Überflüssige Nikoläuse entern Darmstadtium

Vereinigte Überflüssige Nikoläuse 12.12.2007 19:40 Themen: Kultur Soziale Kämpfe
Vereinigte Überflüssige Nikoläuse entern Eröffnungsfeier des „Darmstadtiums“ unter dem Motto: Dinge, die die Welt nicht braucht!

Vereinigte Überflüssige Nikoläuse entern Eröffnungsfeier des „Darmstadtiums“ unter dem Motto: Dinge, die die Welt nicht braucht!

Es kam, wie es kommen musste. Zur Eröffnungsfeier des Wissenschafts- und Kongresszentrums „Darmstadtium“ am 06. Dezember wurden die circa 2000 geladenen Gäste von einem Dutzend Nikoläusen überrascht, die der exklusiven Feier durch ihren Auftritt das Sahnehäubchen aufsetzten. Sogenannte Prominenz aus Bund, Land und Stadt durfte der Aktion der Vereinigten Überflüssigen Nikoläuse beiwohnen. Gerade hatte Oberbürgermeister Hoffmann (SPD) seine Einweihungsrede begonnen, als die Nikoläuse skandierend und unter dem Transpi-Motto: „Dinge, die die Welt nicht braucht: Voilà le Darmstadtium!“ ihre mitgebrachten 500 Euro Scheine durch den Saal und durch das Haus segeln ließen. Doch dieser (Zitat OB Hoffmann) „einmalige und historische Moment in der Geschichte Darmstadts“, in der Geld in Hülle und Fülle vorhanden war, währte nur kurz. Der von der Möchtegern-Hautevolee zelebrierte, angeblich so liberale, tolerante und weltmännische Flair der selbsternannten Wissenschaftsstadt Darmstadt, fand rasant sein Ende. Die Flyer segelten noch durch die Luft, da erschienen schon die Bodyguards der Bundesjustizministerin Zypries (SPD), des hessischen Wissenschafts- und Kulturministers Corts (CDU), sowie die ‚Sicherheits’kräfte des Hauses und beförderten die Nikoläuse äußerst unsanft vor die Tür. Dabei wollten sie doch nur der Aufforderung der lokalen Politik folgend das in Besitz nehmen, was ihnen ohnehin gehört.

Ungeachtet der äußerst angespannten Haushaltslage der Stadt Darmstadt leisten sich die möchtegern-elitären Kommunalpolitiker dieses grotesk überdimensionierte Prestigeprojekt eines Wissenschafts- und Kongresszentrums, das nicht ohne Grund nach dem in Darmstadt entdeckten äußerst kurzlebigen Element Darmstadtium benannt wurde. Dieser laut Eigenwerbung „elitäre Solitär“ kommt die DarmstädterInnen in doppelter Hinsicht teuer zu stehen. Nicht nur die exorbitanten Baukosten von über 80 Millionen Euro mussten von ihnen durch den Verkauf städtischen Eigentums und die Aufnahme neuer Schulden aufgebracht werden, sondern auch das bis jetzt bekannte jährliche Defizit von 3,1 Millionen Euro. Diese Summe soll nun ausgerechnet von denjenigen aufgebracht werden, die wenig bis gar nicht von diesem Elitenbunker profitieren werden: alle kleinen sozialen und kulturellen Projekte, deren bisherige Zuschüsse als freiwillige Leistungen der Stadt nun von dieser zur Elitenförderung umgewidmet werden sollen. Dazu konnten natürlich gerade an diesem Tage die Nikoläuse nicht schweigen.

Wir dokumentieren hier die Flyer-Texte und die Aktion auf Video:

Der Text für die selbsternannte Elite, gerade sich feiernd im Gebäude:

Wir wünschen den NutzerInnen des Darmstadtiums ein frohes Fest!

Bis heute war Darmstadt tiefste Provinz. Es fehlte ein angemessener Begegnungsraum für sie, die LeistungsträgerInnen der Gesellschaft, so dass sie unbehaust und unbemerkt umherirren mussten.

Deshalb freuen wir uns, Sie im Auftrag der einfachen Darmstädter BürgerInnen und Bürger mit diesem so hochwertigen Gebäude, einem wahrhaft elitären Solitär, bescheren zu dürfen, um ihnen endlich eine adäquate Plattform für ihre überfällige Selbstdarstellung selbstlos zur Verfügung zu stellen.

Für dieses hehre Ziel haben wir keine Kosten und Mühen gescheut. Schon für den Bau dieses Juwels verscherbelten wir konsequent alles städtische Tafelsilber, und auch den Unterhalt lassen wir uns einiges kosten. Alle sozialen und kulturellen Projekte dieser Stadt können gar nicht anders als ihre bisherigen Zuschüsse einzusetzen, um ihre Anwesenheit an diesem exklusiven Ort auch künftig sicherzustellen. – Sie sind es uns wert!


Der Flyer für's Volk, das sich die Party nur frierend vor der Tür anhören durfte:

Werte MiteigentümerInnen des Darmstadtiums!

Sie haben freundlicherweise mit Ihren Steuerzahlungen den Bau diese ausgefallenen Gebäudes finanziert. Von den 80 Mio. Euro Baukosten stammen 33 Mio. Euro aus dem Verkaufserlös des Luisencenters. 20 Mio. Euro aus dem Verkauf weiteren städtischen Vermögens und für weitere 27 Mio. Euro sind sie Bürge. –Glückwunsch!

Wie jeder andere Immobilienbesitzer sind sie damit auch verantwortlich für die laufenden Kosten und die Art ihrer Begleichung. Deshalb haben sie die Wahl. Wollen sie wirklich die Streichung aller Zuschüsse für Krippen und Kitas, Jugendzentren und Altenheime, den ÖVP und das Fahrradwegenetz, Sport- und Kultureinrichtungen, ja aller freiwilligen Leistungen der Stadt?

Bei Ihnen als MiteigentümerInnen liegt die Entscheidung, ob das jährliche Defizit von 3,1 Mio. Euro von den Bedürftigen der Stadt geschultert werden soll, oder von den Leistungsträgern, den eigentlichen Nutznießern des „elitären Solitärs“ (Eigenwerbung des Darmstadtiums). – Auch Mit-Eigentum verpflichtet!


Das Video der Transpi-Aktion vor der Bühne:

http://www.youtube.com/watch?v=hKUhivAjIaw


Es grüßen: Die Vereinigten Überflüssigen Nikoläuse!
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Ergänzungen

video auch zum runterladen?

indykino 12.12.2007 - 23:43
hi, damit wir filmclips auch im indykino zeigen können, wäre es schön, wenn diese (mit ner kurzen erklärung am besten, worum es geht IM clip) auch auf indymedia eigenen servern veröffentlicht werden.
vielen dank,
indykino hamburg

nicht zu vergessen

bettelstudent 12.12.2007 - 23:59
nicht zu vergessen dass die Uni (TU) Darmstadt ein mitfinanzierer und miteigner dieses monstrums ist und alle defizite damit auch zum teil von den sowieso verfassungswidrigen studiengebühren bezahlt werden. und da is dann auch noch das tolle kongresshotel, was rings ums audimax gebaut wurde, was zur folge hatte dass wir monatelang baulärm und einschränkungen ertragen mussten. während sich die bonzen im schicken neuen hotel bedienen lassen, regnet es in die vorräume vom hörsaal, drinne funktionieren seit monaten die heizungen nicht mehr und in anderen hörsäälen kommt die deckenverkleidung und lichtanlagen runtergestürzt. zu guter letzt muss auch der beliebte studentenclub 603qm um sein weiterbestehen fürchten, weil die laute musik die hotalgäste ja stören könnte.
UNI STATT PALÄSTE!
STUDENTEN STATT BONZEN!
kommt alle zur großen demo gegen studiengebühren und gegen die koch-regierung am 15.12. um 14.00 am luisenplatz!

mehr Fotos und Videos

Fist 13.12.2007 - 19:28
Guckt mal bei Uffbasse vorbei. Der Jörg hat sich ja gleich vor die Kamera der Reporter geschmissen! Uffbasse und Darmstadtium

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

Zeige die folgenden 2 Kommentare an

garnicht überflüssig!! — berufsrevolutionärin