Fast 100 Verletzte bei Demos in Westbank

duckbill 22.02.2008 17:55 Themen: Repression
Mindestens 90 Menschen wurden am Freitag bei verschiedenen Demonstrationen in den palästinensische Orten Bil’in, Al-Khader und Ma’ssara verletzt, als die israelische Armee die friedlichen Demonstrationen gewaltsam auslösten. Unter den verletzten befinden sich auch ein amerikanischer Tourist, ein Abgeordneter der Knesset und mehrere Kinder.
Bei der wöchentlichen Demonstration in Bil’in nahe Ramallah setzte die israelische Armee Tränengas, Schallgranaten und gummiummantelte Stahlgeschosse ein, um die Demonstration aufzulösen. Mindestens 16 Menschen mussten anschließend medizinisch behandelt werden.

Ca. 2000 Menschen nahmen an der Demonstration teil, die gleichzeitig das 3-jährige Jubiläum gewaltlosen Protests im Dorf Bil’in darstellte. Unter den Verletzten befindet sich auch ein amerikanischer Tourist, welcher zurzeit in einem Krankenhaus in Ramallah behandelt wird. Der israelische Knessetabgeordnete Mohammad Barakeh brach nach dem Beschuss mit Tränengas zusammen. Einer seiner Begleiter verlor das Bewusstsein und musste ebenfalls in ein Krankenhaus gebracht werden.

Barakeh berichtete, dass sofort nachdem er seine Rede beendet hatte, Soldaten mit Tränengas auf ihn schossen: „Ich brach zusammen, ich konnte mich nicht auf den Beinen halten.“

„Die gewaltsame Unterdrückung wird den gerechten Kampf der Menschen Bil’ins nicht dämpfen. Dieser Kampf ist ein bewundernswertes Beispiel für den beharrlichen Kampf der Menschen Palästinas, sich von der Besatzung zu befreien und den Lasten von Mauer, Siedlungen, Straßensperren und der barbarischen Gewalt der Sicherheitskräfte“, so Barakeh.

Bei einem Protest 1500 Bewohner des Dorfes Al-Khader, sowie ausländischen und israelischen Friedensaktivisten nahe Bethelehem, der sich gegen die Enteignung ihres Landes durch den illegalen Bau der israelischen Mauer richtete, wurden mindestens 70 Zivilisten durch israelische Soldaten verwundet.

Während der Demonstration setzte das israelische Armee massiv Tränengas ein, um die Demonstranten auseinander zu treiben. Mindesten 34 Menschen wurden dadurch verletzt.

Weitere 18 Menschen erhielten Verwundungen, als israelische Soldaten nach Beendigung der Demonstration das Feuer auf Jugendliche des Dorfes eröffneten. Zwei weitere Bewohner Al-Khaders wurden von Soldaten körperlich angegriffen, darunter zwei Kinder.

Der Vorsitzende des „Öffentlichen Komitees gegen die Mauer – AL-Khader“ berichtete, dass der Protest friedlich verlief und niemand irgendetwas getan hätte, um Soldaten zu provozieren: “Sie haben uns ohne jeglichen Grund angegriffen.”

Weitere vier palästinensische Zivilisten wurden verwundet, als israelische Truppen einen gewaltlosen Protestzug im Dorf Al-Ma’ssara südlich von Bethlehem angriffen. Ca. 70 Palästinenser versammelten sich zusammen mit israelischen und ausländischen Unterstützern, um gegen die Enteignung ihres Landes zu protestieren.

Als die Bewohner des Dorfes versuchten ihr Ackerland zu betreten, wurden sie von israelischen Soldaten niedergeknüppelt. Unter den verletzten befinden sich auch zwei, sechs und acht-jährige Kinder.
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Gali Atari 22.02.2008 - 19:38

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Absicht oder versehen

ts 22.02.2008 - 21:05
Absicht oder versehen, dass die "Wall", welcher an dieser Stelle wie auch zu 95 % ein Zaun ist, nicht auf den Fotos bei Indy gezeigt wird? Mensch weiß es nicht.
Trotzdem verhindert er äußerst effektiv Selbstmordattentate in Israel, was nicht verschiegen werden sollte.

welche friedensgruppe is das?

enemy2u 22.02.2008 - 22:16
nich dass ich ism als tendenziös sehn würde, aber die al-aksa-ter...äh märtyrer-brigaden bei sonem demos, bzw deren fahne, erklären me ein, nennen wir es, resolutes eingreifen einer polizei/armee die ziemlich häufig mit realen terrorangriffen/raketen uä zu tun hat. der andauernde raketenbeschuss aus gazastan is "euch" auch keine zeile wert, auch nicht, dass israel die versorgung des gazastreifen (aus dem täglich raketen auf israel fliegen) nie ganz eingestellt hat. ich muss jetzt seit knapp 20jahren lesen, dass israel einen vernichtungskrieg gegen die palis plant/durchführt, es stimmt einfach nicht.
der grösste feind der pal.zivilbevölkerung is eine führung welche sich entweder nicht scheut, den gesamten gazastreifen in geiselhaft zu nehmen für ihre vernichtungswünsche gegenüber israel (hamas  http://de.wikipedia.org/wiki/Hamas#Haltung_gegen.C3.BCber_Israel) oder gnadenlos korrupt ist (fatah  http://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stinensische_Autonomiegebiete#Wirtschaft)

Dabeigewesen

Counting the Cats 24.02.2008 - 01:18
Einseitige Propaganda wie von ISM wird die linke in Deutschland sicherlich nicht weiterbringen, ein differenziertes Bild von dem Nahost-Konflikt zu bekommen.

Ich war bei der Demo in Bil'in gestern dabei und kann sagen, dass es da nicht zu unvermittelter oder überraschender Gewalt gekommen ist. Vielmehr läuft das alles routiniert ab, wie beim ersten Mai oder dem G8-Gipfel, und alle Beteiligten wissen, worauf sie sich einlassen. So war es nach dem Ende der Demo gestern kurz langweilig, bis die israelische Armee so nett war, einen Jeep bei den Demonstrant/innen vorbeizuschicken, den sie mit Steinen bewerfen konnten. Dann setzte erwartungsgemäß ein Hagel von Tränengasgranaten und nach ein oder zwei Stunden von Gummigeschossen ein. Das passiert da jedes Wochenende. Und ich bezweifel mal, dass es in den anderen Orten anders ausgesehen hat.

Dass die israelische radikale Linke und die internationalen Unterstützter die palästinensischen Demos mitmachen, fand ich ziemlich überraschend und ganz schön peinlich. Eigene Positionen durften sie nicht formulieren, stattdessen gabs nur arabische Reden. Vorbei ging der Zug an Transparenten, die von der Befreiung Israels mittels Granaten und Kalaschnikow kündigten, und dominiert wurde das ganze von Mackerkids; Frauen waren an einer Hand abzuzählen, natürlich alle verschleiert. Eine Aktivistin der Anarchists against the Wall erzählte mir, dass sie auch mit Leuten von der Hamas und dem Islamischen Djihad zusammenarbeiten. Tolle Anarchisten...