Klassenkampf in China

Bernhard / Welt in Umwälzung 18.01.2008 18:26 Themen: Weltweit
China: Die Unruhen in China werden härter. Beispiel: diese Woche verprügelten ArbeiterInnen der Maersk Container Fabrik in Dongguan nicht nur Wachleute, sondern mischten die ganze Fabrik auf, nachdem die Security einen Arbeiter angegriffen hatte.
China, Dongguan, Provinz Kanton: Die ArbeiterInnen der Container-Fabrik der dänischen Reederei Maersk waren schon länger sauer: Sie sollten die freien Tage des kommenden Neujahrsfestes kostenlos vorarbeiten, obwohl die Feiertage eigentlich bezahlt werden müssten, ausserdem hatte es Lohnkürzungen gegeben. Am 14.1.08 versuchte ein Kollege (ein mingong, ein Wanderarbeiter), die wartende Schlange vor der Essensausgabe zu umgehen, weil er zu spät in die Mittagspause gekommen war. Die Wachleute einer Vertragssicherheitsfirma wollten ihn erst mit 200 Yuan (~20 Euro) bestrafen; als er nicht zahlen wollte, verprügelten sie ihn. Danach rannte er blutüberströmt in die Kantine zurück und informierte die Anwesenden.

Diese griffen sich sofort die Wachleute, die sich nach kurzer Zeit zurückzogen. Polizei kam und brachte den Arbeiter und einen Wachmann ins Krankenhaus. Danach wurde die Fabrik aufgemischt. "Jedes Stück Glas ist zerbrochen", so ein Manager von Maersk.

Gestern, 17.1., war ein Teil der Fabrik erstmals wieder in Betrieb. Maersk hat sich von der Sicherheitsfirma getrennt und will mit Vertretern der Arbeiter über die Sache verhandeln.

siehe:
 http://www.csr-asia.com/index.php?p=11163
 http://www.rfa.org/english/news/2008/01/17/china_riot/
Bilder:
 http://news.sina.com.cn/s/2008-01-15/024214742959.shtml

Der Aufruhr der Maersk- Arbeiter ist nichts Aussergewöhnliches im heutigen China. 10.000 Streiks soll es nach Auskunft einer Unterorganisation der Staatsgewerkschaft im Jahr 2005 allein in dieser Provinz gegeben haben.
China bedeutet also nicht nur Wirtschaftswunder. Die ganze chinesische Gesellschaft ist in Aufruhr. Von Demos gegen die Magnetschwebebahn in Shanghai hin zu Protesten von ehemaligen Soldaten. Aber vor allem die "drei gefährlichen Klassen" (die (ehemaligen) ArbeiterInnen der Staatsbetriebe, die Bauern, die WanderarbeiterInnen) kämpfen gegen ihre Entgarantiesierung, den Landraub, gegen die Überausbeutung in den Sweatshops.
Über China wird derzeit überall berichtet; über den Klassenkampf dort aber kaum. Eine Einschätzung der Umwälzungen und Kämpfe in China findet ihr im Heft "Unruhen in China", das im Dezember als Beilage der Zeitschrift Wildcat erschienen ist.

siehe auch:
 http://de.indymedia.org/2007/12/203705.shtml
 http://www.wildcat-www.de/dossiers/china/
 http://www.umwaelzung.info/2007/aa_China2007.pdf (alle unsere China-Meldungen 2007 als PDF, 3,5MB)
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Ergänzungen

Klassenkämpfe in China

Entdinglichung 18.01.2008 - 20:13
Einen ganzen Haufen Infos findet mensch zum Thema auch auf der Webseite des China Labour Bulletin (von diesen u.a. die interessanten Berichte A Cry for Justice. The Voices of Chinese Workers und Speaking out: The Workers' Movement in China (2005-2006), beide als pdf-Datei) oder (meistens verlinkte Presse-, Gewerkschafts- oder Soligruppenmeldungen) auf LabourStart