Kalkproteste spalten sich

die "antisexistischen VorkämpferInnen" 26.01.2008 13:48 Themen: Antirassismus
Nach einem Streit während der Donnerstagsmahnwache nehmen das Umfeld der Familie des toten Salih Abstand von der Fortführung der Proteste. Diese werden am Freitag unter der Führung islamischer Aktivisten und mindestens einer "Gang" fortgesetzt. damit ist der Versuch einer linken Intervention gescheitert, übriggeblieben sind nur noch die Religiösen und durchgeknallte Gangmitglieder.
Das Bild, das sich von der Demo am Freitag bot, unterschied sich qualitativ und quantitativ von dem am Dienstag und Mittwoch. Es waren weniger Leute und es war nicht mehr die gleiche Mischung. Das engere Umfeld der Familie fehlte, sowie der Teil, mit dem sich ganz gut reden ließ. Bereits auf bei dem öffentlich ausgetragenen Streit am Donnerstag zeichnete sich eine Wendung ab, da klar war, dass der abgespaltene Teil sich nicht mehr beteiligen würde und sich von allen weiteren Aktivitäten distanziert. Dadurch fehlten die Leute, denen es nicht um eine religiöse, islamische Ausrichtung der Sache ging. Und das hat sich am Freitag gezeigt. Wir haben daher nach einigen Diskussionen auch mit anderen BeobachterInnen beschlossen, von weiteren interventionistischen Versuchen abzusehen und ziehen uns auf die Beobachtung zurück.
Dass das Ganze so kippen könnte, war uns von Anfang an bewusst. Unsere Bedingungen für eine Einflussnahme waren denkbar schlecht. Wir kannten anfangs niemanden und hatten nur wenige und schlechte Kontakte in den Kreis der Protestierenden. All das haben die Religiösen natürlich schon, es war für uns also auch ein bisschen ein Kampf gegen Windmühlen. Trotzdem gab es Momente, die uns ermutigt haben, es zu versuchen. Das ist erst einmal gescheitert. Wir bleiben dabei, dass es richtig war, zu versuchen sich einzumischen.
Wir bedauern die persönlichen Angriffe und die Häme, mit der wir hier anonym im Netz überzogen werden. Diese Art des Umgangs seitens bekannter GenossInnen aus der Nachbarschaft trifft uns sehr und hat uns auch viel Kraft geraubt. Wütend machen uns Leute, die meinen von ihrem Schreibtisch in Berlin Prenzlauer Berg aus uns die Realiät in Köln Kalk erklären zu können. Die Albernheit dieses Unterfangens müsste eigentlich deutlich sein.
Eine kritische Reflexion hätten wir uns sehr gewünscht, denn jeden Moment den wir dort verbracht haben, haben wir mit Selbstzweifeln verbracht. Eine miese Entsolidarisierung, menschenverachtende Kommentare und dumme Pauschalverurteilungen sind allerdings nicht das, was wir unter Kritik und Reflexion verstehen.
Die KommentatorInnen aus dem Stadtteil werden gebeten, persönlich Kontakt aufzunehmen und wir werden natürlich alle NachbarInnen und VeedelsbewohnerInnen, die wir kennen, darauf ansprechen. Denn es ist auch keineswegs klar, dass die Demos aufhören werden, dass sie kleiner werden oder friedlich bleiben. Wir wissen nicht, was nun passiert und müssen vielleicht schon bald wieder reagieren, unter anderen Vorzeichen. Und wir lassen uns nicht von Bekannten im Schutz der vermeintlichen Anonymität des Internets mit Dreck bewerfen.

Samstag, 26.01.08
Eure VorkämpferInnen
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Ergänzungen

Darum gehts...

ausgefüllt 26.01.2008 - 14:20
Indymediaartikel zu den Protesten in Köln Kalk
 http://de.indymedia.org/2008/01/206066.shtml

macht weiter so

egal 26.01.2008 - 22:28
Grüße nach Köln.

Ich habe die Vorgänge in Köln nur vom PC aus verfolgen können. Mehr ging nicht.

Wir hatten in Bochum mal eine ähnliche Situation. Schon Jahre her und nicht so eklatant wie bei Euch. Migrantische Jugendliche, alles Jungmänner, verjagten Nazis nach einem Überfall auf zwei Migranten.
Der Vorfall: Aus eine Gruppe von ca 20 Nazis, die aus der Wattenscheider NPD-Zentrale kamen, lösten sich 6 und griffen zwei migrantische Teenager an. Während sie den einen, körperbehinderten, Jugendlichen zusammentraten, konnte der Andere fliehen und Hilfe holen. Diese bestand aus jugendlichen Migranten, die in einer benachbarten "Spielhölle" "abhingen". Diese verjagten die Nazis aus dem Stadtteil. Noch nach ca 45 Minuten waren gut 40 Jugendliche aus verschiedenen Herkunftsländern vor der "Spielhölle". Zu diesem Zeitpunkt traf massiv die Polizei ein, nahm die Personalien auf und es wurde mit allen eine ED-Behandlung gemacht.

In der Presse wurde dann von Angriffen seitens "ausländischer" Jugendlicher auf deutsche Jugendliche, die "ausgesehen haben wie Skinheads", berichtet. Der vorherige Angriff von den Nazis wurde nicht erwähnt.
Wir fuhren damals auf Verdacht in den Stadtteil, suchten und fanden die Jugendlichen und diskutierten mit ihnen. Wir trafen uns zweimal. Unsere Gegendarstellung, wie auch die der Jugendlichen, fand bei der WAZ und RN kein Gehör.

Auch damals war das Gemisch der Jugendlichen eine krude Ansammlung von Jungmackern, teils islamisch Orientierten, teils "Grauen Wölfen", aber auch von ganz normalen Vorstadtkids. Ihr könnt Euch vorstellen, dass uns Angesichts von Schlüsselanhängern mit Bozgurt-Emblemen, nicht wohl zumute war. Wir besorgten ihnen Anwälte und sprachen über Verhalten bei polizeilicher Repression. Angesichts des rassistischen Konsens in dieser Gesellschaft erschien uns dies das einzig Richtige zu sein. Es kam leider nur zu sporadischen inhaltlichen Debatten und der von uns bewußt herbeigeführte Kontakt verlor sich, sobald die "technische Hilfe" abgeschlossen war.
Leider. Und zwar deshalb leider, weil nur im Kontakt und der Auseinandersetzung Veränderungen zu erreichen sind. Nicht von oben herab gedacht. Also im Sinne, wir sagen denen, wo es lang geht. Einfach als sozialer Prozess gedacht. Wie das Leben halt ist. Halt komplex, kompliziert und nicht immer einfach.
Ich glaube an den damaligen Ereignissen Einiges gelernt zu haben. Über "Antirassismus", "Klassenzusammensetzung" und zumindestens das, dass ich noch viel zu Verstehen und zu Lernen haben.

Ich glaube, eine solche Initiative wir ihr sie versucht habt, lohnt sich.
Schaut Euch trotz Eures Frustes die Entwicklung weiter an und haltet Kontakt zu denen, die, Eurer Meinung nach, auch den Kontakt zu Euch suchen.

stay rude, stay antifascist

so long

ein Bochumer

Bremen vs. Bochum

egal 27.01.2008 - 11:49

...der Beitrag aus Bremen passt - die Konzentration der Hippies und Gymnasiums-peer group leader in der rein deutschen Szene dort spricht Bände. Kleinbürgerliches Politikverständnis, Baden in der Subkultur mit Leuten die so aussehen wie man / frau selbst, die so reden und dieselbe Mentalität haben - da kann nix anderes bei rauskommen.
Dies ist allerdings keine Politik, sondern Gehabe und nichts weiter als eine (erfolgreiche) Verteidigung des eigenen Lifestyles vor der bösen Welt da draußen - bis die 30,35 erreicht sind und das Studium abgeschlossen.

Politisch reifer ist es allemal, zu versuchen, die Welt tatsächlich zu ändern als nur die eigene Clique. Darum gebührt den Leuten aus Kalk ebenso wie den Bochumer Leuten großer Respekt (nein, das ist nicht fundamentalistisch gemeint :) . Das ist in meinen Augen die Essenz linker Politik : die Zustände zu ändern.

Es ist auch ganz klar, dass man mit irgendwelchen Wichsern um die Köpfe der Jugendlichen konkurriert. Wer einmal mit Jugendlichen politische Arbeit gemacht hat, wird das checken: du konkurrierst mit MTV, mit Footlocker, mit den Wettbüro-Gangstern, mit der Sippe, mit Kirche und Sozialarbeiter/innen.
Man kann es sich nicht wegwünschen: politische Arbeit ist ein Kampf um Köpfe. Aus genau dem grunde schreibt man/frau auch Positionspapiere, Flugblätter, Reden. Wer das vermeiden will, soll ehrlich sein: es geht ihm/ihr um den Fun, um die Selbstbeweihräucherung, um das Pils und die Mucke. Kein Problem. Aber seid verdammt nochmal ehrlich und sucht nicht ständig irgendwelche Ausreden fürs Nicht-Agieren !


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