Erfurt: Lebensmittelmarkt statt besetztes Haus

unterstützerIn 21.02.2008 11:07 Themen: Freiräume
Das besetzte Haus und kulturelle Zentrum auf dem Gelände der ehemaligen Firma Topf & Söhne in Erfurt soll laut neuesten Bebauungsplänen durch einen neuen Lebensmittelmarkt ersetzt werden.
Das besetzte Haus in Erfurt ist ein Projekt welches sich auf dem Gelände der ehemaligen Firma Topf & Söhne befindet. Diese produzierte während der Zeit des Nationalsozialismus die Öfen für die Krematorien von Konzentrations - und Vernichtungslagern wie Buchenwald und Auschwitz. Außerdem wurden auch Be - und Entlüftungsanlagen für die Gaskammern hergestellt.
Am 12.4.2001 wurde ein Teil des Firmengeländes besetzt und wird seitdem für verschiedene Projekte genutzt. Dabei stellt die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Geländes und deren Bekanntmachung eine Konstante in der Geschichte des Projekts dar.

Im letzten Jahr wurde das ehemalige Topf & Söhne-Gelände in Erfurt an eine Baufirma aus Mühlhausen verkauft. Die Stadt Erfurt verhandelt seit längerem mit der Käuferfirma über eine Vermietung des ehemaligen Verwaltungsgebäudes an die Stadt, um dort einen Geschichtsort einzurichten.
Neben der Vermietung des Verwaltungsgebäudes plant die Käuferfirma den Bau von Wohnhäusern und die Ansiedelung eines Lebensmittelmarkts auf dem Gelände. Der momentan gültige Bebauungsplan für das Gelände sieht das jedoch nicht vor. Deshalb hat die Stadt Erfurt jetzt einen Entwurf für einen neuen Bebauungsplan vorgelegt, um den Wünschen der Käuferfirma entgegenzukommen.

Positiv an dem Bebauungsplan finden die BesetzerInnen, dass der Bereich um das ehemalige Verwaltungsgebäude als Fläche für die museale Nutzung vorgesehen ist und somit die Einrichtung eines Geschichtsorts auf dem Gelände festgeschrieben wird. Andererseits enthält der Entwurf aber auch mehrere Punkte, die die BesetzerInnen kritisieren:
- Die Fläche, die momentan von den Besetzer_innen des Topf & Söhne Geländes genutzt wird, ist in allen drei Varianten des Entwurfs als Gewerbegebiet vorgesehen. Der Entwurf kann von uns nur so interpretiert werden, dass auf dem von den BesetzerInnen genutzten Teil des Geländes der geplante Lebensmittelmarkt entstehen soll. Seit fast sieben Jahren besteht auf diesem Teil des Geländes ein sozial-politisch-kulturelles Zentrum. Hier wird sich mit der Geschichte des Geländes auseinandergesetzt, es gibt ein Lesecafe und Bandproberäume, es finden kulturelle Veranstaltungen statt, es wird sich kritisch mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandergesetzt und nicht zuletzt wohnen Menschen hier. Dieses Projekt durch einen Lebensmittelmarkt zu ersetzen ist nicht akzeptabel.
- Durch die Umverlegung des Straßenverlaufs wird sowohl in dem neu geplanten, als auch in dem schon vorhandenen Wohngebiet eine erhöhtes Verkehrsaufkommen entstehen. Dies ist in einem Wohngebiet nicht wünschenswert.
- In dem geplanten Gewerbegebiet soll ein Lebensmittelmarkt entstehen. Im Gegensatz zu sozialen Einrichtungen und Zentren, die auch aufgrund der Kürzungspolitik der Stadt Erfurt sehr rar geworden sind, gibt es Einkaufszentren und Lebensmittelmärkte zur Genüge in Erfurt. Dies trifft besonders auf das ehemalige Topf & Söhne-Gelände zu, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft sich das "Thüringer Einkaufs Centrum" TEC befindet.

Den Entwurf des neuen Bebauungsplans (EFS033) findet ihr im Netz unter:
 http://www.erfurt.de/ef/de/rathaus/buergerbeteiligung/offenlage_bp/28389.shtml

Falls ihr die BesetzerInnen unterstützen wollt, könnt ihr bis zum 29.2.2008 Beschwerden und Kritik am Bebauungsplan einreichen und dazu einfach die oben genannten Kritikpunkte auflisten oder diese noch mit eigenen Punkten ergänzen. Das geht am besten schriftlich an folgende Adresse: Bauinformationsbüro, Löberstraße 34, 99096 Erfurt oder auch per eMail an:
 stadtplanungsamt@erfurt.de

weitere Infos zum Haus in Erfurt:  http://www.topf.squat.net/
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Ergänzungen

zu hart

anonymikus 24.02.2008 - 21:34
das härteste ist das in der nähe ein riesen einkaufszentrum ist wo sich ales drin befindet was da hingebaut werden soll.
es is tnicht aktzeptabel das sozusagen früher oder später eine räumung im haus steht.
Das Topf Squat ist eins der einzigsten besetzten häuser das thüringen noch hat.
es gibt so viele menschen die das haus lieben und gern dort hingehen.
wenn die räumung kommt sind wir auf der straße.
erst koppenhagen dann berlin jetzt erfurt???
naja als ob das die einzigsten 3 projekte wären!
Die häuser gehören uns! Basta

Zeit für den Widerstand

erfurt-besetztes haus soll einkaufsmarkt...

radio corax 26.02.2008 - 14:43
Leute, die Häuser besetzen haben es im Allgemeinen nicht leicht. In Bezug auf das Auskommen mit oft über Lärm sich beklagende Nachbarn nicht... und schon gar nicht in bezug auf die örtliche Politik. Denn die hat meistens ganz andere Vorstellungen von der Nutzbarkeit der besetzten Häuser bzw. der besetzten Gelände. Oft ganz und gar im Streben nach Prosperität, Standortfaktor, Stadt-Image gefangen. Ganz aktuell gibt es einen solchen Fall gerade in thüringischen Erfurt. Dort soll ein Hausprojekt mit kulturellem und linkem Hintergrund jetzt einem Lebensmittelmarkt weichen. Das Hausprojekt befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Fa. Topf & Söhne. Topf & Söhne haben während der Zeit des Nationalsozialismus nicht - wie der Name vermuten ließe - Töpfe oder ähnliches Küchengeschirr hergestellt, sondern die Öfen für die Krematorien von Konzentrations- und Vernichtungslagern wie sie z.B. in Buchenwald oder Auschwitz benutzt worden sind. Am Telefon sprach Amanda vom Morgenmagazin mit Stefan über das betroffene sozial, politisch und kulturell engagierte Hausprojekt in Erfurt und seine zukünftigen Aussichten...

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 5 Kommentare an

schöne — scheisse

na als ob wir noch nicht — genug von der konsumscheiße hätten

Überschrift — Anonymus

ihr — solltet

@anonymous — ich