, wie "och" mal wieder zeigt, dass vermeintliche Linke, die gleichen ausbeuterischen Tendenzen gegenüber wehrlosen Tieren aufweisen, die sie an den KapitalistInnen kritisieren - haben wohl den Kampf gegen Herrschaft und Unterdrückung überhaupt nicht verstanden - laber nur weiter undurchdachtes Zeugs, du anti-"antispezifizist"... lol

Mensch und Tier

xy-ungelöst 11.03.2008 - 23:22
Tiere mit Menschen gleichzusetzen ist ein Fehler der leider von manchen, aber nur wenigen Tierrechtlern/innen begangen wird. Aber wer gegen die Ausbeutung vom Menschen ist, hier ein Umdenken verlangt, wird um unser Ziel eine "bessere", andere Welt zu schaffen auch um ein Umdenken im Umgang mit Tieren nicht auf längere Zeit herumkommen. Mitgefühl? Und um die Tierrechtler die Vergleiche mit Konzentrationslagern ziehen etwas in Schutz zu nehmen, möchte ich sagen, wer sich mit den Zuständen im alltäglichen Umgang mit Tieren etwas genauer beschäftigt, wird wenn er nicht völlig emotionslos ist, mit krassen Bildern und Zuständen konfrontiert, die einen psychisch durchaus angreifen. Möchte hier nur mal Vorschlagen das sich jeder Mensch einmal ein paar Stunden Videos über Schlachthöfe, der Pelzindustrie, Zustände der "Nutztierhaltung", Tierversuchen.... ansieht. Dies alles sind leider normale Zustände und führen leider bei manchem überengagierten Tierrechtler/in zu diesem so nicht hinnehmbaren Vergleich mit KZ's und dem Menschen an sich!

Danke für die Bilder

Kriminalhauptkommissar Pimpelmoser 12.03.2008 - 15:00
Ich möchte mich noch einmal ausdrücklich für die nicht unkenntlich gemachten Bilder bedanken. Dankeschön !

@e. Mühsam und Jolly J.

veg.antifa 15.03.2008 - 10:00
Schweres Wort. Klar. Man spricht von Antispeziesismus, nicht von Antispeziismus oder Antispezizismus... Es geht um die Ablehnung von Unterdrückung aufgrund der Zugehörigkeit zu einer SPEZIES!