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8. März Internationaler Frauentag

Danyal Mordechai 04.03.2008 17:57 Themen: Antifa Gender Weltweit
Solidarität mit den ungehorsamen und freiheitsliebenden Frauen im Iran, in Afghanistan und weltweit!
Vor 100 Jahren am 8. März 1908 demonstrierte in New York die „Social Democratic Women's Society“ für das Frauenwahlrecht. Bei der „Zweiten Internationalen Konferenz kommunistischer Frauen“ 1921 wurde schließlich der 8. März zum „Internationalen Frauentag“ erklärt, um die Bedeutung der Frauen für die Revolution hervorzuheben. Die Rebellion der St. Petersburger Arbeiterinnen und Kriegswitwen am 8. März 1917 war der Startschuss für den Sturz der zaristischen Tyrannei. Heute ist die Frauenrechtsbewegung im Iran wieder die Vorhut einer revolutionären Bewegung der Freiheit und Gleichheit. Während bedauerlicherweise weite Teile der hiesigen Linken sich in ihren ideologischen Schützengräben eingraben und Emanzipationspotenzial entweder in US-amerikanische F16-Bomber oder in eine Querfront mit dem Politischen Islam hineinfabulieren, zeigt sich für jeden und jede, der und die projektionsfrei auf den Iran blicken, unzweifelhaft wer das Subjekt für eine fortschrittliche Perspektive ist. Die freiheitsliebenden Menschen im Iran bringen ihren Protest gegen das menschenverachtende Mullah-Regime Tag für Tag zum Ausdruck – auf der Straße, in den Universitäten, in den Fabriken, in Kurdistan. Trotz der Repressionen des islamistischen Regimes und ihrer Hizbollah-Bluthunde, die jede emanzipatorische Regung im Keim zu ersticken versuchen. Selbst das „harmlose“ Sammeln von Unterschriften für die gesetzliche Gleichstellung der Geschlechter wird mit Gefängnis und Folter vergolten wie zuletzt bei den Initiatorinnen der Kampagne „Eine Millionen Signaturen verlangen dass die diskriminierenden Gesetze geändert werden“.

Anbetracht des Kulturrelativismus, der Migranten/innen vor allem in Deutschland immer wieder entgegenschlägt, und der das Dogma der Mullahs, Ayatollahs und Familienpatriarchen, dass ein Islam-Gen existiert, andauernd reproduziert, ist es von großer Bedeutung zu zeigen, dass Islam eine Religion, Islamismus eine sich darauf speisende politische Ideologie ist und in der Türkei, im Iran, in Afghanistan et cetera nicht ein homogener Haufen von frommen ergebenden Muslimen lebt, sondern auch dort für Aufklärung und Emanzipation von religiösen Dogmen gestritten wird und man die Menschen dort und die Migranten/innen aus solchen Ländern nicht als qua Geburt demütig, unmündig und abergläubisch abhandeln darf, sondern als potenzielle Subjekte für eine emanzipatorische Umwälzung der dortigen Gesellschaften. Der Skandal liegt darin, dass selbst die Linkspartei den „Koordinierungsrat der Muslime“ und andere islamistische Organisationen als Sprachrohr für 3 Millionen Menschen aus der Türkei und anderen islamisch beherrschten oder geprägten Ländern anerkennen. Was ist mit der von der Abschiebung bedrohten Yasmina, die aufgrund ihrer Homosexualität im Iran zum Tode verurteilt wurde? Oder mit den Schwulen aus dem Iran, denen in Deutschland das Asyl verweigert wird, da sie, so die Gerichte, bei Nichtausleben ihrer Sexualität auch nicht hingerichtet werden? Oder den Frauen, die sich gegen eine arrangierte Heirat wehren? Ihnen gebührt unsere Solidarität. Den notorischen Starrsinn Menschen aus dem Iran, der Türkei etc. nur als „Muslime“, also als Träger einer ihnen zugeschriebenen Identität wahrnehmen zu können, muss entschieden entgegen getreten werden.

Am 8. März, dem Kampftag für alle unbeugsamen und freiheitsliebenden Frauen, sollten wir zeigen, dass wir uns mit den ungehorsamen Frauen im Iran, in Afghanistan und weltweit zutiefst verbunden fühlen und wir uns nicht zwischen den imperialen Ordnungskriegern und den islamistischen Kulturkriegern zerreiben lassen. Am 8. März sollten wir unsere Stimme erheben für die beiden Schwestern Zohreh und Azar, die kürzlich aufgrund von vermeintlichem „Ehebruch als verheiratete Frauen“ zum Tode per Steinigung verurteilt worden. Und für alle anderen Frauen, die im Namen der Religion erniedrigt, gedemütigt und versklavt werden.

Gleichzeitig sollten wir deutlich machen, dass Geschlechtergleichheit kein Exportschlager aus Europa oder den USA ist. Die „befreundete“ Warlords-Drogenmafia-Regierung Afghanistans hat kürzlich den 23jährigen Journalismusstudenten Parwiz Kambaksh zum Tode verurteilt, weil er eine Denkschrift, in der die Frage aufgeworfen wird, warum in islamisch regierten Ländern Männer vier Ehefrauen, Frauen jedoch „nur“ einen Ehemann haben dürfen, unter Kommilitonen verteilt hat. Die „Revolutionäre Assoziation der Frauen Afghanistans“ (RAWA), die seit Jahren gegen die islamistischen Banden und wechselnden Regime kämpft, wurde geflissentlich von den imperialen Geostrategen ins Abseits gedrängt. Stattdessen werden bereits wieder drei Provinzen von „früheren“ Taliban-Kommandeuren regiert. Die islamistischen Banden wurden in den 1980`er als antikommunistisches Sturmgeschütz von den USA und ihren europäischen und saudi-arabischen Geschäftspartner hochgerüstet, sie zerschlugen die hoffungsmachenden Gleichstellungsversuche des säkularen afghanischen Modernisierungsregimes, das unter anderem ein Alphabetisierungsprogramm für die zu 99 Prozent analphabetischen Frauen, das Verbot von Kinderehen und die Abschaffung des Brautgeldes auf den Weg brachte.

Die unüberwindbare Konfliktlinie verläuft nicht zwischen dem sich als Kultur generierenden Politischen Islam und dem US-amerikanischen und EU-europäischem Ordnungsimperialismus, sondern zwischen der Barbarei des islamistischen Tugendterrors und der Kapitalherrschaft einerseits und dem Freiheitsdurst der Frauen und anderen freiheitsliebenden Menschen andererseits. Unsere Solidarität sollte dem mutigen Widerstand der ungehorsamen und ketzerischen Menschen im Iran, in Afghanistan und weltweit gebühren. Am 8. März 2008 wird in Berlin ein Bündnis von Dissidenten und Ketzern aus dem Iran für die Freiheit der Frauen und gegen den religiösen Tugendterror, dem sie ausgesetzt sind, demonstrieren. Bei der Gedenkstätte Rosa Luxemburgs wird ihre Demonstration enden. Rosa, die als Frau, Jüdin und Kommunistin, dreifach verhasst gewesen ist, stritt unerbittlich für die Vergeschwisterung der Menschen. Wie Rosa die Vorkämpferin der Arbeiter/innen gewesen ist und hierfür von den Herrschenden ermordet wurde, werden die Frauen die Vorkämpferinnen der Revolutionen im Iran, in Afghanistan und in anderen islamisch beherrschten Staaten sein. Als 1980 sich die Frauen Irans gegen den Verschleierungszwang erhoben und Hunderttausende auf die Straße gingen, erklärte der heutige religiöse Führer des Irans, Ayatollah Chamenei: „Ich will sie nicht Prostituierte nennen, denn was eine Prostituierte macht, betrifft nur sie selbst, doch was diese Frauen tun, betrifft die ganze Gesellschaft.“ Unsere Antwort sollte, falls wir die Marxsche Parole „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, geknechtetes (…) Wesen ist“ nicht aufgeben wollen, eindeutig ausfallen: Der Kampf, den die Frauen im Iran begonnen haben, betrifft uns alle. Sie verteidigen die menschlichen Errungenschaften der Aufklärung und Emanzipation gegen die Barbarei! Hoch die internationale Solidarität!

Samstag, den 8. März Demonstration am Internationalen Frauentag in Berlin!
Treffpunkt: 13 Uhr Frankfurter Tor,
Abschlusskundgebung bei der Gedenkstätte für Rosa Luxemburg in Friedrichsfelde!

Demonstrationsaufruf von Cosmoproletarian Solidarity
( http://cosmoproletarian-solidarity.blogspot.com )

Organisationen und Redner der Demonstration:
„Gleiche Rechte jetzt“ Organisation gegen Frauendiskriminierung im Iran
( http://www.equal-rights-now.com/ )
Arbeiterkommunistische Partei Iran
Shanaz Morattab (Internationales Komitee gegen Steinigung)
Nazanin Borumand („Vergesst niemals Hatun-Kampagne“)
Mina Ahadi (Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime)
Fatma Blässer (Schriftstellerin)
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Ergänzungen

Freiheit für Andrea!

freeandrea.de.vu 04.03.2008 - 20:37
Freiheit Für Andrea Demo mit Frauen-Block! Gegen Patriarchat und Repression!
8.3. 14h U-Eberswalderstr.
7.3. Demo-VV, KvU

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Photo — Nalan

Frauenblock? — Nalan