Freispruch für Berner Anti-G8-Aktivisten

ProzessbeobachterInnengruppe Sämi 22.01.2008 23:09 Themen: G8 Globalisierung Repression Soziale Kämpfe
Letzten Montag 21.1.08 fand vor dem Amtsgericht Rostock der Prozess gegen einen jungen Berner statt, der an den Demonstrationen und Aktivitäten gegen den G8-Gipfel im Juni 2007 in Heiligendamm teilgenommen hatte. Er wurde vollumfänglich freigesprochen.
Die Anklage lautete auf „schweren Landfriedensbruch“ und „versuchte schwere Körperverletzung“ und stützte sich auf die Aussage eines Polizeibeamten, der gesehen haben will, dass Sämi an der Auftaktdemonstration vom Samstag 2. Juni einen Stein gegen Polizisten geworfen hätte. Bei der Verhaftung, die tags darauf erfolgte, behauptete der Polizist den Jungen anhand folgender Merkmale 100prozentig wieder zuerkennen: schwarzes Sweatshirt, schwarzes Baseballcap, schwarze Sonnenbrille, Jeans, schlaksiger Gang, Größe 1.80 bis 1.85m. Dass aufgrund einer solchen Allerweltsbeschreibung überhaupt eine Anklage aufrechterhalten wurde, ist erstaunlich.

Die Richterin führte eine ausführliche Befragung durch. Der bayrische Polizeizeuge wiederholte seine Aussagen und auch die Lügengeschichten von Dutzenden zum Teil schwer verletzten Polizisten, die schon lange widerlegt sind, wie die Verteidigerin beifügte. Nach den übereinstimmenden Aussagen des Angeklagten und eines Zeugen hatte sich Sämi gar nicht an dem Ort der Auseinandersetzung aufgehalten, zudem ist er 1.92m groß.
Die Staatsanwältin plädierte ohne zu zögern für einen Freispruch. Die Richterin war mit Überzeugung derselben Meinung, und nach rund zwei Stunden war der ganze Spuk vorbei. Dem Angeklagten und dem Zeugen wurden die Gerichtskosten und Reisespesen zurückerstattet, die Forderung nach einer Entschädigung für die über 24stündige Haft wird in einem Adminstrativverfahren geklärt.

In den schweizerischen Zeitungen war Sämi im Juni 2007 in großen Schlagzeilen als Krawalltourist und Mitglied des „Schwarzen Blocks“ diffamiert worden. Im gleichen Atemzug wurde von den Dutzenden Schwer Verletzten Polizisten berichtet. Wie sich später herausstellte, mussten aber nur zwei Polizisten im Spital behandelt werden (einer wegen einer Blinddarmentzündung, der andere wegen eines Fingerbruchs). Wieder einmal spielten die Medien in der Vorverurteilung und Diffamierung des Widerstands mit. Unkritisch und ohne jegliche Recherchen wurden Polizeiaussagen wortwörtlich abgedruckt, die sich später als klare polizeilich-politische Desinformation heraus stellen. Gerade im Hinblick auf die Polemik betreffend der Anti-WEF Aktivitäten ist zu hoffen, dass die Presse sich wieder auf ihren eigentlichen Auftrag der objektiven und kritischen Berichterstattung zurück besinnt.
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Ergänzungen

@raptor

gedächtnis 23.01.2008 - 07:21
He Raptor, bist Du 'n Troll oder was? Selbst die Polizei hat nach den anfänglichen Falschbehauptungen nie mehr als zwei Schwerverletzte reklamiert. Ich weiß ja nicht, wer hier'n Interesse daran hat, aber wenn Du hier nachträglich versuchst, diese Propagandaversion nach dem Motto "na, irgendwas war ja doch dran" durchzudrücken, muss ich dem deutlich widersprechen. Dann noch dieses Geraune von "nicht nur Fingerfrakturen". Na, dann benenn's doch mal, was es gewesen sein soll, und dann sag mir einen plausiblen Grund, warum die Kavala ausgerechnet Deine verletzten Polizisten NICHT zur Untermauerung ihrer ersten Version herangezogen hat, sondern diese stillschweigend fallengelassen hat!

verletzte

sani 23.01.2008 - 09:09
grundsätzlich unterscheidet man heute umgangs- und polizeisprachlich 4 arten/grade der verletzung:
1. leicht verletzt: der mensch musste von einem sanitäter o.ä. behandelt werden, eine sichtung durch einen arzt ist aber nicht nötig. (kl. schnittwunde)
2. verletzt: der mensch musste nach der erstversorgung zur diagnose/behandlung in ein krankenhaus/zu einem arzt und wurde dort auch erneut behandelt, aber nicht stationär aufgenommen. (leichter bänderriss)
3. schwer verletzt: der mensch müsste in ein krankenhaus zur behandlung gebracht werden und wurde dort auch stationär aufgenommen. (schwerere gehirnerschütterung)
4. schwerst verletzt: der mensch muss sofort in ein krankenhaus zur behandlung gebracht werden, es besteht eine akute lebensgefahr, eine stationäre aufnahme ist nötig. (schwere stichverletzung in oberkörper)


so ist zum beispiel zu erkläre dass jeder polizist, der in rostock das eigene tränengas eingeatmet hatte als verletzter geführt worden ist.

2. Juni Demo, Gewalt, Distanzierungen etc

GegenGewalt 23.01.2008 - 13:06
Mit euch gibt es keine Perspektive
Lea van Garde 16.01.2008 20:03
 http://de.indymedia.org/2008/01/205180.shtml

polizeivideo vom 02.06.2007

chronist 23.01.2008 - 16:23
ausschnitte eines tapes vom tag in rostock:
 http://www.interpool.tv

ergänzung

Raptor 23.01.2008 - 20:30
ich will jetzt nochmal klarstellen, das ich das Vorgehen der Bullen am 2 Juni auch verurteile.ich selber habe mindestens 20-30 Demonstranten versorgt, die meisten mit Reizgasinhalation.weil die Polizei ihr Reizgas in die Wasserwerfer gemixt hat und denn wild um sich gesprüht haben.und das ist die Wahrheit, ich habe mich selber mit einem Hannoveraner Polizisten unterhalten und er hat es mir bestätigt.jetzt nochmal zu den verletzten Bullen, ich habe nicht gesagt das es mehrere schwerverletzte gab, sondern mehrer Polizisten gesehen bzw. kurz behandelt hatte die durch Stein und Flaschenwürfe verletzt wurden.obwohl ich mit denne nicht viel zu tun hatte, weil die ihre eigenen Bullensanis dabei hatten.

@raptor

fx 23.01.2008 - 23:25
du hattest geschrieben:
"natürlich gab es auf der Demo am 2 Juni in Rostock keine dutzenden Schwerverletzten Polizisten, aber es waren auf jedenfall mehr als zwei"
damit behauptest du ganz klar, dass es mehr als 2 schwerverletzte bullen gab, was nun mal einfach nicht stimmt, auch nicht nach ihren eigenen angaben, und insofern war der einspruch und die richtigstellung von "gedächtnis" absolut angebracht, und es gibt überhaupt keinen grund für dich, hier jetzt so rumzuzicken und auf armes indy-opfer zu machen.

@fx

Raptor 24.01.2008 - 02:08
okay, da muß ich dir Recht geben das habe ich schlecht bzw. falsch formuliert.ich meinte jetzt nicht die Anzahl der "schwerverletzten" Polizisten, sondern das es doch eine erhebliche Anzahl von "normalen" Verletzten Polizisten gab.obwohl ich selber eine Polizistin gesehen habe die eventuelle eine Fraktur am Knöchel hatte, das würde denn ja auch als "schwerverletzt" gelten.und das diese Polizistin mit einer Kollegin auf dem Weg zu unserem Wagen mit Flaschen beworfen wurde, und wir denn auch weil wir sie Aufnahmen ist natürlich ein unding.

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@gedächtnis — Raptor

Danke — Niemand