Köln - 68-2008: Was war? Was bleibt?

Denkende Antifas aus Köln 07.03.2008 20:16 Themen: Antifa Kultur
Das vierzig jährige Jubiläum des Jahres 1968 steht an und diverse linke Initativen wollen die "Geschichtsschreibung" beeinflussen. In Köln hat sich dieses Projekt ein seltsamer Zusammenschluss von Gruppen zur Aufgabe gemacht und eine krude Veranstaltungsreihe unter dem Motto: "68-2008 und weiter! und weiter!" gestartet. Linke "Größen", DGler und Querfrontler wollen gemeinsam über SDS usw debtieren, dies kritiseren eingie Antifas aus Köln.

68-2008: Was war?, Was bleibt?, Was wird kommen?: Die Querfront!

So oder so ähnlich müsste die Veranstaltungsreihe in Köln eigentlich heißen, die derzeit organisiert von DGB, Friedensbildungswerk, Art at Work, Lobby für Mädchen, Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Fotopension, Stadtbibliothek, VHS, Galerie Arbeiterfotografie, Neue Rheinische Zeitung stattfindet. Ziel der Veranstaltungsreihe soll sein „was 1968 alles auf den Weg gebracht wurde“ und wie es „weiter“ gehen soll. Die Veranstalter haben es geschafft neben Kölner „Größen“ der linken Szene auch überregional bekannte Namen wie Jutta Dittfurth oder Ingrid Strobel für ihre Veranstaltungen gewinnen zu können. Finanziell unterstützt wird die Veranstaltungsreihe durch staatliche Einrichtungen wie dem Kulturamt der Stadt Köln, dem „Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen“ und durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW.
Ein Blick ins Programmheft der Veranstaltungsreihe hilft festzustellen, wo der Hund begraben zu sein scheint. Schon der Mitveranstalter: Arbeiterfotografie lässt häufig nichts Gutes hoffen. Schließlich sind ihre Potraitaufnahmen bei linken Demonstrationen und ihr Verschwörungswahn schon häufiger Thema innerlinker Szenedebatten gewesen.

Jedoch haben alle Debatten anscheinend nichts genutzt. Die Arbeiterfotografie ist aufklärungsresistenter denn je. Andauernd veröffentlichen sie Skurrilitäten wie langatmige Artikel über „..warum die Möglichkeit, dass der israelische Geheimdienst mit einem Mord (gemeint ist Todeshopser Jürgen W. Möllemann) in Verbindung stehen könnte, ausgeschlossen sein soll, liefert Jürgen Elsässer damit nicht. Einen solchen Gedanken zu hegen, scheint er für antisemitisch zu halten. Warum, lässt er im Unklaren.“ Oder „offene Briefe“ zur Rehabilitierung Ahmadinedschads, in denen sie erklären: „Was uns aber eindeutig falsch zu sein scheint, ist die Behauptung, er (momentane iranische Präsident) sei ein Judenhasser.“ Genauso behauptet die Arbeiterfotografie, dass der iranische Präsident niemals den Holocaust geleugnet habe. Aber auch der DGB Köln scheint zuweilen auf „Querfront-Kurs“ zu gehen. So findet am 14. Mai 2008 im Rahmen der Veranstaltungsreihe „68-2008“ im DGB-Haus Köln eine Podiumsdiskussion zum Thema „68-2008: Eine Bilanz“ mit folgenden ReferentInnen statt: Lothar Gothe (Dipl. Sozialarbeiter, Öko-Bauer), Anne Jüssen (Autorin), Rolf Stolz (Autor), Ingrid Strobl (Autorin, Journalistin), Wolfgang Uellenberg van Dawen (DGB-Vorsitzender, Köln). Der DGB Köln tritt dabei neben dem Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller als Veranstalter auf.Dass der extrem rechte Publizist Rolf Stolz neben dem DGB-Vorsitzenden der Region Köln sitzen wird, ist dabei in Köln kein Geheimnis mehr. Mehrfach wurde inzwischen auf Veranstalter und Organisatoren zugegangen und Kritik geäußert, scheinbar jedoch ohne Erfolg. Bis heute hat sich keine Organisation oder Person aus dem Zusammenhang der Veranstaltungsreihe vom Auftritt Stolz´ distanziert.

Deswegen hier noch mal ein paar kurze Auszüge aus der Biografie von Rolf Stolz:
Der Diplom Psychologe und Autor Rolf Stolz war früher Aktivist im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS), der KPD/ML und gehörte im Jahr 1980 zu den Mitbegründern der Grünen, hier fungierte er unter anderen als Mitglied des Bundesvorstands. Seit 1984 war Stolz Sprecher des bis 1990 politisch aktiven Initiativkreises „Linke Deutschlanddiskussion“, einem Sammelbecken der damals nicht unbedeutenden nationalrevolutionären Strömung innerhalb der Grünen. Von 1990 bis 1998 war er stellvertretender Vorsitzender des von Alfred Mechtersheimer initiierten „Friedenskomitees 2000 für Entmilitarisierung, Truppenabzug und Selbstbestimmung“. Politisch schlug er einen ähnlichen Weg wie Mechtersheimer ein, der vom bayrischen Verfassungsschutz zur selben Zeit schon als einer „der wichtigsten Protagonisten rechtsextremistischer Bestrebungen“ bezeichnet wurde. Seine eigene Position bezeichnet Rolf Stolz, Autor mehrerer Bücher wie „Die Mullahs am Rhein “ oder „Ein anderes Deutschland. Grün-alternative Bewegung und neue Antworten auf die Deutsche Frage“, als „dissidentisch links“.
Darüber hinaus ist Stolz seit Ende der 90er Jahre Autor der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und hat dort seit einiger Zeit auch seine eigene Kolumne. Ebenfalls gehörte er zu den Unterzeichnern der Junge Freiheit Aufrufe zum 8.Mai 1995 und dem Aufruf gegen die Kontensperrung durch die Postbank im Jahr 2001. Nebenbei ist er ein gefragter Referent im rechten Spektrum. Veranstaltungen mit ihm wurden u.a. bei der Burschenschaft Gothia Berlin, der Danubia München oder bei der “Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn” angekündigt. Weitere Auftritte hatte der im rechten Spektrum als „Islamexperte“ gefeierte Querfrontler z.B. bei der „Deutschlandbewegung“ seines Kameraden Alfred Mechtersheimer.

Auch für die zweite Jahreshälfte plant der Veranstalterkreis weitere Veranstaltungen zum Thema: „68-2008“. So soll eine Podiumsdiskussion zum Thema: „false flag oder wer war Fischer wirklich“ unter anderem mit dem antisemitischen Verschwörungstheoretiker Gerhard Wisnewski stattfinden. Wisnewski, der für die Angriffe auf das World-Trade Center wahlweise den damaligen israelischen Premierminister oder halt die Amerikaner selber verantwortlich macht, entlarvte sich bei einer Auseinandersetzung mit der Jungle World über deren korrekte Beschreibung der Wahnvorstellungen Wischnewskis als „Antisemitismus“ als Antisemit par exzellent. In der Unterlassungserklärung an die Jungle World zitierte er sich selbst mit folgendem Satz: "Die Verbrechen an den Juden haben ein Recht auf einen angemessenen Platz in der Geschichte. Sie haben ein Recht darauf, dass man an sie denkt und sich ihrer als Warnung erinnert - auch als Warnung vor Verbrechen der Juden. Denn sonst wäre das Opfer Millionen jüdischer Menschen völlig umsonst gewesen."

Alles nur ein Schrei nach Liebe?
Einige engagierte AntifaschistInnen aus Köln haben wie oben schon berichtet inzwischen versucht auf den Veranstalterkreis zuzugehen und Aufklärung zu betreiben. Genutzt hat es bisher nix. Was bleibt also als Schlussfolgerung des Geschehenen und des noch Kommenden?. Zunächst wohl eines: dass die so genannte Linke bis hinein in die linksradikale Szene Kölns häufig eine krasse Aufklärungsresistenz gegenüber Basisbanalitäten aufweist. Zudem dass was früher einmal die Linke auszeichnete „Kritik und Selbstkritik“ unter dem Mäntelchen einer kruden „Solidarität“ allmählich zu einer braun-roten Soße verkommt. Deswegen an dieser Stelle ein Gedanke für die emanzipierten Kräfte in Kölle:
Es kann „…wohl kaum darum gehen an sich progressive Bewegungen vor Kontaktaufnahme oder „Vereinnahmungsversuchen“ abzuschirmen, vielmehr müsste eine Selbstkritik in den eigenen Reihen beginnen. Die Erkenntnis, dass die Nazionalrevolutionäre sich derzeit vor allem über die Schnittstellen Antizionismus, Antiamerikanismus und Antiglobalismus organisieren, darüber hinaus jedoch potentiell eine Nähe zur linken Theorie und Praxis zum Beispiel in Bezug auf Geschlechterfragen, Überwachungsstaat oder Häuserkampf sehen, muss zu intensiver Reflektion und radikaler Infragestellung althergebrachter Dogmen führen.“
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Ergänzungen

DGB gegen die '68er in den Betrieben

syndiCat 08.03.2008 - 06:28
Viel bezeichnender für die Veranstaltungsreihe als die Querfront-Halluzinationen, ist es, dass ausgerechnet der Kölner DGB-Chefbürokrat zum Thema "’68er gehen in die Betriebe" sprechen soll. Damit haben die Veranstelter den Bock zum Gärtner gemacht. Schließlich bestand der bedeutendste Beitrag der Kölner DGB-Gewerkschaften zum Thema 1968 darin, dass sie während des Ford-Streiks 1974 den Mob aus Wachschutz und Gewerkschaftern organisiert haben, der die streikenden Arbeiter angegriffen und damit - wie abgesprochen - der Polizei den Vorwand für die Erstürmung des Werk geliefert hat. Begleitet war das von einer unglaublichen Hatz des Betriebsrats und der IG Metall auf die streikenden - meist türkischen - Kollegen und die wenigen deutschen Arbeiter, die sich trotz Drohungen des Betriebsrats mit ihnen solidarisiert hatten. Die Veranstaltung müsste also treffender Weise eher den Titel tragen "DGB gegen die '68er in den Betrieben".

Veranstaltungs

hinweis 08.03.2008 - 13:47

Stolz - ab in die "national-befreite Zone"

rolf e. 08.03.2008 - 17:46
Trotz der antideutschen Töne des Beitrags - die Hauptinfo ist richtig: Rolf Stolz ist rechtes Arschloch, der auf kein (linkes) Podium zu 68 gehört - er soll sich lieber mit Rabehl & Co in Studentenverbindungshäusern Debatten liefern. Als Ex-MLer ging er in den frühen 80er Jahren zu den GRÜNEN, wo er eine "Nationalrevolutionären Flügel" mitaufbaute. Heute verbreitet er rassistische und islamophobe Ergüsse (ganz wie sein Kumpan Rabehl); das alles lässt sich sehr leicht im Internet recherchieren. Also: Konsequenzen ziehen: Kein Platz für Stolz!

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