3 Jahre BVG-Urteil zu Studiengebühren

yet another filming person 04.02.2008 22:04 Themen: Bildung
Am 26. Januar gab es einen bundesweiten Aktionstag für Solidarität und freie Bildung anlässlich des dreijährigen Jubiläums des Bundesverfassungsgerichtsurteils zu Studiengebühren. Dieser fand dieses Jahr in Frankfurt am Main statt. Am Ende eines erfolgreichen Tages voller schöner Aktionen gab es zum Schluss eine Massenspontandemo - und Massenverhaftungen.
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Vor drei Jahren urteilte das Bundesverfassungsgericht über das Verbot allgemeiner Studiengebühren, welches in jahrelangem Kampf vorher durch die Bildungsbewegung erstritten wurde. (Kommentierungsvideo)

Dies war der Startschuss für den Summer of Resistance (Film)2005 mit zahlreichen Campuscamps, großen Demos und Präsidiumsbesetzungen, bis hin zu einem "Summercamp of Resistance" in Berlin (1,2).
Nach entschlossenen Demonstrationen im Winter und einer Tortenattacke auf den Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz kam es am 26.1.2006 bereits zu ersten Jubiläumsaktionen: 1 | 2 | 3 | 4

Nach dem in den Semesterferien Jugendliche und Studierende in Frankreich gegen das CPE revoltierten begann auch in Deutschland ein heftigerer Summer of Resistance reloaded (Dokumentarfilm)
Autobahnbesetzungen, Gleis- und Bahnhofsblockaden standen auf dem Programm. Ein Global Action Day for education brachte dann auch im Herbst einen Vorgeschmack auf das nächste Jubiläum, welches kurz vor der Haustür stand. Eine bundesweite Demonstration in Karlsruhe stand auf dem Programm und die Mobilisierung ließ schon einiges erwarten. (Mobilisierungsvideo 1 & 2 | Bericht)
Eine Demonstration von mehreren Tausend lief schließlich unkontrollierbar durch Karlsruhe und versuchte mehrfach die Bannmeile um das Bundesverfassungsgericht zu stürmen.
Wie als Antwort darauf wurde wenige Tage später die Freie Uni Bochum gestürmt und geräumt, welche im Summer of Resistance reloaded geboren war.

Durch die Fokussierung auf den G8 wurde es stiller - jetzt war es an der Zeit, den Boykott zu proben und in Hessen genug Unterschriften für eine Verfassungsklage zu sammeln. Nachdem letzteres geglückt, der Boykott jedoch größtenteils gescheitert war, vermehrte sich in letzter Zeit wieder zunehmend Protest. Neben Demonstrationen in Hamburg und Heidelberg (Bericht | Fotos) sowie der Störung einer Einweihung in Bochum wurden in Hessen vermehrt auch Wahlkampfveranstaltungen der CDU gestört. (Darmstadt | Frankfurt)

Und auch dieses Jahr sollte es wieder eine Jubiläumsveranstaltung geben:
einen bundesweiten dezentralen Aktionstag in Frankfurt am Main. (Mobilisierungsvideo)
Neben zwei Kundgebungen des Aktionsbündnis gegen Studiengebühren und des Bündnis für Politik und Meinungsfreiheit, sowie vielen Kleingruppenaktionen wie einer Fahrraddemo, Reclaim the Streets Partys, Jubeldemos und kleineren Spontandemos kam es im Anschluss an eine Zwischenkundgebung am Opernplatz zu einer großen Spontandemo, welche in zwei Teile gespalten wurde.
Während die erste Gruppe durch eine Polizeisperre brach und anschließend am Westend Barrikaden aus Mülleimern und Blumenkübeln baute wurde die zweite Gruppe nach friedlichen Laufspielen über den Bahnhof zum Abschlusskundgebungsplatz kurz vor erreichen desselbigen größtenteils eingekesselt. Anschließend kam es zu Massenverhaftungen, welche der Presse als "festgenommene Randalierer" verkauft wurden. (Video)

Parallel zum Tag in Frankfurt gingen auch in Münster Studierende mit einer Jubeldemo auf die Straße.

Alles in allem scheint sich der 26. Januar als Protesttag zu etablieren, in welcher Form er nächstes Jahr stattfinden wird bleibt spannend - verhindern könnten ihn die Landesregierungen, wenn sie die Studiengebühren wieder abschaffen. Gerade durch die Neuwahlen in Hessen und Hamburg ergäbe sich eine theoretische Parlamentsmehrheit gegen Studiengebühren. Doch das so etwas alleine nicht ausreicht mussten Studierende bereits in Österreich lernen, als die dortige SPÖ-Regierung statt der Abschaffung der Studiengebühren (wie im Wahlkampf versprochen) auf einmal umschwenkte und dafür einen Sozialdienst anbot, den die Studierenden ersatzweise leisten könnten.
Ob die SPD sich angesichts der schon jetzigen Wut nach so langem Kampf traut ihr Wort zu brechen und damit die Wette mit dem ASTA der TU-Darmstadt zu verlieren wird sich zeigen...
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Ergänzungen

Pressespiegel

. 05.02.2008 - 10:51
Hier gibts einen Pressespiegel zum Aktionstag in Frankfurt

Reader Videoaktivismus

Netzwerk Videoaktivismus 05.02.2008 - 15:05
trojan tv hat mit Hilfe einiger anderer VideoaktivistInnen einen interaktiven Reader "Videoaktivismus" gemacht. Neben Kapiteln über Kamera, Drehen und Schnitt enthält dieser Reader wertvolle Informationen für VideoaktivistInnen, wie Filmen auf Demos & Aktionen, Filmen fürs Internet und Informationen zur Rechtslage.

Im Reader gibt es Schritt fuer Schritt Erklärungen mit vielen Bildern, Tips & Tricks. Ausserdem gibt es jede Menge Beispielvideos und Tutorials.

online:  http://www.antenna.nl/organicchaos/training/reader.html
auf CD bei: trojan[at]nadir.org

uebergebuehr freigeschaltet

uebergebuehr 05.02.2008 - 16:04

Pressespiegel und Presseerklärungen

x 05.02.2008 - 19:59
unter www.snob-marburg.de.tc gibts einen Pressespiegel, sowie die Pressemitteilungen der Grünen Jugend Hessen und vom EA Frankfurt

solidarität!

Presseerklärung des EA

http://www.uebergebuehr.de/ 08.02.2008 - 01:26
Zu jeder größeren Demo gehört ein von den Veranstaltern organisierter Ermittlungsausschuss(EA), den man während und nach der Demo telefonisch erreichen kann. In Hessen gibt es dabei eine Enge zusammenarbeit mit der roten/bunten Hilfe, die über langjährige Erfahrung in diesem Bereich verfügt. Die Pressemitteilung des EA: Im Zuge des Aktionstags für freie Bildung und Meinungsfreiheit, zu dem am vergangenen Samstag neben den ASten der Uni und FH Frankfurt auch die GEW Hessen, das pm-Bündnis und der StadtschülerInnenrat Frankfurt aufgerufen hatten, kam es am Abend zur willkürlichen Festnahme von 208 Personen. Die Festnahmen wurden pauschal für alle DemonstrantInnen mit dem Anfangsverdacht des Landfriedensbruchs begründet, den die Staatsanwaltschaft ohne Begutachtung der Lage gegeben sah. Die Festnahmen fanden statt, nachdem der gesamte Demonstrationszug in der Frankfurter Innenstadt eingekesselt worden war. Durch Schlagstockeinsatz kam es zu mehreren Verletzten, darunter ein Schwerverletzter. Die harte Gangart von Seiten der Polizei gehörte anscheinend zum Einsatzplan. Darauf deutet die Tatsache hin, dass die Demonstration sofort aufgelöst und eingekesselt wurde, nachdem diese von der angemeldeten Strecke abgewichen war und Teilnehmer am Verlassen des Demonstrationszuges gehindert, bzw. sogar von Polizisten in den umschlossenen Bereich gedrängt wurden, obwohl sie sich vom Demonstrationszug entfernen wollten. Die hohe Anzahl getätigter Festnahmen führte dazu, dass die Betroffenen teilweise mehr als 4 Stunden in der klirrenden Kälte ausharren mussten. Für die Verbringung der DemonstrantInnen in das Polizeipräsidium wurde neben Gefangenentransportern und Bussen von Polizei und Justiz auch eine U-Bahn der VGF genutzt.

Im Polizeipräsidium wurde eine Vielzahl von DemonstrantInnen ohne Mitteilung von Gründen und ohne erkennbare sachliche Rechtfertigung sowohl menschenunwürdigen Leibesvisitationen (häufig bei geöffneter Tür) als auch Erkennungsdienstlicher(ED)-Behandlungen unterzogen. Unter den Festgenommenen befanden sich auch 10 Minderjährige, die im Polizeipräsidium z. T. ebenfalls Leibesvisitationen und ED-Behandlungen über sich ergehen lassen mussten. Einzelne Minderjährige befanden sich bis zu 8 Stunden im Polizeigewahrsam, wobei in einigen Fällen die Eltern pflichtwidrig nicht benachrichtigt wurden. Weiteres Indiz für die völlige Willkür und das fehlende Augenmaß der Frankfurter Polizei ist die Tatsache, dass sich unter den Festgenommenen auch unbeteiligte Passanten befanden, die von Polizeibeamten gewaltsam in den Kessel gedrängt worden waren bzw. diesen lediglich durchqueren wollten. Dem EA Frankfurt sind drei solche Fälle bekannt. Nach Ansicht des EA Frankfurt waren sowohl die Festnahmen als solche als auch die Leibesvisitationen und ED-Behandlungen durch die Polizei widerrechtlich. „Die willkürliche Festnahme eines gesamten Demonstrationszugs auf Grund des pauschalisiert erhobenen Vorwurfs „Landfriedensbruch“ ist unzulässig und stellt einen groben Verstoß gegen die Versammlungsfreiheit dar“, so Behruz Kardan vom Ermittlungsausschuss. „Etwa in der Nähe [1,5 Km, der Verf.] einer Veranstaltung begangene Sachbeschädigungen können in keinem Fall die kollektive und pauschale Verhaftung aller Teilnehmer rechtfertigen. Wir nehmen daher an, dass mit der willkürlichen Festnahme des gesamten Demonstrationszuges gezielt ein Exempel statuiert werden sollte, um Menschen von der Wahrnehmung ihres Demonstrationsrechts abzuschrecken“, so Kardan weiter.

Video aus Münster und Freiburg

Yellow Submarine 11.02.2008 - 02:52
Hier findet sich ein schönes Video von der Aktion in Münster:

 http://youtube.com/watch?v=waTjWYEvbaE


und hier auch von Till Timmermann, Satire aus Freiburg:

 http://youtube.com/watch?v=D4TzPr0E59Q


Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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