Diekmann und die Brandstifter
BILD-Chefredakteur Diekmann bittet um maßvolle Zurückhaltung, den möglichen Brandanschlag in Ludwigshafen betreffend. Gerade die BILD hätte es nötig.
"Das rufen wir auch den Politikern in unseren Ländern zu: Arbeitet verantwortungsvoll, stärkt das Vertrauen der Menschen, schürt kein Misstrauen!" - In dieser Weise beendet heute BILD-Chefredakteur Diekmann einen Kommentar, der gleichzeitig in der BILD-Zeitung und in der türkischen Tageszeitung Hürriyet erscheint. Wieder einmal tritt die BILD - in persona Diekmann - als Anwalt der Gerechtigkeit auf, möchte die Rolle kollektiver Vernunft spielen.
Dabei verschweigt er, daß es ausgerechnet die BILD-Zeitung war, die Kochs weltanschaulich-rassistischen Wahlkampf lautstark unterstützte. Täglich berichtete man von der angeblich steigenden Ausländerkriminalität, die unsere Gesellschaft vor schwere Prüfungen stelle. Weil es "immer mehr Ausländer gibt, die bei uns nichts zu suchen haben", schien Kochs Rigorosität unterstützenswert. Vernunft: Fehlanzeige; ein Blick in entkräftende Kriminalstatistiken: Fehlanzeige; Anhören von kritischen Stimmen, die das Anwachsen der Ausländerkriminalität als Unsinn abtaten: Fehlanzeige. Man war so überhaupt nicht Anwalt der ratio in jenen Tagen.
Jetzt aber, da die Gefahr droht, mit einem möglichen rassistisch begründeten Brandanschlag in Ludwigsburg, das Ansehen Deutschlands und der Deutschen zu gefährden, da findet man zurück zu versöhnlicheren Tönen. Ruhe bewahren heißt hier der Leitspruch. Nur ja kein Mißtrauen schüren. Während man von anwachsenden kriminellen Ausländerhorden berichtete, sind die Brandstifter - sofern es denn ein Anschlag war - nur als eine traurige Randerscheinung zu bewerten. Damit spricht man sicher die Wahrheit aus, aber nur, weil es dem eigenen nationalen Ansehen dienlich ist.
Dieses BILD-Prinzip ist keine neue Erscheinung. Man hetzte gegen Studenten und als Benno Ohnesorg erschossen wurde, tat man wie die Unschuld vom Lande; man schrieb 1968 vom "Ergreifen der Rädelsführer" und als man dann auf "den Rädelsführer" Rudi Dutschke schoss, hüllte man sich in Zurückhaltung und beschwichtigte munter die geistige Mittäterschaft. Auch in diesem Winter wurden Stimmen laut, man würde mit dieser Form rassistischer Kriminal"analyse" Ressentiments nähren. Mölln, Solingen und Rostock sollten, so wurde erhofft - und von mir in einem Beitrag vom 10. Januar ebenso behandelt - nicht mehr Wirklichkeit werden. Nun kann man aber nicht behaupten, der nationalistisch-rassistisch aufgewiegelte Mob wäre erneut Wirklichkeit geworden, denn nach wie vor bleibt im Trüben, ob es sich um einen Anschlag handelte, und wenn ja, ob er politisch motiviert war.
Als man Mißtrauen gegen ausländische Mitbürger schürte, da wollte man auf diejenigen, die maßvolle Zurückhaltung forderten, nicht hören. Nun aber erscheint es im Sinne der nationalen political correctness notwendig, Maßhaltung zu predigen. Immerhin - so darf man wenigstens dankbar zustimmen - seien die Deutschen kein Tätervolk; im BILD-Kosmos kommen Verbrecherhorden immer aus dem Ausland, deutsche Kriminalität ist immer nur "traurige Randerscheinungen" und deutsche Wirtschaftskriminalität findet bei BILD gar nicht statt. Kein Mißtrauen also, damit am Ende nicht rauskommt, was nicht rauskommen darf: Das Koch und Konsorten und zudem die BILD-Zeitung die geistigen Väter neuen nationalen Anzündens waren und - sofern es das politische Klima wieder erlaubt -, so darf man annehmen, weiterhin sein werden. Das Tagesblatt des Spießbürgers zündelt gerne, aber wenn dann das Objekt des Zündelns in Rauch aufgeht, will man nichts mehr davon wissen und wechselt ins Lager des braven Feuerwehrmannes.
Dabei verschweigt er, daß es ausgerechnet die BILD-Zeitung war, die Kochs weltanschaulich-rassistischen Wahlkampf lautstark unterstützte. Täglich berichtete man von der angeblich steigenden Ausländerkriminalität, die unsere Gesellschaft vor schwere Prüfungen stelle. Weil es "immer mehr Ausländer gibt, die bei uns nichts zu suchen haben", schien Kochs Rigorosität unterstützenswert. Vernunft: Fehlanzeige; ein Blick in entkräftende Kriminalstatistiken: Fehlanzeige; Anhören von kritischen Stimmen, die das Anwachsen der Ausländerkriminalität als Unsinn abtaten: Fehlanzeige. Man war so überhaupt nicht Anwalt der ratio in jenen Tagen.
Jetzt aber, da die Gefahr droht, mit einem möglichen rassistisch begründeten Brandanschlag in Ludwigsburg, das Ansehen Deutschlands und der Deutschen zu gefährden, da findet man zurück zu versöhnlicheren Tönen. Ruhe bewahren heißt hier der Leitspruch. Nur ja kein Mißtrauen schüren. Während man von anwachsenden kriminellen Ausländerhorden berichtete, sind die Brandstifter - sofern es denn ein Anschlag war - nur als eine traurige Randerscheinung zu bewerten. Damit spricht man sicher die Wahrheit aus, aber nur, weil es dem eigenen nationalen Ansehen dienlich ist.
Dieses BILD-Prinzip ist keine neue Erscheinung. Man hetzte gegen Studenten und als Benno Ohnesorg erschossen wurde, tat man wie die Unschuld vom Lande; man schrieb 1968 vom "Ergreifen der Rädelsführer" und als man dann auf "den Rädelsführer" Rudi Dutschke schoss, hüllte man sich in Zurückhaltung und beschwichtigte munter die geistige Mittäterschaft. Auch in diesem Winter wurden Stimmen laut, man würde mit dieser Form rassistischer Kriminal"analyse" Ressentiments nähren. Mölln, Solingen und Rostock sollten, so wurde erhofft - und von mir in einem Beitrag vom 10. Januar ebenso behandelt - nicht mehr Wirklichkeit werden. Nun kann man aber nicht behaupten, der nationalistisch-rassistisch aufgewiegelte Mob wäre erneut Wirklichkeit geworden, denn nach wie vor bleibt im Trüben, ob es sich um einen Anschlag handelte, und wenn ja, ob er politisch motiviert war.
Als man Mißtrauen gegen ausländische Mitbürger schürte, da wollte man auf diejenigen, die maßvolle Zurückhaltung forderten, nicht hören. Nun aber erscheint es im Sinne der nationalen political correctness notwendig, Maßhaltung zu predigen. Immerhin - so darf man wenigstens dankbar zustimmen - seien die Deutschen kein Tätervolk; im BILD-Kosmos kommen Verbrecherhorden immer aus dem Ausland, deutsche Kriminalität ist immer nur "traurige Randerscheinungen" und deutsche Wirtschaftskriminalität findet bei BILD gar nicht statt. Kein Mißtrauen also, damit am Ende nicht rauskommt, was nicht rauskommen darf: Das Koch und Konsorten und zudem die BILD-Zeitung die geistigen Väter neuen nationalen Anzündens waren und - sofern es das politische Klima wieder erlaubt -, so darf man annehmen, weiterhin sein werden. Das Tagesblatt des Spießbürgers zündelt gerne, aber wenn dann das Objekt des Zündelns in Rauch aufgeht, will man nichts mehr davon wissen und wechselt ins Lager des braven Feuerwehrmannes.
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Ergänzungen
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
BLÖD-Zeitungen zu Klopapier! — Jollijumper und Diekmanns Mudder
@ Robart dela Pennte — hä?
KlaR! — (muss ausgefüllt werden)