Rassenlehre bei Deutschlandradio-Kultur

Bildungsinitiative gegen Rechts 11.12.2007 00:55 Themen: Antirassismus
"Es gibt genetische Unterschiede zwischen den Rassen", die dazu führen, dass die Intelligenz zwischen verschiedenen Ländern erheblich schwanke, erklärte der selbsternannte Bildungsforscher Dr. Heiner Rindermann von der Uni Magdeburg in einem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur am vergangenen Dienstag. Was zunächst von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet blieb, scheint nun für einen Skandal im Wissenschaftsbetrieb zu sorgen.
Am vergangenen Dienstag, dem 4. Dezember 2007 hatte die Hörfunkjournalistin Katrin Heise den Bildungsforscher Dr. Heiner Rindermann, der an den Unis Magdeburg und Paderborn Erziehungswissenschaften lehrt, zu Gast in einer Sendung bei Deutschlandradio Kultur. Rindermann erklärte im Interview, das den bezeichnenden Titel "Dumme Buschmänner - Kluge Asiaten" trug, es gebe einen "genetischen Unterschied" zwischen "Rassen" bezüglich ihrer Intelligenz. Dieses Ergebnis hätten angeblich einige seiner neueren Studien zutage befördert. Was im 21. Jahrhundert wie ein schlechter rassistischer Scherz klingt, gehört tatsächlich zu einer ernsthaften Diskussion, die in einem öffentlich-rechtlichen Radiosender ohne größeren Widerspruch geführt wurde. Die Tatsache, nach der es seit Jahren als wissenschaftlicher Konsens gilt, dass es überhaupt keine "Menschenrassen" gibt und auch ein "Rassebgriff" für die Einteilung von Menschen absolut indiskutabel ist, hätte jede weitere Debatte erübrigt. In zahlreichen Web-Artikel und auch bei Wikipedia wird auf dieses Faktum hingewiesen. Statt sich zu informieren, bot die offenbar überforderte Journalistin Katrin Heise Rindermann ein Podium, um seine "Theorien" als "neue Forschungsergebnisse" zu präsentieren. Anscheinend muss heuzutage eine rechte Annahme als "Theorie" verkauft werden und nur abwegig genug klingen, um Aufmerksamkeit erheischen zu können. Allen ernstes wurde auch beispielsweise behauptet, dass intelligente Menschen sich eher von Institutionen wie einer Universität "angezogen" fühlen, während weniger intelligente Menschen diese "Umwelt" meiden. Zwar wurden auch "äußere Einflussfaktoren" bei der Intelligenzentwicklung thematisiert, doch sie verschwanden hinter der Grundaussage von Rindermanns vermeintlicher "Analyse". Eine ähnliche Argumentationskette benutzt auch die "neue Rechte". Ohne Skrupel wurde in dem Interview ständig mit dem "Rassebegriff" und anderem rassistisch eingefärbtem Vokabular hantiert. Rindermann gestand zwar ein, dass seine Erkenntnise von Rechten "missbraucht" werden könnten. Die Tatsache aber, dass allein solche vermeintlichen Analysen, wie Rindermann sie postuliert, von anerkannten Wissenschaftlern aus verschiedensten Disziplinien als rassistische Argumentation bewertet werden und somit als Teil einer rechtsextremen Ideologie gelten, wurde logischerweise ausgeklammert. Dass dazu auch die Relativierung eigener Aussagen gehört, um im nächsten Satz wiederum genau das Gegenteil zu behaupten, ist Teil einer Strategie des modernen Rechtsextremismus. Inzwischen rufen Studierende und Dozenten von verschiedenen Uni-Fakultäten (Ethnologie, Afrikanistik und Erziehungswissenschaften) in mehreren Städten dazu auf, den skandalösen Vorfall nicht auf sich beruhen zu lassen. In einer ersten Stellungnahmen erklärten studentische Vertreter, Rindermann solle solange keine Lehrveranstaltungen mehr anbieten dürfen, bis er sich nicht deutlich von seinen Aussagen distanziert habe. Es sei fraglich, ob er als Hochschullehrer weiter tragfähig sei. Mit seinen Theorien würde er - gewollt oder ungewollt - einen "rassistischen Rollback" in die Wissenschaft tragen. Auch zu Protestbekundungen gegenüber dem Sender Deutschlandradio-Kultur wurde aufgerufen, der ebenso um eine unmissverständliche Klarstellung gebeten wurde. Es wird erwartet, dass sich in den kommenden Tagen auch Migrantenorganisationen zu Wort melden.


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Link zum Artikel:
 http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/706040/

Link zur Audio-Version:
 http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2007/12/04/drk_20071204_0909_c44d490a.mp3

Zum Begriff "Rasse" und entsprechenden rechtsextremistischen "Rassentheorien" bei Wikipedia:
 http://de.wikipedia.org/wiki/Rassentheorien

Zur Website von Dr. Heiner Rindermann:
 http://www-e.uni-magdeburg.de/methpsy/hr/Webseite-Rindermann.htm

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Deutschlandradio - Beitrag vom 04.12.2007

Dumme Buschmänner, kluge Asiaten?
"Es gibt genetische Unterschiede zwischen den Rassen"

Bildungsforscher Dr. Heiner Rindermann: Völker sind unterschiedlich intelligent

Moderation: Katrin Heise

Die Intelligenz unterscheidet sich zwischen verschiedenen Ländern stark in ihrem Mittelwert, hat der Bildungsforscher Heiner Rindermann festgestellt. Dafür seien neben Umweltfaktoren auch genetische Ursachen relevant. Allerdings schränkt Rindermann ein, dass die Vergleichbarkeit von Intelligenztests von der jeweiligen Definition von Intelligenz abhänge.


Katrin Heise: Die Intelligenz ist nach Ethnien genetisch unterschiedlich verteilt, vermuten Forscher. Ostasiaten wie Chinesen und Japaner sollen demnach schon von ihrem Erbmaterial her intelligenter sein als beispielsweise Buschmänner und Pygmäen. Ich begrüße jetzt Heiner Rindermann, er ist Intelligenz- und Bildungsforscher und Entwicklungspsychologe an der Uni Magdeburg. Er hat eine Tabelle veröffentlicht, in der der durchschnittliche Intelligenzquotient aller Länder verglichen wird. Herr Rindermann, schönen guten Tag!

Heiner Rindermann: Ja, guten Tag.

Heise: Wie kommen Sie zu der These, Intelligenz ist nach Ethnien genetisch unterschiedlich verteilt?

Rindermann: Ob sie genetisch unterschiedlich verteilt ist, wissen wir nicht so genau, also, was wir genau wissen, dass die Intelligenz sich über verschiedene Länder hinweg stark unterscheidet in ihrem Mittelwert, und wir wissen auch sehr genau, dass auf individueller Ebene hierbei neben Umweltfaktoren auch genetische Faktoren relevant sind.

Heise: Wie haben Sie das rausgefunden?

Rindermann: Da gibt es eine sehr umfangreiche Forschungstradition auf individueller Ebene. Man schaut sich natürliche Experimente an, in denen entweder genetische Faktoren identisch sind oder Umweltmerkmale nahezu identisch sind, und ein Paradebeispiel dafür wären eineiige Zwillinge, die in unterschiedlichen Umwelten aufgewachsen sind. Hier hat man festgestellt, dass, obwohl diese Personen in unterschiedlichen Umwelten aufgewachsen sind, sie sich in ihrer Intelligenz sehr stark ähneln. Und ähnliche Studien gibt es auch zum Beispiel mit Adoptivkindern, diese ähneln in ihrer Intelligenz eher den biologischen Eltern als den Adoptionseltern. Nichts desto ... Entschuldigung?

Heise: Ja, ich wollte dazwischenfragen, wie eigentlich Intelligenz gemessen wird, denn Sie sprechen ja immer von der Intelligenz.

Rindermann: Dafür benutzt man in der Regel Papier-Bleistift-Tests mit unterschiedlich schulnahen und bildungsnahen Inhalten. Schulfern wäre zum Beispiel ein Test, in dem man nur mit Figuren arbeitet, man muss dann für diese Figuren richtige Lösungen finden, was zum Beispiel Reihen fortsetzen betrifft und Ähnliches. Oder man nimmt eher bildungsnähere Tests, die mathematische Aufgaben haben, die sprachliche Aufgaben haben oder wie zum Beispiel in den Schulleistungsstudien, die auch relativ intelligenznah sind, kann man auch schulspezifische Inhalte zum Teil abfragen oder Aufgaben mit solchen Inhalten vorgeben, wie Naturwissenschaften.

Heise: Jetzt haben Sie ja schon gesagt, wie unterschiedlich diese Tests sind. Wenn man da den einen mit dem anderen oder auch noch die eine Ethnie, die eine Rasse mit der anderen vergleichen will, was für Tests nimmt man denn da? Denn da spielen ja vielleicht gerade die schulfernen Geschichten eine ganz große Rolle, die Unterscheidung dort.

Rindermann: Für solche Vergleiche ist es besser, figurale Intelligenztest-Aufgaben zu nehmen, also Aufgaben, die Inhalte haben, die nicht in der Schule behandelt werden. Allerdings zeigen sehr viele Studien, dass auch in solchen Aufgaben Bildung positiv wirksam ist. Kinder, die länger in die Schule gegangen sind, können besser solche Aufgaben lösen als Kinder, die kürzer in die Schule gegangen sind oder gar nicht in die Schule gegangen sind.

Heise: Das heißt doch aber eigentlich, dass das, was vielleicht irgendwann mal als Intelligenz genetisch festgelegt ist oder einem Menschen mitgegeben worden ist, doch durch die Umwelt und durch seine Bildung massiv beeinflusst wird.

Rindermann: Das ist richtig. Wir haben immer beides beteiligt, wir haben sowohl die Gene als auch die Umwelt, und wir dürfen auch nicht vergessen, dass es Interaktion gibt. Menschen mit bestimmter genetischer Ausstattung suchen sich eine andere Umwelt aus und beeinflussen auch ihre Umwelt in einer bestimmten Form, wie es ihren Genen eher entspricht und wie sie sich auch dann besser entwickeln können. Also, zum Beispiel Intelligentere gehen eher länger in die Schule, auf Universitäten, und die weniger Intelligenten, die meiden eher solche Umwelten.

Heise: Kehren wir noch mal zu den Tests zurück. Würde uns beispielsweise ... ... Ein Test, der von einem Buschmann zusammengestellt worden ist, der käme doch sicherlich zu einem ganz anderen Ergebnis als ein Test, der von Ihnen zusammengestellt worden ist?

Rindermann: Ja, da haben Sie völlig Recht, es gibt sehr interessante Studien zum Beispiel zum Wegefinden, und da kann man feststellen, dass Naturvölker hier weit besser sind als Europäer. Ich selber war zum Beispiel auch mehrmals im Amazonasgebiet gewesen und ich war dort sehr erstaunt, wie toll zum Beispiel Yanomami-Indianer einen Weg finden können im Regenwald, wo wir keine Berge haben, keine erkennbaren Flüsse und so weiter, und trotzdem auf einer Wanderung von mehreren Stunden wieder genau an den Ausgangspunkt zurückkommen. Das können wir nicht, weil wir es nicht geübt haben.

Heise: Nehmen wir denn aber in unseren Tests auf genau solche Dinge auch Rücksicht?

Rindermann: Eigentlich nicht, es kommt darauf an, wie wir Intelligenz definieren. Wenn wir Intelligenz definieren würden als das Wegefinden in unbekanntem oder nahezu unbekanntem Gelände, dann wären uns Naturvölker höchstwahrscheinlich überlegen.

Heise: Der US-amerikanische Genforschungspionier James Watson hat vor kurzem für Empörung gesorgt, als er sagte, was die Intelligenz verschiedener Ethnien angehe, solle man nicht davon ausgehen, dass wir alle gleich sind, und er wurde dann interpretiert, die Bewohner Afrikas seien genetisch minderwertig. Dafür hat sich Watson entschuldigt, so wolle er nicht verstanden werden. Ähnliche Debatten, Sie haben es ja auch angedeutet, gibt es ja seit Jahrzehnten, aber es bleibt natürlich: Diese These, das eine Volk ist intelligenter als das andere, das wird ganz schnell rassistisch interpretiert.

Rindermann: Ja, das ist richtig, aber wir müssen auch bedenken, dass es natürlich genetische Unterschiede zwischen Völkern nicht nur eventuell in kognitiven Bereichen gibt, sondern auch in anderen Bereichen, ganz simpel, natürlich die Hautfarbe oder weniger simpel, weniger naheliegend: Krankheitsresistenzen. Ein schönes Beispiel wäre vielleicht die Resistenz von Indianern gegenüber in Europa bekannten Infektionskrankheiten, diese bestand bei den Indianern nicht und sie sind dann sehr häufig an diesen Krankheiten gestorben. Es gibt auf jeden Fall genetische Unterschiede zwischen den Rassen, wenn man diesen Begriff wählt, also zwischen Weißen, zwischen Schwarzen und zwischen Asiaten als die drei Großgruppen.

Heise: Da ist es ja, bei dem Medizinischen, da ist es ja noch einsehbar, warum man das erforscht, weil eben Menschen eventuell daran zu Tode kommen, wenn sie der falschen Umwelt ausgesetzt sind, sage ich mal. Aber wozu muss ich eigentlich wissen, ob das eine Volk intelligenter ist als das andere, was bringt mir das?

Rindermann: Vielleicht zunächst mal noch zur Genfrage, ob sich Völker genetisch in der Intelligenz unterscheiden - das wissen wir ja nicht so genau. Wir kennen ja noch nicht die Gene, die für Ausprägung in der Intelligenz verantwortlich sind. Was wir wissen: Es gibt bestimmte genetische Behinderungen wie zum Beispiel Trisomie 21, Down-Syndrom, die zu einer sehr unterdurchschnittlichen Intelligenz führen, aber im Normalbereich kennen wir noch keine Gene und werden wahrscheinlich auch in den nächsten Jahren noch keine Gene kennen, die dafür relevant sind.

Deshalb sind Erklärungen auf internationaler Ebene oder auf gesellschaftlicher, ethnischer Ebene, rassischer Ebene immer noch etwas spekulativ oder können sich nur auf Plausibilitätserwägungen stützen. Und eine solche Plausibilitätserwägung wäre zum Beispiel, wenn bestimmte Gruppen unter verschiedenen Umwelten stabil unterschiedliche Ergebnisse solcher Intelligenztests zeigen.

Gut, Sie haben jetzt aber gefragt, warum man so etwas erforschen sollte. Die OECD, die macht ja beispielsweise international vergleichende Schulleistungsstudien, um festzustellen, wo Schüler mehr lernen, wo sie über höhere Kompetenzen verfügen, und man nimmt an, dass diese Kompetenzen - auch unter dem Begriff Humankapital - zum Beispiel relevant sind für Wirtschaftswachstum, für wirtschaftliche Produktivität, aber auch für andere, positiv bewertete, gesellschaftliche Phänomene wie zum Beispiel Demokratie, oder auf individueller Ebene zum Beispiel Gesundheit.

Heise: Aber würde man dann nicht weitergehen können und sagen, na, wenn die einen sowieso nicht so intelligent sind wie die anderen, dann hilft das auch nichts, dann werden die auch nie so demokratisch werden wie wir?

Rindermann: Wir wissen ja nicht, ob die Unterschiede so stabil sind. Was man zum Beispiel im 20. Jahrhundert sehr schön beobachten konnte, dass in den westlichen Ländern die Intelligenz von Generation zu Generation angestiegen ist, und zwar beträchtlich. Zum Beispiel Europäer um das Jahr 2000 sind ein bis zwei, manchmal sogar drei Standardabweichungen, also 20, 30, 40 Punkte intelligenter als Europäer um das Jahr 1900. Und solche Unterschiede finden wir heute auf internationaler Ebene zwischen verschiedenen Gesellschaften. Es könnte ja sein, dass die Personen anderer Gesellschaften eben noch nicht so weit entwickelt sind und einfach länger brauchen, oder noch mehrere Jahrzehnte der Modernisierung, intensiverer Bildung, besserer Ernährung, Gesundheit, um auf dieses Niveau zu kommen.

Heise: In die Richtung hat auch Ihr Kollege, der Intelligenzforscher Aljoscha Neubauer von der Universität Graz, gesprochen: Unterschiede sind unbestritten, aber sie sind nicht unveränderlich. Das sagen Sie auch.

Rindermann: Dass sie unveränderlich sind, das wäre natürlich eine sehr gewagte und eventuell falsche ...

Heise: Aber sie sind nicht unveränderlich.

Rindermann: Ja, sie sind nicht unveränderlich, das ist höchstwahrscheinlich richtig, aber wir wissen nicht, ob nicht das Muster der Unterschiede immer gleich bleibt. Es könnte zum Beispiel sein, dass in 100 Jahren auf einem höheren Niveau weiterhin solche Unterschiede bestehen, zum Beispiel, weil Ostasiaten besonders fleißig sind und sie einer Kultur angehören, die Fleiß sehr honoriert und diese Art von Kultur ändert sich auch nicht so schnell im Vergleich zum Beispiel zur europäischen oder schwarzafrikanischen oder sonstigen Kulturen.

Heise: Immer, wenn man solche Sachen so hört, und ich habe es ja vorhin auch schon angesprochen, geht es ja im übertragenen Sinne auch um die Wertigkeit der Rassen. Man macht sich ganz schnell den Vorwurf, setzt man sich dem Vorwurf aus, rassistisch zu argumentieren.

Rindermann: Wir können ja bestimmte Unterschiede zunächst einmal nicht negieren, und wir können auch nicht empirische Fakten negieren. Bewertungen haben wir jetzt erst mal eigentlich nicht vorgenommen, wir haben nur darüber gesprochen, inwieweit Umwelt- und Genfaktoren vielleicht für internationale Unterschiede relevant sind. Dass dies dann von anderen Personen vielleicht rassistisch interpretiert werden kann und auch falsch benutzt werden kann, das ist möglich, richtig, missbraucht, sagen wir mal, missbraucht werden kann.
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Ergänzungen

Ergänzung

Andreas S. 11.12.2007 - 01:53
Hier noch ein Artikel aus dem Jahr 2005, in welchem bereits auf diesen enormen Rückschritt in der US-Wissenschaft aufmerksam gemacht wurde. Offenbar hat sich Herr Rindermann hier ein Beispiel genommen. Verspricht doch die "neue Rassenlehre" eine Mobilisierung der angeblich Höherwertigen zur Unterdrückung angeblich Minderwertiger im neoliberalen Wettstreit:

Rückkehr der Rassenlehre
Immer wieder wird in den USA eine These laut, die Bürgerrechtler in Wut versetzt: Schwarze seien dümmer als Weiße, wird da behauptet - und zwar genetisch bedingt. Jetzt erscheint wieder eine Studie mit diesem Tenor, in einem renommierten Fachblatt. Der Autor war Psychologie-Professor in Berkeley.

 http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,353677,00.html

Menschenrassen gibt es nicht!

Thomas G. 11.12.2007 - 10:27
[...] »Rassen« des Menschen werden traditionell als genetisch einheitlich, aber untereinander verschieden angesehen. ... Neue auf den Methoden der molekularen Genetik und mathematischen Modellen der Populationsgenetik beruhende Fortschritte zeigen jedoch, dass diese Definition völlig unangemessen ist. Die neuen wissenschaftlichen Befunde stützen nicht die frühere Auffassung, dass menschliche Populationen in getrennte »Rassen« wie »Afrikaner«, »Eurasier« ... oder irgendeine größere Anzahl von Untergruppen klassifiziert werden könnten. [...]

Mit diesem Dokument wird nachdrücklich erklärt, dass es keinen wissenschaftlich zuverlässigen Weg gibt, die menschliche Vielfalt mit den starren Begriffen »rassischer« Kategorien oder dem traditionellen »Rassen«-Konzept zu charakterisieren. Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, den Begriff »Rasse« weiterhin zu verwenden.

UNESCO: »Stellungnahme zur Rassenfrage« (1996)

Nicht nur in der Stellungnahme der UNESCO (1996) wird betont, dass die molekularbiologischen Erkenntnisse über genetische Vielfalt der Menschen Rassenkonzepte ausschließen. Neuere biologische Erkenntnisse haben diese Aussage sogar noch unterstrichen. Dafür gibt es folgende Gründe:

* Mindestens 3/4 der menschlichen Gene variieren nicht, sie sind also bei allen Menschen gleich. Die Variabilität bezieht sich also auf die Allelverteilung des höchstens 25 % ausmachenden Teils variabler Gene
* alle molekularbiologischen Unterschiede betreffen lediglich statistische Verteilungen (Allelhäufigkeiten);
* trotz erheblich erscheinender morphologischer Unterschiede sind die genetischen Distanzen zwischen den geographischen Populationen des Menschen gering. Sichtbare Unterschiede zwischen Menschen täuschen uns über genetische Differenzen. Einige wenige Merkmale überbewerten wir - nur aus dem Grunde, weil sie besonders auffallen. Der »Typus« ist ein schlechter Wegweiser zu genetischen Distanzen: Zwischen (morphologisch fast nicht zu unterscheidenden) west- und zentralafrikanischen Unterarten des Schimpansen (Pan troglodytes) sind sie zum Beispiel etwa 10 mal so groß wie zwischen menschlichen Populationen (z. B. Afrikaner und Europäer).
* Der größte Anteil der genetischen Unterschiede zwischen Menschen befindet sich nicht zwischen, sondern innerhalb der geographischen Populationen. Mindestens 90 % der genetischen Unterschiede befinden sich innerhalb lokaler oder eng benachbarter Populationen, die Unterschiede zwischen den geographischen Gruppen umfassen höchstens 10 % der genetischen Verschiedenheit. Zur genetischen Vielfalt der Menschen trägt die geographische Variation also nur einen sehr kleinen Teil bei.
* Die Häufigkeit der Allele variiert überwiegend kontinuierlich. Zwischen den geographischen Populationen gibt es keine größeren Diskontinuitäten und keine durchgehenden scharfen Grenzen.

Angesichts dieser Ergebnisse muss der Versuch scheitern, die Menschen in mehr oder weniger voneinander unterschiedene Gruppen zu trennen. Auch statistisch signifikante Unterschiede in Merkmals- oder Allelverteilungen sind deshalb nicht hinreichend, um Populationen als »Rassen« zu klassifizieren. Selbst die traditionelle Gliederung in drei geographische Großrassen (Europide, Negride, Mongolide) ist durch diese Befunde obsolet geworden (vgl. Cavalli-Sforza 1992; Cavalli-Sforza/ Cavalli-Sforza 1994; Cavalli-Sforza/ Menozzi/ Piazza 1994; Kattmann 1995; 2002). Die Wissenschaft hat - abgesehen von einigen rechts-konservativen Anthropologen - eine ziemlich einhellige Meinung.



Wieso also behauptet jemand, Intelligenz würde auf den Genen liegen, hat aber diese "Gene" nicht gefunden (wie dieser Dr. Rindermann ja selbst im Interview sagt!). Also was soll der "Rassebegriff" hier überhaupt? Cavalli-Sforza (1994) zufolge werden Forscher auch zukünftig kaum etwas anderes herausfinden können, als dass Menschen bei allen äußeren Unterschieden letztlich gleich sind. Diesen Umstand und die neueren biologischen/sozialwissenschaftlichen Forschungen werden lediglich Diejenigen ignorieren, denen es aus ihrer rechten Ideologie heraus nicht in den Kram passt. Das Entscheidende, dass es Menschenrassen gar nicht gibt, können Sie nicht akzeptieren. Ihr Weltbild kann dies nicht zulassen, weshalb nachträglich nach Begründungen für Varianzen gesucht wird. Der Beitrag zeigt nur einmal mehr, wie erfinderisch Rassisten geworden sind, um Rechtfertigungen für ihr menschenverachtendes Weltbild zu finden.

Hinweis

Gabi St. 12.12.2007 - 10:20
Hier noch ein Beispiel, wie positiv sich Nazis auf Rindermanns Thesen beziehen. Worum es ihm aber hauptsächlich geht und auch immer wieder ging, ist als sog. Intelligenzforscher eine scheinbar schlüssige Rechtfertigung dafür zu finden, warum "höherwertige" Menschen eher eine Uni besuchen dürfen und "minderwertige" eher nicht. Als höherwertig betrachtet er vor allem Menschen in Westeuropa, die real über genug finanzielle Ressourcen verfügen und sich einen Uni-Besuch leisten können. Somit zielt seine Theorie auf die Absicherung gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten im Sinne kapitalistischer Erfordernisse. Dies sollte bei der Beobachtung dieser absolut rückschrittlichen Diskussionen mit berücksichtigt werden.

Links:
 http://www.staatspolitik.org/?p=182

 http://www.gnxp.com/blog/2007/10/james-watson-tells-inconvenient-truth_296.php

Stellungnahme

AstA Uni Paderborn 15.12.2007 - 15:55
Samstag, 15 Dezember 2007

Paderborn. Der AStA-Paderborn schließt sich den Protesten gegen die von Herrn Professor Rindermann am 4.12. geäußerten Standpunkte an.

Prof. Rindermann scheint hier einige Begrifflichkeiten zu vermischen, in unklarer Definition zu verwenden und persönliche Erfahrungen mit empirischen Untersuchungen zu verwechseln.

Wie Prof. Rindermann selber bestätigt, beruft er sich in seinem Interview im Deutschlandradio auf Theorien die nichts weiter sind, als Spekulationen über ein höchst komplexes und schwieriges Themengebiet. Von einem Wissenschaftler sollte man erwarten dürfen, dass er sich über die politischen Auswirkungen solcher unbedachter Äußerungen im klaren ist und sich der Verantwortung bewusst ist, die Meinungsäußerungen seinerseits als Experte mit sich bringen.

Deshalb fordert der AStA-Paderborn Prof. Rindermann hiermit auf, sich ganz klar von der Position zu distanzieren, dass aktuelle Forschungen darauf hindeuten, Ergebnisse von Intelligenztests würden sich auf genetische Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen zurückführen lassen.

Interview stillschweigend überarbeitet

Anti-Rassist 18.12.2007 - 01:26
vor kurzem wurde das interview sowohl in der online alsauch der mp3-version still und heimlich überarbeitet. offenbar sieht nun so das verständnis von politisch korrektem rassismus des senders deutschlandradio aus. die inhaltlichen veränderungen, die vorgenommen wurden, verlangen geradezu nach einer weiteren kritischen und vor allem öffentlichen betrachtung der ganzen angelegenheit:

 http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/706040/

Kommentar

Karsten Gerber 19.12.2007 - 03:25
Es lohnt sich auf jeden Fall mal einen Blick in Rindermanns Studie zu werfen, um nachzuweisen, dass er sich auf rechtsextreme Wissenschaftler bezieht. Der Aufsatz kann bezeichnenderweise vor allem auf diversen Nazi-Seiten heruntergeladen werden, die ich hier nicht verlinken möchte (googelt mit 'Rindermann' und 'Rasse' - ist sehr interessant, was da abgeht). Hier ein Link zur Uni Paderborn:  http://groups.uni-paderborn.de/rindermann/materialien/PublikationsPDFs/07EJP.pdf

Deutlich ist, dass sich Rindermann vor allem auf rassistisch verbrämte Annahmen von Volkmar Weiss sowie sozialdarwinistische Ansätze des rechts-konservativen US-Politologen Charles Murray stützt. Vergleicht man die inhaltlichen Kernaussagen, steht Rindermann den Thesen von Weiss allerdings noch wesentlich näher. Jedoch ist Rindermann strategisch nicht so blöd, gleich mal davon zu sprechen, dass "Neger und Zigeuner in der Masse dümmer sind" als Weiße (Originalzitat von Weiss). Weiss stammt aus der DDR, war in der DSU, dann CDU (dort ausgetreten) und springt heute im Umfeld der NPD-Sachsen sowie anderer Organisationen der "neuen Rechten" herum. Auch steht er in enger Verbindung mit der "Jungen Freiheit" und der "Deutschen Stimme".(siehe Wikipedia und die Internetseite von Weiss). Weiss wird zwar nur an zwei Stellen in Rindermanns Aufsatz zitiert, allerdings kann man bei näherer Betrachtung feststellen, dass Rindermann die bereits seit Jahren von Weiss verbreiteten Annahmen fortentwickelt. Besonders interessant sind neben dem ganzen anderen Müll in Rindermanns Text auch die Stellen, wo es unter Bezugnahme auf Weiss um die Intelligenz zunächst von Israelis und dann auf einmal von "Juden" geht. "Juden" seien sich nämlich in ihrer Intelligenz nicht nur in Israel ähnlich, sondern auch in anderen Teilen der Welt. Wenn dies nicht Rassismus/Antisemitismus sein soll, was dann???

Hier noch Links zu Weiss:
 http://www.volkmar-weiss.de/index.html
 http://de.wikipedia.org/wiki/Volkmar_Weiss
 http://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2005/08/08/a0096

PM der Uni Mainz

G.G. 19.12.2007 - 11:58
Die Uni-Mainz hat jetzt auch eine sehr deutliche Erklärung gegen Rindermann abgegeben:

 http://zope.verwaltung.uni-mainz.de/presse/mitteilung/2007/2007_12_19ethno_rindermann/showArticle_dtml

sehr erfreulich!!!

Stellungnahme zur Rasse-Forschung

AGGR 19.12.2007 - 13:17
**Heiner Rindermann aktualisiert die deutsche „Rasse“-Forschung**

Vor wenigen Tagen sendete Deutschlandradio Kultur ein Interview mit dem Psychologen Heiner Rindermann, welches mit dem bezeichnenden Titel „Dumme Buschmänner, kluge Asiaten? »Es gibt genetische Unterschiede zwischen den Rassen«“ angekündigt wurde. Aber nicht nur mit dem Titel der Sendung sondern auch mit dem Beitrag selbst wird gleichzeitig tief in die koloniale Mottenkiste gegriffen als auch deutlich gemacht, welche rassistischen Aussagen nach wie vor in den Lebenswissenschaften möglich sind.

Rindermann wird mit einer Zusammenfassung seiner Forschung – „Völker sind unterschiedlich intelligent“ – eingeleitet und kann im Interview diese und weitere krude Aussagen als „neue Forschungsergebnisse“
verbreiten: So meint er, dass sich „Menschen mit bestimmter genetischer Ausstattung … eine andere Umwelt“ aussuchen und „ihre Umwelt in einer bestimmten Form, wie es ihren Genen eher entspricht“ beeinflussen.
„Intelligentere“ gingen deshalb eher länger zur Schule und auf Universitäten, „weniger Intelligente“ meiden stattdessen eher solche „Umwelten“.

Er erzählt von „Naturvölkern“ und deren Intelligenzunterschieden zu Europäer_innen und verkündet auf die Frage, was seine Forschungen zu „Volk“ und Intelligenz an Erkenntniswert bringen würden, dass bspw. die vergleichenden Schulleistungsstudien der OECD relevante Informationen über „Humankapital“ für „Wirtschaftswachstum, für wirtschaftliche Produktivität, aber auch für andere, positiv bewertete, gesellschaftliche Phänomene wie zum Beispiel Demokratie“ lieferten.
„Rassen“ und seine Forschungen zu Intelligenzunterschieden werden bei ihm also zu einer ökonomische Standortfrage. Zwar räumt Rindermann ein, dass man es mit der genetisch bedingten unterschiedlichen Intelligenz der „Völker“ noch nicht so genau wisse, denn „wir kennen ja noch nicht die Gene“, aber es könne ja sein, dass „das Muster der Unterschiede immer gleich bleibt“ oder aber, „dass die Personen anderer Gesellschaften eben noch nicht so weit entwickelt sind und einfach länger brauchen“.

Im ganzen Interview werden historisch diskreditierte Begriffe verwendet und die Interviewerin stellte eine kürzliche Äußerung des Genetikers James Watson (er verkündete, dass „Schwarze weniger intelligent seien“) als lediglich falsch interpretiert dar. Entsprechend dieser Rahmung konnte Rindermann seine Ansichten unwidersprochen verbreiten.

Heiner Rindermann ist zurzeit wissenschaftlicher Angestellter am Institut für Psychologie der Universität Magdeburg. Dort ist er beurlaubt, um seit mehreren Semestern eine Gastprofessur in der Erziehungswissenschaft der Uni Paderborn einzunehmen. Er hat verschiedene Artikel veröffentlicht, in denen er Beziehungen zwischen Intelligenz und „kognitiven Fähigkeiten“ auf „Nationenebene“ kundtut.
Auffällig dabei ist, dass er in seinen Ausarbeitungen mehrfach Literatur einbezieht, die in seiner scientific community methodisch und politisch diskreditiert ist und eigentlich nur noch von der extremen Rechten zitiert wird. So bezieht er sich mehrfach auf und zitiert den US-amerikanischen „Rasse“-Forscher John Philippe Rushton, der vor allem mit seinem rassistischen Werk „Rasse, Evolution und Verhalten“ (deutsche Kurzversion unter:  http://www.charlesdarwinresearch.org/German.pdf)
bekannt ist und den Psychologen Arthur Jensen, einen der im wissenschaftlichen Rassismus exponiertesten Vertreter, (mehrere Veröffentlichungen in der "Race-Psychology").

Auf indymedia ( http://de.indymedia.org/2007/12/202212.shtml) wird berichtet, dass eine ersten Stellungnahme studentische Vertreter_innen aus Paderborn vorliegt, in der diese erklärten: Rindermann solle solange keine Lehrveranstaltungen mehr anbieten dürfen, bis er sich nicht deutlich von seinen Aussagen distanziert habe. Es sei fraglich, ob er als Hochschullehrer weiter tragfähig sei. Mit seinen Theorien würde er - gewollt oder ungewollt - einen "rassistischen Rollback" in die Wissenschaft tragen. Auch zu Protestbekundungen gegenüber dem Sender Deutschlandradio-Kultur werde aufgerufen.

AG gegen Rassismus in den Lebenswissenschaften (www.aggr.org)

was die presse sagt

Jonas Aumann 20.12.2007 - 00:48
20.12.2007 / Inland / Seite 5 / junge Welt

Rassekunde im Deutschlandradio

Rechtzeitig zum Afrikagipfel klärte der Sender darüber auf, wieso es auf dem Kontinent keine Demokratie gibt
Von Tomasz Konicz
Eine Stellungnahme des Deutschlandradios wäre wünschenswert, lautete die höfliche Aufforderung von Wissenschaftlern des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien der Universität Mainz am Mittwoch. In ihrer Erklärung machten sie auf einen handfesten Skandal aufmerksam. Im Deutschlandradio war am 4. Dezember ein Interview mit dem Magdeburger »Entwicklungspsychologen« Heiner Rindermann gesendet worden. Darin hatte er unwidersprochen seine krude »Theorie« verbreitet, daß es »genetische Unterschiede zwischen Menschenrassen hinsichtlich ihrer Intelligenz« gebe. Nur wenige Tage vor dem EU-Afrika-Gipfel in Lissabon, auf dem die afrikanischen Staaten in unvorteilhafte Freihandelsabkommen gepreßt werden sollten, schlug der Sender damit altbekannte Töne an, die einem Rückfall in rassistisch-kolonialistische Ressentiments gleichkamen. Mit anderen Worten: die perfekte ideologische Flankierung der europäischen und deutschen Expansionsbestrebungen in Afrika. Das Gespräch war unter dem Titel »Dumme Buschmänner, kluge Asiaten?« bis vor kurzem auf der Home­page von Deutschlandradio Kultur zu finden, doch inzwischen hat der Sender die Überschrift geändert und den Beitrag gekürzt.

Rindermann will nach der Auswertung von in verschiedenen Regionen durchgeführten Intelligenztests herausgefunden haben, daß sich »Rassen« in ihrer durchschnittlich gemessenen Intelligenz unterscheiden. Diese Differenz in den Ergebnissen der Intelligenztests sei auf »genetische Faktoren« zurückzuführen, so Rindermann. Es seien nicht etwa die sozioökonomischen Lebensbedingungen, die ein Individuum prägen, laut dem entwicklungspsychologischen Rasseforscher ist es genau umgekehrt. Menschen mit einer bestimmten »genetischen Ausstattung« würden sich die ihren Genen entsprechende Umwelt aussuchen: »Also, zum Beispiel Intelligentere gehen eher länger in die Schule, auf Universitäten, und die weniger Intelligenten, die meiden eher solche Umwelten.« Von der aus ihrer genetischen Disposition resultierenden Intelligenz einer bestimmten Rasse lasse sich Rindermann zufolge auch auf deren Verwertbarkeit als Humankapital oder Demokratiefähigkeit schließen.

Die Wissenschaftler des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien aus Mainz reagierten nicht nur empört auf diese rassistischen Äußerungen, sondern auch auf die Moderatorin des Deutschlandradios, die als reine Stichwortgeberin fungiert habe. »Dr. Heiner Rindermann disqualifiziert sich durch seine Aussagen im Deutschlandradio als ernst zu nehmender Wissenschaftler«, kommentierte Dr. Carola Lentz, Professorin für Ethnologie an der Uni Mainz. Die Tatsache, daß ein habilitierter Wissenschaftler einer bundesdeutschen Universität in einem öffentlich-rechtlichen Sender unkommentiert von Menschenrassen und genetisch bedingter Verteilung von Intelligenz sprechen darf, sei empörend, so Lentz weiter. Die Ignoranz gegenüber kulturellen Dimensionen anderer Gesellschaften, die Unkenntnis humangenetischer Erkenntnisse und das Außerachtlassen sozialer Faktoren wiesen Rindermanns Aussagen »als schieren Unsinn aus«. Neben einer Erklärung des Senders, »wie es zu diesem schlecht vorbereiteten Interview kommen konnte« forderte die Professorin »eine Distanzierung Rindermanns von seinen haltlosen Thesen.«


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taz - 20.12.2007

Vorwurf der Verbreitung von Rassismus
Deutschlandradio verteidigt Interview

Ein Intelligenzforscher äußert im Deutschlandradio bedenkliche Thesen, die Moderatorin hakt nur handzahm nach. Wissenschaftler sind empört. VON MARY HERRMANN

Anfang Dezember war der Magdeburger Bildungsforscher und Entwicklungspsychologe Heiner Rindermann Interviewgast im Deutschlandradio Kultur (DLR). Eigentlich nichts Besonderes, wären da nicht einige bedenkliche Äußerungen Rindermanns zum Thema "Unterschiede in Intelligenz und Wissen zwischen den Bevölkerungen verschiedener Länder" - und eine eher handzahm nachhakende DLR-Moderatorin. Andere Wissenschaftler fahren gegen Rindermann und den Sender jetzt schwere Geschützte auf: "Universitätsdozent verbreitet unwidersprochen rassistische Theorien im Deutschlandradio", heißt es in einer gestern veröffentlichten Pressemitteilung des Instituts für Ethnologie und Afrikastudien der Universität Mainz.

Der Sender verteidigt indes das Interview. "Es war uns bewusst, dass wir uns hier auf einem sensiblen Terrain bewegen und es Gegenstimmen zu Herrn Rindermann gibt", so der verantwortliche Redakteur Stefan Detjen zur taz. Rindermann und die Moderatorin haben ein sensibles Thema aufgeschlüsselt und seien ja gerade zu dem Schluss gekommen, "dass man nicht feststellen könne, ob Intelligenz der Völker von den Genen abhängt". Im Gespräch sagt Rindermann wörtlich, ob "sich Völker genetisch in der Intelligenz unterscheiden - das wissen wir ja nicht so genau". Er spricht in diesem Zusammenhang auch von "Rassen". Die Tradition solch einer genetischen Intelligenztheorie ist nicht neu. Erst kürzlich erregte der amerikanische Nobelpreisträger James Watson Aufsehen, als er behauptete, dass die Intelligenz unterschiedlicher Ethnien verschieden ausgeprägt sei. Demnach seien bestimmte Völker klüger als andere.

Raija Kramer, eine der Wissenschaftlerinnen des Mainzer Instituts, betont, dass es überhaupt keine Beweise für eine "genotypische Diversität verschiedener Völker" gebe. Besonders aber regt sie sich über den Rassenbegriff auf: "Der Begriff Rasse stammt aus einer überkommenen Theorie vom Beginn des 20. Jahrhunderts." Es sei "abenteuerlich, dass ein seriöser öffentlich-rechtlicher Radiosender und ein habilitierter Wissenschaftler mit solch überkommenen Begrifflichkeiten jonglieren".

Beim DLR hat man immerhin nachgebessert: Im Internet wurde der zunächst verwendete Interview-Titel "Es gibt genetische Unterschiede zwischen den Rassen" zur Frage "Gibt es Unterschiede in Intelligenz und Wissen zwischen den Bevölkerungen verschiedener Länder?" abgmildert. Man will nun weitere Wissenschaftler zum Thema zu Wort kommen lassen.

auch noch PRESSE

johannes l. 20.12.2007 - 02:50
Mainzer Allgemeine und Wiesbadener Tageblatt

Umstrittenes Erbe

Intelligenzforscher-Äußerungen "rassistisch"?

Vom 20.12.2007

Fre. MAINZ Starker Tobak. Der Bildungsforscher Heiner Rindermann, wissenschaftlicher Assistent an der Universität Magdeburg, hat in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur vor zwei Wochen die These vertreten, dass für die unterschiedliche Intelligenz "über verschiedene Länder hinweg" auch "genetische Faktoren relevant" seien. Es gebe "eventuell in kognitiven Bereichen", so Rinderman, "genetische Unterschiede zwischen den Rassen, wenn man diesen Begriff wählt, also zwischen Weißen, zwischen Schwarzen und zwischen Asiaten als die drei Großgruppen".

Eine Provokation, etwas gewunden im Plauderton dargeboten. Mittlerweile jedoch beginnt sich Protest zu formieren. Das Institut für Ethnologie der Universität Mainz ist Wortführer - es hat Rindermanns Äußerungen als "empörend" und "schieren Unsinn" zurückgewiesen.

Die Mainzer Wissenschaftler bewerten Rindermanns Aussagen ohne Umschweife als "rassistisch". Im Gespräch mit unserer Zeitung weist die Mainzer Ethnologin Anna-Maria Brandstetter darauf hin, dass schon Rindermanns Wortwahl verräterisch sei: Der Terminus "Rasse" spiele in der Humangenetik und der Ethnologie schon lange keine Rolle mehr. Die Befürchtung, dass hier an den politischen Rändern mit dem "Deckmäntelchen des Wissenschaftlichen" hantiert werde, habe die Mainzer Ethnologen zu ihrer ungewöhnlich scharfen Stellungnahme veranlasst.

Verbreitete Vorurteile

Brandstetters Kollegin Raija Kramer sieht sogar einen gesamtgesellschaftlichen Trend zum "Biologismus", dem das Rindermann-Interview nur die Krone aufsetze. All diese Fernsehdiskussionen über die unterschiedliche Intelligenz von Männern und Frauen hätte einen ähnlichen Zungenschlag. Und was Heiner Rindermann angehe: Dessen Thesen würden längst eifrig in rechtsradikalen Foren diskutiert.

Klar, dass auch beim Deutschlandradio der Unwille über das Interview angekommen ist. Zwischen zwei Sitzungen gibt der Leiter der Abteilung Aktuelle Kultur in Berlin, Stephan Detjen, dennoch ruhig und sachlich Auskunft zum Zustandekommen des strittigen Beitrags. Angestoßen worden sei er durch die Äußerungen des amerikanischen DNA-Entdeckers und Nobelpreisträgers James Watson Ende Oktober über die Intelligenz von Schwarzen. Dessen vorurteilsbeladene Ansichten, so Detjen, hätten auch in Deutschland für Aufregung gesorgt, und so habe sich Deutschlandradio Kultur in der Pflicht gesehen, Wissenschaftler dazu zu befragen.

"Keine Randfigur"

Und warum ausgerechnet Heiner Rindermann als Gesprächspartner? Weil er durch Veröffentlichungen in "anerkannten wissenschaftlichen Journalen" als seriöses Gegenüber ausgewiesen gewesen sei. Rindermann, so Detjen, sei kein "Outlaw", keine Randfigur - er stehe im Zentrum der Kontroverse. Natürlich sei ein Begriff wie "Menschenrasse" problematisch - und Rindermanns Vernachlässigung sozialer Faktoren sei es in noch stärkerem Maße. Aber das sei in dem gesendeten Gespräch von der Interviewerin angemessen aufgearbeitet und hinterfragt worden.

Handlungsbedarf sieht der Sender offenbar trotzdem. Die Kontroverse soll in der nächsten Zeit in einer ganzen Serie von Gesprächen fortgeschrieben werden - unter Beteiligung auch der Mainzer Ethnologen.

Zustand der Medien

Aljoscha 20.12.2007 - 10:20
Gestern wurde das Interview auf der Net-Seite von dradio.de kommentarlos wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückverwandelt. Der am Montag Abend veränderte Titel bleibt nun aber in der unverfänglicheren Version verändert stehen. Von Montag Abend bis Mittwoch vormittags war das Interview nur noch in einer gekürzten und redaktionell veränderten Fassung einsehbar gewesen. Entscheidende Stellen, in denen über die Einteilung von "Rasse" gesprochen wurde und auch dort, wo Rindermann über das Verhalten von Intelligenteren und weniger Intelligenteren in bezug auf ihre Umwelt diskutiert wurde, können nun wieder gelesen werden. Merkwürdig und bezeichnend, dass der Redaktion von Deutschlandradio Kultur dieses unsaubere journalistische Verhalten keine Zeile wert ist. Hier wollen anscheinend einige Leute ihre Köpfe retten und sich nicht dem Vorwurf der Manipulation aussetzen, der nun noch deutlicher als zuvor im Raum steht.

Hier der Link
 http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/706040/

Rindermanns Netzwelt

Jürgen 20.12.2007 - 17:17
der inhalt von Rindermanns webseite wurde heute auf dem server der uni-magdeburg gesperrt:

 http://www-e.uni-magdeburg.de/methpsy/hr/Webseite-Rindermann.htm

PM-Link

dein name 26.11.2008 - 10:15
als ergänzung:
 http://www.ifeas.uni-mainz.de/Presse/PM%20Rindermann19_12_07.pdf
[Link zur Presseinfo der Wissenschaftlerinnen aus der Uni-Mainz]

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caveat emptor — tagmata

Danke. — Palet

@ q — NEE,

Petition? — Mk

Zwischen Evidenz und Leere der Abgrund — jan nowack rolletschek

Eine"notwendige Täuschung" — j n rolletschek