"Impaled Nazarene" auf PartySan Open Air 2008

D.R.T. 30.11.2007 14:38 Themen: Antifa
Die finnische Black Metal Band "Impaled Nazarene", voriges Jahr noch in der Kritik für ihre homophoben, militanten, und nationalistischen Liedtexte, darf nun im kommenden Jahr auf dem Metal-Festival PartySan Open Air in Bad Berka/Thüringen ganz unbehelligt auftreten.
Im vergangenen Jahr wollte die finnische Black Metal-Band "Impaled Nazarene" durch Deutschland touren und stieß dabei auf den Widerstand diverser lokaler antifaschistischer Gruppen als auch Schwulen- und Lesbenverbände. Dieser Widerstand wurde durch Texte der Band, in denen zum Mord an Schwulen, Lesben, und Kommunisten aufgerufen wird, und durch fragwürdige Interview-Aussagen der Band, zum Thema "Nationalismus", hervorgerufen. Durch den antifaschistischen und öffentlichen Druck auf die Veranstalter fielen mehrere Konzerte von "Impaled Nazarene" aus; dadurch wurde bezüglich der Homophobie, des Antisemitismus und Rassismus vieler - auch populärer - Black Metal-Bands eine kontroverse Debatte innerhalb der Szene ausgelöst. Daran beteiligten sich auch Musikzeitschriften wie das "Rock Hard" oder das "Legacy". Es wurde davon gesprochen, der Gefahr einer "braunen Unterwanderung" der Black Metal-Szene den Kampf ansagen zu wollen und in diesem Zusammenhang gegenüber solchen Musikern, die sich fragwürdiger Inhalte in ihren Liedtexten und Interviews bedienen, keine falsche Toleranz mehr gelten lassen zu wollen.
( http://de.indymedia.org/2006/05/146378.shtml)

Insbesondere die Veranstalter von Metal-Festivals verpflichteten sich zu einer strikten Gesinnungskontrolle bei Bands und Fans, damit weder den Musikern, die mit rechten Gedankengut sympathisieren, noch den Fans, die solches Gedankengut befürworten und teilen, eine öffentliche Plattform geboten wird.

Mittlerweile scheinen diese guten Vorsätze nicht länger zu gelten. Denn obwohl sich die Band "Impaled Nazarene" von der Kritik an ihren Texten/Aussagen und der sich daran anschließenden Kampagne gegen ihre Deutschland-Auftritte völlig unbeeindruckt zeigt und man sich stattdessen als das Opfer einer Verschwörung, welche sich gegen die Meinungsfreiheit richtet, darstellt (Sänger Mika Luttinen im "Zero Tolerance Magazine #20": "I was kind of thinking that these things will fade away," Luttinen says, "but it seems that I was completely wrong. I just don't understand how it's possible that some left-wing punks can have such influence and such power, that they can actually cancel whole tours. I mean, they just say that this artist is right-wing and everybody will say, 'Yeah yeah, that's true, let's ban them.' One of the foundations of the European Union is that you're supposed to have freedom of speech and freedom of religion. The basic rights in the last three or four years are completely destroyed in Germany..." ->  http://www.ztmag.com/mainframe.htm), erhält diese Band wieder die Einladung zu Konzerten in Deutschland.

So wurde nun bestätigt, dass "Impaled Nazarene" auf dem renommierten PartySan Open Air in Bad Berka, im August 2008, auftreten dürfen. Auf Kritik an dieser Einladung antwortete "Mieze", einer der Veranstalter des PartySan Open Air, folgendermaßen: "Aber was du da an pc - Gelaber abläßt, läßt in mir die Frage aufkommen, ob du überhaupt in der Metal-Szene zu Hause bist. (...) Wir werden uns nicht auf das Niveau von verschiedenen S/L-Verbänden einlassen, da es uns egal ist was irgend jemand für sexuelle Vorlieben hat, solange er diese mit mündigen Personen, die dieses aus freien Willen mitmachen, praktiziert. Deswegen kann man S/L nicht gleich eine Sonderrolle im gesamten Universum zukommen lassen.
Fazit:
Wir sehen Impaled Nazarene durchaus im Tolleranzbereich der textlichen Ergüsse anderer Zeitgeister und sind sehr froh die Jungs 2008 bei uns zu haben!" (->  http://www.party-san.net/forum/viewtopic.php?t=1742)

Wieder einmal bestätigt sich hier der Vorwurf aus antifaschistischen Kreisen an die (Black) Metal-Szene, dass man gegenüber allem tolerant ist was von rechtsaußen kommt, aber bei jeder linken Kritik an den "textlichen Ergüssen" solcher "Zeitgeister" die Reihen fest geschlossen hält und sich das als "politische Einmischung" verbitten will.
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Ergänzungen

mehr facts zu IN

white noise 30.11.2007 - 17:09
ein offener Brief einer Antifagruppe zu dem Thema an einen Veranstalter vom letzten Jahr:
 http://freeweb.dnet.it/antifhain/fenster_impalednazarene.htm

turnitdownartikel:
 http://www.turnitdown.de/633.html

´n Beispiel gefällig?

jaja 30.11.2007 - 17:13
Im folgenden der Text des Songs ZERO TOLERANCE vom Album "Death Comes In 26 Carefully Selected Pieces" aus dem Jahre 2004:


"Why should we tolerate pansy faggot shit
Not even in an animal world male sucks male dick

Crawl back under the rock you faggots came from
This is real fucking world, fuck your inferior rights!

Zero tolerance, no fucking rights
Monkey fucks monkey, punishment is A.I.D.S.

It is disgusting!!

Listen you fucking homo boys, your time has come
And if you are a lesbian, you still got a cunt to rape

IT IS UNNATURAL!!"

Stimmt, das hat mit Homophobie wirklich nichts zu tun... Die sind wirklich total missverstandene Künstler...
Ma ganz im Ernst: wer solche Texte singt, sollte wirklich nicht rumjammern, wenn man ihm Schwulenfeindlichkeit vorwirft.
Das is einfach nur reaktionärer Mist, verpackt in ein pseudo-rebellisches Umfeld.
Ich auf jeden Fall würde kein Festival besuchen, wo diese Band spielt.

nach weiteren Wegen suchen

heavy metal 30.11.2007 - 17:37
Es wäre schön, wenn die/der Verfasser_in einige Textzitate von der Band gebracht hätte. Nur wenigen wird diese Band bekannt sein und auch in Black Metal Fankreisen ist sie nicht der heisseste Scheiß bzw. der kälteste Schnee.
Mit dieser Band und der Kampagne dagegen verhält es sich ähnlich wie bei der allerersten mir bekannten großen Kampagne gegen rechte Musiker in Deutschland: den eckeligen Bösen Onkelz, oder auch später gegen Type O'Negative.
Zwar sind die Argumente gegen die Bands Eingeweihten gut nachvollziehbar, aber nicht den Leuten, die dafür Geld ausgeben, den "Fans" eben. Denen sind die Texte anfangs meist völlig egal. wird eine Band dann groß und als rechts skandalisiert, zieht sie plözlich viele Nazis an. Gelingt es hier nicht, diese Band oder die Nazis zurückzudrängen, beginnt der gefährliche Abschnitt: die dritte Fangeneration denkt, dass "rechts-sein" ihrer Idole sei etwas ganz normales und folgt dann den rechten Rattenfängern.

Also, skandalisieren alleine hilft wenig.
Ist es materiell möglich, aus eigener Kraft solche Konzerte zu verhindern, sind diese Begründungen ausreichend.
Ist dieses nicht möglich, kann sich nur durch langfristige Intervention und Auseinandersetzungen in Fanforen, Leser_innenbriefen etc. Bewußtsein entwickeln. Und natürlich auch durch Auseinandersetzungen mit den kommerziellen Veranstalter_innnen. Schließlich sind Musiksubkulturen immer auch zutiefst kapitalistisch. Reine Idealisten, die völlig ohne finaziellen Eigennutz über lange Zeit Konzerte organisieren, Platten/CDs aufnehmen oder herausbringen, sind in jeder Musikszene absolute Seltenheit.

Und das die Mehrheit der Metalfans maximal zu Lippenbekenntnissen gegen Rassismus, Faschismus etc. ähnlich wie die Mehrheit der Bevölkerung hier bereit sein wird (wenn überhaupt), überrascht wahrscheinlich niemanden.
Die wenigen linken Metals haben eigentlich schon einiges bewirkt. Wenn es jetzt auf dem kommenden Party.san wieder einen Rückschritt gibt, wird es nicht der einzige bleiben, aber es heißt auch nicht, dass die gesammte Metalszene sich jetzt nach rechts öffnet.
Wie in vielen Jugendkulturen halte ich skandalisieren alleine für wenig hilfreich. Die Skandalisierten nutzen das vielmehr zu ihrem (meist finanziellen) Vorteil.
Die Arbeit der letzten Jahre war positiv, das rechte Potential konnte hier und da eingeschränkt werden.
Nur weiter so!


Weitere Informationsmöglichkeiten:

Metal Fans gegen Nazis:  http://profile.myspace.com/index.cfm?fuseaction=user.viewprofile&friendid=204938152

DORNBUSCH/KILLGUSS: Unheilige Allianzen - Black Metal zwischen Satanismus, Heidentum und Neonazismus [Buch], rat (reihe antifaschistischer texte), UNRAST-Verlag, Hamburg/Münster 2005.

PSOA - Keine NS-Veranstaltung

Sebastian Brant 01.12.2007 - 00:42
Man mag über IN streiten und soll das auch hier gern tun. Bitte stempelt aber das PartySan-Open-Air (PSOA) nun nicht als rechtslastige Veranstaltung ab. Denn dies ist das einzige mir bekannte große Death & Black Metal Open Air, das sich aktiv und reflektiert mit Nazis in der Szene auseinandersetzt. Dies war insbesondere in diesem Jahr zu sehen, als etliche Menschen mit eindeutigen - aber nicht verbotenen - Nazisymbolen bzw. eindeutig rechtslastigen Band-Shirts nicht auf das Gelände kamen oder später rausgeworfen worden sind. Im Forum ging es danach hoch her: Das PSOA wäre nun linksradikal geworden und hätte sich Antifa-Schläger eingekauft, bzw. die ganze Security würde von "der" Antifa gestellt und so weiter und so fort. Man hat also das rechte Klientel, das sich unter dem Schutzmantel Metal ein paar frohe Tage machen wollte, immens ans Bein gepinkelt. (Diskussionen in mehreren Threads nachzulesen unter:  http://www.party-san.net/forum/viewforum.php?f=20&sid=da5ec30b73be26127c1d5bcde1f634b8) Selbst ein T-Shirt "gegen NSBM" (NS-Black-Metal) wurde zum Selbstkostenpreis von 5 € quasi verschenkt, um eine klare Botschaft auszusenden.

Das heißt natürlich nicht, daß das PSOA nun links wäre oder ähnliches. Aber darum geht es eben auch nicht. Das ist ein Metal Event, bei dem man auf Nazis keinen Bock hat und ansonsten ganz gern und ausgelassen feiert. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die klare Distanzierung gegen rechts sollte hier ausreichen. Konzerte sind keine Politveranstaltungen, ein Songtext nicht gleich Statement einer politischen Debatte. Das PSOA hat sich eindeutig positioniert, mehr sollte man nicht erwarten.

Was IN das fabriziert nicht nicht nur keine hübschen, sondern dumme Texte. Aber was solls. Auch im subkulturellen Musikbereich sollte es so etwas wie künstlerische Freiheit geben, selbst wenn Dünnschiß fabriziert wird. Wenn man sich dann aber nur einzelne Bands wegen grenzwertiger Texte herausnimmt, ist das wenig verständlich. Denn aus emanzipatorischer Sicht ist so ziemlich alles, was vom Pop-Himmel und der Schlager-Alm auf uns herabrieselt unerträglich. Da ist der fortwährend gepriesene Imperativ der heterosexuellen Beziehung, das romantische Liebesideal, das Glück im Kleinen und Kinder / Karriere (je nach Gender) als Lebenszweck. Klar, das kann man alles in die Tonne treten. Sollte es sicher auch. Dann ist das Leben aber auch etwas arm, wenn man nichtmal mehr zu ein bißchen Musik feiern darf, wobei der Text ohnehin nicht wirklich relevant ist. Man kann eben nicht immer nur LeTigre hören. Und politisch wenig Interessierte - unpolitisch gibt es ja nicht - im Antifa-Sprech als Nazis etc. zu bezeichnen, hilft da gar nicht und verhindert nur, linke Positionen zu verbreiten. Das sollten wir doch langsam mal gelernt haben, gerade aus den schon lange anhaltenden Debatten mit / über Punk. Die fruchtbarsten Diskussionen finden innerhalb einer Subkultur statt. Das PSOA hat mit seinm Verhalten dieses Jahr einen entscheidenden Beitrag gegen NS getan und das kann man auch mal als positiv werten.

Wegen einer doofen Band ein ganzes Festival oder eine Szene an den Pranger zu stellen ist selber dumm und hilf im Übrigen nicht weiter. Dissenz muß manchmal auch ausgehalten werden, das gilt gerade für die Kunst, wie armselig die Beispiele, die unter diesem Label laufen, auch sein mögen. Manchmal reicht auch ein Kopfschütteln und Weghören. Oder bei einem Festival eben der ausgiebige Aufenthalt am Bierstand.

Ich denke, daß wir derzeit wichtigere Kämpfe auszutragen haben als mal wieder eine ganze Subkultur über den rechten Kamm zu scheren.

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