Liveticker München Antifademo/Naziaufmarsch

Caro 04.01.2008 14:59 Themen: Antifa Antirassismus
Am heutigen Freitag, den 4.Januar wollen Nazis durch die Münchner Innenstadt marschieren. Anlass dazu gibt der Münchner „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ der Übergriff zweier Jugendlicher auf einen Senioren in der U-Bahnstation Arabellapark kurz vor Weihnachten.
Die NPD-Tarnliste BIA versucht nun so auf der Welle der rassistischen Hetze von BILD und co mitzuschwimmen, auch um die erforderlichen 1000 Unterstützungsunterschriften für die Teilnahme an den Kommunalwahlen Anfang März in München zu erhalten.
Doch Antifaschistinnen und Antifaschisten werden ihnen dabei einen Strich durch die Rechnung machen. Ebenso wollen wir eine Zeichen gegen die allgegenwärtige rassistische Hetze des bürgerlichen Mainstreams setzen.
Vorberichterstattung:  http://de.indymedia.org/2007/12/203895.shtml

Die antifaschistische Demonstration beginnt um 14:30 am Sendlinger Tor (U3/U6/U1/U2). Ebenso wird es eine Kundgebung des VVN/BDA ab 15:00 Uhr am Odeonsplatz geben.

Die Nazis beginnen um ca. 17:00 Uhr am Max-Joseph-Platz vor der Oper (zwischen Marienplatz und Odeonsplatz) und wollen nach aktuellen Infos mit einem Fackelmarsch durch die Stadt ziehen und laut eigenen Angaben gegen 19:00 Uhr am Marienplatz eine Kundgebung abhalten. Als Redner ist neben dem BIA-Spitzenkandidaten Karl Richter, der NPD-Vorsitzende Udo Voigt angekündigt.

Die voraussichtliche Route der Nazis ist:
Auftakt Max-Josephs-Platz, Maximilianstraße, Altstadtring, Isartor, Tal, Marienplatz (Zwischenkundgebung) und dann über die Dienerstraße zurück zum Max-Josephs-Platz

Über alles weitere halten wir euch hier auf dem Laufenden. Es lohnt sich auf jeden Fall noch nach München zu kommen. Der Ermittlungsausschuss ist unter 089/448 96 38. Der Tag wird lang. Lasst euch nicht erwischen. Viel Erfolg!!!

TICKER:

+++ 14:45 Schon etwa 250 Antifas haben sich am Sendlinger Tor versammelt. Die Antifa-Demo ist noch nicht losgelaufen. Es werden immer mehr! +++

+++ 15:16 Momentan läuft ein Redebeitrag zur „Bürgerinitiative Ausländerstopp“. Sonst keine Neuigkeiten. +++

+++ 15:23 Antifademo formiert und wird über den Oberanger Richtung Marienplatz und dann zum Innenminsterium gehen. +++

+++ 15:37 Max-Joseph-Platz komplett abgegittert – Ebenso der Marienplatz. Am Max-Joseph-Platz sind schon einige Cops vor der Oper positioniert. +++

+++ 15:49 Antifademo befindet sich nach einem Drittel der Strecke gerade im Rosental. Lautstarke Demo mit kämpferischer Atmosphäre. Da geht noch was!!! +++

+++ 16:05 Die ersten acht Nazis treffen am Max-Joseph-Platz ein, kraftvolle Antifademo mit mehreren hundert Leuten in der Nähe. Bei der Demo sind wenige Bullen sichtbar. Achtet auf Cops in Nebenstraßen. +++

+++ 16:11 Demo ist am Max-Joseph-Platz angekommen und auf die Maximilianstraße von der Route ausgebrochen. Momentan Gerangel mit USK. Naziroute ist im Augenblick dicht. Die Demonstration wurde von den VeranstalterInnen aufgelöst. +++

+++ 16:28 Die Naziroute ist wieder frei. Allerdings stehen ca. 400 Antifas um den abgegitterten Aufmarschplatz der Nazis. Bis jetzt erst 10 Nazis am Ort. Größtenteils Dorfnazis und ein fränkischer Anti-Antifa. Weitere Nazis werden wohl in nächster Zeit eintreffen. +++

+++ 16:46 Auch immer mehr bürgerliche AntifaschistInnen treffen ein. Bisher ca. 20 vorwiegend junge Nazis. Die Nazis wollen mit dem Aufmarsch um 17:30 beginnen. Für alle, die grade noch arbeiten, lohnt es sich auf jeden Fall noch zu kommen. Ab 19:00 Uhr wollen die Nazis auf dem Marienplatz sein. +++

+++ 17:00 Der Lautsprecherwagen der Nazis ist angekommen und es wurde ein BIA-Transparent entrollt. USK geht Richtung Odeonsplatz. Momentan ca. 30 Nazis anwesend. Vereinzelte Angriffe auf Nazis durch Antifas. Nazis kommen relativ unkoordiniert, z.B. in kleinen Gruppen mit der Tram an +++

+++ 17:23 Im Moment sind ca. 60 Nazis angekommen, haben sich allerdings noch nicht zu einer Demo formiert, sondern stehen nur in kleinen Grüppchen in ihrem Gitter. Auch einige „Autonome Nationalisten“ um Mike Nwaiser sind unter ihnen. Einige Antifas sind direkt bei den Nazis. Andere Kleingruppen sind in der Innenstadt unterwegs. +++

+++ 17:40 Die bürgerliche Kundgebung am Odeonsplatz ist beendet worden. Ca. 75 Nazis haben sich momentan versammelt. Eigentlich sollte der Naziaufmarsch bald auf die Maximilianstraße losziehen. Es sieht aber so aus, als würde sich der Beginn der Nazidemo weiter nach hinten verschieben. +++

+++ 17:50 Antifas blockieren die Maximilianstraße auf Höhe der Falckenbergstraße, bei den Kammerspielen. Nazis scheinen noch nicht losgelaufen zu sein. +++

+++ 18:01 Nazis versuchen loszulaufen, kommen aber nicht weit, da AntifaschistInnen auf Höhe der Oper die Straße blockieren. +++

+++ 18:17 Die Polizei will nun wohl die loslaufenden Nazis durch ein sehr schmales Spalier durch die Blockade schleusen. +++

+++ 18:20 Die Blockade hat sich einige Meter weiter, vor den Kammerspielen neu formiert. Die Nazis sind bis jetzt nur 30 Meter gekommen. +++

+++ 18:28 Die Polizei versucht den Naziaufmarsch durchzudrücken, sie kommen aber aufgrund des antifaschistischen Widerstandes nur äußerst langsam voran. Der Aufmarsch ist momentan auf Höhe Marstallstraße, also noch keine hundert Meter weit gekommen. +++

+++ 18:39 Die Nazis biegen jetzt in den Thomas-Wimmer-Ring ein. Immer noch gibt es lautstarken und entschiedenen antifaschistischen Protest. Die Teilnehmerzahl bei den Nazis wird auf knapp 100 Personen geschätzt. +++

+++ 18:56 Antifas blockieren die Naziroute am Isartor. Momentan kein Durchkommen für Nazis und Cops. Gerangel zwischen Polizisten und dem Nazianmelder Norman Bordin am Lautsprecherwagen, wobei das Mikrokabel der Nazis reißt. Nazis haben daher keinen Sound. Vorsicht, viele Zivis sind unterwegs. +++

+++ 19:20 Die Blockade ist aufgelöst. Nazis befinden sich jetzt hinter den Gittern auf dem Marienplatz. Viele Leute drumherum. +++

+++ 19:30 Die Nazis sind in ihrem Gitterkäfig von vielen hundert AntifaschistInnen umringt und werden von diesen komplett übertönt. Die Stimmung unter den Antifas ist sehr gut. Im Moment versucht der BIA-Spitzenkandidat Karl Richter im hitlerschen Tonfall gegen die Proteste anzuschreien, scheitert damit aber trostlos. Karl Richter wurde im Vorfeld des Naziaufmarsches im Übrigen von Antifas geoutet:  http://de.indymedia.org/2008/01/204110.shtml +++

+++ 19:36 Der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt hält gerade eine Hetzrede, wird allerdings wie sein Vorredner zusammengeschrieen. +++

+++ 20:03 Die Nazis marschieren jetzt vom Marienplatz aus wieder zum Max-Joseph-Platz. Immer noch sind sehr viele Antifas auf der Straße. +++

+++ 20:12 Die Nazis sind nun wieder am Max-Joseph-Platz und halten ihre Abschlußkundgebung. Redner ist der bayrische NPD-Landesvorsitzende Roland Wuttke. +++

+++ 20:15 Die Nazikundgebung ist beendet worden. Allerdings marschieren die Nazis noch nicht ab. +++

+++ 20:30 Die Nazis sind nun von der Polizei in die U-Bahn gebracht worden. +++

+++ 20:46 Wir beenden hiermit den Indymedia-Liveticker und sagen DANKE an alle die heute in München waren und sich gegen den Naziaufmarsch gestellt haben. Weitere Infos gibt's dann über die Ergänzungen oder die nächsten Tage in einem gesonderten Artikel. +++
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Ergänzungen

ergänzung

Bombodromowsky 04.01.2008 - 18:39
sehr viele zivi-cops unterwegs!! wirklich sehr viele!!
frechheit von den Zivi-Cops ist, daß sie teilweise Nazis absichtlich durch die Gegendemonstranten zum Maxl-Beppi-Platz geleiten und wenn Antifas die Nazis abdrängen wollen, dann von den Zivicops angegriffen werden.

webcam

kameramann 04.01.2008 - 19:58
für auswärtige und verhinderte, hier ein blick auf das geschehen: http://www.muenchen.de/Stadtleben/Kultur_Unterhaltung/Sehenswuerdigkeiten/Webcam/87727/index.html hier in ner anderen perspektive: http://www.marienplatz-muenchen.de/ tolle sache die kameraüberwachung :-) sorgt für so richtig viel sicherheit. zu dem thema gibt´s übrigens am sonntag auf der schwanthalerhöh (auch münchen) action: scheuble kommt im rahmen des csu-wahlkampfes nach münchen - wir auch. näheres unter: http://wiki.vorratsdatenspeicherung.de/Was_z%C3%A4hlt_ist_Freiheit vorwärts und nicht vergessen, worin unsere stärke besteht...

So sah´s am Marienplatz aus

Webcam 04.01.2008 - 20:19
Mal ne kleine Übersicht...

presseerklärung der "antifa NT"

sonja erikson 04.01.2008 - 21:14
Presseerklärung der „antifa NT“ zum heutigen Naziaufmarsch und den antifaschistischen Gegenprotesten

München, Freitag, 4.Januar 2008

Am heutigen Freitag, den 4. Januar 2008 veranstalteten Neonazis der NPD-Tarnliste „Bürgerinitiative Ausländerstopp (BIA)“ einen Aufmarsch unter dem Motto: „Das deutsche München sagt NEIN zu Ausländergewalt und Inländerfeindlichkeit !“ Anlass gab ihnen der Überfall auf einen Rentner in einer Münchner U-Bahnstation. Die BIA erhoffte sich durch ihre Intervention in die aktuelle Debatte über so genannte „Ausländergewalt“ mediale Aufmerksamkeit, die sie für die Sammlung der erforderlichen 1000 Unterstützungsunterschriften zur Teilnahme an den Kommunalwahlen Anfang März in München benötigt.
Dagegen formierte sich antifaschistischer Protest. Ab 14:00 sammelten sich ca 250 AntifaschistInnen am Sendlinger Tor, von wo aus sich ab 15:20 eine lautstarke Demonstration Richtung Innenministerium formierte. In Redebeiträgen wurde sich nicht nur gegen die Hetze der Nazis gewandt, sondern auch rassistische Positionen in der Mitte der Gesellschaft kritisiert.
Am Ende der Demonstration brachen die AntifaschistInnen von der offiziellen Strecke aus, um so die Route des Naziaufmarsches zu blockieren. Es gelang so immer wieder den Marsch der Nazis aufzuhalten, der sich erst gegen 18:00 in Bewegung setzte. So konnte deren Kundgebung am Marienplatz erst mit Verspätung beginnen. Hunderte Gegendemonstranten übertönten die rassistischen Hetzreden des NPD-Vorsitzenden Udo Voigt und des Spitzenkandidaten der BIA Karl Richter.

Dazu Sonja Errikson, Pressesprecherin der „antifa NT“:

„Die antifaschistischen Proteste am heutigen Tage sind alles klarer Erfolg zu werten. Vermehrt wurde
offensiv versucht, den Nazis den Weg zu versperren. Und das mit Erfolg. Klar muss sein, dass jede und jeder, der rassistische Hetze verbreitet mit offensiver Gegenwehr von antifaschistischer Seite zu rechnen hat. Der von breiten Schichten rassistisch geführten Debatte um so genannte „Ausländerkriminalität“ setzen wir unsere Forderung nach uneingeschränktem Bleiberecht für alle
Flüchtlinge und MigrantInnen entgegen.“

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie über die antifaschistischen Gegenaktivitäten berichten würden. Für Nachfragen stehen wir selbstverständlich zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen. Sonja Erikson, Pressesprecherin der „antifa NT“

@Dein Name aka Mr. Ergänzung

Enniaun Girt 05.01.2008 - 01:52
haha.
also wenn ich sowas lese, wie das, was du da von dir gibst, dann glaube ich, daß du deinen Beitrag unter immensem einfluss von halluzinogenen verfasst hast.
Nazis = ca. 100 (sie selber haben nicht mehr erwartet)
gegendemonstranten: antifa-demo ca. 250-300, später sicherlich ca. 500-600

oi

io 05.01.2008 - 13:38
naja bei den blockadeversuchen waren wir zirka 50 antifas,somit hatten die bullen kein problem uns immer wieder an den strassenrand zu schieben mit 100 oder 200 leuten mehr wäre diese demo sehr einfach zu blockieren gewesen ...

Fotos der Nazis

tut nichts zur Sache 05.01.2008 - 15:13

Bullen im HBF

Reisender 05.01.2008 - 19:29
Hatte von der Geschichte gar keine Ahnung (war ja auch nur auf der Durchreise). Als ich am Bahnhof umgestiegen bin und mir nen kleinen Snack geholt habe sind mir Zivil-Bullen aufgefallen die einen anderen Reisenden kontrollierten. Als ich dann zu meinem Zug gelatscht bin sind mir 3 Arschgeigen vom Unterstützungskommando (USK) über den Wag gelaufen. 2 glotzen durch die Gegend und einer mit Kamera am Teleskop. Da gab´s für mich nur eins: Kapuze drüber und rein in den Zug.
Hab mich erstaunt gefragt warum die Kameras im Bahnhof offenbar nicht mehr reichen und was die Bullen wohl treibt das sie jetzt noch mehr Filmen wollen. Tja was der Anlass für diese Video-Streife war ist mir jetzt klar, aber Arschlöcher (Kamerabullen) hab ich bis jetzt nur in der unmittelbaren Umgebung von Demos gesehen und nicht bei den Spähern die wie bei solchen Veranstaltungen üblich an Bahnhöfen und öffentlichen Plätzten lauern.

In diesem Sinne: BRD Bullenstaat, wir haben dich zum Kotzen satt!!!

Wir jagen sie um die Welt–wie es uns gefällt

http://oraclesyndicate.twoday.net/ 05.01.2008 - 20:51
Der Wahlkampf ist eröffnet. Zwei Vorfälle von Auseinandersetzungen in München und Gelsenkirchen wurden in den letzten Tagen des Jahres von der Boulevardpresse und dann auch von der gesamten Massenmedien hochgejubelt, um darauf ein Süppchen von Volksverhetzung und Ausländerfeindlichkeit zu kochen. Speziell Politiker der CDU/CSU meldeten sich zu Wort und sparten nicht mit eindeutigen Worten. Die Reaktion der „Pawlowschen Hunde“ - automatisch und gewissermassen, ohne es zu wollen – funktioniert weiterhin: Die Umfrageergebnisse vor den Wahlen sind nicht gut, da lassen wir die Sau mit den Ausländern raus!

Die Tatsachen über die beiden Vorfälle sind dabei höchst zweideutig. Der Vorfall in einer Münchener U-Bahn-Station wurde von fast der ganzen Medien einhellig in etwa folgendermaßen dargstellt: Ein Münchner Rentner hätte zwei junge Leute in der U-Bahn in freundlichem Ton und ohne jede Aggressivität aufgefordert, das Rauchen einzustellen, da dies dort verboten ist. Als er ausstieg, seien die beiden, ein junger Grieche und ein junger Türke, ihm hinterhergelaufen und hätten ihn brutal zusammengeschlagen. Er habe „mehrere Schädelbrüche erlitten“. Nun, ein über 70-Jähriger mit mehreren Schädelbrüchen, d.h. sie haben ihn totgeschlagen. Ein einfacher Schädelbruch ist in diesem Alter schon regelmässig das Todesurteil.

Tatsächlich sah dies nach einem schweren Verbrechen aus. Da machte es dann auch keinen Unterschied, als man einige Zeit später hörte, einige der Zeugen hätten von Schimpftiraden des Rentners mit ausländerfeindlichem Inhalt gegen die beiden Migrantenkinder berichtet und nicht von einer freundlichen Aufforderung, das Rauchen einzustellen.

Auf keinen Fall darf man aus solchen Gründen einen Rentner totschlagen!

Dann kam allerdings zwei Tage später die Nachricht, der Rentner sei aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die gleichen bürgerlichen Massenmedien, die eben noch von mehreren Schädelbrüchen gesprochen hatten, berichteten nun plötzlich vom springlebendigen Rentner außerhalb des Krankenhauses ohne jegliche Dauerfolgen. Haben Sie von irgendwelchen Entschuldigungen dieser Medien bezüglich ihrer Falschmeldungen gehört?

Deutsche Massenmedien sind immer unfehlbar. Berichten sie einmal falsch, sind sie unschuldig daran – wie auch immer. Die Pflicht, selbst zu recherchieren und nicht nur die Aussagen wiederzugeben, ohne ausdrücklich zu erwähnen, dass diese Meldungen persönliche Angaben von Betroffenen und nicht bestätigt sind, all dies Handwerkszeug des verantwortungsbewußten Journalisten existiert nicht mehr, wenn es gilt, an die niedrigsten Instinkte im Menschen zu appellieren.

Die beiden Jugendlichen wurden ausfindig gemacht und sind bereits in Haft. Sie haben eine kriminelle Vorgeschichte, also auch nichts Ungewöhnliches. Jugendliche Delinquenten sind ja nun nicht gerade extrem selten in Deutschland. Nimmt man den Anteil von Ausländer unter den Jugendlichen ohne Ausbildung und mit abgebrochener Schulbildung, ist sie bei den Delinquenten proportional im Vergleich mit den Deutschen.

Ähnlich ist es mit dem zweiten Zwischenfall in Gelsenkirchen. Auch dort wird uns zuerst die Geschichte aufgetischt, junge Ausländer hätte einen älteren Deutschen mit Rufen „Scheiß-Deutscher“ zusammengeschlagen, ihn mit einen Messerstich verletzt und schließlich noch beraubt. Bereits nach kurzer Zeit stand allerdings fest: Es handelte sich um die Behauptungen des Betroffenen. In Wirklichkeit gab es eine handfeste Auseinandersetzung zwischen zwei Deutschen, von denen einer ausländische Vorfahren hatte. Zeugen haben nichts von „Scheiß-Deutscher“ gehört und den Raub nicht bestätigt. Wie der Betroffene zu einer Schnittverletzung kam, ist ungeklärt. Die beiden Versionen kam man hier vergleichen:

In Wirklichkeit also nichts weiter als alltägliche Streitereien, die zu handfesten Auseinandersetzungen ausarten. Die Frage von „Ausländern“ ist nicht oder bestenfalls im umgekehrten Sinne betroffen, wenn nämlich der Rentner einer jener Unbelehrbaren sein sollte.

In den darauffolgenden Tagen gab es erneut Auseinandersetzungen in der Münchner U-Bahn, die ebenfalls verletzte ältere Menschen in Auseinandersetzungen mit Jugendlichen beinhalteten, nur waren es keine ausländischen Jugendlichen! So wird klar, es gibt tatsächlich Probleme des Zusammenlebens mit Rücksichtnahme auf die anderen (kein Wunder, in einer Gesellschaft, die das rücksichtslose Bereichern als höchsten Wert hat), nur hat dies absolut nichts mit Ausländern zu tun!

Dies alles hätten sowohl Koch aus Hessen wie auch Beckstein aus Bayern, aber auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Kauder und der unvermeidliche Pofalla leicht in Erfahrung bringen können, wenn ihnen daran gelegen gewesen wäre.

Aber darum ging ja nicht. Es ging darum, die niedrigsten Instinkte so mancher Deutscher an die Oberfläche zu bringen und darauf Wahlkampf zu betreiben.

So reagierten sie auf die Gefahr, bei den Landtagswahlen zu verlieren, wie die Pawlowschen Hunde mit Ausländer-feindlicher Hetze. Koch ging sogar so weit zu sagen, es gebe zu viele kriminelle ausländische Jugendliche in Deutschland. Womit er das belegen will, sagte er nicht, aber Politiker brauchen ja nie etwas zu belegen, nur Wahlen zu gewinnen.

Schließlich war Koch mit einer Kampagne für Unterschriften gegen den „Doppelpass“ Ministerpräsident in Hessen geworden. Damals hatten die rot-grüne Regierung eine Bestimmung einführen wollen, wie sie alle zivilisierten Länder der Welt haben, nämlich die Hinnahme von zwei Staatsbürgerschaften in bestimmten Fällen, wenn man dies auch offiziell nirgendwo speziell gut heißt.

Koch brauchte damals ein zündendes Wahlkampfthema und er fand es: An die niedrigen Instinkte bei manchen in Deutschland bezüglich Ausländern appellieren! Er begann eine Unterschriftensammlung gegen den „Doppelpass“ und gewann die Wahlen. Die Regierung gab klein bei und einigte sich auf einen international nie vorher gesehene Regelung, die es Ausländern nicht erlaubt, sich in Deutschland einzubürgern, auch wenn sie alle Voraussetzungen erfüllt haben, außer sie geben ihre frühere Staatsbürgerschaft auf.

Dies betraf vor allem die große Anzahl von in Deutschland geborenen Nachkommen von Türken, die nach internationalem Recht einen Anspruch auf Einbürgerung haben. Die Türkei hat nämlich aus Gründen des dortigen Nationalismus (auch dort das Appellieren an die niedrigsten Instinkte!) jedem, der seine türkische Staatsbürgerschaft aufgibt, den Verlust wichtiger Rechte auferlegt, zum Beispiel das Recht, von seinen türkischen Großeltern oder Eltern zu erben.

So sitzen die jungen Nachkommen von Türken in Deutschland in der Falle. In die Türkei können sie nicht – sie sprechen meistens nicht einmal akzentfrei türkisch, würden dort nur als Ausländer behandelt – so wie die Kurden zum Beispiel. In Deutschland werden sie aber auch nicht akzeptiert, sondern als Ausländer behandelt und von Leuten wie Koch mit dem „Kriminellen“-Stempel versehen. Selbst wenn sie nichts zu erben haben in der Türkei, werden sie sich drei Mal überlegen, ob sie die alleinige Staatsbürgerschaft eines Landes annehmen, in dem Leute wie Koch und Beckstein ungestraft hetzen dürfen. Diesen Jugendlichen ohne Ausweg dichtet Kauder dann noch ein „Hohngelächter“ an. Das kam doch wohl von seinen Parteifreunden und der Hohn war über die Wähler, die sich so leicht fangen ließen, oder?

Aber die türkisch-deutschen Jugendlichen sind den Kochs, Pofallas, Becksteins und Kauders natürlich auch völlig egal. Sie wollen die Wahlen gewinnen - und warum soll nicht erneut klappen, was schon einmal funktioniert hat.

Besonders unglaublich wird das Ganze, wenn Koch dann noch die christlich-abendländische Kultur ins Spiel bringt, die in Deutschland zu befolgen sei. Dazu bemerkte Florian Rötzer in seinem Artikel zu diesem Thema in ‚telepolis’ ( http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26961/1.html ) zu Recht, dass diese Kultur nach Koch wohl noch nicht die Werte der Aufklärung und des Humanismus erreicht hat, denn diese würden vielmehr einen wichtigen Politiker, der Ressentiments gegen Ausländer schürt, zum Insassen der „Erziehungs-Camps“ machen, die von der CDU/CSU bereits gefordert werden. Ob dann wohl „Arbeit macht frei“ über dem Tor zum Camp stehen wird?

Nein, die Entfernung zu Faschisten gibt es noch, aber sie ist gering. Schon hat die NPD in München zu einem ‚Marsch gegen Inländerfeindlichkeit’ aufgerufen, mit den gleichen Losungen wie Koch! Noch jemand, der sein braunes Süppchen kochen will.

Woher sollen eigentlich unsere jungen Leute ohne Ausbildungsplatz Respekt vor den Älteren lernen? Von den großen Vorbildern, den Super-Managern der Großkonzerne, die soeben die letzten paar über 50 aus ihren Konzernen hinausgesäubert haben, weil sie, wie Parteifreund Oettinger bemerkte, „Minderleister“ sind? Hunderttausende von Älteren an Hartz IV übergeben, in Armut, vielleicht Depression und Einsamkeit entlassen, und ihnen dann eventuell noch eingeredet, es seien die Ausländer gewesen, die ihnen den Arbeitsplatz weggenommen hätten.

Hat irgendjemand gehört, diese Konzernmanager, Freunde von Pofalla, Koch, Kauder und Beckstein – oder jedenfalls Freunde ihrer Politik -, seien in Untersuchungshaft für diese Taten, nur um ihren Konzernprofit noch ein wenig mehr zu erhöhen? Was wäre nach Ihrer Meinung, lieber Leser, verurteilenswerter, einen einzelnen Rentner krankenhausreif schlagen oder die hunderttausendfachen Taten der Konzernmanager?

Sie haben Recht, das darf man nicht gegeneinander ausspielen. Beides ist verabscheuenswert.

Welche Werte werden unseren jungen Leuten vermittelt, wenn ein Politiker in Frankreich erklärt, das „Gesindel“ in Pariser Vorstädten müsse mit dem Hochdruckreiniger hinweggereinigt werden und kurz danach zum Präsident gewählt wird, statt wegen Volksverhetzung in Haft zu sitzen? Was wird man denn mit dem „Gesindel“ machen, wenn man es es weggereinigt hat? Weit, weit nach Süden schwappen lassen und dann um die ganze Welt jagen?

„Halihalo, wir jagen, wir jagen sie um die Welt – wie es uns gefällt!“

Auch für Kauder, Beckstein, Pofalla oder Koch gibt es keine Gefängniszelle. Aber vielleicht wird ihre Rechnung diesmal nicht aufgehen, denn die Gesellschaft in Deutschland ist in einer deutlichen Bewegung nach links und die Zahl der Wähler, die mit diesen ach wie so christlichen Hetzereien der christlichen Politiker eingefangen werden können, wird immer kleiner.

Proteste gegen Nazi-Fackelzug

http://www.sueddeutsche.de/ 06.01.2008 - 20:23
Viele hundert Münchner haben gegen eine Kundgebung der "Bürgerinitiative Ausländerstop" protestiert. Hinter der Gruppe stehen bekannte Neonazis.

Mehrere hundert Münchner haben am Freitag gegen eine Kundgebung und einen Fackelzug der rechtsextremen "Bürgerinitiative Ausländerstop" protestiert. Die Demonstration der Neonazis, zu der 200 Teilnehmer angemeldet waren, stand unter dem Motto: "Gegen Ausländergewalt. Kriminelle Ausländer sofort ausweisen." Sie führte vom Max-Joseph-Platz zum Marienplatz und zurück. Die Bürgerinitiative will bei der Stadtratswahl im kommenden März antreten und versucht, die Debatte um die Gewalttaten in der U-Bahn für sich zu nutzen.

Hinter der Initiative stehen Funktionäre der rechtsextremistischen NPD, etwa Norman Bordin, der mehrfach vorbestrafte bayerische Landesvorsitzende des NPD-Nachwuchses "Junge Nationaldemokraten", oder der wegen Volksverhetzung verurteilte bayerische NPD-Vize Roland Wuttke. Da keine unmittelbare Gefährdung für die öffentliche Sicherheit von der Demonstration ausgehe, habe man "keine Handhabe gehabt, ein Verbot auszusprechen", sagte ein Sprecher des Kreisverwaltungsreferats.

Nach Einschätzung der Polizei nahmen etwa 150 Rechte an der Demonstration teil. Bei der Gegendemonstration, an der sich etwa 200 Linke beteiligten, kam es zu Ausschreitungen. 19 Personen wurden festgenommen, eine in Gewahrsam genommen.Aus Protest gegen die Veranstaltung hielt zuvor die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes eine Mahnwache mit Transparenten und Flugblättern am Odeonsplatz ab.

"Man darf ihnen nicht die Straßen überlassen", sagte der Holocaust-Überlebende Martin Löwenberg, der im Landesvorstand der Vereinigung sitzt. Auch der Münchner Ausländerbeirat veranstaltete eine "Mahnwache gegen Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit" am Rindermarkt.

Zirka 250 junge Leute nahmen außerdem an einer Demonstration vom Sendlinger-Tor-Platz zum Innenministerium teil, die sich aber vorzeitig auflöste. Es gehe darum, ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen, sagte Stefan Weidinger, Mitveranstalter der Demonstration und Mitglied der Linkspartei.

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