Bad Nenndorf: Miegel-Denkmal verhüllt

Bündnis gegen Agnes-Miegel-Verherrlichung 22.02.2008 12:25 Themen: Antifa
In der vergangenen Nacht wurde das Agnes-Miegel-Denkmal im Kurpark von Bad Nenndorf verhüllt. Verantwortlich für die Verhüllung ist das "Bündnis gegen Agnes-Miegel-Verherrlichung". Die symbolische Aktion richtet sich gegen die seit Jahren begangene Verherrlichung der Nazi-Dichterin in Bad Nenndorf. Diese ist auch Anlass für eine antifaschistische Demonstration am 1. März 2008.
Auch abseits der alljährlich stattfindenden "Trauermärsche" von Neonazis gibt es genug Gründe, in Bad Nenndorf antifaschistischen Protest zu äußern. Einer dieser Gründe ist der seit vielen Jahren begangene Kult um die Nazi-Dichterin Agnes Miegel.

Die Angehörigen des "Bündnis gegen Agnes-Miegel-Verherrlichung" verhüllten in der Nacht zwischen dem 21.02. und 22.02. neben dem etwa lebensgroßen Miegel-Denkmal auch die dazugehörige Informationstafel. Wenigstens kurzzeitig ist so das deutlichste Zeichen des Bad Nenndorfer Agnes-Miegel-Kults aus der Öffentlichkeit verschwunden.


Wer war Agnes Miegel?

Die "Heimatdichterin" Agnes Miegel wurde 1879 im damaligen Königsberg geboren. Bereits in der Weimarer Republik waren ihre Gedichte, die vornhemlich von der "Schönheit der ostpreußischen Heimat" handeln, in extrem konservativen Kreisen beliebt. So verwundert es nicht, dass sie nach 1933 zum Star am "Kulturhimmel" des Nationalsozialismus aufstieg. Während die Bücher vieler ihrer Kollegen von den Nazis verbrannt wurden, trat Miegel in die nazistische "Preußische Akademie der Dichtung" ein. 1937 wurde sie Mitglied der NS-Frauenschaft und 1940 der NSDAP. Sie durfte im Nationalsozialismus frei publizieren und wurde für ihre Werke, in denen sie sich immer wieder postiv auf die "Volksgemeinschaft" und die "Blut- und Boden-Ideologie" bezog, mit Auszeichnungen überhäuft, darunter das "Ehrenzeichen der Hitlerjugend". Ihre Zustimmung zum deutschen Faschismus verdeutlichte sie darüber hinaus an Lobeshmynen an Adolf Hitler. Im Gedicht "An den Führer" schrieb sie: "Unsere Herzen, hart von Not und Krieg, hat mit seinen glühenden glaubensvollen Worten er durchpflügt wie Ackerschollen, bis ein neuer Frühling in uns stieg." Weiter heißt es dort: "Lass deine Hand Führer! uns vor aller Welt bekennen: Du und wir nie mehr zu trennen, stehen ein für unser Vaterland!" Nach der Niederlage des Nationalsozialismus 1945 musste sie Königsberg verlassen und wurde bis 1949 mit einem Schreibverbot von den Alliierten belegt. Ihre neues zu Hause wurde Bad Nenndorf, wo ihr als Ehrenbürgerin ein lebenslanges Wohnrecht zugestanden wurde. Eine Distanzierung von ihrem Wirken im Nationalsozialismus gab es nie. Nicht zu letzt deswegen erlangte sie große Beliebtheit in "Vertriebnenenkreisen". 1963 verstarb die Unbelehrbare.


Der Agnes-Miegel-Kult in Bad Nenndorf

Eben diese Kreise gründeten 1969 die "Agnes Miegel Gesellschaft", die das "Andenken der Dichterin" bewahren will. Das Haus in Bad Nenndorf, in dem Miegel bis zu ihrem Tod lebte, wurde von der Gesellschaft zu einer Gedenkstätte umfunktioniert. Bis heute führt die Gesellschaft dort Veranstaltungen durch. Auf der einen Seite verschweigt die Agnes-Miegel-Gesellschaft in ihren Veröffentlichungen bewusst Miegels Rolle im Faschismus oder versucht diese zu verharmlosen. Auf der anderen Seite bestehen Kontakte zur extremen Rechten. Ein Beispiel dafür ist Gisela Limmer von Massow, die auf den "Agnes-Miegel-Tagen" 2006 aus den Gedichten von Agnes Miegel vorlesen sollte. Limmer von Massow gehört dem Verein "Gedächtnisstätte" an, der in Borna (Sachsen) eine Denkmal für die deutschen "Opfer" des 2. Weltkrieges errichten will. Gründerin des Vereins ist die bekannte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel, die mit dem Collegium Humanum in Vlotho (NRW) das bedeutenste Zentrum für Holocaust-Leugner in Europa betreibt. Auf der Internetseite der Agens-Miegel-Gesellschaft wird eine CD angeboten, auf der Gisela Limmer von Massow zusammen mit dem Wiener neofaschisten Walter Marinovic Gedichte von Miegel rezitiert. Marinovic war bereits mehrfach Referent auf Veranstaltungen der NPD.
Neben der Agnes-Miegel-Gesellschaft und dem von ihr betriebenen Haus gibt es in Bad Nenndorf das (verhüllte) Denkmal und einen nach Agnes Miegel benannten Platz. Für die Stadt Bad Nenndorf scheint Agnes Miegel ein Standortfaktor zu sein, mit dem sich Touristen anlocken lassen. Anders lässt sich nicht erklären, dass das Denkmal auf Kosten der Stadt an eine exponierte Stelle im Kurpark versetzt wurde.
Neben der Agnes-Miegel-Gesellschaft können sich auch andere revanchistische Organisationen, wie die zur "Landsmannschaft Ostpreußen" gehörende "Kreisgemeinschaft Wehlau" in von der Stadt betriebenen Veranstaltungszentren, (darunter die große "Wandelhalle") treffen.


Widerstand

Die diesjährigen Agnes-Miegel-Tage der Agnes-Miegel-Gesellschaft, die vom 29.02. - 03.03. im Hotel Hannover in Bad Nenndorf stattfinden, bildeten den Anlass für die Gründung eines antifaschistischen Bündnisses, das dem Agnes-Miegel-Kult etwas entgegen setzen will. Das "Bündnis gegen Agnes-Miegel-Verherrlichung" ruft zu einer Demonstration am 01.03.2008 auf, die unter dem Motto "Mit dem Agnes-Miegel-Kult brechen! Gegen Opfermythen und Revisionismus!" steht. Damit soll neben der unkritischen Verehrung der Nazi-Dichterin Miegel auch Geschichtsrevisionimus im Allgemeinen thematisiert werden. Auch in Hinblick auf die alljährlichen Neonaziaufmärsche um das ehemalige britische Gefangenenlager im "Wincklerbad" erscheint dies in Bad Nenndorf bitternötig.
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Ergänzungen

Gibt es Infos

über Naziaktionen? 22.02.2008 - 14:20
Sind gesicherte Informationen über mögliche Nazistörversuche bekannt? Im letzten Jahr hatten sich ja eine Gegenkundgebung unter dem Motto der Antifademo angemeldet.

Bericht der Lokalpresse

Dorfkind 28.02.2008 - 07:20
Linke nehmen Miegel ins Visier

Bündnis ruft am 1. März zur Demonstration "gegen Opfermythen" auf

Bad Nenndorf (rwe). Die Kurstadt rückt erneut in das Zentrum extremer Propaganda. Am Sonnabend, 1. März, kommt diese aber von der linken Seite und nimmt die Ehrenbürgerin der Stadt ins Visier. Ein "Bündnis gegen Agnes-Miegel-Verherrlichung" hat zu einer Demonstration aufgerufen unter dem Motto "Mit dem Agnes-Miegel-Kult brechen! Gegen Opfermythen und Revisionismus". Diese ist für 14 bis 20 Uhr anmeldet.

Die Polizei ist gewarnt, macht sich auf einen Großeinsatz gefasst. Von einer Gegenbewegung aus der rechtsextremistischen Szene, in der Miegel noch immer verehrt wird, ist bisher aber nichts bekannt.

Die Agnes-Miegel-Gesellschaft steht bei ihrem Treffen in diesem Jahr unter einer Art Polizeischutz. Denn anlässlich der traditionellen Zusammenkunft der 1969 gegründeten Miegel-Gesellschaft im "Hotel Hannover" sammeln sich die Vertreter linker Gruppen am Bahnhof und marschieren durch die Stadt zum Agnes-Miegel-Platz, auf dem sie eine erste Kundgebung planen. Danach kehren sie um, gehen zurück, und nehmen am Wincklerbad vorbei Kurs vor dem Haus Kassel. Vor der Touristinformation in der Kurhausstraße kommt es dann wenige Meter vom Tagungsort der Miegel-Anhänger zur zweiten Anfrage.

"Wir haben die Route danach ein wenig geändert", sagt Pressesprecher Klaus Heimann vom Landkreis, der die Demonstration genehmigt hat. Ursprünglich wollten die Veranstalter ihren Protestweg direkt am Hotel Hannover vorbei durch die Fußgängerzone fortsetzen, doch dem schoben die Behörden einen Riegel vor. Zurück geht es durch d ie Kurhausstraße in Richtung Bahnhof.

Mit der veränderten Route können die Organisatoren gut leben. "Wir kommen in friedlicher Absicht und wollen die Veranstaltung der Agnes-Miegel-Gesellschaft nicht blockieren", sagt Bündnis-Sprecher Martin Angenfort auf Anfrage. 150 bis 200 Sympathisanten aus dem linken Spektrum erwartet er am Sonnabend.

Die ersten Vorboten hatten Angenfort& Co. bereits vergangene Woche ausgesandt. In der Nacht auf Freitag verschnürten Bündnis-Angehörige das Agnes-Miegel-Denkmal im Kurpark. "Mit dieser symbolischen Aktion wollen wir unserer Ablehnung gegen die in Bad Nenndorf begangene Verherrlichung der Dichterin Agnes Miegel Ausdruck verleihen", so Angenfort.

Aufmerksam geworden auf die 1954 verliehene Ehrenbürgerschaft Miegels, die von 1948 bis zu ihrem Tod 1964 in Nenndorf lebte, waren die Veranstalter vor allem durch die Demonstrationen der Rechtsextremisten in den vergangenen beiden Jahren. Angenfort: "Es ist an der Zeit, eine Diskussion über Agnes Miegel anzuregen." Er lässt sich nicht davon beeindrucken, dass der Protest auch die Neonazis auf den Plan rufen könnte. "Es wäre ja ein deutliches Zeichen, wenn die sich für Miegel einsetzen." Bis gestern ist beim Landkreis von der rechtsextremen Seite aber keine Anmeldung für einen Gegenprotest eingegangen, dieser wäre aber auch spontan möglich. Deshalb dürfte die Polizei am Sonnabend wieder mit einem Großaufgebot aufmarschieren.

Aber nicht nur die Agnes-Miegel-Tage haben die Veranstalter zu der Demonstration ermutigt, sondern auch Proteste in anderen Städten. So fordern die Linken in Wilhelmshaven und Düsseldorf, dortige Miegel-Schulen umzubenennen, in Erlangen streiten die Grünen dafür, eine Straße umzutaufen und stattdessen einer Verfolgten des Nazi-Regimes zu widmen.

Bad Nenndorfs Stadtdirektor Bernd Reese hofft, dass die Demonstration friedlich bleibt und die Kurstadt ohne großen Imageschaden davon kommt. Ob sich aus dem Protest eine Debatte um die Ehrenbürgerschaft entwickeln könnte, kommentiert er nur kurz. "Die Diskussion hat doch schon längst begonnen."

Die Veranstalter der Demonstration werfen Miegel vor, diese sei eine Anhängerin des Nationalsozialismus gewesen, 1933 in die nazistische "Deutsche Akademie der Dichtung" eingetreten, 1937 in die "NS-Frauen schaft" und 1940 in die NSDAP. "Sie erhielt in dieser Zeit zahlreiche Auszeichnungen des NS-Regimes, darunter das Ehrenzeichen der Hitlerjugend, so Angenfort. Weitere Berichterstattung morgen.

© Schaumburger Zeitung, 28.02.2008

komisch

(muss ausgefüllt werden) 28.02.2008 - 12:43
komisch, dass der sprecher des bündnisses so auf gewalt verzichten will... bzw. noch nichtmal die agnes-miegel-tage verhindern will! Warum will er denn dann demonstrieren? nennt er sich antifaschistisch? dann muss er auch gegen die nazis (!) vorgehen - nicht nur labern!

Cops (copzone.de) zur Demo: "Das sind dann meist auch nur Jüngere, die sich ganz gut händeln lassen und eher nicht zu Ausschreitungen neigen/ es gar nicht erst versuchen"
Es wird mit mehreren Hundertschaften gerechnet.

Lokalpresse (ausführlich)

- mediensammler - 29.02.2008 - 01:55
Bericht aus den Schaumburger Nachrichten vom 28.2.2008:

Linke wollen Ehrenbürgerin vom Sockel holen

Bündnis gegen „Agnes-Miegel-Verherrlichung“ ruft am 1. März zur Demonstration „gegen Opfermythen“ auf

Bad Nenndorf rückt erneut in das Zentrum politischer Propaganda. Am Sonnabend, 1. März, kommt diese aber von der linken Seite und nimmt die Ehrenbürgerin der Stadt ins Visier. Ein „Bündnis gegen Agnes-Miegel-Verherrlichung“ hat zu einer Demonstration aufgerufen unter dem Motto „Mit dem Agnes-Miegel-Kult brechen! Gegen Opfermythen und Revisionismus". Diese ist für 14 bis 20 Uhr anmeldet. Die Polizei ist gewarnt, macht sich auf einen Großeinsatz gefasst. Von einer Gegenbewegung aus der rechtsextremistischen Szene, in der Miegel noch immer verehrt wird, ist bisher aber nichts bekannt.
Bad Nenndorf. Die Agnes-Miegel-Gesellschaft steht bei ihrem Treffen in diesem Jahr unter einer Art Polizeischutz. Denn anlässlich der traditionellen Zusammenkunft der 1969 gegründeten Miegel-Gesellschaft im „Hotel Hannover“ sammeln sich die Vertreter linker Gruppen am Bahnhof und marschieren durch die Stadt zum Agnes-Miegel-Platz, auf dem sie eine erste Kundgebung planen. Danach kehren sie um und nehmen am Wincklerbad vorbei Kurs auf das Haus Kassel. Vor der Touristinformation in der Kurhausstraße kommt es wenige Meter vom Tagungsort der Miegel-Anhänger entfernt zur zweiten Ansprache.
„Wir haben die Route danach ein wenig geändert“, sagt Pressesprecher Klaus Heimann vom Landkreis Schaumburg, der die Demonstration genehmigt hat. Ursprünglich wollten die Veranstalter ihren Protestweg direkt am „Hotel Hannover“ vorbei durch die Fußgängerzone fortsetzen, doch dem schoben die Behörden einen Riegel vor. Zurück geht es durch die Kurhausstraße in Richtung Bahnhof.
Mit der veränderten Route können die Organisatoren gut leben. „Wir kommen in friedlicher Absicht und wollen die Veranstaltung der Agnes-Miegel-Gesellschaft nicht blockieren“, sagt Bündnis-Sprecher Martin Angenfort auf Nachfrage der SN. 150 bis 200 Sympathisanten aus dem linken Spektrum erwartet er am Sonnabend. Die Vorbereitungstreffen in Bielefeld und Hannover nennt er erfolgreich.
Die ersten Vorboten hatten Angenfort & Co. bereits vergangene Woche ausgesandt. In der Nacht auf Freitag verschnürten Bündnis-Angehörige das Agnes-Miegel-Denkmal im Kurpark. „Mit dieser symbolischen Aktion wollen wir unserer Ablehnung gegen die in Bad Nenndorf begangene Verherrlichung der Dichterin Agnes Miegel Ausdruck verleihen“, so Angenfort.
Aufmerksam geworden auf die 1954 verliehene Ehrenbürgerschaft Miegels, die nach ihrer Flucht aus Ostpreußen 1948 bis zu ihrem Tod 1964 in Nenndorf lebte, waren die Veranstalter vor allem durch die Demonstrationen der Rechtsextremisten in den vergangenen beiden Jahren. Angenfort: „Es ist an der Zeit, eine Diskussion über Agnes Miegel anzuregen.“ Er lässt sich nicht davon beeindrucken, dass der Protest auch die Neonazis auf den Plan rufen könnte. „Es wäre ja ein deutliches Zeichen, wenn die sich für Miegel einsetzen.“ Bis gestern ist beim Landkreis von der rechtsextremen Seite aber keine Anmeldung für einen Gegenprotest eingegangen, dieser wäre aber auch spontan möglich. Deshalb dürfte die Polizei am Sonnabend wieder mit einem Großaufgebot aufmarschieren.
Aber nicht nur die Agnes-Miegel-Tage haben die Veranstalter zu der Demonstration ermutigt, sondern auch Proteste in anderen Städten. So fordern die Linken in Wilhelmshaven und Düsseldorf, dortige Miegel-Schulen umzubenennen, in Erlangen streiten die Grünen dafür, eine Straße umzutaufen und stattdessen einer Verfolgten des Nazi-Regimes zu widmen.
Bad Nenndorfs Stadtdirektor Bernd Reese hofft, dass die Demonstration friedlich bleibt und die Kurstadt ohne großen Imageschaden davon kommt. Ob sich aus dem Protest eine Debatte um die Ehrenbürgerschaft entwickeln könnte, kommentiert er nur kurz. „Die Diskussion hat doch schon längst begonnen.“ Roland Weiterer

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Agnes Miegel: Eine Glühende Hitler-Anhängerin oder nur geblendete Humanistin?


Das sagen die Kritiker

Klare Worten finden die Veranstalter der Demonstration für Agnes Miegel. Diese sei eine Anhängerin des Nationalsozialismus gewesen, 1933 in die nazistische „Deutsche Akademie der Dichtung“ eingetreten, 1937 in die „NS-Frauenschaft“ und 1940 in die NSDAP. „Sie erhielt in dieser Zeit zahlreiche Auszeichnungen des NS-Regimes, darunter das Ehrenzeichen der Hitlerjugend. Ihre Zustimmung zur nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wird darüber hinaus an von ihr verfassten Lobeshymnen auf Adolf Hitler deutlich“, schreibt Martin Angenfort. Vor dem Hintergrund ihrer „eindeutigen Bekenntnisse zum Nationalsozialismus“ hält es dieser für absolut inakzeptabel, dass mit Veranstaltungen wie den Agnes-Miegel-Tagen eine Glorifizierung der Person Miegel zu begehen.
Angenfort will eine öffentliche Diskussion anregen. Die solle „hoffentlich dazu führen, dass die Verherrlichung von Agnes Miegel in der Kurstadt ein Ende hat und dass eine Verbreitung geschichtsrevisionistischer Positionen in Bad Nenndorf und anderswo langfristig nicht mehr möglich ist."
In einem Flugblatt an die Anwohner der Innenstadt lädt Karl Wischnewski aus der Bahnhofstraße dazu ein, friedlich gegen den „Agnes-Miegel-Kult“ zu protestieren. Diese sei 1933 in die Preußische Akademie der Künste eingetreten, als dem NS-Regime missliebige Künstler das Land in Scharen verlassen mussten. Miegel habe sich von der NSDAP zu einer literarischen Karriere verhelfen lassen. In einem ihrer Gedichte habe sie Hitler als Friedensbringer glorifiziert, den Nationalsozialismus als „einen neuen Frühling in uns“ beschrieben. Obwohl Miegel als literarische Repräsentantin ihren Beitrag zur nationalsozialistischen Kulturpolitik geleistet hatte, sei sie nach 1945 nicht belangt worden und habe weiter hohes Ansehen genossen, so Wischnewski. Die Vertriebenenverbände hätten sie dann zur „Mutter Ostpreußens“ stilisiert. rwe

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Das sagt die Wissenschaft

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Agnes Miegel eine der populärsten deutschen Schriftstellerinnen. Inzwischen ist das Werk der „Mutter Ostpreußen“ aus der literaturwissenschaftlichen Debatte weitgehend verschwunden. Wenn über Miegel diskutiert wird, dann in aller Regel in Bezug auf ihre Rolle im Dritten Reich.
Florian Treibel nahm in seiner Doktorarbeit an der Universität Konstanz Stellung zu dem Thema. „Über den gesamten Zeitraum des Dritten Reiches avancierte Miegel zur meist- und höchstdekorierten Autorin des Eugen-Diederichs-Verlages. Die preisverleihenden Institutionen überreichten ihr insgesamt neun bedeutende Ehrungen. Darunter 1940 den Goethe-Preis“, schreibt Treibel. Als eine von sechs Schriftstellerinnen wurde sie in die „Gottbegnadetenliste“ aufgenommen und vom Hilfseinsatz im Krieg freigestellt.
Diese Ausnahmestellung hat Miegel laut Treibel auch nach 1945 nie zu rechtfertigen versucht. Das wirft auch Hans-Heinrich Holland, Nordrhein-Westfälischer Kommunalpolitiker und Historiker, Miegel vor. Diese Haltung ist mitverantwortlich für die Aussparung der letzten bedeutenden Balladendichterin des deutschsprachigen Raums in der heutigen Literaturwissenschaft.
Ebenso wichtig ist, dass Miegel künstlerisch obsolet geworden ist. Während diese noch Balladen und neo-romantische Prosa verfasste, kreierten die aus heutiger Sicht maßgeblichen Autoren Bewegungen wie den Expressionismus, Dadaismus und Futurismus. Als Vertreterin der Neo-Romantik griff Miegel währenddessen auf eine Epoche des 19. Jahrhunderts zurück.
Die Qualität Miegelscher Texte wird derweil nicht angezweifelt. Dass sie ein enormes erzählerisches und illustratives Talent hatte, ist unbestritten. Nur ist eine inhaltliche Untersuchung ihrer Werke heute nicht mehr interessant. Guido Scholl

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Das sagt die Gesellschaft

Auf ihrer Internetseite setzt sich die Agnes-Miegel-Gesellschaft mit der „lautstarken, aggressiven Kampagne politischer Randgruppen“ auseinander. Vorsitzende Marianne Kopp räumt ein: „Wir wissen, dass Agnes Miegel sich leider für Hitler begeisterte und schließlich sogar der NSDAP beitrat. Wir wissen aber auch, dass ihre Huldigungsgedichte an Hitler rein emotionaler Natur sind und nichts von seiner Ideologie verherrlichen.“ Ihrer Ansicht nach finden sich „keine Zeichen für Antisemitismus, Hassparolen, Kriegspropaganda, Terror und Gewalt darin“. Bekannt sei Miegels „tiefe Religiosität“, die auch in der NS-Zeit deren Lebenshaltung bestimmte.
Wir wissen ebenso, dass Agnes Miegel ihr ganzes Leben lang Toleranz und Menschlichkeit propagierte und sich zu einer umfassenden Humanitas bekannte, so wie sie es in ihrem Spruch für den Ostdeutschland-Gedenkturm in Schloss Burg an der Wupper schrieb: „nichts als den Hass zu hassen“. Kopp nennt dieses Bekenntnis „umfassender und beeindruckender als ein Bekenntnis zu irgendeiner Ideologie oder Staatsform“. So ein Aufruf tue wohl jeder Zeit und Epoche not.
Die Agnes-Miegel-Gesellschaft bemühe sich um eine Klärung der Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus, so Kopp. Etliche Mosaiksteine für eine wahrheitsgetreue Sicht auf diese Jahre fehlten aber noch. Sie warnt vor einem schablonenhaften Schwarz-Weiß-Denken. Letztlich ist jedes menschliche Leben ein verschlungenes Labyrinth mit Widersprüchen und Fragezeichen, „die gemach enträtselnd wir begreifen erst im Lichte Seiner Ewigkeit“. Der Verein sehe sich als eine literarische Gesellschaft. „Uns geht es um die Dichterin, um ihr bedeutendes literarisches Werk, um den unbestreitbaren Rang ihrer Dichtung, die sogar Marcel Reich-Ranicki in den „Kanon der deutschen Literatur“ aufgenommen habe. rwe

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