Vor vierzig Jahren.
"Vor vierzig Jahren," so der Titel einer Fernsehreihe aus den 80zigern. Da ging es um die deutsche Knochenschau, ähm Wochenschau. Also die für die Propaganda aufbereiteten Schlachtengemälde. Da war der zweite Weltkrieg bereits vierzig Jahre alt.
Wozu diese Einleitung? Passt doch, denn seit wir das Jahr 08 schreiben, heißt es wieder vor vierzig Jahren. Doch diesmal geht es um das Jahr 68. Und nun können wir uns wieder auf was gefasst machen. Na auf viele nervende Rückschauen auf das magische Jahr und deren mittlerweile in Rente gegangenen oder kurz davor stehenden Beteiligten. Wenn man sich das unbedingt antun will, man könnt ja auch die Glotze abschalten oder die Asche für die Zeitung in einen guten Tropfen investieren. Da hast möglicherweise mehr von, als von den Veränderungen von 68 zu lesen, ohne die es selbstverständlich (was auch sonst?) die Grünen nicht gegeben hätte, keinen Fischer und auch keine Kanzlerin. Fehlt nur noch, das die 68ziger sich 89 auf die Fahnen schreiben. Schließlich forderte ja die KPD der SDSler Semmler und Horlemann schon in den 70igern die Wiedervereinigung Deutschlands, nur existierte deren Verein, als es sogar dazu kam, bereits seit zehn Jahren nicht mehr.
Wozu diese Einleitung? Passt doch, denn seit wir das Jahr 08 schreiben, heißt es wieder vor vierzig Jahren. Doch diesmal geht es um das Jahr 68. Und nun können wir uns wieder auf was gefasst machen. Na auf viele nervende Rückschauen auf das magische Jahr und deren mittlerweile in Rente gegangenen oder kurz davor stehenden Beteiligten. Wenn man sich das unbedingt antun will, man könnt ja auch die Glotze abschalten oder die Asche für die Zeitung in einen guten Tropfen investieren. Da hast möglicherweise mehr von, als von den Veränderungen von 68 zu lesen, ohne die es selbstverständlich (was auch sonst?) die Grünen nicht gegeben hätte, keinen Fischer und auch keine Kanzlerin. Fehlt nur noch, das die 68ziger sich 89 auf die Fahnen schreiben. Schließlich forderte ja die KPD der SDSler Semmler und Horlemann schon in den 70igern die Wiedervereinigung Deutschlands, nur existierte deren Verein, als es sogar dazu kam, bereits seit zehn Jahren nicht mehr.
Was haben wir dieses Jahr in der Medienwelt zu erwarten? Sicher die altbekannten Fotos, ob von Dutschke im Strickpulli oder Uschi Obermeier, hier freilich das Original, den Film dazu gibt es bereits auf DVD. Naturgemäß muß wieder litterweise Druckerfarbe dran glauben, für Megabitweise voraussehbaren Wortmüll wie das damals so war, wer dabei war, was die heute machen, welche Karrieren sie gemacht haben und so weiter und so fort. Natürlich wird der Hinweis nicht fehlen, das 68 die Republik verändert hat, den Staat modernisiert hat, plus allen weiteren segensreichen Auswirkungen von 68. Dann dürfen natürlich die Zeitzeugen nicht fehlen, soweit noch lebend und was dann folgt wissen wir. Die Sieger schreiben die Geschichte. Die bekannten Namen, die heute irgendwo Karriere oder sowas gemacht haben, die werden befragt, ja erzählen sie doch mal... , jene die sich frustriert zurückgezogen haben, jene die keinen Mehrwert aus 68 ziehen konnten, die als Alkis oder Gescheiterte endeten, die fragt niemand. Ist immer so und warum sollte das mit 68 anders laufen? Dutschke hat nichts mehr zu melden, Fischer sicher umso mehr und unser Euro68ziger Danny kennt die Journalistenfragen schon auswendig und kann sie noch im Tiefschlaf beantworten. Die gleichen Antworten hat er vermutlich schon vor zwanzig Jahren mittlerweile verrenteten Zeitungsfuzzis erteilt.
Nun haben wir etwas von dem 68 noch niemand träumen konnte und nun sollte man meinen, in einen Medium wie dem Internet, könnten sich auch die weniger Prominenten und Gescheiterten zu Wort melden.
Das ist von mir nicht zu erwarten, ich bin ja kein 68ziger und könnt allenfalls damit kommen, das ich zu der Zeit meine Gründe hatte, mich über Springer zu ärgern. Können beim Schach echt lästig werden, besonders wenn sie im Doppelpack auftreten.
Hier geht es auch nicht um Abrechnung oder darum alte Rechnungen zu begleichen. Die verbitterten Verratsanklagen überlass ich gerne den Verbitterten. Dabei sollten sie auch aus dem Alter raus sein. Aber wer s braucht.
Trotzdem gehöre ich zu denen die mit 68 zu tun hatten, ohne es seinerzeit zu wissen. Wer in den 70igern anpolitisiert wurde, in der Schule Stunk machte oder auch sonstwo, bekam die Fänge und einiges zu hören, was "ihr" so angestellt habt und wußte oft gar nicht, worum es ging. Man war ja weder daran beteilit, noch hatte man als Kind was davon verstanden, wenn man überhaupt was von mitbekam. Und wer in der Zeit in die diversen Gruppen reingeriet, der befand sich in Gesellschaft von 68zigern, ohne es zu wissen.
Wie das? Die K Gruppen, Trotzkistensekten und was sonst noch so rumagitierte, bestanden ja aus 68zigern und sogar die DKP verdankt 68 ihre Neuauflage, genauso wie deren Berliner Ableger, die vergreiste SEW sich mit Hilfe der 68ziger vor dem Aussterben rettete. Eines hatten sie gemeinsam, na abgesehen von den 68er traditionspflegenden Spontis möglicherweise. Sie schufen sich ihre Traditionslinien, die natürlich in die Wurzeln der Arbeiterbewegung zurückreichten. Selbst dann, wenn sie wie bei der DKP noch eine gewisse Basis hatten, war die Linie zur verbotenen KPD eher nostalgisch und die Linie zur weimarer KPD eher Fiktion als Realität. Bei den Rest der Gruppen bestand schon biographisch betrachtet keine Verbindung zur Arbeiterbewegung der 20iger Jahre, doch gerade deswegen bemühten sie sich um so mehr, diese herzustellen, indem sie bruchlos deren Symbole, Strukturen, Demoformen und Lieder übernahmen.
Was dazu gehörte, war der gemeinsam betriebene Versuch, 68 auszulöschen. Wer in solche Gruppen reingeriet, erfuhr ausgerechnet von den Beteiligten nichts über eine Studentenbewegung. Was, wie? Was soll das sein? War da mal was? Gruppen wie beispielsweise die KPD/ML, von denen einige aus der alten KPD kamen, sogar ihr Vorsitzender Aust, bestanden bei ihrer Gründung bereits größtenteils aus 68zigern, die freilich ihre Herkunft und Geschichte schamhaft verschwiegen und sich als KPD in der legitimen Nachfolge der Thälmann KPD sahen, das tat deren Konkurrenz freilich auch. So dauerte es etwas, bis man was von 68 erfuhr, jedenfalls nicht von den ehemals Beteiligten.
Mußte noch seinerzeit die Reimann KPD verboten werden um linke Geschichte auszulöschen, die 68ziger entsorgten ihre Geschichte freiwillig.
Das ist etwas, über das vermutlich nicht allzuviel geschrieben wird, ist manchen wohl bis heute peinlich.
Was war der Grund? Jede Party ist mal zuende und dann spalten sich die Feiernden in diejenigen, die wissen, wann es Zeit ist zu gehen und den Rest der glaubt, es müsse doch weitergehen und dann gibt s noch die Nachzügler, die glauben hier geht was ab, bevor sie merken, das sie nur noch die Überreste wegkehren und die leeren Flaschen aufsammeln dürfen.
Darum geht es, darüber werden sich die Schreiber und ihre Interviewpartner beim Erstellen ihrer Heldensagen weniger auslassen. Das die drauffolgenden Linken von den Fehlern und Dummheiten von 68 betroffen waren, diese ausbaden mußten ohne es zu merken, sondern sogar noch glaubten, es ist ihre Entscheidung. Die in die Tretminen angelesener Vergangenheit gerieten und davon überzeugt waren, an einer richtigen Sache beteiligt zu sein. Es hat etwas gedauert bis sie aufgewacht sind und erst die Konfrontation mit der Realität, etwa bei der Maloche oder 77 bei der Pogromstimmung des Deutschen Herbstes, bei AKW Demos, als man sich unerwartet Seit an Seit mit der Normalbevölkerung wiederfand oder sogar beim Krieg zwischen den sozialistischen Staaten, China und Vietnam. Es gab etliche derartige Gelegenheiten den Ideologiestaub aus dem Hirn zu blasen und sich zu fragen, ob man nicht etwas gründlich mißverstanden hatte.
Da hatten einige an sowas wie der Revolution geschnuppert (glaubten sie) ohne zu merken, das es nur ein Sturm im Wasserglas war. Als selbst die paar Barrikaden verraucht waren, wollten sie nun zur richtigen Revo schreiten und merkten nicht, das diese nun noch irrealer geworden war. Also helfen wir der Revo mit Parteigründungen, Marxstudium und der Anlehnung an der real existierenden Revolution nach. Dabei übersahen die selbsternannten Vertreter der Revolution eine wichtige Kleinigkeit, was freilich nicht nur an ihren fehlgeleiteten Idealismus lag, sondern auch daran, das die Verwalter der erfolgreichen Revolution, ob in Moskau oder Peking, ihre Leiche im Keller hatten und schamhaft drüber schwiegen. Was das war? Beispielsweise das Mao mal selbst zugab, ohne die Japaner säßen wir noch heute in den Bergen. Doch das hätte man mit vorurteilslosen Studium der Zeitgeschichte auch selbst wissen können, das dauerte freilich bei manchen etwas. Das die Revo im Osten ihren Erfolg nicht etwa der von Marx postulierten Gesetzmäßigkeit verdankt, sondern der instabilen Situation nach dem Weltkrieg, die ein Machtvakuum hinterließ und auch danach konnte sich Mao bei den Japanern bedanken (was er freilich nie tat), denn mit ihrer Bauernarmee hätten sie kaum ein halbwegs stabiles China einkassieren können. Von einer solchen Situation war in den 70igern weit und breit nichts zu sehen, um so mehr wurde in der Zeit über Revolution gelesen und geredet und je mehr drüber geredet wurde, desto irrealer wurde sie. Real war eher das "geht doch rüber" der Arbeiter und deren Desinteresse an linken Zeitungen. Sich an der realen Verangenheit anzulehnen oder auch am real existierenden Sozialismus war der Fluchtpunkt der es ermöglichte an die Ideologie und ihre Gesetzmäßigkeit zu glauben, denn die reale Situation in der BRD bot einfach keine Basis für linke Politik bzw. der Ansicht, das linke Politik hier einen Sinn ergeben könnte, das man von seiner aufopferungsvollen Tätigkeit noch zu Lebzeiten mal was sehen würde.
Die DKP setzte dagegen auf absolut legalistischen Kurs und das Jungvolk wurde mit Revolutionsgeschichten und bewaffneten Arbeiteraufständen aus der Vergangenheit bei Laune gehalten. Sollte es auf der Straße noch gelegentlich etwas nach Rauch riechen, die DKP distanzierte sich sofort von allen Provokationen.
Trotzkisten gab s freilich auch noch, die setzten auf Überzeugung des richtigen Gedankens und das die Zeit schon für sie arbeiten würde und solang muß man eben abwarten um dann rechtzeitig mit dem richtigen Bewußtsein vorbereitet zu sein. So wurden sie zu einer elitären Veranstaltung die, wie die Vertreter einer Buchreligion, das geheime Wissen bewahrten.
Elitär waren viele, die ML Sekten ohnehin, die nahmen nicht jeden der angeschissen kam. Für s Fußvolk hatten sie ihre "Massenorganisationen," in die Partei selbst kam nur wer von Anfang an zum harten Kern gehörte, der Rest mußte seine proletarische Herkunft nachweisen oder für seine kleinbürgerliche Herkunft mit harter Parteiarbeit und Anstellung als Hilfsarbeiter in der Fabrik büßen.
Noch elitärer war freilich nur die RAF, die selbsternannte Speerspitze der Revolution. Für die medial aufbereitete Rückschau stehen viele freilich nicht mehr zur Verfügung und das ausgerechnet ihr Gründer, der gute Horst Mahler in einer nostalgischen Talkshow einige alte Geschichten erzählen darf, ist weniger zu befürchten, an den traut sich nicht mal unsere mutige Ficherjägerin ran. Dabei war er als Apoanwalt doch einer der Hauptfiguren von 68, na was n Jammer auch.
Doch zurück zu 68 und den Folgen. In die Geschichtsschreibung ist sie unter Studentenbewegung eingegangen, auch wenn nicht nur Studies beteiligt waren.
Dafür war es ja eine Bewegung und Bewegungen haben wir ja mittlerweile einige gesehen. So lässt sich auch beurteilen, was das ist. Erst passiert irgendwas, das keiner versteht. Wenn es vorbei ist, kommen die Geschichtsschreiber und versuchen Erklärungen zu finden und das irgendwie einzuordnen, denn was sich einordnen lässt ist schon weniger bedrohlich. Dann spricht man von einer Bewegung, doch die ist längst vorbei. Wenn sie stattfindet, wissen die Beteiligten oft selbst nicht, was sie da eigentlich tun, ganz zu schweigen davon, das sie Mitglieder einer Bewegung sind. Die hat schließlich weder Anschrift noch verteilt sie Mitgliederausweise. Das tun ihre Nachfolger bzw. ihre selbsternannten Nachlassverwalter und das war mit 68 nicht anders. Mit der Flucht in die ML Ideologie und dem Parteientrismus (von dem die Jugendorganisationen der meisten Parteien profitierten), gab es natürlich auch die Bewahrer der reinen Lehre von 68, was immer das sein sollte. Zwar war die auch nur Fiktion, doch auch mit einer Fiktion kann man leben und daraus die Spontis gründen. Erbitterte Gegner der K Gruppen, denen sie Verrat an den Idealen von 68 vorwarfen. Nur woraus die bestanden hatten? Ideologisch waren beide weniger weit voneinander entfernt als es aussah.
Konsequenter Bewahrer der 68ziger Ideale war die RAF. Ihre Anschlagsserie folgte dem, wogegen die 68 demonstriert hatten und da sie Demos gegen Vietnam und Amis Geschichte waren, erinnerte sie mit ein paar Bomben auf eben diese Ziele die mittlerweile fertigstudierten Lehrer an ihre unbeendete Arbeit. Ironischerweise war es dann auch ein Lehrer, bei dem sich Ulrike Meinhof einnistete und der diesen Besuch bei der Polizei anmeldete. Sorry Frau Röhl, ist sicher nicht ganz fair, die Realität war es noch nie. Aber kleine Gemeinheiten die das Leben so schreibt, lockern den Text auf.
Hier geht es aber nicht darum die Geschichte von 68 zu schreiben oder neu zu schreiben, es kann auch nicht darum gehen, auf Verräterjagd zu gehen. Soll heißen, schau dir an was aus denen geworden ist, dabei haben die doch mal.... , kennt man schon. Kann man an etwas Verrat begehen, das vierzig Jahre zurückliegt? Na ja, Ideale sind bekanntlich zeitlos.
68 ist Geschichte, so scheint es und soll man Leut mit dem Zeug nerven, die damals noch nicht mal auf der Welt waren? Tu ich das hier? Werd doch selbst genervt und dies im zehnjährigen Rhythmus. Kann also nix für. Es scheint weit weg zu sein und doch hat noch einiges von 68 überlebt. Das einige Überreste des dogmatischen Kommunismus heute im Netz wiederauferstanden sind ist nicht weiter ernstzunehmen, dahinter stehen allenfalls eine handvoll Spinner oder einige Rentner die ihr Onlinehobby pflegen. Trotzdem gibt es auch heute noch Vereine die ihre Herkunft aus altehrwürdigen Traditionen ableiten und verschweigen, das auch sie 68ziger Spätgeburten sind. Hier wiederholt sich die Geschichte und auf einmal ist 68 sehr nah.
PS: In Frankfurt an einen Wasserhäuschen ist es mir gelungen, den letzten noch lebenden authentischen 68ziger ausfindig zu machen. War stockbesoffen, hatte lange Haare und einen weißen Bart und brüllte Ho Ho Ho. Mein ich jedenfalls, aber wenn ich s mir recht überlege, möglicherweise war s doch nur der Weihnachtsmann.
Nun haben wir etwas von dem 68 noch niemand träumen konnte und nun sollte man meinen, in einen Medium wie dem Internet, könnten sich auch die weniger Prominenten und Gescheiterten zu Wort melden.
Das ist von mir nicht zu erwarten, ich bin ja kein 68ziger und könnt allenfalls damit kommen, das ich zu der Zeit meine Gründe hatte, mich über Springer zu ärgern. Können beim Schach echt lästig werden, besonders wenn sie im Doppelpack auftreten.
Hier geht es auch nicht um Abrechnung oder darum alte Rechnungen zu begleichen. Die verbitterten Verratsanklagen überlass ich gerne den Verbitterten. Dabei sollten sie auch aus dem Alter raus sein. Aber wer s braucht.
Trotzdem gehöre ich zu denen die mit 68 zu tun hatten, ohne es seinerzeit zu wissen. Wer in den 70igern anpolitisiert wurde, in der Schule Stunk machte oder auch sonstwo, bekam die Fänge und einiges zu hören, was "ihr" so angestellt habt und wußte oft gar nicht, worum es ging. Man war ja weder daran beteilit, noch hatte man als Kind was davon verstanden, wenn man überhaupt was von mitbekam. Und wer in der Zeit in die diversen Gruppen reingeriet, der befand sich in Gesellschaft von 68zigern, ohne es zu wissen.
Wie das? Die K Gruppen, Trotzkistensekten und was sonst noch so rumagitierte, bestanden ja aus 68zigern und sogar die DKP verdankt 68 ihre Neuauflage, genauso wie deren Berliner Ableger, die vergreiste SEW sich mit Hilfe der 68ziger vor dem Aussterben rettete. Eines hatten sie gemeinsam, na abgesehen von den 68er traditionspflegenden Spontis möglicherweise. Sie schufen sich ihre Traditionslinien, die natürlich in die Wurzeln der Arbeiterbewegung zurückreichten. Selbst dann, wenn sie wie bei der DKP noch eine gewisse Basis hatten, war die Linie zur verbotenen KPD eher nostalgisch und die Linie zur weimarer KPD eher Fiktion als Realität. Bei den Rest der Gruppen bestand schon biographisch betrachtet keine Verbindung zur Arbeiterbewegung der 20iger Jahre, doch gerade deswegen bemühten sie sich um so mehr, diese herzustellen, indem sie bruchlos deren Symbole, Strukturen, Demoformen und Lieder übernahmen.
Was dazu gehörte, war der gemeinsam betriebene Versuch, 68 auszulöschen. Wer in solche Gruppen reingeriet, erfuhr ausgerechnet von den Beteiligten nichts über eine Studentenbewegung. Was, wie? Was soll das sein? War da mal was? Gruppen wie beispielsweise die KPD/ML, von denen einige aus der alten KPD kamen, sogar ihr Vorsitzender Aust, bestanden bei ihrer Gründung bereits größtenteils aus 68zigern, die freilich ihre Herkunft und Geschichte schamhaft verschwiegen und sich als KPD in der legitimen Nachfolge der Thälmann KPD sahen, das tat deren Konkurrenz freilich auch. So dauerte es etwas, bis man was von 68 erfuhr, jedenfalls nicht von den ehemals Beteiligten.
Mußte noch seinerzeit die Reimann KPD verboten werden um linke Geschichte auszulöschen, die 68ziger entsorgten ihre Geschichte freiwillig.
Das ist etwas, über das vermutlich nicht allzuviel geschrieben wird, ist manchen wohl bis heute peinlich.
Was war der Grund? Jede Party ist mal zuende und dann spalten sich die Feiernden in diejenigen, die wissen, wann es Zeit ist zu gehen und den Rest der glaubt, es müsse doch weitergehen und dann gibt s noch die Nachzügler, die glauben hier geht was ab, bevor sie merken, das sie nur noch die Überreste wegkehren und die leeren Flaschen aufsammeln dürfen.
Darum geht es, darüber werden sich die Schreiber und ihre Interviewpartner beim Erstellen ihrer Heldensagen weniger auslassen. Das die drauffolgenden Linken von den Fehlern und Dummheiten von 68 betroffen waren, diese ausbaden mußten ohne es zu merken, sondern sogar noch glaubten, es ist ihre Entscheidung. Die in die Tretminen angelesener Vergangenheit gerieten und davon überzeugt waren, an einer richtigen Sache beteiligt zu sein. Es hat etwas gedauert bis sie aufgewacht sind und erst die Konfrontation mit der Realität, etwa bei der Maloche oder 77 bei der Pogromstimmung des Deutschen Herbstes, bei AKW Demos, als man sich unerwartet Seit an Seit mit der Normalbevölkerung wiederfand oder sogar beim Krieg zwischen den sozialistischen Staaten, China und Vietnam. Es gab etliche derartige Gelegenheiten den Ideologiestaub aus dem Hirn zu blasen und sich zu fragen, ob man nicht etwas gründlich mißverstanden hatte.
Da hatten einige an sowas wie der Revolution geschnuppert (glaubten sie) ohne zu merken, das es nur ein Sturm im Wasserglas war. Als selbst die paar Barrikaden verraucht waren, wollten sie nun zur richtigen Revo schreiten und merkten nicht, das diese nun noch irrealer geworden war. Also helfen wir der Revo mit Parteigründungen, Marxstudium und der Anlehnung an der real existierenden Revolution nach. Dabei übersahen die selbsternannten Vertreter der Revolution eine wichtige Kleinigkeit, was freilich nicht nur an ihren fehlgeleiteten Idealismus lag, sondern auch daran, das die Verwalter der erfolgreichen Revolution, ob in Moskau oder Peking, ihre Leiche im Keller hatten und schamhaft drüber schwiegen. Was das war? Beispielsweise das Mao mal selbst zugab, ohne die Japaner säßen wir noch heute in den Bergen. Doch das hätte man mit vorurteilslosen Studium der Zeitgeschichte auch selbst wissen können, das dauerte freilich bei manchen etwas. Das die Revo im Osten ihren Erfolg nicht etwa der von Marx postulierten Gesetzmäßigkeit verdankt, sondern der instabilen Situation nach dem Weltkrieg, die ein Machtvakuum hinterließ und auch danach konnte sich Mao bei den Japanern bedanken (was er freilich nie tat), denn mit ihrer Bauernarmee hätten sie kaum ein halbwegs stabiles China einkassieren können. Von einer solchen Situation war in den 70igern weit und breit nichts zu sehen, um so mehr wurde in der Zeit über Revolution gelesen und geredet und je mehr drüber geredet wurde, desto irrealer wurde sie. Real war eher das "geht doch rüber" der Arbeiter und deren Desinteresse an linken Zeitungen. Sich an der realen Verangenheit anzulehnen oder auch am real existierenden Sozialismus war der Fluchtpunkt der es ermöglichte an die Ideologie und ihre Gesetzmäßigkeit zu glauben, denn die reale Situation in der BRD bot einfach keine Basis für linke Politik bzw. der Ansicht, das linke Politik hier einen Sinn ergeben könnte, das man von seiner aufopferungsvollen Tätigkeit noch zu Lebzeiten mal was sehen würde.
Die DKP setzte dagegen auf absolut legalistischen Kurs und das Jungvolk wurde mit Revolutionsgeschichten und bewaffneten Arbeiteraufständen aus der Vergangenheit bei Laune gehalten. Sollte es auf der Straße noch gelegentlich etwas nach Rauch riechen, die DKP distanzierte sich sofort von allen Provokationen.
Trotzkisten gab s freilich auch noch, die setzten auf Überzeugung des richtigen Gedankens und das die Zeit schon für sie arbeiten würde und solang muß man eben abwarten um dann rechtzeitig mit dem richtigen Bewußtsein vorbereitet zu sein. So wurden sie zu einer elitären Veranstaltung die, wie die Vertreter einer Buchreligion, das geheime Wissen bewahrten.
Elitär waren viele, die ML Sekten ohnehin, die nahmen nicht jeden der angeschissen kam. Für s Fußvolk hatten sie ihre "Massenorganisationen," in die Partei selbst kam nur wer von Anfang an zum harten Kern gehörte, der Rest mußte seine proletarische Herkunft nachweisen oder für seine kleinbürgerliche Herkunft mit harter Parteiarbeit und Anstellung als Hilfsarbeiter in der Fabrik büßen.
Noch elitärer war freilich nur die RAF, die selbsternannte Speerspitze der Revolution. Für die medial aufbereitete Rückschau stehen viele freilich nicht mehr zur Verfügung und das ausgerechnet ihr Gründer, der gute Horst Mahler in einer nostalgischen Talkshow einige alte Geschichten erzählen darf, ist weniger zu befürchten, an den traut sich nicht mal unsere mutige Ficherjägerin ran. Dabei war er als Apoanwalt doch einer der Hauptfiguren von 68, na was n Jammer auch.
Doch zurück zu 68 und den Folgen. In die Geschichtsschreibung ist sie unter Studentenbewegung eingegangen, auch wenn nicht nur Studies beteiligt waren.
Dafür war es ja eine Bewegung und Bewegungen haben wir ja mittlerweile einige gesehen. So lässt sich auch beurteilen, was das ist. Erst passiert irgendwas, das keiner versteht. Wenn es vorbei ist, kommen die Geschichtsschreiber und versuchen Erklärungen zu finden und das irgendwie einzuordnen, denn was sich einordnen lässt ist schon weniger bedrohlich. Dann spricht man von einer Bewegung, doch die ist längst vorbei. Wenn sie stattfindet, wissen die Beteiligten oft selbst nicht, was sie da eigentlich tun, ganz zu schweigen davon, das sie Mitglieder einer Bewegung sind. Die hat schließlich weder Anschrift noch verteilt sie Mitgliederausweise. Das tun ihre Nachfolger bzw. ihre selbsternannten Nachlassverwalter und das war mit 68 nicht anders. Mit der Flucht in die ML Ideologie und dem Parteientrismus (von dem die Jugendorganisationen der meisten Parteien profitierten), gab es natürlich auch die Bewahrer der reinen Lehre von 68, was immer das sein sollte. Zwar war die auch nur Fiktion, doch auch mit einer Fiktion kann man leben und daraus die Spontis gründen. Erbitterte Gegner der K Gruppen, denen sie Verrat an den Idealen von 68 vorwarfen. Nur woraus die bestanden hatten? Ideologisch waren beide weniger weit voneinander entfernt als es aussah.
Konsequenter Bewahrer der 68ziger Ideale war die RAF. Ihre Anschlagsserie folgte dem, wogegen die 68 demonstriert hatten und da sie Demos gegen Vietnam und Amis Geschichte waren, erinnerte sie mit ein paar Bomben auf eben diese Ziele die mittlerweile fertigstudierten Lehrer an ihre unbeendete Arbeit. Ironischerweise war es dann auch ein Lehrer, bei dem sich Ulrike Meinhof einnistete und der diesen Besuch bei der Polizei anmeldete. Sorry Frau Röhl, ist sicher nicht ganz fair, die Realität war es noch nie. Aber kleine Gemeinheiten die das Leben so schreibt, lockern den Text auf.
Hier geht es aber nicht darum die Geschichte von 68 zu schreiben oder neu zu schreiben, es kann auch nicht darum gehen, auf Verräterjagd zu gehen. Soll heißen, schau dir an was aus denen geworden ist, dabei haben die doch mal.... , kennt man schon. Kann man an etwas Verrat begehen, das vierzig Jahre zurückliegt? Na ja, Ideale sind bekanntlich zeitlos.
68 ist Geschichte, so scheint es und soll man Leut mit dem Zeug nerven, die damals noch nicht mal auf der Welt waren? Tu ich das hier? Werd doch selbst genervt und dies im zehnjährigen Rhythmus. Kann also nix für. Es scheint weit weg zu sein und doch hat noch einiges von 68 überlebt. Das einige Überreste des dogmatischen Kommunismus heute im Netz wiederauferstanden sind ist nicht weiter ernstzunehmen, dahinter stehen allenfalls eine handvoll Spinner oder einige Rentner die ihr Onlinehobby pflegen. Trotzdem gibt es auch heute noch Vereine die ihre Herkunft aus altehrwürdigen Traditionen ableiten und verschweigen, das auch sie 68ziger Spätgeburten sind. Hier wiederholt sich die Geschichte und auf einmal ist 68 sehr nah.
PS: In Frankfurt an einen Wasserhäuschen ist es mir gelungen, den letzten noch lebenden authentischen 68ziger ausfindig zu machen. War stockbesoffen, hatte lange Haare und einen weißen Bart und brüllte Ho Ho Ho. Mein ich jedenfalls, aber wenn ich s mir recht überlege, möglicherweise war s doch nur der Weihnachtsmann.
Dieses Werk ist gemeinfrei im Sinne der
Public Domain
Indymedia ist eine Veröffentlichungsplattform, auf der jede und jeder selbstverfasste Berichte publizieren kann. Eine Überprüfung der Inhalte und eine redaktionelle Bearbeitung der Beiträge finden nicht statt. Bei Anregungen und Fragen zu diesem Artikel wenden sie sich bitte direkt an die Verfasserin oder den Verfasser.
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
(Moderationskriterien von Indymedia Deutschland)
Ergänzungen
Kleinkram
Eine Geschichte der Linken
Hinweise zu Texten zur 68-Debatte
Das Standpunkte-Papier Brennend aktuell: die »1968er Jahre« in historisch-politischer Perspektive
versucht etwas gegen die modische Sichtweise auf "68" als kultureller Revolution anzustinken.
In Kurzform ein Text aus demselben Zusammenhang, der auf
vorab veröffentlicht wurde.
Literaturliste zu "1968" (Stand Frühjahr 2007) sortiert nach folgenden Rubriken:
► Einführungen und Überblicke
► Unterricht, Hilfsmittel und Sammelbesprechungen
► 1968 - und die Folgen
► 1968 in Osteuropa
► 1968 International
► 1968 und/als Kultur
► Lokale Beispiele
► Vorgeschichte von 1968
► 1968 als Gegenstand der Geschichtswissenschaft
► Englischsprachige Titel
► Internetressourcen
findet sich unter
Zu 68 zum Schluß noch ein Hinweis auf einen Artikel von G. Fülberth: Prozess und Event
Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen
Jubiläen — Jubilar
1918 ist gut — antifa 4-ever
Zweierlei Entsorgung — Historiker
@antifa 4-ever — nixda
verdreht — Leser
1. weltkrieg — antifa 4-ever