C.S.O.A. Casas Viejas, Sevilla, geräumt

s.l. 02.12.2007 22:33 Themen: Weltweit
Sie sind doch noch gekommen. Nach zwei Monaten Zermürbungstaktik wurde nun das C.S.O.A. (Centro Social Okupado y Autogestionado) „Casas Viejas“ in Sevilla geräumt. Die Räumung ging am Donnerstag, 30.11.2007 um 7 Uhr morgens los. Es dauerte anderthalb Tage, bis alle Besetzer_Innen draußen waren, da sich zwei Besetzer in einem Tunnel, vier Meter unter dem Gebäude, verbarrikadiert hatten.
Längere Mitteilung folgt noch, hier ein kurzer Überblick.
Das Casas Viejas (zu dt.: „Alte Häuser“) ist ein seit sechs Jahren besetztes Gelände, in dem diverse Projekte und Kulturveranstaltungen stattfanden. Am 05. Oktober erging schriftlich eine Räumungsaufforderung an die Besetzer_Innen. Diese jedoch verteidigten ihr „Recht auf ein würdiges Leben“ und beschlossen abzuwarten.

Fast zwei Monate nach der offiziellen Räumungsaufforderung war es dann soweit: Am Donnerstag, 30. November 2007, 7 Uhr morgens, liefen 60 Polizist_Innen auf. Die Angriffstruppe bestand aus Einheiten der Policia Nacional, Guardia Civil und Spezialeinheiten.
Die Versuche, durch das große Tor oder dem Seiteneingang zu kommen, scheiterten jedoch an der guten Verbarrikadierung. In der Folge musste die Polizei mit Hilfe von Leitern über die Mauer aufs Gelände.
Zunächst hielten sich vier gewaltfrei protestierende Besetzer_Innen in der Bibliothek auf, ehe diese schließlich mit unnötiger Brutalität herausgebracht wurden. Die Ausübenden der öffentlichen Gewalt waren jedoch mit weiteren Überraschungen konfrontiert. Zwei der Besetzer_Innen (Iván und Agu) verbarrikadierten sich in einem neu angelegten Tunnel, vier Meter unterhalb des Wohnhauses. Zudem wurde der Tunnel mit Strom und einem Ventilationssystem versehen. Die Besetzer_Innen ketten sich in diesem Tunnel an, so dass es unmöglich wäre, diese herauszuziehen, ohne ihnen die Hände abzuhacken. Immerhin sind sie selbst in Spanien noch nicht so weit mit der Grausamkeit.
Gleichzeitig fanden sich immer mehr Unterstüzer_Innen zusammen, die sich vor den Toren niederließen, um auch hier gewaltfrei gegen die Räumung zu protestieren. Die Polizei ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken, sondern trieb die Menschen zurück, den Knüppel nach belieben schwingend. Die vier oberirdischen Besetzer_Innen wurden recht schnell eingefahren. Den beiden unterhalb des Casas Viejas erging es weniger gut. Die Polizei ließ über 24 Stunden keine Sanitäter_Innen zu ihnen, und auch den Anwält_Innen wurde etliche Stunden der Zugang verwehrt. Iván und Agu jedoch blieben 36 bzw. 38 Stunden unter Tage, um auf diese ungerechte Wegnahme eines alternativen Freiraumes hinzuweisen. Damit schafften sie es sogar, die Räumung des Casas Viejas als Thema in den nationalen Medien zu positionieren. Am Freitag Mittag schließlich verließen sie freiwillig das Casas Viejas und wurden von der Polizei mitgenommen.
Als direkte Reaktion auf die Erstürmung wurde das Centro Civico „Las Sirenas“ besetzt, ein staatliches Kulturzentrum, gelegen an der Alameda de Hercules, bedeutendster Treffpunkt des Zentrum Sevillas. Von hier aus gingen auch weitere Demonstrationen los, die bis zu 500 Leute umfassten, und die mit Nachdruck die Freilassung der Gefangenen forderten. Daraufhin wurden auch die Gefangenen sechs freigelassen; gegen alle laufen Anklagen wegen „zivilem Ungehorsam“ und „Störung öffentlicher Ordnung“, wobei insbesondere das Letzte keine der Angeklagte_N versteht.
Das „Las Sirenas“ wurde nach der Freilassung der Gefangenen wieder verlassen; Demonstrationen stehen auch weiterhin an. Auch in anderen Städten Spaniens, allen voran Madrid, entzündeten sich spontanen Solidaritäts-Demonstrationen. In Sevilla wird insbesondere die Demo „gegen bürgerliche Ordnung“ am 15. Dezember großflächig vorbereitet. Die Zerstörung des Projektes Casas Viejas wird nicht ohne weiteres hingenommen.

Hier findet sich ein von den Besetzer_Innen zuvor gedrehtes Video

Casas Viejas Vive!
La Lucha Sigue!
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Ergänzungen

Ein paar Videos als Ergänzung

Videoman 02.12.2007 - 22:52

Noch ein Video vom 29.11.07

aguirrecoleradedios 02.12.2007 - 23:05

Textänderung: nicht "ziviler" Ungehorsam

s.l. 02.12.2007 - 23:16
Den Besetzer_Innen wird nicht "ziviler", sondern "schwerwiegender Ungehorsam" vorgeworfen (vgl. indymedia - estrecho). Bitte um Änderung

Casas Viejas (zu dt.: „Alte Häuser“)

Anno Nühm 03.12.2007 - 19:48
Casas Viejas heißt zwar auf dt. „Alte Häuser“, aber gemeint ist damit ein andalusisches Dorf. Dort gab es in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen anarchistischen Aufstand, der von Militär und Bullen mit viehischer Grausamkeit niedergeschlagen wurde.

Der Kampf geht weiter

s.l. 03.12.2007 - 21:18
Der Kampf geht weiter. Companer_xs sind auf Brueckenpfeiler hochgeklettert und haben in 120 Meter Hoehe ein Plakat runtergelassen.  http://estrecho.indymedia.org/newswire/display/72509/index.php
Auch hierueber berichten die Medien bereits. Die Companer_xs sind nach eigenen Angaben gut versorgt und werden eingie Zeit da oben bleiben, um gegen die Zerstoerung eines Projektes fuer ein wuerdevolles Leben zu protestieren.

hier ein feature zu 1933

libertaria 07.03.2008 - 20:00
1933 wehren sich die Menschen des andalusischen Dorfes Casas viejas gegen die unerträglicher werdenden Lebensbedingungen. Es kommt zu einem Aufst and.