Massenzensur in der SZ Süddeutsche Zeitung

Maximilian Zeiss (Global) 11.12.2007 08:08 Themen: Medien
Das schnelle Zensur von SZ-Kritikern im eigenen Medium täglich betrieben wird, ist ein offenes Geheimnis. Neue Vorwürfe erhärten die Vorwürfe, Kommentatoren der Süddeutschen können in der Zeit von 19:00 Uhr bis 8:00 Uhr keine Kommentare mehr veröffentlichen, da diese angeblich nicht "überwacht" werden können.
Seit drei Tagen herrscht Ausnahmezustand auf der Webseite der Süddeutschen Zeitung, die, trotz heftiger Kritik in den letzten Monaten wegen leichtfertiger Zensur, die Situation weiter zuspitzt. Ab sofort können Kritiker und Kommentatoren nur noch zwischen 8:00 und 19:00 Uhr Beiträge und Themen der SZ öffentlich kritisieren. Die Webseite ist in der restlichen Zeit, wie auch am Wochenende mit einer Kommentarsperre versehen.

Die Mitglieder des "Südcafes", das SZ-eigene Mitgliederforum, sind über diese Tatsache fassungslos. "Forum nur für Arbeitslose?" beschreibt ein User dieses Verhalten, hinsichtlich der Tatsache, dass die meisten Kommentare außerhalb der neuen Sperrfrist geschrieben werden. "Was können wir nur tun, dass kann doch nicht entgültig sein", schreibt Martin Hanschel, Puplizist und Autor, in einem eigens dafür angelegtem Protestforum "Szenso" (www.szenso.de).

Von einem Skandal spricht der Schauspieler und Regisseur Daniele Coscia: "Ich bin selbst Kritiker der SZ und geschockt über diese neue Art der Zensur. Wieso will in diesem Land jeder verbergen, was in den Köpfen der Menschen wirklich vorgeht?" antwortet er auf die Frage, ob dieser Schritt wirklich die Folge einiger geistloser Beleidigungen und Kommentare weniger Mitglieder sei. "Hauptsache Deutschland steht äußerlich toll da. Unsere Gesellschaft ist eben von Mitläufern geprägt, schauen Sie sich doch mal die Politik und die dazugehörigen Wähler an. Es gibt aber auch eine intellektuelle Minderheit in diesem Land, einige davon habe ich im Südcafe kennengelernt und es ist schade, dass solche Leute dort immer rarer werden. Vorallem wurden selten unsinnige Kommentare gesperrt, meistens solche, die sich mit den Hintergründen von Politik und Wirtschaft ernsthaft auseinander setzten, ich kann die Wut der SZ-Leser verstehen", fuhr er weiter fort.

Viele Kritiker schließen ein Einwirken der Regierung in die Pressefreiheit und der somit zusammenhängenden Zensur schon lange nicht mehr aus: "Es ist anzunehmen, dass wir im vorliegenden Fall ein Beispiel dafür haben. Allen Anschein nach gab es wohl beschwerden von Oben, ggf. sogar Drohungen", so Prof. Dr. Reinold von der Universität Marburg. In wie weit die SZ dieser Kritik stand hält, wird sich wohl die nächsten Tage zeigen, fakt ist: Die Gleichstellung sämtlicher Zeitungen durch Zensur und Überwachung ist wohl keine Utopie mehr.

Global Ausg. Nr. 18 ein Bericht von Maximilian Zeiss
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Ergänzungen

Zensur findet nicht statt

zumindest nicht von 19 bis 8h 11.12.2007 - 10:46
Die Verfassungswirklichkeit ist kein machtfreier Raum.

"information media" im Gegensatz zu "mass media",
Unterhaltend darf es sein auch Kochbücher und Rezepte falls keine Menschen zubereitet werden oder Kalender falls keine abgeschafften Feiertage enthalten sind.

08. Dezember 2007 ÜBERNAHME "Süddeutsche Zeitung" soll bis Weihnachten verkauft sein
Wer wird Mehrheitseigner der "Süddeutschen Zeitung"? Nach Informationen des SPIEGEL sind die Verkaufsgespräche schon fortgeschritten - so weit, dass bis Weihnachten ein Käufer feststehen soll.
 http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,522174,00.html

Freelancers Walk Out at MTV Networks
 http://www.nytimes.com/2007/12/11/business/media/11mtv.html?_r=1&hp&oref=slogin

Ja, gut dass es publik gemacht wird

flopserver 11.12.2007 - 13:52
Die schon seit Monaten verschärfte Zensur der SZ hatte auch ich zu spüren bekommen. Es handelte sich um Links, die in vielen anderen Foren z.B. Heise nicht beanstandet wurden. Als EinzelneR überblickt man nicht das Ausmaß dieser Zensur, fühlt sich zunächst nur persönlich geschnitten. Darum ist es sehr sinnvoll, es so wie hier öffentlich zu machen. Man wolle die "Foren verstärkt moderieren" hieß es seitens der SZ zu den neuen eingeschränkten Forenöffnungszeiten. 'Mit Moderation überrollt' könnte man nun den Umgang der SZ mit ihren Lesern betiteln, in Anlehnung an den Artikel von Heribert Prantl 'Mit Blaulicht überrollt', in dem er ein 'Klima der Überwachung' beklagt. Prantl darf in der Süddeutschen soetwas schreiben, bei ihren Lesern wird dagegen so ein Link wie dieser zensiert:  http://mitglied.lycos.de/protoweb/schily.htm (mit Ton!)

Wie oft muß ich es noch sagen ?

Jurist 11.12.2007 - 18:30
Mit Zensur hat das nichts zu tun, und das Geschrei über Verfassungsbruch ist hier fehl am Platz! Zensur bedeutet, dass Staatliche Organe die (dann eher nicht so) freie Presse vor Erscheinen kontrollieren und mißliebige Passagen streichen.

Hingegen kann jede Zeitung selbst entscheiden, ob sie Kommentare und Leserbriefe bzw. sonstige Inhalte veröffentlicht (ob nun gedruckt oder im Netz).

Die Pressefreiheit und das Zensurverbot schützen die Presse, nicht vor der Presse !

P.S.: Abgesehen davon sollen gerüchteweise auf Indymedia auch schon Beiträge "zensiert" worden sein, aber das ist jetzt bestimmt faschistische Propaganda...

Problem verkannt

Problem erkannt 11.12.2007 - 18:41
Diese restriktive Überwachungspolitik ist doch nichts anderes, als in allen anderen Mitmachforen auch praktiziert wird. Die SZ kann es sich nicht leisten, daß zu nachtschlafender Zeit für 12 Stunden irgendwelche Kommentare zu veröffentlichten Artikeln oder Offtopic für jeden User frei einsehbar sind, die dieser Plattform nicht würdig sein sollten.

Indy hält sich auch das Recht vor, irgendwelche unpassenden Kommentare (rechte Hetze etc.) so schnell wie möglich unsichtbar zu machen. Wenn die SZ nicht die dafür notwendigen Administratoren hat, dann kann eben nur während der üblichen Geschäftszeiten geschrieben werden.

Mit einem Eingriff in die freie Meinungsäußerung hat dies nichts zu tun...

Haftung für Foreneinträge

jadajada 11.12.2007 - 20:13
Vielleicht ganz interessant, um da etwas Zunder rauszunehmen:  http://www.netzeitung.de/internet/599131.html

Website-Betreiber müssen im Bilde sein, was ihre Nutzer schreiben, um sich vor rechtlichen Folgen z.B. bei übler Nachrede zu schützen. Deshalb gibt es Moderatoren (die auch mal schlafen müssen) oder Beiträge werden vor der Veröffentlichung geprüft.

Und letztlich stimmt auch das: die SZ kann auf ihrer Seite tun und zensieren was sie will, der User stimmt dem i.d.R. bei der Anmeldung zu. Das Internet ist keine Blümchenwiese und noch seltener Free-Speech-Corner.

telepolis macht es jetzt auch zum Thema

flopserver 12.12.2007 - 02:34

Mich würde...

revm 12.12.2007 - 10:04
genauer interessieren, welche Artikel oder Beiträge denn "zensiert" worden sind? Welche Hintergrundinfos sind da so brisant gewesen?

Nicht wirklich Zensur

dominik 12.12.2007 - 10:30
Ich finde der Sachverhalt wird hier etwas falsch dargestellt. Es ist nicht so, dass die SZ gezielt Zensur benutzt um sich irgendwelche Kritiker vom Hals zu halten.
Die rechtliche Situation in Deutschland ist hier das Problem. Die SZ (sowie alle anderen Webseiten und Blogs) müssen für die Inhalte der Kommentatoren haften. Das heißt sie sind praktisch verpflichtet diese vorher zu überprüfen nach rechtswidrigen Inhalten.

Muss mich mal zu Wort melden

D.Coscia 12.12.2007 - 10:31
Bin eben auf diesen Artikel gestoßen und habe etwas dumm aus der Wäsche geguggt! Ich bin wohl etwas falsch zitiert worden in dem besagten Interview. Natürlich bin ich sehr traurig über den Verlauf im Südcafe und finde, so wie es gerade ist, kann es nicht bleiben. Aber ich muss auch sagen, dass ich ein gewisses Verständnis für die Redaktion der Süddeutschen habe, es so zu handhaben bis eine andere Lösung parat steht. Immerhin hat eine Zeitung oder eine Internetplattform einer Zeitung eine gewisse publizistische Aufgabe und ist, nicht nur aus rechtlichen Gründen, den Lesern verpflichtet, eine Ordnung zu erhalten (dieser Satz kommt von einem Mitarbeiter der SZ). Wirklich wütend bin ich auf Kommentatoren, die zu allem eine Meinung und von nichts eine Ahnung haben, obendrein eine hässliche Sprache an den Tag legen und sich anonym glauben. Leider gibt es wohl sehr viele dieser Spezies in diesem Land. Durch ein persönliches Gespräch mit der SZ habe ich erfahren, dass gerade an einer Lösung gearbeitet wird und ich bin sicher, das vielleicht schon bald eine gefunden ist. Den Mitarbeitern liegt diese Plattform mindestens genau so am Herzen wie mir und vielen anderen seriösen Mitgliedern. In diesem Sinne; habt bitte etwas Verständnis!

Wer ist der Bösewicht?

el pueblo 12.12.2007 - 11:38
Im Zusammenhang der Zensur von Onlinekommentaren auf der Seite sueddeutsche.de immer wieder von "SZ" zu reden halte ich für populistisch. Es handelt sich hierbei um eine Maßnahme von suedduetsche.de (auch nicht SZ.de), die das Printmedium in keinster Weise betrifft. Hier auf alles einzuprügeln was unter dem Namen "Süddeutsche Zeitung" läuft einzuprügeln geht zu weit.

Die Diskussion in wiefern es eine Vor- oder Nachzensur von Kommentaren auf Seiten von Onlinemedien geben darf hat durchaus seine Berechtigung. Schlagendes Argument wird hier aber immer die Rechtslage bleiben, denn der Betreiber der Website haftet für die Inhalte und muss diese im Rahmen seiner Möglichkeiten überprüfen und ggf. löschen. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Ein bisschen Populismus zum Schluss...

So sieht die SZ ihre Leser

Carlos 12.12.2007 - 15:13
Der folgende Artikel erklärt, vielleicht wie es dazu kommt. Die Meinung der SZ-Macher von ihren Lesern scheint ja nicht allzuhoch zu sein.

 http://www.sueddeutsche.de/computer/artikel/211/146869/

Beiträge die keine inhaltliche Ergänzung darstellen

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Krass! — Hoppelpoppel

SZensur — sz.leser

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ausnahme ? — ikke

und nochwas... — jojo

Recht so — Pedant

wer soll das ein? — pepper