Berlin: Laden verkauft Knastprodukte

fire and flames 26.02.2008 01:03 Themen: Freiräume Repression Soziale Kämpfe
Am letzten Freitag (22. Februar) eröffnete in Berlins Mitte in der Rosa-Luxemburg-Strasse 25 ein Laden des Modelabels „Haeftling“. In diesem können unter Zwangsarbeit in Knästen hergestellte Produkte erworben werden.
Die Produktauswahl reicht von Bekleidung jeglicher Art, zu blau-weiß karierter Bettwäsche, Metalltellern und Wolldecken bis Bio-Kaffee aus dem Knast in Hünfeld und Schnäpsen aus der JVA Heilbronn. Momentan werden die Produkte in fünf deutschen Knästen und einem in Großbritannien hergestellt.
Die Geschichte des Knastes, früher auch Zuchthäuser genannt, ist auch die Geschichte der Zwangsarbeit und Ausbeutung. Vor über 300 Jahren wurden Knäste dazu eingerichtet, um „Arbeitsunwillige“ und Menschen, welche sich nicht unterordnen wollten, zur Arbeit zu zwingen. Entlohnung gab es so gut wie keine. Im eintretenden Wandel aufgrund der Industrialisierung, als es einen Mangel an Arbeitskräften gab, wurde das System der Ausbeutung mehr und mehr perfektioniert. Heutzutage ist es üblich, dass Inhaftierte für einen Tageslohn von acht Euro zur Arbeit gezwungen werden, es gibt in Deutschland einen Zwang zu arbeiten für Gefangene. Verweigern sie sich, werden ihnen keine Privilegien und Vergünstigungen zugesprochen, z.B. ist es schwer, wenn nicht sogar unmöglich, nach 2/3 der Haft rauszukommen. Diese Menschen werden als nicht kooperativ eingestuft und stigmatisiert. Die Macher der Modemarke wollen indem sie die Produkte verkaufen, den Gefangenen bei der „Resozialisierung“ helfen, da ja bekanntlich im Kapitalismus mit Arbeit allen geholfen werden kann. Auf Kosten der Ausgebeuteten wird von Authentizität und Rauheit geschwaffelt.
Um sich außerdem in ein gutes Licht zu stellen, sollen drei bis fünf Prozent der Einnahmen an die Initiative gegen Todesstrafe und an Amnesty International gespendet werden. In Hamburg wird dieses Jahr eine weitere Filiale eröffnete werden.
Bereits im Jahr 2004 gab es für kurze Zeit schon einen Laden in der Schlesischen Strasse in Berlin-Kreuzberg. Als dieser aber innerhalb kürzester Zeit mehrere Male ungewollten Besuch (Buttersäure im Laden, kaputte Scheiben, usw.) bekam, wurde der Verkauf ins Internet verlagert und der Laden geschlossen.
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Ergänzungen

Knastwear

Hamburg 26.02.2008 - 02:01
In Hamburg gibts sowas auch schon, heisst Santa Fu (wie n Knast), soll die 'Kiezromantik' ansprechen, ist angeblich von Häftlingen in SantaFu hergestellt, da es ne breite Angebotspalette is, relativiert sich das schnell...

UNFUG!

baberg 26.02.2008 - 11:53
Das ist doch ideologisch geprägtes Geschwafel: "Zwang", "Ausbeutung" etc.

Problem in den Gefängnissen ist doch, dass es nicht für jeden Arbeit gibt. In Tegel haben nur zwei Drittel der Gefangenen Arbeit - viele hätten gerne welche. Deshalb soll das neue Gefängnis Heidering auch allen Häftlingen einen Arbeits-/Ausbildungsplatz bieten.

Wer etwas soziales tun will, kauft im Laden des Gefängnis Tegel ein und unterstützt damit die Gefangenen.

Linkes Geschwafel hilft denen nicht.
Gruß

Ich glaube nicht, ich weiß

abc 26.02.2008 - 18:31
dass man für Schwarzfahren einfahren kann. Das ist aber in der Regel Ordnungshaft - halt für nicht gezahlte Geldstrafen etc. die zeitlich ja doch meist eher begrenzt ist. Das ist in der Tat ungerecht, wenn man z.B. bedenkt, dass z.B. Falschparken wesentlich billiger und gar kein Straftatbestand ist. Sufffahren, Fahren ohne Führerschein sollte in der Tat - erst recht bei Wiederholung zu Sanktionen führen - denn damit gefährdet man bekanntermaßen das Leben Unbeteiligter z.B. von Radfahrern.

Foucault hab ich auch schon gelesen und die Diskussion über Sinn und Unsinn von Knast kenne ich auch. Eine der wenigen resozialsierenden Wirkungen vom Knast dürfte aber nun gerade in der Ausbildung und halt solchen Projekten liegen.

Wenn man was von Eigenverantwortung und Selbstbestimmung faselt, heißt das halt auch, dass man für sein Handeln verantwortlich ist. Natürlich beeinflusst die Gesellschaft einen dabei, aber es gibt auch Leute, die keinen Job, wenig Geld, Liebeskummer... haben ohne gleich Leute abzuziehen, Drogen zu verticken, Kohle nach Liechtenstein zu verschieben...

Und Eigenverantwortung heißt Konsequenzen tragen - und die sind nunmal zum Teil Knast - ob das nun eine gute oder schlechte Lösung ist, sei dahingestellt.

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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@baberg

mal halblang hier 26.02.2008 - 12:55
aber 7,50 die stunde wären schon drin wie ich meine.

freiheitsentzug lautet die strafe und nicht freiheitsentzug + "beschäftigungstherapie durch sklavenarbeit"

auch knastis haben rechte

@baberg

A009 26.02.2008 - 14:24
Was ist an dem Wort "Zwang" bitte ideologisch?! Ist doch ein ganz normales Wort. Und natürlich werden die Häftlinge ausgebeutet, wenn sie 8€ PRO TAG bekommen. Und das Problem ist garantiert nicht, dass es zuwenig Arbeit gibt; das Problem ist, dass die Häftlinge da überhaupt arbeiten MÜSSEN (sonst sind sie extrem benachteiligt und müssen zB noch länger sitzen), die tuen das nicht freiwillig. Das größte Problem sind aber natürlich generell die Institution "Gefängniss" (mächtige Menschen sperren andere Menschen ein, da sie gegen Regeln verstoßen haben, die einige noch mächtigere Menschen machen...).

2.
Gegenüber von dem Haeftlings-Laden gibt es noch so einen ekligen Laden. Irgendwas mit Tor + Stein. Bei Interesse kann mensch sich beide Läden gleichzeitig anschauen.

Ergänzung

Mein Name 26.02.2008 - 16:37
Muss sagen das geht vielen so komm grade von der Arbeit wo ich auch hin MUSS und hab auch nur 8€ verdient und von 08-16uhr gearbeitet also 1€ job und nichts anderes machen die da auch. Will nicht sagen das es gut ist aber das ist halt de

noch was

Mein Name 26.02.2008 - 16:48
Wie wäre es mal mit einer Kampagne für einen Mindestlohn für alle auch 1€jobber und Leute ausm knast? finde das es vieleicht mal was bringen würde wenn sich die gesamte "linke" dafür einsetzt denn sowas könnte auch viele andere leute mobiliesieren wer will schon für 1,2oder 3€ Arbeiten.

Was solls

abc 26.02.2008 - 16:55
denke, die Einschätzung, dass es im Knast eher zu wenig Arbeit gibt als zuviel stimmt. Außerdem ists ja wohl für viele sogar die letzte Chance noch sowas wie ne Ausbildung zu bekommen.

Wenn die Mindestlohn wollen, dann können sie ja auch gleich davon ihre Unterbringung bezahlen - ist ja wohl auch nicht ganz billig so ein Knastplatz. Außerdem dürfte sich die Zahl der armen politischen Gefangenen echt in Grenzen halten - der Rest dürfte wohl so einiges auf dem Kerbholz haben. Also spart euch euer Geschwafel, so schnell kommt man in D. schon nicht in den Knast - immerhin kann man ja selbst bei Raub und Körperverletzung usw. oft noch mit Bewährung rechnen.

@ abc

anarcho 26.02.2008 - 17:49
du wirst es nicht glauben, aber es sitzen menschen wegen schwarzfahren im knast. also es ist gar nicht so schwer da rein zu kommen, job verloren, familie kaputt, alkoholprobleme -> kein geld mehr. ganz viele leute sitzen auch wegen fahren ohne führerschein und die meisten wegen btmg-geschichten.

ansonsten sollte mensch sich fragen an wen wohl zuerst zwangsarbeit ausprobiert wurde, bevor es die ein euro jobs gab, gab es die zwangsarbeit im knast.

knäste sind auch nicht dafür geeignet menschen zu "resozialisieren" oder ähnliches, da wären therapien und lebenshilfen wohl angebrachter, nein sie sind zwangsanstalten die angst hervorufen sollen und an all die indy-revolutionäre, lest mal foucault (Überwachen und Strafen)...

unwissende Traumtänzer :(

ra0105 26.02.2008 - 20:30
zum Thema Ausbeutung:

Unbegreiflich wie unreflektiert hier einige mit Begriffen rumschmeißen.
Ausbeutung betrifft jeden Arbeiter. Im Falle des Knastes könnte man sich höchstens über die Ausbeutungsgrad beschweren.

Merke: Wer Marxsche Terminologie benutzt, sollte wissen was sie bedeutet.

Zum Thema Knäste abreissen:

Niemand stellt in Frage, dass soziale Umstände eine enorme Rolle bei der Kriminalität spielen. Aber Knäste abzureißen ohne deren Ursachen beseitigt zu haben ist ja wohl nicht die Lösung. Eigentlich sogar ziemlicher Schwachsinn. Das wäre das gleiche, als wenn ich Deiche abreissen würde um gegen den steigenden Meeresspiegel zu protestieren.
BTW: Es gibt auch durchaus kriminelle Erscheinung die auch nicht therapierbar sind. Homosexuelle sadistische Pädophälie ist so ein Beispiel, bisher nicht heilbar. Was macht man mit denen wenn nicht wegsperren.

...die armen Opfer im Knast

hab ich auch 26.02.2008 - 21:22
...wenn ihr der meinung seid, im knast würden nur "opfer" sitzen, warum ladet ihr sie dann nicht zu euch in die wg´s ein?! klar man, ein bissel sozialarbeit und schon werden alle berufs- und freizeitschläger, stalker, potentielle und tatsächliche mörder, totschläger,...wieder auf den pfad der tugend zurück gebracht. ich wünsche niemanden was schlechtes, aber scheinbar sind hier einige leute noch nie opfer eines verbrechens (nicht vergehens) geworden. es wird also zeit...!!

Nachdenken dann schreiben

Kommunist 27.02.2008 - 13:43
Bitte Leute informiert Euch erst bevor ihr etwas schreibt
die Funktion von Knast ist doch eindeutig wer mit den kapitalistischen Verhältnissen nicht zu Recht kommt wird einfach weggesperrt genauso wie bei der Psychiatrie. Es ist klar das viele Häftlinge bestimmt viele schreckliche Taten begannen haben, trotzdem sollte man sich als „Linker“ davon nicht täuschen lassen. Gefängnisse verstärken den Ausschluss von Menschen, so gut wie alle Straftaten haben soziale Hintergründe warum jemand straffällig wird.

Wer noch in dem Thema Knast noch nicht fit ist sollte sich diesen wiki Artikel mal lesen
 http://de.wikipedia.org/wiki/Etikettierungsansatz

Und an alle anderen geht mal in den Knast schaut euch an wie dort MENSCHEN leben sprecht mit Sozialarbeitern und Insassen und denkt mal drüber nach wieso Knäste und andere Zwangeinrichtung da sind

Gegen Staat und Kapital

Für eine Welt ohne Knäste

für eine welt ohne knäste,

schön und gut, 01.03.2008 - 06:48
gegen zwangsarbeit und ausbeutung ebenfalls, vielleicht aber sollte man diejenigen, die für diesen shop produzieren müssen auch mal direkt selber fragen, ob der jetzt wirlich so boykottierungs- und entglasungswürdig ist. vielleicht sehen die das etwas differenzierter, vielleicht ist diese marktorientierte schnittstelle zwischen knast und gesellschaft nicht das verachtungswürdigste werkzeug des systems.

joo

nordlicht 02.03.2008 - 20:14
oja, jubel. alle knasties in autonome wg und zentren aufnehmen. wird spannend faschistische gewalttäter mit autonomen in einer wohnung.