Münster: Grevenerstr. 31 vertagt

The Pirate 07.12.2007 05:57 Themen: Freiräume Kultur Soziale Kämpfe
Am 6. Dezember tagte der Bauausschuss der Stadt Münster zur Frage über den Abriss oder Erhalt der Grevenerstr. 31. Das Haus wurde 1972 besetzt und wird seitdem von den Bewohnern unter Mithilfe des AStA selbst verwaltet. Im Bauausschuss legte die Stadtverwaltung nun die Prüfergebnisse eines Gutachtens vor und kommentierte das Kaufangebot der BewohnerInnen. Die entgültige Entscheidung wurde auf den Januar vertagt.
Etwa 70-80 Menschen hatten sich am 6. Dezember gegen 16 Uhr auf dem Prinzipalmarkt zu einer Kundgebung für den Erhalt preiswerten Wohnraumes und gegen den Abriss der Grevenerstraße eingefunden. Die Sitzung des Bauausschusses war somit auch gut gefüllt, auf der über den Erhalt oder Abriss der Grevenerstr. 31 entschieden werden sollte.
Die Verwaltung stellte zunächst ihre Ergebnisse u.a. aus einem Gutachten des Architekturbüros Knoche und Partner vor, welches einen sofortigen Sanierungsbedarf für das Haus von insgesamt 700.000 Euro vorsieht. Dieser Sanierungsbedarf wird von der Verwaltung als unrentabel eingestuft. Zudem stellte die Verwaltung in einer Powerpoint-Präsentation dar, wie die städtebaulichen und verkehrstechnischen Gegebenheiten zu bewerten seien. Entgegen den ursprünglichen Absichten des noch aus den 70er Jahren stammenden Bebauungsplanes ist kein Ausbau der Grevenerstraße mehr vorgesehen. Lediglich Parkstreifen und begrünter Mittelstreifen sollen einen Abriss des Hauses Grevenerstr. 31 rechtfertigen. Der an dieser Stelle dringend benötigte Fahrradweg ist nach Plänen der Stadtverwaltung auch ohne den Abriss der Grevenerstr. 31 zu realisieren, wie sich heute herausstellte. Wann dieser Straßenaus- bzw. neubau geschehen solle, konnte die Mehrheit aus CDU und FDP in der heutigen Sitzung ebenfalls nicht erklären.
Im zweiten Teil der Präsentation versuchte die Verwaltung mit verschiedenen Fotoansichten, dem wunderschönen Eckhaus von 1920 (siehe bild) seine quartiersprägenden Eigenschaften abzusprechen. "Von der Nordseite her sieht man das Haus fast garnicht", war eines dieser Argumente. Zudem sei eine Straßenverengung städtebaulich unschön und daher nicht zu empfehlen.

Die BewohnerInnen der Grevenerstr. 31 hatten dagegen ein eigenes Gutachten erstellen lassen und eine Woche zuvor das Angebot unterbreitet, das Haus käuflich zu erwerben, sowie 370.000 Euro in eine Sanierung zu investieren. Das städtische Gutachten hatte unter anderem einheitliche Türklinken, neue Fensterbänke, Linoleumböden, Gartenzäune, Gartenarbeiten und eine Satellitenanlage in den Sanierungsbedarf mit eingerechnet. Das Gutachten der BewohnerInnen ließ diese überflüssigen Dinge weg und berücksichtigte insbesondere auch die Möglichkeit, gewisse Arbeiten in Eigenleistung zu erbringen. In der Präsentation der Verwaltung, welche das Gutachten der BewohnerInnen wiederum vom Architekturbüro Knoche hatte prüfen lassen, kam zu dem Schluss, dass man für diese Eigenleistungen ebenfalls Kosten berechnen müsse und schlug auf den darausfolgenden zukünftigen Mietpreis kräftig drauf. Zudem nannte sie Massnahmen für 370.000 Euro lediglich eine Instandsetzung. CDU und FDP forderten insbesondere gegenüber der Opposition eine sofortige Umsetzung aller möglichen Energiesparmassnahmen für das Haus, ungeachtet dessen, dass solcherlei Aussagen wohl für grob geschätzte 50 Prozent des Wohnungsbestandes in Münster gelten dürften.
Grösster Knackpunkt des Tages wurde die Aussage der Stadtverwaltung, ein Verkauf des Hauses sei rechtlich nicht möglich, ohne ein Bieterverfahren einzuleiten. Diese Aussage wurde von der Opposition heftig angegriffen, eine weitere Prüfung von Seiten der Stadtverwaltung wurde daher erforderlich.

Alles in allem hatte die Verwaltung eine hervorragend manipulierende Präsentation vorbereitet. Die Mehrheit aus CDU und FDP, welche einen Abriss des besetzten Hauses aus ideologischen und finanziellen Gründen vorantreibt, machte dagegen keine besonders gute Figur. Ein Aufschub der Entscheidung und weitere Gespräche werden jedoch wohl kein Umschwenken der Mehrheit im Stadtrat bewirken. Weitere Aktivitäten werden daher folgen (müssen).

Häuser erhalten!
Selbstverwalten!
Grevener 31 bleibt.



Weitere Informationen zum Haus unter:
www.grevener-31.de

rund um die Häuserzeile Grevenerstraße:
 http://grevener.blogsport.de/

sowie zur Geschichte der Hausbesetzungen in Münster:
 http://www.asta.ms/hochschulpolitik/frauenstrasse.php
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Ergänzungen

noch mehr infos

(muss ausgefüllt werden) 09.12.2007 - 23:54
noch mehr infos zu dem haus unter:

 http://www.uwz-archiv.de/Grevenerstrasse-31.20.0.html